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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-05-03 · 18 (3.5.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
18 (3.5.1912)
Date
1912-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 18 Dr. Bkochs Wochenschrift Sette 293 schon ein treffliches Stellenvermittlungsbureau für.die Schülerinnen abgibt, da eine permanente Ausstellung der besten manuellen und schriftlichen Arbeiten der Schülerinnen im Festraum stattfindet. Mehr als sonst im amerikanischen Vereinsleben tritt uns in dieser Mädchenschule weibliche Tätigkeit entgegen, alle Lehrkräfte sind weiblich, mit Ausnahme der Musik- und Gesangslehrer (besonders richtig finde ich den weiblichen Religions- und den weiblichen Schwimmunterricht), aber auch hier ist der Präsident (durch 11 Jahre der außerordentlich verdienstvolle Herr Nathan Myers), jetzt Herr Elkus, ebenso sind Schriftführer, kassier, ja fast alle Vorstände, namentlich auch im Mitgliederwerbekomitee und Einkaufskomitee, Herren. Als eigentliche Schulleiterin fungiert -Miß Olivia Leventritt, der neue Direktor ist Herr Collähan. Die Schule Hat gegenwärtig 27 angestellte, 9 freiwillige Lehrkräfte und 409 Schülerinnen, muß aber jährlich etwa 800 Anmeldungen zurückweisen. Das Schulgeld für die Schülerinnen wird vielfach durch die Fondsstiftungen ü 2500 Doll, für eine Schülerin aufgebracht, und auf diese Art haben besonders Eltern jungverstorbener wohlhabender Mädchen — auch unter ihnen wütet ia die Tuberkulose — das Andenken ihrer Minder festgehalten, so daß ich die Stiftertafel nur mit einigem Schaudern lesen konnte, da zum Glück eine derartige Iugendsterblichkeit bei uns nicht bekannt ist. Der Unterricht dauert 18 Monate in je zwei Kursen, Ferien gibt es nicht, und ist das Aufsleigen von einem Kurs in den andern je nach den fakultativen Fähigkeiten. Es leuchtet ein, wie praktisch dies für die Schülerinnen ist, die nach absolvierter Bürgerschule (d. h. der Schule, die unserer Bürgerschule entspricht) so früh wie möglich ins Erwerbsleben treten wollen. Nur während der christlichen Weihnachtswoche und der jüdischen Osterwoche, während 8 jüdischer Feiertage und 4 Nationalfesttagen (Washingtons Geburtstag, Unabhängigkeits-, Danksagungs- und Bußfest) bleibt die Schule geschlossen, während der Lehrkörper es sich einteilt, daß jede Dame einmal im Jahre vier Wochen Freiheit genießt. Der Lehrstoff ist eminent praktisch eingeteilt und bezweckt die Schule, die jungen Mädchen, die einem höheren Milieu angehören, als die der Baronin Hirschschule, sich auch weniger aus der Einwanderung rekrutieren, entweder für Bureau- oder Jndustriearbeit, nebstbei aber zu tüch-, tigen Frauen, Müttern, Töchtern heranzubilden. Daher ist Kochen, Haushaltung, Gesang, Musik, Schwimmen, Tanzen, Turnen, Hygiene, sowie Arithmetik und englische Literatur für alle obligatorisch, daran schließt sich eben die jeweilige Fachgruppe, entweder Sticken, Nähen, Kleidermachen, Modistern, oder kaufmännische Schrift, Stenographie, Buchhaltung, Korrespondenz. Gemeinsam beiden Gruppen sind die Kurse in Ethik und Redekunst, die man bei uns Mädchen dieser Klassen wohl nicht geben würde und die so viel zur Hebung des Niveaus der amerikanischen Arbeiter beitragen. In der Hygiene wird den Mädchen erste Hilfe und einfache Krankenpflege beigebracht: im englischen Unterricht wird mit der Beowulflektüre begonnen, Shakespeare, Milton, aber auch englische Zeitungen und Parlamentsberichte des 18. Jahrhunderts gelesen, so daß dieser Unterricht zwanglos tnit Geschichte und Geographie pnd der Geschichte des Befreiungskrieges, sowie Nationalökonomie und Soziologie verwebt ist: im Kochunterricht wird hauptsächlich auch Wert auf Kinder- und Krankenkost gelegt: sehr praktisch ist der Haushaltungskurs (Fleckputzen, Aufräumen, Krankenzimmerpflege (die Mädchen müssen auch für die Lehrerinnen kochen und servieren). Wie gut der Turn- und Musikunterricht ist, beweist, daß die Mädchen vielfach zu Schauturnen eingeladen werden und der Chor zu vielen Versammlungen, Eröffnungsfeiern, Grundsteinlegungen, nicht nur jüdischen, entlehnt wird. Im Redeunterricht werden öffentliche Uebungen veranstaltet und sind Preise für die besten Reden und besten Briefe bis zu 10 Dollars ausgesetzt, wobei durch dieses öffentliche Preisgericht wieder vielfache Kreise für die Schule interessiert werden: der Ethikunterricht wird auch in der Form einer .Art Diskussion zwischen Lehrerin und Schülerin geführt, und gibt es kaum eine Situation im Leben einer Frau, die nicht von allen Seiten beleuchtet, besprochen, beraten wird, wobei aber neben ernsteren Problemen auch Benehmen und Manieren gelehrt wird, woran es unsere unteren Schichten so besonders fehlen lassen, was in der so sormvollen anglo-amerikanischen Welt noch viel mehr auffallen würde als bei uns. Wir zweifeln nicht, daß, durch diesen Unterricht belehrt, das Kulturniveau nicht nur der Schülerinnen sondern mittelbar auch ihrer Familien bedeutend gehoben wird und sie auf eine ältere Generation rückwirken. Ebenso wird in den Näh-, Stick- und Modistinnenkursen sehr klugerweise Benehmen mit Kunden, mit Chefs, Benehmen bei der Annahme einer Stelle rc. gelehrt. Der Schwimm- und Tanzunterricht schließlich trägt nicht weniger zu jener Umformung bei, die Herr Dr. Bloch sogar bei älteren Leuten, die aus Galizien aüsgewandert sind, bemerkt hat. Wenn wir die gleich Atelieren ausgestatteten Schulsäle, wo fast nur Fenster, wenig Wände und ausgezeichnete Schulbänke vorhanden sind, besuchen, finden wir einen von unserer blassen, schlechtgewachsenen, zwischen überlautem und verschüchterten Benehmen abwechselnden, in Sprache und Benehmen von der christlichen Bevölkerung abweichenden Mädchentypus einen ganz andern voll Frische. Gesundheit, graziöser Schalkhaftigkeit, durch Sport gestählt, durch Bekanntschaft mit Kunst. Literatur und guten Manieren zu Damen herangebildeten, gleichfähig mit dem Mann im Erwerbsleben zu konkurrieren, als seine verständnisvolle Kameradin im Lebenskampf und in der Erziehung der Kinder zu werden. In diesen Mädchen, die ja fast alle schon in Amerika geboren sind, findet somatisch kaum mehr ein Unterschied mit ihrer ja meist auch dunkelhaarigen und dunkeläugigen christlichen Mitbürgerin statt. Und daß dieses Verschwinden der ja nicht ursprünglichen, sondern durch zwei Jahrtausende der Knechtschaft aufgezwungenen Rasseeigentüm^- lichkeiten nicht hindert, daß der amerikanische Jude, auch der gebildete, hundertfach mehr an den Formen seiner Religion hängt, als der europäische, das beweist auch der breite Raum, den der Religionsunterricht, der am Samstag gegeben wird, im Lehrplan dieser Schule einnimmt, wie schon erwähnt, von Damen gegeben, welche die Psalmen im Urtext mit den Schülerinnen lesen und zum Unterschied von unserem Gottesdienst von den Mädchen in der Synagoge singen lassen, wie denn der Glanztag der Schule die jährliche Konfirmation ist. an dem kein Mädchen unbeschenkt bleibt und zu der sich die Gründerin, Mrs. Louis, und alle Gönner einfinden. Verschwiegen darf auch nicht werden, daß zu dem guten Aussehen der Schülerinnen vielfach die genauen Untersuchungen der trefflichen Schulärztin Dr. Emilie Dunning Barringer beitragen, welche derart mit dem Lehrkörper zusammenarbeitet, wie es bei uns noch lange ein frommer Wunsch bleiben wird. Vermittels ihrer v Augen- und sonstigen Listen weiß sie jede Schülerinnw- . mentan vor Ueberbürdung zu befreien — natürlich auch die Ungeeigneten vom Schwimm-, Gesangs- oder Turnunterricht, sie frägt genau nach der häuslichen Ernährung ,^und ist imstande, durch die reichen Fonds dann für Auf- Hbesserung der häuslichen Küche zu sorgen, auf ihr Betreiben hat der Verein auf die schöne Einnahme versichtet, die ihm aus Vermietung seiner trefflichen unterirdischen Schwimmschule erwuchs, um jede Gefahr einer "Ansteckung zu vermeiden, sie entscheidet überhaupt, ob ein Mädchen ausgenommen wird oder nicht, sie führt

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