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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-26 · 17 (26.4.1912) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
17 (26.4.1912)
Date
1912-04-26
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Hr. 17 Sr. Blochs Wochenschrift geführt, wie viel Preise zur Heilung des leider noch immer vergebens gesuchten Heilmittels ausgeschrieben! So möge auch im neuen Heim jene innige Harmonie walten zwischen Humanität und Wissenschaft, zwischen spendender Laienwelt, die nicht nur an Finanzkraft sondern an praktischem Blick der Wissenschaft überlegen ist, und emsig im Laboratorium und am Krankenbett waltender Heilkunst nicht nur zum Segen des jüdischen New-Iorks, sondern aller Schwerkranken, denen hier gewonnene wissenschaftliche Errungenschaften zugute kommen, und es möge Herrn Jacob Schiff noch lange gegönnt sein, sich seines Werkes und dessen Wachstums zu freuen. _ C. Benedikt. Kteratur. „Templer und Jüdin" von Hans Pfitzner neu bearbeitet. Hans Pfitzner hat eine Bearbeitung von Marschne:s „Templer und Jüdin" vollendet. In dieser neuen Gestalt wird die Oper im Stadttheater zu Strahburg aufgeführt werden. Durch Kürzungen und Umstellungen ist die Handlung übersichtlicher und leicht verständlich geworden. Eine jüdische Kunstausstellung in Rewyork. In der Bronr House in Newyork ist gegenwärtig eine besonders interessante Ausstellung von Bildern und Skulpturen zu sehen. Sie besteht aus Werken solcher Künstler, die ihre Stoffe dem jüdischen Leben entnommen haben. Es sind zumeist Bilder aus dem East End, dem Newyorker Ghetto. Die Kritik hebt besonders die Werke von George Luks, Jerome Meyers, H. A. Mathes, Mar Weber, Samuel Halpert, A. Walkowih und Bernard Gussow, Victor D. Brenner, Jo Davidson und Samuel A. Weih lobend hervor. Reprise einer jüdischen Tragödie aus dem 16. Jahrhundert. Aus Paris wird uns geschrieben: Im hiesigen Theatre des chefs d’oevres gab es vorigen Sonntag eine interessante Premiere. Es wurde die Tragödie „Die Juden" von Robert Garnier, eines im 16. Jahrhundert berühmt gewesenen Tragödiendichters, gegeben, welche noch niemals ausgeführt wurde. Die weibliche Hauptrolle hat die Schwägerin Maeterlincks, Frau Reith Blanc, gegeben. Das Publikum folgte der interessanten Vorstellung mit lebhaftem Interesse. Stärk W., L y r i k (Psalmen, Lobcslied und Verwandtes.) [Die Schriften des Alten Testamentes III, 1)]. Göttingen 1911, Vandenhoeck und Ruprecht. Mk. 4.80, geh. Mk. 6.—. Dieses Unternehmen bedeutet eine Popularisierung der Wissenschaft im besten Sinne. So große Schwierigkeiten nun gerade ein Kommentieren der Psalmen, eine Fixierung der Zeitumstände, die den Hintergrund bilden usw., bereitet — was die Forschung bisher an einigermaßen Haltbarem oder doch Wahrscheinlichem zu Tage gefördert hat, wird hier ig flüssiger Darstellung und übersichtlicher Form vorgeführt. Ueber dem Ganzen schwebt der Geist eines Fr. Delitzsch, auf den Stärk sich auch in entscheidenden Punkten oder mit Zitierung besonders schöner Bilder beruft (vgl. S. 163). Die alt- und neuorientalischen Parallelen zur hebräischen Lyrik zeigen gerade bei der Verwandtschaft der Form umso eindrucksvoller den Abstand im geistigen Gehalt (XX.). Sehr ins Auge fällt die Unterscheidung der Völker nach Sprache, Gehalt und Hautfarbe in dem ägyptischen Sonnenhymnus (XXI.), gerade wenn man ihn mit Ps. 104 vergleicht. Das Gebet an Ischtar (XXVI.) und die Bußgebete (XXVII.) zeigen in manchen Partien fast wörtliche Uebereinst;mmung mit bekannten Psalmen, das arabische Liedchen 8. XXXII mit Spr. 3, 3 Wir verstehen die Redewendungen der Bibel umso besser, je mannigfacher ihre Anwendung. Sehr schön wird S. 6 »der Boden« geschildert, »auf dem das religiöse Lied erwachsen ist«. Daß bereits Theodor von Mopsueste im 5. Jahrhundert den 149. Psalm in die Makkabäerzeit verlegt, wird viele überraschen. Feinsinnig wird im Anschluß an Ps. 19, 1—7 auf 8. 71 die Naturpoesie der Hebräer charakterisiert. Ps. 8 wird 8. 73 mit Sophokles’ Antigone 332 ff. verglichen, aber mit Recht, nur um auch hier das Heidentum dem Judentum als Gelte 285 Folie gegenüberzustellen. In Ps. 103 wird »Gott ist die Liebe« (S. 77) als Motiv anerkannt. Daß Gott als Gott aller Frommen der Israels ist, »das ist echt israelitisch empfunden« (S. 78); darin wird dem Verfasser jeder beistimmen müssen. Ps. 83 mit der Notiz 1, Makk. 5, 1 ff. in Verbindung zu bringen, hat,, wenn auch nichts Zwingendes, so doch etwas Bestechendes, jedenfalls mehr als viele andere Hypothesen dieser Art für sich. Wenn dem Verfasser von Ps. 90 »eine männlich starke Frömmigkeit« zugebilligt wird, so klingt die Einschränkung auf der nächsten Seite (134), daß hier »kein Ewigkeitsstrahl« den heiligen Ernst verkläre, umso ungerechter. Gerade in seiner frischen Individualität wirkt der Psalm so mächtig. Wozu immer mit dem dogmatischen Maßstab bei der Hand sein? Ganz besonders angenehm berührt es uns, daß Stärk endlich mit der üblen Tradition gebrochen hat, den vierbuchstabigen Gottesnamen in der üblichen Weise zu transkribieren, daß er einfach, was dem Sinne der Psalmen allein gerecht wird, dafür das deutsche »Herr« gebraucht. Ä Nur können wir ihm nicht beipflichten, wenn er (8. 33) traditionsgemäß von »Israels Anspruch auf Herrenrecht in der Welt« spricht oder den Gott Israels im Hinblick auf Ps. 97 (S. 59) wieder, darin auch im alten Geleise, zum »partikularen Vulkan- und Gewitter-Gott« machen will, so wie wenn man etwa dem deutschen Dichter, der vom Schlachtengott und seinem Ungewitter spricht, den Glauben an einen Fetisch des Wettermachens zumuten wollte. Stärks Buch überzeugt uns wiederum, welchen neuen und vertieften Eindruck man von den Psalmen gewinnt, wenn man sie sachgemäß gruppiert. Wie mächtig als Gebetbuch, stärker als jedes moderne, wirken die Dank-, Bitt- und Trostgebete Ps. 65, 118, 138, 124, 66, 116, 27, 18, 74 u. a. m. (S. 83 ff.)! Sollte man es nicht mit einer solchen Psalmenauswahl für die Schulen versuchen? R. H. Mohr, Der Narrenbaum. Deutsche Schwänke aus \ier Jahrhunderten. Freiburg im Breisgau und Wien 1911, Herder, Mk. 2.50 K 3.—. Der sonst so verdienstvolle Verlag hat mit diesem Buche entschieden fehl gegriffen. Die bekanntesten und fadesten Geschichten sind hier zusammengetragen. Das einzige Spezifikum ist die Sorgfalt, mit der aller Judenspott aus älteren Sammlungen hier neu aufgewärmt wird. Diese unwahren, gehässigen Albernheiten rufen wahrlich nicht nach Auferstehung. R. Wilhelm Storitz’ Geheimnis, von Julius Verne. Autorisierte rechtmäßige Ausgabe. A. Hartleben, Wien. Geh. K 1. — , In »Wilhelm Storitz’ Geheimnis« ist es ein chemisch-physikalisches Rätsel, das der Verfasser zu lösen bestrebt ist, dessen seltsame Manifestationen das unheimlich-geheimnisvolle Gerippe der Erzählung bilden und die Aufmerksamkeit des Lesers bis zur letzten Seite in regster Spannung erhalten. Moritzchens Tagebuch. Mitgeteilt von Karl E111 i n g e r (Karlchen). Berlin, Louis Lamm. Mk. 1.80, geh. Mk. 2.50. Wir gestehen, dass wir diesem Gemauschel, das nichts mit dem »Jiddish« zu tun hat und uns nur im Gesichtsfeld der Antisemiten als Sprache der Juden anhaftet, nichts weniger als Sympathien entgegenbringen. Hat man diesen Widerwillen überwunden, so wird man dem bekannten Humoristen gern auf seinen heiteren Pfaden folgen. Doch sollte man diese Dinge den Budapestern überlassen. W. Edm. Edel, Der Witz der Juden. Berlin 1909, Louis Lamm Mk. 1.—. Ein unterhaltsames Büchlein mit Proben aus den entlegensten Quellen. P. Salomon Maimons Lebensgeschichte. München, Georg Müller. Geheftet Mk. 5.—, gebunden Mk. 7.—. Die neue Ausgabe dieses höchst interessanten Dokumentes eines originellen Geistes, der von dem tiefsten Niveau polnischer Mißwirtschaft sich zur Höhe eines Kritikers des philosophischen Kritizismus, erhebt, war ein Desideratum. Wie Kant und seine Zeit und neuerdings Kuno Fischer u. a. auf den Mann und seine Schriften hingewiesen haben, war längst eine Neuauflage zu erwarten. Jeder, der für jüdische Kulturgeschichte sich interessiert, muß das Buch gelesen haben. L. Wellenringe von Oscar Blumenthal. Preis broschiert 2 M., gebunden 3 M. Verlag von Georg Stilke, Hofbuchhändler S. K. u. K. H. H. des Kronprinzen, Berlin NW. 7. Die Einleitung des Bandes bildet eine Reihe von Betrachtungen: »Melancholien eines Sechzigers«, in welchen sich Oscar Blumenthal in sinnreichen und epigrammatisch zugespitzten Bemerkungen mit dem Alter auseinandersetzt. Im übrigen ist in dem sprühenden und humorvollen Buch nichts von Altersstimmung zu spüren. In all den Zeitglossen und GesellschaftsbiJdern, Satiren und Skizzen, Erinnerungen und Bekenntnissen, die sich hier zu einer bunten und fröhlichen Reihe zusammenschliessen, zeigt sich Oscar Blumenthal in seiner ganzen Frische, Unterhaltungskunst und überlegenen Menschenkenntnis. (In dem Aufsatz »Bei Hieronymus Lorm« wird der Antisemitismus Laubes gestreift.)

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