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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-26 · 17 (26.4.1912) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
17 (26.4.1912)
Date
1912-04-26
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 284 Dr. Vlochs innern lebhaft an alte Pnvatvillcn aus der Empirezeit, wie sie in Hietzing oder Versailles zu finden und sind alle durch Wandelgänge mit dem griechischen Tempel verbunden, ein Ganzes, welches trotz seiner anscheinenden Stilwidrigkeit einen höchst pittoresken Eindruck macht. Hier haben nun 663 Patienten im Jahre Aufnahme gefunden, zum Unterschied von Alland vollkommen, unentgeltlich und gestatten es die Mittel und die Bauart der Anstalt, auch unheilbare Fälle zu einem Fünftel der Gesamtpatienten aufzunehmen. Das Atter der Patienten ist von 2 bis 62 Jahren; die Heimat der Patienten zur Hälfte in Rußland, zu einem Viertel in Oesterreich.-Ungarn zu suchen, nur ein Zehntel sind geborene Amerikaner. Ein Fünftel der männlichen Patienten sind Schneider, ein Zehntel Schulkinder; die Frauen zu zwei Dritteilen ohne Beruf und Familienmütter. Außer den vier Hausärzten besorgen neun New-Iorker Aerzte den Consiliardienst, einige haben bis 34 Dienstreisen ins Heim gemacht, ebenso 17 Aufsichtsräte, von denen Herr Schiff unglaublicherweise trotz seiner vielfachen Tätigkeit 16mal das Heim besuchte. Erster Direktor der Anstalt ist Dr. Siegfried Wachsmann, der vor einigen Monaten zum Professor für klinische Medizin an einer spez-fisch katholischen Universität, — gestiftet von Katholiken für Katholiken — ernannt worden ist. Der durch strenge Wahrheitsliebe ausgezeichnete Bericht spricht nur in einem Zehntel der Fälle von ^Scheinbarer Heilung", doch sei nur bei einem Neuntel gar keine Besserung zu verzeichnen, ein Zehntel gestorben. Der Chefarzt Dr. Ludwig Rosenberg erblickt mit eine Hauptaufgabe der Sanatorien darin, den Patienten nach Verlassen der Anstatt bessere Lebensbedingungen, und ein Verpflanzen aus der Großstadt zu ermöglichen, was enorm schwer ist, weil doch gerade Feldarbeit für derartige Kranke schwer ist, allerdings bei dem maschinellen Betriebe drüben leichter als bei uns. So hat er in den letzten drei Jahren bei der großartigen Farmwirtschaft der Anstalt und in der großen Gärtnerei erfolgreich seinen Schützlingen auf gedeihlichste Art einen landwirtschaftlichen Unterricht erteilen lassen, wie für Kinder und Erwachsene, die des Englischen noch ntcht mächtig sind, eine ausgezeichnete Schule von den Aerzten und Schwestern abgehalten wird, Neuerdings möchte ich unserer jüdischen Adolescentenwelt Vorhallen, daß der mit dem Montefiorehaus verbundene Juniorenbund sehr oft Ausflüge in das Heim veranstaltet, wobei die reichen jungen Herren und Damen nicht uur reichliche Jausen für die Patienten milbringen, sondern durch Gesellschaftsspiele, theatralische Veranstaltungen und Konzerte die Heimler zu erheitern suchen, und auf diese Psychische Aufheiterung legen die Aerzte. speziell bei Phthysikern den größten Wert. Ich darf wohl hier aus der Schule plaudern und erwähnen, daß wir im Frauenhort Aehnliches für unser Arbeiterinnenerholungsheim in Seebenstein versucht haben — wo doch nicht die geringste Gefahr einer Ansteckung vorliegt, daß aber von den etwa 50 Jndustriellen-Töchtern, die wir einluden — eine einzige unserer Einladung gefolgt .ist. In den Enkelinnen und den Urenkelinnen jener Zungen Damen, die einst den Mädchenunterstützungsverein von ihrem bescheidenen Taschengeld gegründet, scheint leider der alte Geist jüdischer Frauenuohltätigkeit nicht mehr recht lebendig, und ist es noch leichter Geld, als tätige Mitarbeit zu finden. Doch kehren wir von unserm Ausflug in die New- Iorker Berglandschaft zum freundlichen Mutterhause zurück. Nrcht mehr lange werden wir in demselben verweilen, denn in Jahresfrist wird es hoffentlich Herrn Jacob Schiff gelungen sein, mit seinem Stab von Mitphilanthropen das neue Heim in einem noch ziemlich unverbauten Gartenhügelviertel New-Iorks (Gunhillroad) zu eröffnen, das nach übereinstimmendem Urteil aller medizinischen Fachautoritäten für mindestens 10 Jahre unserer raschlebenden Zeit das Musterkraukeuhaus von Amerika bllden wird. Der sonst so solide Bankier hat sich nicht gescheut, ein Präliminare von 2 Milli- WochAischrift ^r. 1 ouen Dollars aufzustellen, obwohl sein Vorstand nur im glücklichen Besitz von ^Millionen Dollars ist. Doch wurde ihm von sämtlichen Präsioien und Vereinsmitgliedern nicht nur Absolution, sondern lauteste Akklamation zuteil, daß er so felsenfest sein im Palladiostil erbautes Palais mit den kleineren Palastadnexen für Tuberkulose und pathologische Anatomie auf den Wohltätigkeitssinn der New-Iorker Judenschaft aufbaue. Das Spital hat bis jetzt seine Ausgaben für die Insassen (468 im Jahre 1912, also 112 mehr als in unserem Altersversorgungs-und Siechenhaus) ausschließlich aus Vereinsmitteln bestritten, außerdem 112 Familien der Patienten aus dem Julius Hallgartenfond unterstützt, 148 Patienten nach ihrer Entlassung unterstützt, was keine Kleinigkeit ist, da der Kopf in der Stiftung auf einen Dollar per Tag zu stehen kommt. Diese Mittel fließen dem Verein außer der obgenannten Juniorenliga von 4874 erwachsenen, 107 Kindermitgliedern, 262 Gründern und 195 Stiftern zu. Subventionen genießt er nur von der Nachbarsladt Brooklyn, weil er 50 Brooklyner im Heim hat, dafür wird aber in Kirchen und Synagogen fleißig für ihn gesammelt und ist der Verein mit Recht stolz darauf, sehr viele christliche Mitbürger zu Spendern zu haben, wie denn sein Mitgliedsverzeichnis ein wahres New-Iorker r>Hj§ti-I^i5e«-Verzeichnis ist. Besonders angemutet haben mich außer den zweihundert Stiftsbelten die vielen Höchzeits - und Silbernen Hochzeitsfonds, bei denen nicht nur die Ehepaare, sondern alle ihre Verwandten und Freunde beitragen, letztere statt der Hochzeitsgeschenke, eine viel dauerndere Form des freundlichen Gedenkens als die Ueberschüttung mit überflüssigen oder verwelkbaren Festgaben. In solcher Weise denkt die New-Iorker Plutokratie an ihren Festtagen der armen Einwanderer, denn wiederum sind nur 12 Perzente der Aufgenommenen geborene Amerikaner, wieder steht Rußland, dann Oesterreich in erster, resp. zweiter Reihe. Trotz des ausgezeichneten Aerztestabes, Dr. Siegfried Wachsmann an der Spitze, ist es natürlich nicht zu vermeiden, daß bei der Art der Kranken ein Drittel der Ausgenommenen jährlich im Hause stirbt, finden doch dort meist Krebs- und andere unheilbareKranke Aufnahme. Trotz dieses Wechsels kann aber das Spital leider nur 38 Perzent der Anmeldungen wegen Raummangels berücksichtigen, ein Perzentverhältnis, das von Jahr zu Jahr bei dem ungeheueren Anwachsen New-Iorks sich verschlechtert hat und verschlechtern wird. Das Spital begnügt sich aber keineswegs mit dem Ruhm einer WohltätigkeitSanstalt; es dient Hunderten von Aerzten als Ausbildungsstätte, die ja in den sonstigen Spitälern keine Gelegenheit haben, unheilbare Fälle zu studieren, und hat neben seiner ursprünglichen Bestimmung Veranlassung genommen, neue Heilmethoden ambulatorisch einzuführen, es hatte das erste Zander-Institut, das erste Röntgenkabinet in New-Iork und hat neuerdings die ausgedehntesten Salvarsanversuche in den Vereinigten Staaten bei Rückenmarkskranken gemacht, auf deren günstige Erfolge die gesamte Aerztewelt ihren Blick richtete. Die Einwanderung hat dem Spital nicht nur Patienten, sondern auch ärztliche Kapazitäten zugeführt, so den in diesem Jahre allzu jung verstorbenen Wiener Dermatologen Lustgarten u. v. a. j4p6ert die Bedeutung der Anstalt sür den klinischen Unterricht hat ihr das größte Wohlwollen der offiziellen amerikanischen Sanitätsbehörden und der Gemeindeausschüsse von New Jork und Brooklyn zugezogen, was um so merkwürdiger ist, als auch hier die Aerzte selbst in den rein fachlichen Ausschuß nur beratend zugezogen werden, wobei sich auch nicht einmal ein Konflikt zwischen Aerzten und Aufsichtsbehörde ergeben hat, obwohl doch dieser Aufsichtsrat, der auch den Einkauf aller Instrumente rc. besorgt, aus Laien, Fabrikanten, Kaufleuten, Bankiers, keineswegs aus akademisch - gebildeten Beamten besteht. Wie munifizent folgten sie jeder ärztlichen Anregung, wie haben sie selbst bei den Krebskranken jede moderne Therapie mit den größten Kosten ein-

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