Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 17 (26.4.1912)
- Date
- 1912-04-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 17 Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 283 die Universitätsprofcssoren Dr. Karl Beth, Dr. Leopold Königstein und Dr. Ludwig Nandel. Chefredakteur Julius Szeps, die Redakteure Dr. Moritz Dub, Adolf Gelber, Adolf Landau, kaiserlicher Rat Stephan Skrein, kais. Rat Lichtenstadt, Baurat Groß, Komponist Charles Weinberger, Präsident der Vcikelir-bank Seybel mit den Direkloren Broch und Kornfeld. Direktor der Deposi'enbank Franz Schönwald, Bankier kais. Rat Leopold Langer, die Mitglieder des Kultusvorstaudes Salo Cohn. Dr. Markus Spitzer und Karl Lemberger. die Kommerzialräte Leinkauf, Oskar Mayer von Gunthof und Max Schweiger, Verlagsbuchhändler Dr. Max Breitenstein sowie eine wahrhaft imposante Zahl von Vertretern des Richterstandes und Mitgliedern der Advokatenkammer und zahlreichen Freunden der Familie Bachrach, deren Erscheinen die außerordentliche Beliebtheit und Achtung bekundete, die Dr. Daniel Bachrach stets in so hohem Maße genossen hatte. Nachdem Oberkantor Morgenstern, begleitet vom ersten Kantor Jurberger und dem Chorpersonale, die Trauergesänge zum Vortrag gebracht hatte, wurde der Sarg auf den Döblinger Friedhof gebracht, woselbst die Beisetzung der Leiche erfolgte. Am offenen Grabe sprach m Namen des Advokatenklnbs Dr. Frey. Wien. (Todesfall.) Der beeidete Börsensinsal Ludwig Weishut ist nach langem, schweren Leiden am 20. d. M. gestorben. Weishut zählte zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Wiener Börse. Er hat, kurz bevor er sich in das Privatleben zurückgezogen hat, für die Unterstützung hilfsbedürftiger Börsebesucher eine große Stiftung gemacht. Wien. Nach einem kurzen, aber an Täuschungen und tragischen Wendungen reichen Leben ist Dienstag om 16. d. M. der plötzlich verstorbene langjährige Gemeindeangcstellte Herr Isidor Bunimowitsch im 46. Jahre seines Lebens zu Grabe getragen worden. Der Verstorbene hatte ursprünglich im Besitze einer herrlichen Stimme sich zum Kantor herangebildet, doch ein tückisches Schicksal beraubte ihn seiner trefflichen Stimmiitel, er kehrte rn bescheidener Stellung zurück und ertrug alle Prüfungen mit Hingebung und Gläubigkeit. Eine große Trauergemeinde, zahlreiche Beamte der Kultusgemeinde, Kultusvorsteher Herrn Max Zirner. die Bethausvorstände Herren kais. Rat L. v. Sachs, Dr. E. Münz. Anton Beck und Theodor Kohn fanden sich im Zentralfriedhofe ein. überdies seine persönlichen Freunde, die Sänger der großen Bethäuser, die mit Responsorien der herrlichen Funktion des Oberkantors Don Fuchs assistierten. Das Lebensbild des vielgeprüften, doch in ollen Lagen stets wackeren Menschen entwarf in erhebender Weise Herr Rabbiner Dr. Bach, namens der Freunde widmete Pro^. Nascher dem Toten einen ergreifenden Nachruf. Nachdem der Chasan der Schiffsynagoge Herr Müller am Grabe das ergreifende „EI mole iachamim“ rezitierte, wurde die Leiche des Herrn Bunimowitsch, der eine Witwe und zwei Kinder zurückiietz, ins Grab gesenkt. Austritte ans dom Judentum Vom 14. April bis inkl. 20. April 1912. BretschneiderAloisia,geb.28. Jänner 1891, Wien, VII., Enzingerstr.7' Friedländer Sofie, Private, geb. 14. Juli 1878, VII., Burgg. 6—8* Gussiatinsky Aisik, geb. 18. Mai 1877, Baehmut, II., Gr. Pfarrg. 23 Hainbach Isabella, geb. 2. April 1885, Czernowitz, XX., Staudingerg. 10- Hnppert Emil, Bankbeamter, geb. 13. November 1883, Gr. Pohlem, Schlesien, V., Schönbrunnerstrasse 115. Kobn Ludwig, Privat., geh. 19. März 1892, Wien, IX., Eiseng. 23. Konisch Anna Franziska, wohnhaft Troppau. Richter Otto, Bankbeamter, geb. 16. September 1881, Wien, I., Rauhensteingasse 8. * . * * Herr Max Hiss ist am 5. April a. c. zum Judentume zurückgetreten. Holleschau. (Chewra Kadischa-Neuwahl.) Beider am 7. April l. I. stattgehabten Generalversammlung wurde Herr Heinrich Beer, Chef der Kleiderfabriksfirma L. Beer's Witwe u. Söhne, einstimmig zum Präses der Cbewra Kadischa gewählt, der bisherige Präses Herr Max Beer vollendete an diesem Tage seinen 80. Geburtstag. Aus diesem Anlasse wurde derselbe in Anerkennung seiner unvergänglichen Verdienste um die Chewra Kadischa zum Ehren- Präfes auf Lebensdauer ernannt. Der Frauenverein hielt am 21. d. M. seine diesjährige Generalversammlung ab. Nach VerlesuM. und Genehmigung des Rechenschaftsberichtes wurden die langjährige verdienstvolle Präsidentin Frau Johanna Beer, die Vize-P^äsidentin F^au Rabbiner Dr. Freunau, die Schrisführerin Frau Oberlehrer Minder und Kaffier Herr Leopold Lustig, sowie Frau Paniine Tandler per acclamationem wiedergewähll. Das Ehepaar Beer, das in weiten Kreisen wegen seiner Wohltätigkeit sich der allgemeinen Wertschätzung erfreut, steht nunmehr an der Spitze unserer ersten Wohltätigkeitsanstalt. Möge es ihm gegönnt sein, noch recht lange zum Wohle der Armen und Hilfsbedürftigen zu wirken! .d. Holleschau. (Todesfall.) Die erste Familie hier ist in tiefste Trauer versetzt. Herr Josef Haas, Schwager unseres Kultusvorstehers des Herrn Carl Beer und des Bürgermeisters Herrn Leopold Zwillinger, ist am 20. d. M. in Purkersdorf gestorben. Dessen Leiche wurde hierher überführt und am 22. d. M. unter großer Beteiligung der hiesigen Bevölkerung zu Grabe getragen. In der Leichenhalle, die kaum die Trauergäste fassen konnte, hielt Se. Ehrwürden Herr Rabbiner dem Verstorbenen einen tiefempfundenen Nachruf, wobei er die Verdienste um die Gemeinde und die allgemeine Belieblh.-it des Verblichenen hervorhob. Die kantorale Funktion versah Herr Kantor Adolf Braunfeld in rührender Weise. Großwardein. Am 21. April fand im festlich beleuchteten Tempel die Trauung des Herrn Dr. Ivan Waldman aus Budapest mit Fräulein Klara Aufricht, Tochter des Mühlenbesitzers Moricz Aufricht, statt. Der Tempel war bis aufs letzte Plätzchen von einen distinguierten Publikum gefüllt. Dem Trauungsakie wohnte der gesamte Vorstand der Kultusgememde und der Frauenverein bei. Die Trauungsrede hielt Herr Oberrabbiner Dr. Kecskemety. Oberkantor Jenö Weis trug mit Chor und Orgelbegleitung die üblichen Hochzeitsgesänge vor. Beim Hochzeitsdiner erschien eine Deputation des Kultusvorstandes des Frauenvereines, geführt von dem Präsidenten Adolf Wechsler, welcher im Namen des Vorstandes und der anderen humanitären Vereine dem Brautpaare und Brauteltern die Glückwünsche übermittelte. DürrntaiF. Bei der am 1. März 1912 vorgenommenen Wahl des -Kultusvorstandes wurden folgende Herren gewählt: für den Kultusvorstand: Sigmund Dotter, Markus Mohorn, Moritz Fried, Daniel Löwy, sämtlich in Dürrmaul: Ersatzmänner: Louis Hübscher, Ignaz Wohlrab in Dürrmaul: in den verstärkten Vorstand : Rudolf Straub, Nathan Fleischner, Markus Löwy in Dürrmaul, Bernard Zimmer in Hinterkotten: Umlagetommission: Nathan Fleischner. Sigmund Dotter: Kassarevisoren: Josef Dotter, Josef Lauscher. Bei der am 21. April vorgenommenen Konstituierung wurde als Kultusvorsteher Sigmund Dotter, Stellvertreter und Rechnungsführer Markus Kohorn, Kassier Moritz Fried und Vethausvorsteher Daniel Löwy gewählt. Feuilleton. Das Monlrfiore Heim in N^-Uark. Haben wir neulich den Bau geschildert, der als Spital vom Berge Sinai der Heilung der kranken armen Nrw- Jukrr Juden geweiht ist, so wollen wir heute uns mit dem Heim befassen, das den Unheilbaren und chronisch Kranken die letzte Zuflucht bietet. Es wurde 1884 gegründet, ursprünglich als Altersheim für 30 Greise und ihm daher sinnigerweise der Name eines der gesegnetsten und rüstigsten Greisenalter gegeben, welches die moderne jüdische Geschichte kennt; aber schon 1888 wurde der schöne gemütliche Bau von heute errichtet, der im äußersten Nordwesten des damaligen New-Jork drei große Privatvillen in einem Garten umfaßt und durch einen Neubau vom Jahre 1893 für 275 Betten Platz gewährt, aber keineswegs mehr Greisen allein, sondern aller Arten von Siechen. Das erschreckende Anwachsen der Tuberkulose, welche gewöhnlich den ersten Einwanderer noch verschont, bei seinen Kindern aber ausbricht, veranlaßte den Vereinsvorstand, an dessen Spitze Herr Jakob Schiff steht, der wohl bei keinem jüdisch-phil anthropischen Unternehmen fehlt, aber im Montefiore-Heim sein L eblingskind hat, in einen der schönen, mit kleinen Seen geschmückten Fichteuhügellandschaften des Staates New-Iork, in den Bedfordhügeln ein großartiges New-Iorker Alland' d. h. eine Heilstätte für Tuberkulose zu gründen. Es ist in einem herrlichen Waldpark, mit dem sich natürlich europäische Wälder nicht vergleichen lassen, in einer sonnigen Rodung gelegen, und der Wanderer wird plötzlich in der Bergeinsamkeit vor einem ebenso schönen als interessanten Gebäudekomplex, vor dem auf einer heiteren Flaggenmastenreihe stolz und freudig das Sternenbanner weht, überrascht. Der Mittelbau ist ein jonischer griechischer Tempel, zwischen dessen Säulenreihen mehrere Ränge von Galerien eingebaut sind, und erst jetzt können wir uns durch die Menge der Liegebetten auf diesen offenen Galerien von dem Zweck des Gebäudekomplexes eine Vorstellung machen, der, wie fast alle amerikanischen Wohltätigkeitsanstalten, von ruhmredigen, aber die Insassen vielfach beschämenden Inschriften absieht. Die einzelnen Pavillons er-