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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-26 · 17 (26.4.1912) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
17 (26.4.1912)
Date
1912-04-26
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Bloch? Wochenschrift Seite 881 Raumen befinden sich die Küchen- und Wirtschaftsräume. Sie sind deshalb oben plaziert, damit die KÜchengerübe nicht in die Gesellschafts- und Arbeitsräume eindrinqen. Im übrigen aber hat jede Etage noch eine kleine Küche für sich. Nach der Besichtigung gab es einen Imbiß. Während der Tafel erhob sich der Präsident der Großlogs Herr Geh-imrat Timendorfer und gab namens des gesamten Ordens der großen Befriedigung Ausdruck über das, was man hier gesehen Er dankte den Ehrengästen, besonders dem Herrn Polizeipräsidenten, für ihr liebenswürdiges Erscheinen. Er dankte den städtischen Behörden, der Bauleitung und den Künstlern, allen, die am Bau mitgewirkt haben, und auch den Handwerkern. Den Künstlern namentlich deshalb, weil es ihnen gelungen ist, den Bau entsprechend dem Aufschwünge der Berliner Logen und der Kunst zu gestalten. „Die hier geschaffenen Räume reden auch zum Gemlite". Er dankte ferner den Vertretern der Presse. „Die P-esse hat ja im großen und ganzen die gleiche Aufgabe wie wir: für Wahrheit, Friede und Liebe zu allen Menschen zu wirken. Kein liebeloses Wort möge in diesen Rinnen laut werde!-: mögen in diesen Räumen nur Worte der Bruderliebe, der Eintracht, der Liebe zu Menschen und zum Vaterlande erklingen. Das ist unser Vorsatz und namens des Ordens lege ich das Gelöbnis ab, diesen edlen Vorsätz;n stets treu zu bleiben". Sehr bald darauf erhob sich Herr Polizeipräsident vonJagoW und gab namens der Ehrengäste dem Danke für die freundliche Begrüßung und Bewirtung Ausdruck. Er sprach den Wunsch aus, daß in diesem Hause alle Werke der Menschenliebe gedeihen mögen und auch die Erholung zu ihrem Rechte käme. „Mögen Sie alle belebt sein von dem Gedanken: Alle für Einen und Einer für Alle". Damit schloß der offizielle Akt. — Die feierliche Eröffnung des Logenhauses erfolgte dann in Form einer Festloge am folgenden Abeno. An ihr nahmen etwa 409 Logenbrüder teil, darunter das Exekut v- Komitee des Ordens mit dem Präsidenten Kraus an der Sp tz'. Daneben die Vertreter der Gemeinde Berlin, des Gemeindebundes, und einer Reihe anderer Korporationen, deren Tätigkeitsgebiet dem der Logen verwandt ist und von diesen gefördert wird. Unter den Klängen der Beethovenschen Hymne „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" erfolgte der Einmarsch der Logenbrüder. Für das Exekitiv- Komitee war ein besonderer T>sch reserviert. Die Reihe der Reden wurde mit einem Kaiserhoch eröffnet. Die Begrüßungsansprache namens der Logen hielt Herr Rechtsanwalt Story. Dann sprachen der Präsident der Großloge, G.h. Justizrat Timendorfer, der die Geschichte der Heimstätte der Logen in Berlin skizzierte, der 31jährigen Unterkunft der Logen im letzten Gebäude in der Wilhelmsstraße gedachte und seiner Freude über das wahrhaft glänzende neue Heim Ausdruck lieh, das man nun bezogen habe. Eine besonders eindrucksvolle Ansprache hielt dann namens aller geladenen Korporationen Herr Professor Doktor M. Philippson, der das große Gebiet der segensreichen Arbeit des Bne Bnth-Ordens hervorhob, die sich auf alle Gebiete menschlicher Wohlfahrt und Tugenden erstrecke. Er verwies insbesondere auch aus die dankenswerte Förderung der schließlich ja gleichen Zielen gewidmeten Arbeit des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes hin, besonders auf wissenschaftlichem und sozialem Gebiete. Namens des Ordens Bne Brith und des Exekutivkomitees sprach dann der Ordenspräsident Herr Adolf Kraus, der sich in Ausdrücken der Bewunderung über den prächtigen Bau erging, der seinesgleichen nicht in der ganzen Welt hätte. Dann sprachen noch die Herren Sanitätsrat Dr. Feilchenfeld namens des Vorstandes der Berliner Gemeinde, Herr Rabbiner Dr. Eschelbacher namens der Rabbiner, Herr Wisloch-Frankfart a. M. namens der auswärtigen Gäste, ferner die Herren Max Stein und der amerikanische Oöerrichter Philipp Stein vom Exekutivkomitee und Andere. Berlin. Die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums faßte vor 4 Jahren den Beschluß, unter dem Titel „Corpus Tannaiticum" eine kritische Sammlung sämtlicher aus der Zeit der Mischnalehrer stammenden literarischen Erzeugnisse herauszugeben. Sie bewilligte erhebliche Geldmittel für die Vorarbeiten, insbesondere für eine möglichst sorgfältige Vergleichung aller erreichbaren Handschriften, und ernannte eine Kommission von Fachgelehrten, an deren Spitze Herr Rabbiner Prof. Dr. Guttmann-Breslau trat, um die Grundzüge für diese wissenschaftliche Edition festzustellen. Man kam überein, folgende Werke in die Sammlung aufzunehmen: 1. die Mischna, 2. die Tosefta, 3. die halachischen Midraschim (Mechilta, Sifra, Sifre), 4. die in beiden Talmuden enthaltene halachische und agadische Baraita. Für die Edition der einzelnen Teile wurden geeignete Kräfte gewonnen. Mit der Herausgabe der Mischna ist Herr Dr. E. Baneth, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, betraut, dem sachkundige Mitarbeiter zur Seite gestellt wurden, damit die Vergleichung der zahlreichen Handschriften um so rascher von statten ginge. Die Vergleichung der in der rabbinischen Literatur des Mittelalters zerstreuten Zitate aus der Mischna hat Herr Dr. Horovitz, Dozent am jüd.-theol. Seminar in Breslau, freundlichst übernommen. — Die Vorarbeiten sind jetzt schon so weit gediehen. daß im Mai des nächsten Jahres der erste Band der Mischna (Seder Zeraim) zu erwarten ist. Tausend Juden in Fez ermordet. Wie gemeldet, hat sich die Wut der aufständischen Eingeborenen, die mit Muley Hafids „Verrat" unzufrieden sind, zuerst in Plünderungen, namentlich der „Mellah", des Judenviertels der Hauptstadt, entladen. Dabei ist es, wie jetzt bekannt wird, zu tinem ungeheuren Massaker gekommen. Telegraphisch wird dar-, er berichtet: Paris. 22. April. (W. T. B ) Nach einer Havasmeldung ans Tanger find bei der Plünderung des Judenviertels in Fez etwa 1000 Juden getötet worden. Die Zahl der verwundeten Juden sei sehr beträchlich und das Elend unter diesen sehr groß. Die Lage der Juden in Marokko ist von jeher eine sehr trau ige Nachkommen der vor Jahrhunderten aus den benachbarten europäischen Ländern vertriebenen Juden, sind sie bis auf den heutigen Tag in den maurischen Städten in besondere Viertel eingeschlossen und auf den Betrieb von Handel und Handwerk beschränkt. Da sie nicht, wie die christlichen Bewohner, ausländischen Schutz genießen, richten sich, so oft Unruhen ausbrechen, der Haß und die Blutgier der fanatischen Menge fast stets zuerst gegen die Mellahs, die schon oft in marokkanisch« n Städten der Schauplatz furchtbarer Ausschreitungen gewesen sind. Ein bezeichnendes Licht auf die Vorgänge in Fez wirft eine Mitteilung des „Matin". Dieser gibt bekannt, daß seinem Sonderberichterstatter von dem Gesandten Regnault verboten worden sei, irgendwelche Meldungen mittels Funkentelegraphie abzusenden. Ec habe nur telegraphieren dürfen, daß er sich noch immer in Sicherheit befinde, was recht beunruhigend klinge. Der „Matin" schreibt weiter: „D>e Nachrichten von der Niedermetzelung der französischen Offiziere ir b Zivilisten habe in der öffentlichen Meinung eine tiefgehende Bewegung hervorgerufen. Die Reqiernng hat geglaubt, den Gesandten Regnauil beglückwünschen zu müssen. An wen wird sie ihren Tadel richten? Es sind schwere Fehler begangen worden. Die Niedermetzelung unserer Landsleute hätte vermieden werden können. Die französischen Truppen sind-izur Befreiung der bedrohten Europäer am 21. Mai vorigen Jahres eingetroffen. Seit elf Monaten sind die Franzosen Herren der Stadt. Was ist seitdem zum Schutze unserer Landsleute geschehen?" Aus Taurirt wird gemeldet, daß in den letzten Tagen von Marokkanern zwei französische Soldaten getötet wurden, die als Lagerposten aufgestellt waren. Aus Madrid wird zu den französi'ch-spanischen Verhandlungen gemeldet: Die Vermirtlungsvorschläge Englands gehen dahin, daß Spanien an Frankreich ein größeres Gebiet im U?rgatal abtreten möge. Dafür solle Frankreich seine Ansprüche in der Gegend von Jfni vermindern. Nach einer Meldung aus Tanger sollen die aufrührerischen Soldaten in Fez den Leichen der ermordeten französischen Offiziere die Köpfe abgefchnitten, sie auf Lanzen aespießt und durch die Stadt getragen haben. Unter den getöteten Offizieren befinden sich zwei Jnfanterie- und zwei Artilleriehauptleute sowie ein Rittmeister. General Moinier ist gestern morgen in Fez eingetroffen, wo die Ruhe wiederhergestrllt ist Tagelange Pöbelherrschaft in der Hauptstadt Marokkos. Paris. Die ausführlichen Berichte lasten erkennen, daß de Aufruhr in Fez ungemein blutig war und daß die marokkanische Haupt stadt sich tagelang in den Händen eines blutdürstigen Pöbels befand Die Zahl der Opfer wird man Wohl niemals erfahren. Die offiziellen Berichte zählen nur die europäischen Toten auf und wissen nichts von dem armen Volk, das im Judenviertel niedergemetzelt wurde. Sicher ist. daß die Hauptstadt Marokkos für lange Zeit ein sehr zweifelhafter Boden für die europäische Knlturmiffion sein wird und daß Wiederholungen der letzten Ereigniffe nicht ausgeschlossen sind. Juden als Förderer der Kultur itt Italien. Die italienischen Blätter besprechen jetzt in sehr sympathischen Artikeln eine Widmung von 100,000 Lire, welche Dr. Gino Modigliani in Milano der italienischen Regierung gemacht hat. In seinem patriotisch gehaltenen Begleitbriefe an den Minister Credaro widmet Dr. Modigliani diese bedeutende Summe für die Zwecke der königlichen Kommission zur Herstellung einer Nationalausgabe sämtlicher Werke von Leonardo da Binci. Die Blätter heben aus diesem Anlaffe hervor, daß Dr. Modigliani auch für die Entwicklung der Aviatik in Italien schon sehr viel getan und sich auf solche Weise der hervorragenden kulturfördernden Tätigkeit der italienischen Juden in würdiger Weise anschließe.

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