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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-26 · 17 (26.4.1912) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
17 (26.4.1912)
Date
1912-04-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Blochs Wochenschrift Seile 279 Der Rechnungsabschluß wird sohin en bloc einhellig genehmigt. Dem Referenten wird für seine Mühewaltung der Dank votiert. Schluß der öffentlichen Plenarsitzung um 11 Uhr 20 Minuten. Tempelspenden: I m Tempel II-, Tempelgasse: Von Herren: Aloir Theumann 150.—, Hermann Witrofsky 100.—, Julius Bcck 70.—, Josef Kowanitz 60.—, Wilhelm Herzog 30.—, Rek?or Dr. Schwarz 30.—, Präs. Dr. Alfred Stern 125.—, Beruh. Engel 50.—, Julius Grobe! 100.—, Dr. Theodor Gutmann 145.—, Rabbiner Dr. Schmiedl!0—, Rabbiner Dr. Rosenmann 10.-, Martin Rosenberg 60.—, Ignaz Blum 100.—, Dr. Ed. Thaler 70.—, Siegmund Spiegel 20.—. Adolf Fein 20.—, Oberlehrer Jakob Kappelmacher 10.—, Josef Schimetschek 40.—, Jakob Pollak 500.—, rais. Rat Louis Vogel 100.—, Architekt Adolf Oberländer 150.—, Julius Figdor 75.—, Berthold Schindler 20.—, Oberkantor Josef Morgenstern 200.—, Josef Steiner 20.—. Bernhard Lichtenstein 20.—, Julius Figdor 30.—, Samuel Pckk 20.--, Moritz Oesterreicher 10.— Kronen. Von 30 Personen zusammen 2345.— Kronen. Enthüllungen über den Bürgermeister Neumayer. «Großes Aufsehen erregt eine Enthüllung, die der sozialdemokratische Abgeordnete Schuhmeier in einer Wählerversammlung anläßlich der bevorstehenden. Gemeinderatswahlen machte. Bürgermeister Dr. Neumayer hat als Bürgermeister die Ziehrerstiftung zur Verfügung, die die Familie Ziehrer der Stadt Wien zu Händen des Bürgermeisters im Betrage von 400,000 Zi. vermacht hat, deren Zinsen verarmten Wienern zukommen sollen. Dr. Neumayer unterstütze aus diesem Fonds seinen leiblichen Bruder. Der Bürgermeister hat Schuhmeier die Einsicht in die Akten verweigert, Schuhmeier sei aber nichtsdestoweniger in die Lage gekommen, sich vollständig einwandfrei die Beweise für diese seine Mitteilungen zu verschaffen. Der Bürgermeister, erzählte Schuhmeier weiter, behalte einen Verwandten, der des Diebstahls überwiesen sei, in städtischen Diensten. Im Naßwald war ein Förster angestellt, der vor das Disziplinargericht kam, dessen Vorsitz Dr. Neumayer geführt habe. Vor Jahren hatte Schuhmeier unter dem Bürgermeister Dr. Lueger eine Anzeige über Vergehen gegen das Eigentum im Naßwald erstattet. Er habe den Akt gesehen, auf welchen Dr. Lueger selbst geschrieben habe: „Neumayer darf nicht Vorsitzender der Kommission sein." Dann aber war Neumayer doch Vorsitzender der Kommission, in welcher die Verfehlungen seines Verwandten zur Ahndung zu kommen halten. Diese seien nachgewiesen worden, und er habe auch vor dem Magistratsrat Schmidtbauer zugestanden, vierzig Meter Schleifholz verkauft zu haben. Trotzdem sei er nicht entlassen worden, wohl aber ein anderer Förster, den er nicht verteidige. Der Bürger-- meister habe folgendes Schriftstück herausgegeben: „Ueber den Förster.habe ich mit Disziplinarerkenntnis vom 28. April d. I. (Zahl 2943) wegen verschiedener schwerer Pflichtwidrigkeiten die schwere Disziplinarstrafe der Degradation zum Forstwart verhängt und mit Erkenntnis vom 15. Juni d. I. diese Strafe auch in Ansehung zweier neu herausgekommener Fälle aufrechterhalten." Also trotzdem zwei neue Fälle vorgekomtnen seien, habe Herr Dr. Neumayer den Verwandten nicht entlassen. Als er deshalb den Bürgermeister im Gemeinderat angegriffen habe, hätte dieser gesagt: „Das ist kein Verwandter, das ist ein Verwandler eines Verwandten." Ein jüdisches Gymnasium in Wien. Seit Beginn dieses Schuljahres ist in Wien eine neue jüdische Schöpfung ins Leben gerufen worden, die. wenngleich noch wenig bekannt, das tatkräftigste Interesse aller derjenigen verdient, denen jüdische Erziehung und Bildung etwas gilt: nämlich das heuer eröffnete, vom Rabbiner Dr. Jung begründete Gymnasium im 2. Bezirke, Malzgasse 16. Die für eine ganz neue Anstalt immerhin beachtenswerte Schülerzahl zeigt, daß die Schule tatsächlich einem in Wien lang empfundenen Bedürfnisse, profanes Wiffen mit jüdischem Wissen und voller unbeschränkter Ausübung jüdisch-religiöser^ Pflichten harmonisch zu verbanden, entspricht. Denn so gut auch die öffentlichen Gymnasien sein mögen, den jüdischen Eltern, welche ihre Kinder in jüdischem Gerste auch weiterhin erziehen wollen, geben sie bis auf den Religionsunterricht, die samstägige Exhorte und einzelne jüdische Feiertage nichts viel. Die Weihe des Sabbaihs geht ihnen verloren und die ganze duftende Poesie des jüdischen Lebens geht an ihnen oft spurlos vorüber. An den Anstalten mit geringer jüdischer Schülerzahl geht der Unterricht ohne Rücksicht auf die Fehlenden unbehindert weiter, und so bringen die jüdischen Festtage der jüdischen Jugend oft doppelte Arbeit und der poetische Reiz des Festes, wie ihm die christlichen Kameraden beim Wechnachts-, Osier- und Pfingstfest inst der sehnsuchtsvoll andächtigen Stimmung empfinden, verliert für den jüdisch n Knaben seine Bedeutung. Und doch wäre auch das jüdische Schulleben so reich an schönen Festen, der Jugend wären unsere Chanukahm d Purimfeste, unser Simchas- Thora und Lag B'omerfest nicht ein leeres Wort, sondern ein volles frohes Erleben, welches sie noch enger mit ihrem angestammten Volke, mit seinen Leiden und Freuden verbindet. In einem jüdischen Milieu, von verstehenden gleich gesinnten jüdischen Lehrern gelecket, müßte sich dem jüdischen Kinde seine alte aus dem Vaterhause mitgebrachte Welt in schönerem und tieferem Sinne offenbaren: es braucht nicht nach dem Weihnachtsbaum oder dem bemalten Osterei seines christlichen Kameraden zu schielen. Das Judentum bringt ihm reichen und vollen Ersatz. Ein planmäßiges Studium des Hebräischen, eine gute jüdische Bibliothek, die Lektüre z. B. der ergreifend mächtigen Klagelieder Jeremias, der lieblichen Rollen Ruth und E'.her, der Psalmen rc, dieser erhabenen Kunstwerke internationaler Bedeutung, würde in den Herzen unserer erwachenden Jugend zumindest einen ebensolchen Nachhall finden wie die Lektüre Homers und Horaz. Goethes und Schillers. Das jüdische Gymnasium soll eine Musterschule werden, eine Musterschule, wie sie längst die jüdische Mittelschule in Frankfurt am Main geworden ist. Das was in Deutschland an mehreren Orten schon möglich war, das muß auch in Wien, wo jüdischer Opferfinn seine Heimstätte bat, möglich sein; denn schon vor 300 Jahren bestand hier eine Pflanzstätte jüdischen Wissens mit einem Internat und sogar christliche Gelehrte jener Zeit, Johann Wülfer, Wagenseil, Schudt, rühmen die allgemeinen wissenschaftlichen Bestrebungen dieser Schule. Unsere schwere Zeit stellt an den Juden eine doppelte Verpflichtung : ein umfangreiches allgemeines Wiffen, damit er sich im schweren Kampfe ums Dasein behaupte und eine große Liebe zu seinem Volke, zu dessen Sitte und Geschichte, damit er nicht wie so viele gerade unter den intelligenten Kreisen fahnenflüchtig werde, damit er die Kraft habe, mit ihnen zu leiden und zu kämpfen, mit ihnen zu fühlen und sich zu freuen. Denjenigen, die das wollen, steht das jüdische Gymnasium cffen; sendet euere Kinder d hin, werdet Mitglieder unseres Vereines*), werbet Freunde für unsere edle Sache. Zeiget, daß eine „Judenschule" eine Muster-, eine Ehrenschule ist, wie unsere berühmten Schulen es ehemals waren. Der Einsatz ist gering, tausendfach kann der Gewinn sein. I. M. L. Thora und Arbeit. (Ein interessantes Zeitdokument.) Wir berichteten jüngst von der in Czernowitz stattgefundenen vertraulichen Konferenz der bedeutenderen Rebbes aus Galizien und der Bukowina. Als Ergebnis dieser Konferenz versenden nun die Beteiligten das folgende Kommunique, welches wir mit Rücksicht auf seine hohe Wichtigkeit für die künftige Entwicklung der jüdischen Massen in Galizien und der Bukowina in deutscher Uebersetzung wiedergeben: „W>r versammelt: n uns zur Beratung über das Unglück unserer Generation, da wir zu unserem tiefen Schmerze sehen, wie die heilige Thora von der jüdischen Jugend vergksscn werden kann. Alle Synagogen und Bothe-Midrasch stehen leer, denn die Jüngli:ige laufen in die nichtjüdischen Schulen und Gymnasien, teils mit. teils ohne Zustimmung ihrer Eltern, alle aber unter dem Entschuldigungsgrunde, daß sie sich irgend eine Basis für die wirtschaftliche Existenz suchen muffen. Das Ende davon ist, daß sie sich von der heiligen Thora und von der Beobachtung der Gesetze des Glaubens entfernen. Aber auch jene Bachurim, deren Herz "nd Liebe zur Thora erglüht und die nach den in manchen Städten Galiziens und der Bukowina gegründeten Jeschiboth wandern, finden eine sehr geringschätzende Unterstützung, da sie täglich bei einem anderen Gemeindemitgliede mehr oder minder schlecht verpflegt werden, weshalb sie einen Abscheu vor dem Lernen in den Jeschiboth empfinden. Auch werden sie oft dort, wo sie „Kosttage" essen von verderbten Sitten nachteilig beeinflußt. Um nun dieser fürchterlichen Strömung die in allen jüdischen Städten überhand nimmt, Einhalt zu tun, da sonst alle jüdischen Jünglinge dem heiligen Glauben entfremdet und das strenggläubige *) Anmeldungen und Spenden, die ausgewiesen werden, übernimmt der Kossier, Herr Emil Neurath, II., Untere Augartenstraße Nr. 15—17.

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