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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-26 · 17 (26.4.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
17 (26.4.1912)
Date
1912-04-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 17 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 275 Zorn gegen das Heidentum! trüb und drohend in die Luft zu ragen schien. Wenn man die Ueberlieferung Mesopotamiens beachtet, so darf man die ersten Arbeiten an diesem Turm wohl in die früheste Zeit menschlicher Zivilisation verlegen. Man ist unterhalb des von Nebukadnezar aufgeführten Turmes auf ein viel älteres Bauwerk gestohen, und die so freigelegten Fundamente können mit ziemlicher Sicherheit als Teile jenes Gebäudes betrachtet werden, an das nach dem Verfasser der Genesis die wunderbare Geschichte vom Turm zu Babel geknüpft ist. Es ist beachtenswert, daß Nebukadnezar in seinem Berichte über die Wiederherstellung des Turmes fast wörtlich den biblischen Text wiederholt, der sich auf die geplante Höhe des Bauwerkes bezieht. Jede Seite des viereckigen Fundamentes aus sonnengetrockneten Ziegeln ist noch jetzt etwa 135 Fuß lang, und die ganze Basis, die der Turm Nebukadnezars einnahm, läßt sich als doppelt so grob feststellen. Dieser Turm Nebukadnezars wurde auf Befehl Alexanders abgetragen, der an dieser Stelle ein noch gröberes Architekturdenkmal zum Gedächtnis an seine Taten aufrichten wollte. Aber Alexander kam nur nach Babylon, um zu sterben: sein Eedächtnismonument ward nicht erbaut, und so ist die Stätte wüst und leer geblieben bis auf den heutigen Tag." Die NrrßlaKair« des Wiener K«;ionis«in»: In Nr. 15 der „Oesterreichischen Wochenschrift" hat Oberrabbiner Dr. Güdemann an seine Amtskollegen in Galizien ein beherzigenswertes Mahnwort gerichtet. In Galizien herrscht noch immer die Sitte, den neugeborenen jüdischen Knaben, sogenannte „jüdische" Namen beizulegen, welche die später Heranwachsende Jugend mit vieler Mühe und Anstrengung aus ihrem Geburtsschein zu beseitigen bemüht ist. Vornamen wie Leib, Leibusch, Feiwel, Feibusch, sind nicht einmal jüdischen Ursprungs, bilden keine Zierden des Geburtsscheines und da die Aenderung des Vornamens auf gesetzlichem Wege vielfachen Hindernissen begegnet, greifen viele junge Leute zum letzten Auskunftsmittel und nehmen die Taufe, bei welcher Gelegenheit sie einen neuen Vornamen erhalten. Solchen Versuchen soll man die kommende Generation nicht aussetzen und deswegen mahnt der Oberrabbiner, bei der Wahl des Vornamens darauf bedacht zu sein, „daß in die Geburtsmatrikel nur landesübliche, allgemein gebräuchliche und verständliche Vornamen eingetragen werden". „Ich gebe zu bedenken, daß es unter den Mischnal e h r e r n und anderen großen Vorfahren viele gibt, die griechische Namen — Vornamen gab es damals noch nicht — geführt haben, Antigonos, Nikodemus, Dositheos, Theodoros, Symmachos und andere." In jenen Parteikreisen, die der Führung des Herrn Luzian Brunner folgen, wurden die Ausführungen des Oberrabbiners als eine Manifestation krassen Assimilantentums sofort erkannt und mit der bei den Wiener „Zionisten" vorwaltenden Sachkenntnis gewürdigt. So wird denn auch in der sogenannten „Jüd. Zeitung" dem Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann gehörig der Text gelesen; indeß die zu diesem Behufe produzierte Gelehrsamkeit ist dermaßen kostbar, daß sie der Vergessenheit entrissen zu werden verdient: »Ferner beruft sich Dr. Güdemann auf die Juden vor 2000 Jahren, welche griechische Namen anzunehmen pflegten. Weiß aber der Herr Oberrabbiner nicht, daß jene Juden auch Oberrabbiner oder halb und ganz assimilierte, in fremden Diensten stehende Hohepriester waren? Weiß er nicht, daß die Juden nur zu Zeiten des tiefsten Niederganges fremde Sitten nachäfften und sich fremde Namen beilegten? Empfindet er nicht, daß es gerade einem Oberrabbiner nicht ziemt, sich Beispiele aus der Zeit der tiefsten nationalen Schmach zu holen?« Zorn und Beschämung zugleich empfindet man beim Begegnen solcher kläglicher Unwissenheit in den Spalten eines „jüdisch"seinwollenden Blattes! Ist denn in der ge. samten Redaktion der sogenannten „Jüd. Zeitung" und in dem Wiener zionistischen Preßansschuß nicht eine einzige Person aufzutreiben, die einen ordentlichen jüdischen RUigionsunterricht empfangen, oder die „Sprüche der Väter" einmal in der Schule gelesen hat? Im dritten Absatz des ersten Kapitels von Pirke Aboth steht zu lesen: »Antigonos aus Socho war ein Jünger des Simon Hazzadik. Er lehrte: Gleichet nimmer jenen Knechten, die mit ihrem Dienst Anspruch auf Lohn verflechten; gleithet vielmehr jenen, die bei Uebung der Pflichten anspruchslos auf Lohn verzichten: Auf eurem Angesichte strahle Gottesfurcht in klarem Lichte.« Es ist traurig und beschämend zugleich, daß Leute, die eine „Jüdische Zeitung" „bedienen", Mtschnahlehrer von solchem Range nicht einmal dem Namen nach kennen, weder wer er war, noch wann er gelebt hat, dabei nichts destoweniger sich unterfangen, vor der jüdischen Öffentlichkeit dem Oberrabbiner Dr. Güdemann Belehrungen zu erteile» — über jüdische Geschichte. Am possierlichsten sind diese „Herren" Schriftsteller, wenn sie „geistreich" tun und witzig sein wollen. Man denke sich einen Esel, und zwar nicht einen figürlichen, sondern einen echten, keinen aus der Poesie, sondern einen wirklichen aus der Naturgeschichte, der sich am Klavier versucht. Eine solche Figur bitten diese Armen im Geiste, wenn sie witzig zu sein unternehmen. Was ihre Satire diesmal herausgefordert hat, war die in der „Oesterreichischen Wochenschrift" in Nr. 12, also vor fünf Wochen, verlautbarte Ankündigung einer Verlagsbuchhandlung über O st e r b i l d e r b ü ch e r. Eine Ankündigung von Osterbilderbüchern in der „Oesterreichischeu Wochenschrift"! — das mußte natürlich satirisch glossiert werden. Und dieses Literaturprodukt des Wiener „Zionismus" ist dermaßen possierlich, daß wir es wörtlich reproduzieren, damit auch unfern Lesern der Genuß nicht entgeht. Unter der Ueberschrift „Rabbi Bloch als Osterhäschen" wird erzählt: »Herr Dr. Josef Samuel Bloch, Herausgeber der »Oesterreichischen Wochenschrift«, ist ein kranker Mann. Seit Dezennien schüttelt ihn schon das politische Fieber und wirft ihn von einem Ende der Temperaturskala zum andern.Als seine Glorie in Europa verblich, floh er vor einigen Monden nach Amerika und ließ sich dort als Retter des Judentums verhimmeln. Dieser Erfolg ist ihm so zu Kopf gestiegen, daß bei ihm nach seiner Heimkehr das Fieber in besonders akuter Form ausgebrochen ist. Rabbi Bloch bildet sich nämlich pariout ein, ein Osterhäschen zu sein: Für einen verflossenen Rabbiner immerhin eine merkwürdige Sache!« An dieser journalistischen Kunstleistung in jedenfalls mancherlei bemerkenswert. Zunächst das deutlich wahrnehmbare anstrengende Bemühen, geistreich sein zu wollen, einen „Witz" zu produzieren. Die Absicht gelingt allerdings nicht vollkommen, seit je bildet eine Jukongrmuz zwischen Wollen und Könr en, zwischen Wunsch und Gelingen die Tragik jedes großen Heldenschicksals; frühzeitig muß der Mensch Resignation lernen. Indeß ist auch die Dummheit eine Gottesgabe, darf darum ihr Privilegium nicht gar zu sehr mißbraucht weiden. Wir erinnern uns ganz genau, in dem offiziellen Organ der Wiener Zionisten, in der sogenannten „Jüdischen Zeitung" Ankündigungen gelesen zu haben, welche nicht bloß die Satire der Spottlustigen herausforderten. Wenn unser Gedächtnis nicht trügt, wurden den Lesern der „Jüdischen Zeitung" einigemal in besonderen Ankündigungen „Hygienische G u mm i w a r e u, allerbe st e s Original Pariser Fabrikat, diskret per Dutzend ä K 2, 4, 6, 8 bis K 16.— " angeboten. Desgleichen „Gummi-Spezialitäten allerbe st e orig. Pariser Fabrikate" zum Ankäufe feil- und ausgeboten. Eine weitere Ankündigung bot für die Leser und Leserinnen einer „Jüd. Zeitung" Mittel und Anleitung — dem bösen Storch, eine Nase zu drehen — eine zweifellos für Wiener Zionisten sehr wicht-ge Sache — angepriesen in schöner, deutlicher und bildlicher Datstellung.

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