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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-26 · 17 (26.4.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
17 (26.4.1912)
Date
1912-04-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 272 Dt. Blochs ÄSochenschr'rst Nr. 17 leichteren und sichereren Verkehrs der Ausgewanderten mit den Angehörigen in der Heimat. Ich erwähnte die traurige Tatsache, daß zahlreiche Briefe aus Amerika, welche Unterstützungsgelder für die Angehörigen in Galizien enthalten, mit leerem Inhalte ankommen. Tausende und Tausende gehen jährlich solcherart verloren, es sei deswegen eine dringende Aufgabe, die Uebermittlung der Unterstützungsgelder einer speziellen Emigrationsbank zu übertragen. Von seiten der russischen Juden wurde die Abhaltung eines solchen Emigrationskongresses in Wien dringend befürwortet und wiederholt urgiert. Indessen auf eine Anfrage des Vorsitzenden, Herrn Dr. Gustav Kohn, bei dem Philanthropen Herrn Jakob Schiff in Newyork, ob amerikan. Juden an einem solchen Kongreh durch Entsendung von Delegierten sich beteiligen werden, kam' nicht bloh eine verneinende Antwort, sondern Herr Schiff erklärte die Abhaltung eines solchen Kongresses für schädlich und sehr geeignet, die Bewegung zur Verschärfung der Bestimmungen betr. die Zulassung von Einwanderern außerordentlich zu steigern, so dah der Emigration aus der Abhaltung eines solchen Kongresses nur neue Hindernisse bereitet würden. Gegenüber diesem Votum eines Mannes von der bewährten Klugheit und dem erprobten Patriotismus eines Jakob Schiff haben wir keinen Mut, den Kongrehplan durchzuführen und die Herren aus Rußland, welche die Einberufung trotzdem urgiert haben, wurden an Herrn Schiff gewiesen. Am anderen Tag erhielt ich von der „Newyorker Staatsbank" eine Zuschrift, mit welcher sie meine Aufmerksamkeit darauf lenkt, dah sie als „Bank vom Volk für das Volk" dieser Aufgabe seit Jahrzehnten obliegt und alle ihre Prospekte in Englisch und Jüdisch zur Ausgabe bringt. Am 4. Januar abends fand in den weiten Hallen des Cooper Union die große Monstreversammlung, welche der Verband der galizischen und bukowinischen Juden aus Anlah Einer Anwesenheit „zur Ehrung des Gastes" veranstaltete. Gegen Zehntausende waren im Saal anwesend. Hunderte und Hunderte fanden keinen Einlaß mehr. Eröffnet wurde die Versammlung voM Verbandspräsidenten Herrn Bernhard Türkei, Leiter des Meetings war Herr Bernhard SeMel, Sprecher des Abends waren der greise Rabbiner Dr. Philipp Klein, der berühmte Lieblingsschüler des fel. Dr. Israel Hildesheimer, der an der Spitze der Ohab Zedek-Synagoge eine autoritäre Stellung im' Newyorker Judentum einnimmt, einer meiner Jugendfreunde aus der Rabbinerschule in Eisenstadt, ferner Kongreßmann Goldsogle, der Abgeordnete der Stadt Newyork, Stadtschulrat Josef B a r o n d e s, der Philanthrop Nathan Strauß, der gegenwärtig Palästina bereist und dort viele Wohltaten ausübt, dann die hebräischen Schriftsteller Isak Even und Reuben Brainin. Den Inhalt ihrer Reden zu rekapitulieren, müß ich mir versagen. Ich meinerseits dankte für die Kundgebungen der Sympathien, lehnte die übertriebenen Schmeicheleien ab und appellierte an die Versammlung, welche zum großen Teil aus wohlhabenden Mitgliedern des Galizischen Verbandes bestand, sich der armen notleidenden galizischen Brüder zu erinnern und eine Organisation zu schaffen, um der namenlosen Not in Galizien helfend beizuspringen. Ich gab einige Ziffern über die galizische Judenfrage, erzählte von der großen Komödie der Enquete, welche der galizische Landesausschuß veranstaltete, berichtete über die Tätigkeit des Wiener galizischen Hilfsvereines und schloß mit der Bemerkung, daß, wenn es der Versanrmlung darum zu tun ist, mir ihre Sympathie zu beenden, so könne sie es am besten beweisen, durch einen einstimmigen Beschluß eine Hilfsaktion für die galizischen Juden einzuleiten. Mit einem' solchen einstimmigen Beschluß endete diese große Versammlung, die nach Zehntausenden zählte, mehrere Stunden andauerte, ruhig und würdig, ohne die geringste Störung verlief. Als ich zusammen mit meiner Tochter beim Philanthropen Nathan Straus zu Gaste war, versprach er, das galizische Hilsswerk zu unterstützen. Herr Nathan Straus und seine Gattin sind echte, altjüdische Patriziertypen, einfach und vornehm zugleich, dabei von einer bezaubernden Liebenswürdigkeit, und ihr herrliches Heim atmet bei aller Feinheit und Pracht eine wohlige Behaglichkeit. Herr Straus, vom Präsidenten Taft zum Delegierten der Vereinigten Staaten für den Tuberkulosenkongreß in Rom ernannt, bereitete sich im Vereine mit seiner Gattin zu einer Europareise vor und sie luden mich ein, meine Rückfahrt in ihrer Gesellschaft anzutreten, wir vereinbarten den Tag der Abfahrt. Inzwischen wurde Herr Straus veranlaßt, die Gelegenheit zu benützen, auch P a l ä st i n a zu besuchen und wünschte darum einen früheren Termin für die Abreise; meine Angehörigen jedoch erhoben Einspruch gegen die Abkürzung meines Besuches und ich lehnte die Einladung ab. Einige Tage darauf erhielten ich, Mein Bruder Maurice Bloch und Mein Schwiegersohn Dr. Tartau eine Einladung zu einem Empfangsabend bei Herrn Jakob Schiff. Herr Jakob Schiff ist eine historische Figur, das europäische Judentum der Gegenwart be-< sitzt keine ähnliche Gestalt. Eine Finanzkapazität von amerikanischen Dimensionen, spendet er nicht bloß mit fürstlicher Großmut für alle jüdischen Wohlfahrtsinstitute; er ist unermüdlich, durch persönliche Teilnahme alles Gute und Edle zu fördern. Wird ein neues jüdisches Spital eröffnet, hat Jakob Schiff es nicht bloß mit einer reichen Spende gefördert, er erscheint auch persönlich bei der Eröffnungsfeier,- bei der Jahresversammlung der,Vereine für jüdische Waisenpflege ist er persönlich anwesend, das jüdische Siechenhaus besucht er sehr häufig im Laufe des Jahres; man sieht ihn bei der Predigt des Reformrabbiners Dr. Schulmann, wie in der orthodoxen Synagoge Orach chajjim beim Rabbiner Dr. Herz; er bemüht sich persönlich um alles, und hat Zeit für alles. Sein Heim ist voll von Kunstwerken; Architektur und Innendekoration sind da harmonisch zu einander abgestimmt. Wir waren pünktlich vor der Villa vorgefahren; Diener nahmen uns die Mäntel ab und geleiteten uns in einen großen Empfangssalon. Der Hausherr und seine liebenswürdige Gattin begrüßten uns mit großer Herzlichkeit. Im Salon fanden wir die Creme der Newyorker Gesellschaft, die prominentesten Vertreter des Newyorker Judentums, die Führer der großen jüdischen Organisationen, zunächst jener, welche der Emigrantenfürsorge gewidmet sind. Im Jahre 1911 hat sich ein National-Einwande? rungsvorstand gebildet, in dem 237 amerikanisch-jüdische Gemeinden von Ozean zu Ozean vertreten smd, und zwar durch eines oder Mehrere Mitglieder, die sich jährlich an einem bestimmten Tage in einer Stadt versammeln und denen sich die Gemeinden Canadas und der Antillen angliedern. Diese Organisation ermöglicht nicht nur das SamMeln von Spenden an den entferntesten Orten, sie soll in den Stunden kommender Gefahr (d. h. eines noch größeren Einbruchs von Einwanderern) raten und helfen. Dann besteht ein „Komitee amerikanischer Juden zur Führung und Beratung politischer Angelegenheiten". Die Mitglieder aller dieser Vereinigungen, sowie die Leiterinnen der Frauenorganisationen waren anwesend.

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