Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 266 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 16 Literatur. Cineiunati. Geehrte Redaktion! Der Artikel über Juda Pinhas in Nr. 11 Ihres geschätzten Blattes verdient besondere Aufmerksamkeit, da er die Teilnahme der.Juden an allgemeinen Kulturbestrebungen noch vor der Mendelssohnschen Epoche zeigt. Es wird daher Ihren Lesern von Interesse sein, zu erfahren, daß der Sohn Judas, nach den Andeutungen in der biographischen Skizze dessen Sohn, Salomon Pinhas 1788—1837, ein beliebter Miniaturenmaler in Kassel war und daß des Letzteren Sohn Jakob 1788—1861 ein tüchtiger Publizist wurde, der unter der Regierung Jeromes Herausgeber des offiziellen Moniteur des Königreichs Wefiphalen war, später die liberale „Kasielsche Allgemeine Zeitung" redigierte und auch an der Leitung jüdischer Angelegenheiten hervorragenden Anteil nahm. Er war Präsident des Vorsteheramtes und weltliches Mitglied des kurfürstlich hessischen Landesrabbinats. Ich habe ihm in der „Jewish Evcyclopedia" einen Artikel gewidmet. Ergebenst Gotthard Deutsch. Dr. Adolf Bacharach, »Recht und Phantasie*. (Aus der eigenen Werkstatt. Leipzig und Wien 1912, Hugo Heller & Cie. K 2.—). Ein Advokat hält einen Vortrag. Wenn ein Anwalt des Rechtes spricht, gilt es einem Angeklagten. Und diesmal ist der Gegenstand er selbst, sein Stand und Beruf, seine Technik, »die eigene Werkstatt«. Die Anklage vertritt »das Volk« mit einer Unzahl für die Herren »Expensionsräte« nicht gerade schmeichelhafter Sprichwörter und »On dit’s«, die so alt, wie die Zunft selbst, der sie gelten, und alle mit dem Ausklang, den schon der alte Hagedorn in die Reime gebracht hat: »Betörte Had’rer, lasst euch raten, vertraut die Wolle nicht den scharfen Advokaten!« . . . Nach den ersten Zeilen gewinnt man die Einsicht: Dieser Advokat hätte für sich und die gesamte Juristerei keinen besseren Anwalt finden können, als sich selbst. Er nimmt gar nicht die Pose des Verteidigers an. Er spricht von »Recht nnd Phantasie«, er weist den Adelsbrief seines Klienten vor, der diesen hoch hinaushebt über die Schwüle des Gerichtssaales durch seine Verwandtschaft mit ihr, von der Goethe singt: »Welcher Unsterblichen soll der höchste Preis sein?. . Ich geb5 ihn der ewig beweglichen, immer neuen, seltsamen Tochter Jovis, seinem Schoßkinde, der Phantasie.« Auch »das Recht ist Gottes«. Und daß diese beiden Geschwister, so unähnlich in ihren Zügen, doch die Gemeinschaft des Blutes nicht verleugnen, das führt uns dieser glänzende Geist mit tausend Lichtern und Farben vor das staunende Auge. Die Phantasie eröffnet zum Beispiel dem Juristen, wenn er mögliche Fälle konstruiert, einen Blick in die Zukunft, die ihm mitunter fast die Gloriole eines Propheten verleiht. Das Luftschiff und so vieles andere haben Juristen längst geahnt. Phantasie treibt auch ihr Spiel, wo das Gefühl im Richter den Buchstaben des Gesetzes übertrumpft. Diese Ausführungen erinnern den jüdischen Leser auf der einen Seite an die strenge Ablehnung der Phantasie in der altjüdischen Rechtspflege, indem schon in der Rechts Schöpfung durch ganz detaillierte Inquisitionsvorschriften die Verhängung der Todesstrafe so gut wie illusorisch gemacht, indem ferner die ursprüngliche Härte des Gesetzes bei Delikten wie Ehebruch, gemildert, ein Richter ornat ausgeschaltet wurde. Andererseits bewundern wir den fortgeschrittenen Charakter der jüdischen Justiz, die bereits die bedingte Verurteilung, Strafen für Mißhandlung der Dienstboten, Duelle, Tierquälerei, die Ablehnung des Indizienbeweises und der Suggestivfragen vorgesehen hat und bereits Frauen als Mandatare des Klägers zuläßt. Ein Ausblick in soziale Verhältnisse, die für uns heute noch ferne Zukunft bedeuten. Vielleicht gehört dahin auch die Bestimmung, dass der Prozeß kostenfrei geführt werden musste! . . . Sehr angenehm berührt uns der freimütige Hinweis des Redners auf Tisza-Eszlar und Polna vor einem interkonfessionellen Publikum. Man schilt »Juristen schlechte Christen«. Wie wir sehen, schließt es nicht aus, daß sie mitunter gute Juden sind, die, indem sie den Glauben an das Recht und seine Würde verfechten, auch dem Recht des Glaubens ihr Schwert leihen und dem Schutz der um des Glaubens willen Verfolgten, selbst wenn diese ihres eigenen Stammes sind. Dr. Grunwald. „Ost und West.“ Illustrierte Monatsschrift für das gesamte Judentum. Organ der Alliance Israelite Universelle. Heft Nr. 4. XII. Jahrgang. April 1912. Inhalt: Mathias Acher: Zur Frage des jüdischen Geisteslebens in Deutschland; — Revue der Ereignisse. — Illustration zu Rußlands Judenpolitik im letzten Monat. — Karl Schwarz: Emil Pottner (mit 13 Illustrationen). — A. M.: Constantin Brunner und Martin Buber. — A. M.: Constantin Brunner. — Siegfried Mehring: Reb Schmuel und Reb Awrohom auf Wache. Erinnerungen aus den Jahren 1813—1814 (mit einer Einleitung von Sigmar Mehring). — Dr. 8. M. Melamed: Haham Dr. Moses Gaster. Zu seinem 25 jährigen Amtsjubiläum (mit Porträt). — Benjamin Sesel: Die Lebenserinnerungen eines Philosophen. — Rahel Edelstein-Friedmann: Ein Katalog. — Karl Bayer: Zu den Gemälden von Lesser Urv. — Felix Stössinger: Theater (mit 2 Illustrationen). — Der jüdische Adel in England (mit 17 Illustrationen). — Leo Motzkin: Max Mandelstamm (mit Porträt). — Arno Nadel: Zwei Chad-Gadjo’s (Noten). — Mitteilungen aus dem Deutschen Bureau der Alliance Israelite Universelle: Rundschreiben des Pariser Zentralkomitees der A. I. U. an die Lokalkomitees der A. I. U. in Deutschland. — Erwiderung des Deutschen Landeskomitees. — Konstituierung des Deutschen Landeskomitees. — Dr. Emanuel Lasker: Schach. — Bücher- Einlauf. — Inserate. — Verlag „Ost und West“, Leo Winz, Berlin-Charlottenburg, Knesebeckstr. 32. „Die Hilfe“. Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Herausgegeben von Dr. Friedrich Naumann. Aus dem Inhalt: Anton Erkelenz: Der Weg zur politischen Macht. — Richard Charmatz: König, Junker und Volk. — Heinz Potthoff: Das Landarbeiterrecht. — Soziale Bewegung. — Eduard Engel: Die Bilderzeitung der Zukunft. — Adolf Rein: Irland III. — Alfons Paquet: Kamerad Fleming. Roman. — Büchertisch. — Politische Notizen. — Für die Parteiarbeit. — Buchverlag der „Hilfe“, Berlin-Schöneberg. _ Briefkasten. Stud. phii. K. R. Wir tönnen Sie blos auf die in der „Revue de Linguistique" von S. Ferares über die Bedeutung des hebräischen Wortes Schanah (Jahr) erschienenen, sehr interessanten Aufsatz verweisen. Auf Grund von Exodus Cap. XXIIl, V. 15 und 16 und Lewiticus XXIII, V. 39 gibt er der Meinung Ausdruck, daß die Hebräer bei ihrem Auszuge aus Aegypten das Siebenmonatsjahr angenommen haben. Auf diese Weise erkläre sich auch Jakobs Ausruf: „Das Kind ist nicht mehr", während doch Josef um jene Zeit bereits 17 Jahre alt war und daher nicht mehr gut ein Kind genannt werden konnte; hat aber damals das Siebenmonatjahr gegolten, so war Josef zu jener Zeit bloß sieben Zwölftel von 17, das heißt bloß 10 Jahre alt. Ebenso war Sara 52 (sieben Zwölftel von 90) und Abraham 59 Jahre alt, als Isaak geboren wurde. Allerdings stimmt diese Kalkulation nicht mit den Daten der Genesis vor der Zeit Abraham überein, hier, meint auch der Autor, habe das Wort Schanah eine nachweisbar ähnliche Bedeutung mit dem stammverwandten Worte zwei, das ursprünglich zwei Monate bedeutet. Dies angenommen, müssen die großen Z ffern der Genesis immer mit 6 dividiert werden. Lau«, Saaz. Zur Beantwortung der von Ihnen uns vorgelegten Fragen: 1. Ob man Einen, der mit einer Christin verheiratet ist, zur heiligen Thora aufrufen barf? 2. Ob der Schammes und Schachet am Samstag am Wochenmarkt einkaufen darf? 3. Ob die Frau des Schammes und die des Oberkantors Samstag am Wochenmarkt einkaufen darf? ist ausschließlich der Ortsrabbiner kompetent. K. F- Ein jüdischer Restaurateur könnte über den Sommer in Pörtschach am Wörthersee ein sehr gutes Geschäft machen. Anfragen an Rabbiner Josef Günzler in Klagenfurt. N. N. Wenden Sie sich brieflich an die Adresse: Hebrew Sheltering and Immigrant Aid Society, New-York, U.S.A. 229—231E. Broadway. Notizen. K. k. priv. Assicurazioni Generali. Aus dem am 4. April 1912 der Generalversammlung erstatteten Berichte der Zentral-Direktion der k. k. priv. Assicurazioni Generali zu den Rechnungs-Abschlüssen pro 1911, dem 80. Betriebsjahre, gellt hervor, daß die Garantiemittel der Gesellschaft im abgelaufenen Jahre um K 24,093.656 93 gewachsen sind und am Jahresschlüsse die Höhe von K 416,840.622 40 erreicht haben. Auch im Jahre 1911 hat sich der Lebensversicherungszweig der Anstalt in sehr erfreulicher Weise erweitert; ebenso war in allen Elementarbranchen die Geschäftsentwicklung eine anhaltend günstige. Den Rechnungs- Abschlüssen sind im wesentlichen folgende Daten zu entnehmen: Die Prämien-Reserven der Lebensversicherungs- Abteilung betragen K 351,843.680 02, d. i. um K 24,558.447'87 mehr als im Vorjahre und beziehen sich auf Kronen 1.189,790.207 74 Kapital und auf 1,950.287.57 Rente. Die Reserve für schwebend gebliebene Schäden beträgt Kronen 5,692.780 35. Zur Deckung der am 31. Dezember 1911 laufenden Risken wurde für die Feuer-Versicherung eine Prämien-Reserve von K 14,714.913 09, für die Einbruchsversicherung K 816.101 49, für die Transport-Versicherung K 227.793 37, insgesamt Iv' 15,758.807 95 (gegen Kronen 14,602.631 56) zurückgestellt. Die Prämienscheine und die