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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-19 · 16 (19.4.1912) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 264 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 16 Tätigkeit Vizedirektor wurde. Dr. R 0 n a besitzt das goldene Verdienstkreuz mit der Krone, das Ritterkreuz des Franz Josephordens und ist auch kön. ung. Rat. Da er auch mehrere wissenschaftliche Werke herausgab, wurde er auch Ehrenmitglied der Berliner meteorologischen Gesellschaft, wie auch Mitglied der ung. Akademie der Wissenschaften. Rüna blieb seinem Glauben treu, trotzdem vor seiner Ernennung zum Direktor heftige Anstürme gegen ihn zur Verleugnung seiner Religion gemacht wurden. Landesverband der jüdischen Frauenvereine in Ungarn. Der ungarisch-israelitische Landeskulturverein hat in seiner letzten Direktionssitzung beschlossen, einen Landesverband jüdischer Frauenvereine ins Leben zu rufen, wücher nach dem Muster englischer und amerikanischer Couacilos Iewisa Women auf moderner, sozialer Grundlage stehen .soll. Der Verband wird alle auf die Erziehung der Mädchen ünd die Fürsorge von Mädchen und Frauen bezug habenden Agenden aus sich nehmen und die Durchführung derselben im ganzen Lande organisieren. Die Idee hat in Ungarn großen Anklang gesunden, und schon in den ersten Tagen haben achtzig jüdische Frauenvereine Ungarns ihren Beitritt zu diesem Landesverbände angemeldet. Der Landesverband dürfte noch vor Beginn des Sommers in Aktion treten. Purgstall. (Tod ein er lO6jährigen Frau.) Am9.April l. I., am letzten Tage Peffach, verschied in Bischofstetten im Kultusgcmeindesprengel Amstetten nach kurzer Krankheit eine der ältesten Frauen des ganzen Bezirkes, Frau Fanny Blechner, in einem hohen Greifenalter von 106 Zähren. Durch ihren wahrhaft tiefempfundenen religiösen Lebenswandel nach altem Schlage batie sich die Heimgegangene die Wertschätzung und Achtung aller, die sie kannten, verschafft. Am 11. April l. I. wurde die Leiche von Bischofstetten nach Ibbs a. D. zur letzten Ruhestätte überfuhrt, und ließ es sich die christliche Bevölkerung von Bischofftetten mit dem Oberlehrer an der Spitze, nicht nehmen, der Verblichenen bis über die Grenze dieses Ortes das Ehrengeleite zu geben. Im Trauerhause sprach Herr S. Fried, Religionslehrer in Purgstall, und verabschiedete sich im Namen der trauernden Familie wie auch im Namen der Ortsbewohner von der Heimgegangenen. In der Friedhofshalle in Abbs a. D., wo sich außer ihren Kindern, Enkeln und Urenkeln eine ansehnliche Zahl von Gemeindemitgliedern versammelte, hielt nach der Rezitation des Hazur Tumim durch Herrn S. Fried Se. Ehrw. Herr Bezirksrabbiner Dr. Bertisch in Amstetten der Verblichenen einen wirkungsvollen Nachruf, in welchem die Vorzüge der Verewigten in Bezug auf Religiosität hervorgehoben wurden. Tacha«. Herr Religionslehrer Josef Schön und Frau in Tachau feiern am 2t). April l. I. ihr 25jähriges Hochzeitsjnöiläum im engsten Familienkreise. Teplitz-Schöuau. (Ernennung.) Herr I. Frankfurt e r, israelitischer Religionslehrer an den öffentlichen Volks¬ und Bürgerschulen in Teplitz-Schönau wurde mit Dekret des k. k. Oberlandesgerichtspräsidiums im Königreiche Böhmen zum beeideten Gerichtsdolmetsch der ungarischen Sprache bestellt. Jaffa. Die Mitteilung, daß Dr. M 0 s s i n s 0 h n von der Leitung des hebräischen Gymnasiums in Jaffa enthoben wurde, wird dementiert. Feuilleton. Shql-ck. Wenn es keinen Dichter gibt, über den soviel geschrieben wurde, wie über Shakespeare, so hat unter den von ihm geschaffenen Gestalten keine soviel von der Parteien Gunst und Haß beeinflußte Meinungen gezeitigt und in ihrer Darstellung zum Leben erweckt, wie die des Juden von Venedig. .Der Kaufmann von Venedig* mußte in der Tat S h Y l 0 ck weichen, er ist die Hauptgestalt in des großen Briten Lustspiel geworden, das zu einer Tragikomödie wurde, indem der possenhafte Teil einen tief tragischen Charakter erhielt. Seit den Tagen Shakespeares wurde die Person Shylocks von Darstellern und Beurteiler», von Kultur - und Literaturhistorikern in der verschiedensten Weise aufgefaßt. Sie hat damit das Schicksal Hamlets geteilt. Der erste Schauspieler, der den Shylock zur Zeit des Dichters selbst darstellte, spielte ihn als komische Figur. Ihm war es darum zu tun, die Lachlust des Londoner Mobs zu reizen und den Juden der Spottlust des Pöbels prciszugeben. Wir glauben nicht, daß jener Schauspieler, Burbage hieß der Mann, den Intentionen des Dichters mit seinen Possenreißereien gerecht wurde. Ec hat seinen Tribut den Instinkten des lieben Publikums geleistet und meinte damit genug getan zu haben. Ein belustigender Clown ist Shylock nimmermehr und die Künstler, die ihn, wie Garrick und Macklin, Jffland und Schröder ins tragische, ja grauenerregende Licht rückten, oder, wie der unvergeßliche Lewinsky, ihn, den.gekrümmten Juden, plötzlich als Helden vor unserem Auge erstehen ließen, haben sicherlich das Richtige getroffen. Denn wenn man immer und immer wieder darauf hinweist, Shakespeare habe Züge für jeinen Shylock Marlowes „Juden von Malta" entnommen, so ist es ebenso sicher, daß er das wüste Ungeheuer des vergessenen englischen Dichters in das Licht der Menschlichkeit erhob und aus Marlowcs Juden einen Menschen machte. Literarhistoriker von der Bedeutung Ed. Engels, Alfred Klaars, Adolf Gelbers haben dies nachgewiesen. Doch was bedeuten alle ihre psychologischen Bemerkungen zu der einzig in ihrer Art 'dastehenden Darstellung, die Heinrich H e i u e in feiner berühmten Abhandlung „Shakespeares Mädchen und Frauen" (1838) gibt, in der er unter dem Titel „I e s s i k a" eine grundlegende, ebenso geistreiche wie seelisch richtige Darstellung vom Charakter des Inden von Venedig vorführt. Was sind die Urteile der Literaturkundigen gegen diese psychologische Analyse des großen Dichters, der den Bruder in Apoll, in seinem Schaffen und Gestalten wohl besser verstand, als alle gelehrten Professoren und Literarhistoriker, und führten sie auch den Namen eines Gervinus. Wir denken, nach Heine sollte man sich doch hüten, Shylock als den hartherzigen Wucherer hinzustelleu, in dem der Sinn für alles Gute und Edle erstarrt ist, dem es auch an Liebe zu seinem Kinde fehlt, kurz der nur eine Liebe kennt und zum Ausdrucke bringt, die zum Gelde, dem er alles opfert, für das er kämpft und sich verspotten und bespeien läßt. Man lese doch die Lebensbeschreibung des Papstes Sixtus V. (Felix Perettis, Kardinals de Montaltv) von Gregorio Leti, in der.sich die Novelle von Shylock, als wirklich geschehen, findet. Sie erzählt, daß es ein Christ war, dessen teuflische Unerbittlichkeit gegen einen Juden durch den Spruch des klugen Richters, des Papstes Sixtus V, vereitelt wurde. (Man vergl. dazu auch Niebuhrs, Römische Geschichte, 3. Auft., Teil I., S. 60, Note.- „Ueber die Umkehrung von Sagen.") — Dieser Papst hat das richtige Wort gesprochen, wenn er vom „surnrnurn ius, summa iniuria“ redet. Gewiß, Shylock liebt das Geld, „was er aber höher schätzt a s Geld, das ist die gerechte Wiedervergeltung unsäglicher Schmähungen." Und ein solcher Mensch ist kein gemeiner Wucherer, als welchen ihn Söffe nach Gervinius hinstellt. Und Antonio wäre ein sonderbarer Repräsentant der Religion der Liebe, dieser Kaufmann von der traurigsten Gestalt, der dem Juden die geborgten dreitausend Dukaten keineswegs zurückerstattet, sondern ihn um sie prellt und ihm auf dessen Anrede „am letzten Mittwoch, spiet Ihr mich an, ein ander.mal hießt Ihr mich einen Hund" zuruft: „Ich könnte leichtlich wieder dich so nennen, Dich wieder anspeien, ja mit Füßen treten." Wo steckt da die Liebe, die segnet jene, so uns fluchen? Shylock ist nicht die gemeine Person, als die sie Soffä bezeichnet, ist vielmehr „mit Ausnahme Porzias die' respektabelste Person im ganzen Stücke." Da sind wir doch der Meinung Heines. Aber Söffe geht weiter. Er sagt: „Auch sein (Shylocks) Verhältnis zu seiner Tochter offenbart seine Geldgier. In

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