Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 262 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 16 Berlin. Der Verband „Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina" hat soeben in seinem 4. Bericht Rechenschaft über seine Tätigkeit abgelegt. Erfreulicherweise wird ihm ein stetig steigendes Interesse entgegechgebracht, das durch Propaganda-Vorträge der in Jaffa lebenden Leiterin der palästinensischen Spitzenschulen, Frau Dr. Thon, noch verstärkt wurde. Mit gleich gutem Erfolge propagierte Frau Johanna Simon aus Heidelberg die Ziele des Verbandes in Süddeutschland. Durch die erzielten größeren Einnahmen konnte der Verband eine größere Tätigkeit entfalten. Zu den in Jaffa, Jerusalem und Tiberias bestehenden Spitzenschulen kam als Neugründung eine Schule in der Kolonie Ekron, die von 25 Mädchen besucht wird. Die in den verschiedenen Ateliers des Verbandes gearbeiteten Spitzen zeichnen sich durch besonders sorgfältige Ausführung aus und erfreuen sich in Europa, wo sie durch verschiedene Ausstellungen bekannt wurden, großer Beliebtheit. Sie haben sich ein großes Absatzgebiet erobert und bieten vielen jüdischen Frauen und Mädchen in Palästina die Möglichkeit, sich einen für dortige Verhältnisse ziemlich guten Erwerb zu verschaffen. Die Schriftführerin des Verbandes, Frau Betty Leszynski, Berlin, hatte Gelegene heit, auf ihrer Reise durch Palästina sich persönlich von dem Fortschritt der Institutionen zu überzeugen und sich über die Arbeitsmöglichkeiten für die jüdische Frau zu orientieren. Im verflossenen Jahre gelang es dem Verband durch Gründung einer Mädchenfarm einen großen Schritt vorwärts zu tun in dem Bestreben, den jüdischen Kolonisten durch Heranbildung von Mädchen zu Gartenarbeit, Gemüst und Geflügelzucht eine notwendige Stütze zu schaffen. Denn der Teil der Landwirtschaft, der überall von der Frau besorgt wird, liegt leider sehr im Argen, da die Frauen der Kolonisten, die fast durchweg den östlichen Ghetti entstammen, .naturgemäß kein Verständnis für die Landwirtschaft haben. Eine größere Subvention des Herrn Kremenetzki, Wien, und der Alexander und Fanny Simon-Stiftung, Hannover, gab dem Verbände in erster Linie die Möglichkeit, die unter Leitung von Frl. Dr. Maisel stehende Mädchenfarm in Kinereth bereits im* Mai letzten Jahres auf der Farm der Palästine Land Developement Comp, mit 6 Schülerinnen zu eröffnen. Zurzeit arbeiten bereits 10 Mädchen auf der Farm mit sehr gutem Erfolg. Wie uns Herr Direktor Auhagen, der vor kurzem aus Palästina zurückgekehrt ist, mitteilt, sei den Schülerinnen der Mädchenfarm die Anlage der Baumwollpflanzungen dort zu verdanken. Die Schule erfreut sich in der kurzen Zeit ihres Bestehens eines so guten Rufes, daß viele Mädchen, die gern für ihre Ausbildung bezahlen würden, sich zur Aufnahme melden. Leider müssen diese aus MangÄ an Wohnungen zurückgewiesen werden. Die Mädchen werden im Gemüsegarten, in der Baumschule, im Geflügelhof, bei der Milcht Wirtschaft, in der Küche und auch beim Nähen beschäftigt. Im Winter erhielten sie theoretischen Unterricht, dreimal wöchentlich. Ein großes Verdienst hat sich der Verband bei der Eröffnung des jüdischen Hospitales in Haifa erworben, das unter der Leitung des Herrn Dr. Auerbach steht. Er gab 6000 Fr. für die Inneneinrichtung und subventioniert es jährlich, mit 1000 Fr. Die Moskauer Ortsgruppe des Verbandes hat außerdem eine Wöchnerinnenstube beim Hospital errichtet. Zu gleichem Zwecke überwies diese Ortsgruppe größere Summen nach Jaffa. Der Verband bringt allen Gebieten, auf denen sich die Frau betätigen kann, Interesse entgegen. Er sucht durch, ausklärende Vorträge zu verhindern, daß der bis hierher vordringende Mädchenhandel festen Fuß faßt. Sein Hauptbestreben ist, die jüdischen Mädchen und Frauen zu arbeitskräftigen und arbeitsifreudigen Menschen heranzubilden. Der Verband hat gezeigt, daß seine segensreiche Tätigkeit in denk Maße sich steigert, als feine Mittel wachsen. Es wäre um der hohen Ziele willen, welche der Verband sich, gesteckt hat, wünschenswert, daß das Interesse - an ihnt und seine Mitgliederzahl immer weiter zunehmen, damit er immer mehr den großen Forderungen, welche an ihn gestellt werden, gerecht werden kann. Anfragen sind zu richten an: die Schriftführerinnen Frau Betty Leszynski, Berlin W. 62, Bayreutherstraße 36; Frau Rechtsanwalt Gronemann, Berlin N., Monbijouplatz 10. Paris. In seinem Werke über die Alliance Jsraelite Universelle hat Herr Präsident Leven ausführlich über die Verfolgungen berichtet, denen das fanatische religiöse Oberhaupt Abdul Medjid unsere Glaubensgenossen in Hamädan gegen das Jahr 1893 aussetzte. Von seinen Parteigängern, die zahl- und einflußreich waren, hatten die Juden die schlimmsten Erfahrungen zu machen. Infolge der Intervention des französischen und des englischen Botschafters in Teheran wurden doch die Unruhestifter schließlich energisch gemaßregelt. Nun ist es nicht ohne Interesse, hervorzuheben, daß der Sohn des betreffenden Abdul Medjid, dessen Name allein noch heutzutage d'ie Juden in Ha^ madan mit Schrecken erfüllt, augenblicklich, die Allianceschule in Hamadan besucht und mit seinen israelitischen Schulgenossen auf überaus freundschaftlichem Fuße steht. Strafe für einen Artikel über die Hundertjahrfeier der Emanzipation der Juden. Die Bessarabskaja Schizm (Bessarabisch.es Leben) brachte anläßlich, der Hundertjahrfeier der Emanzipation der Juden in Preußen einen judenfreundlichen Artikel, in welchem der Autor einen historischen Rückblick auf die Entwicklung der Judenfrage im Auslande und in Rußland warf, und hielt den russischen Regierungskreisen das ungerechte Verhalten gegenüber den Juden vor. Wegen dieses durchaus nicht aggressiven Artikels wurde das Blatt zu einer Geldstrafe von 300 Rubel verurteilt, und da der Schriftleiter des Blattes die Zahlung dieser ungerechten Geldstrafe verweigerte, wurde dieselbe in eine mehrwöchentliche Arrestrase umgewandelt, die der verantwortliche Redakteur der Zeitung auch, gleich antrat. vermischtes. I. Vizepräsident Dr. Gustav Kohn. Der Kaiser hat dem ersten Vizepräsidenten der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, Dr. Gustav Kohn den Orden der Eisernen Krone dritter Klasse verliehen. Dr. Gustav Kohn, einer der angesehensten Advokaten Wiens, ist seit vielen Jahren als Vorstandsmitglied der Wiener Kultusgemeinde und als Mitglied des Landesschulrates in überaus verdienstlicher Weise tätig. Er ist bekannt durch sein reges philanthrophisches Wirken, als Wohltäter der Armen und als eifriger Förderer aller Humanitären und kulturellen Bestrebungen. Die Auszeichnung, die dem allgemein verehrten Manne zuteil geworden, wird in den weitesten Kreisen der Wiener Gesellschaft sympathisch ausgenommen werden. Israelitische Kultusgemeinde. Die öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde findet Sonntag den 31. April 1912, 10 Uhr vormittags, I., Seitenstettengaffe 4, II. Stock, statt. Tagesordnung: 1. Rechnungsabschluß über die Einnahmen und Ausgaben der Kultusgemeinde und sämtlicher unter Gemeindeverwaltung stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1911. — 2. Statutenänderung: Streichung der alinea b des § 2, Anhang I, der Wahlordnung. (Derselbe lautet: Aus-