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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-19 · 16 (19.4.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
16 (19.4.1912)
Date
1912-04-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 256 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 16 lose Reaktion, welche gegenwärtig ln Rußland Triumpfe feiert, nicht verantwortlich sei und daß all dies ein Werk seiner Minister sei. Nichts ist gefährlicher und von der Wahrheit entfernter, als eine solche Behauptung. Nimmt auch Nikolaus II. keinen aktiven Teil an den Einzelheiten der Regierung, so ist doch er es, der die Politik seiner Minister in groben Hauptzügen vorzeichnet. So ist doch er es, der sich in die Handlungen seiner Minister immer emmengt, und zwar stets, um sie im Sinne der schwärzesten Reaktion zu dirigieren. . . . Die Folge von all dem ist schrecklich» Nationalitäten, wie die Finnländer und Georgianer, die bisher die besten Freunde der russischen Nation waren, sind zu ihren erbittertsten Feinden gemacht worden, seitdem alles, was ihnen lieb und teuer war, von der gegenwärtigen Negierung mit Füßen getreten wird» Dasselbe muß auch von den nahezu sieben Millionen Juden und der zahlreichen muselmännischen Bevölkerung des russischen Reiches gesagt werden. Aber mit den Russen selbst steht's auch nicht besser. Die UnH versitäten sind heute nur mehr Ruinen. Die besten Lehrkräfte sind aus ihnen vertrieben worden. Und Hunderte von Lehrkanzeln sind heute unbesetzt. Alle Bemühungen der Nation, eine universelle Elementarerziehung durchzusetzen, wurden durch die finsteren Mächte paralysiert, welche in den Sprechzimmern des Kaiserpalastes stets herzlich willkommen sind. ... So ist es denn kein Wunder, daß aus der jungen Generation jede Hoffnung auf menschlichen Fortschritt und jeder Glaube an die menschliche Natur in so erschreckendem Maße aussterbe, daß von vielen dieser ehrlichen strebsamen Jugend die Selbstvernichtung heute als der einzige Ausweg aus diesen unerträglichen Lebensbejdingungen angesehen wird. Es ist kein Wunder, daß der Selbstmord die Waffe ist, zu welcher sie als der ein-, zigen Möglichkeit, ihren letzten Verzweiflungsschrei auszustoßen. ihre Zuflucht nehmen. Freunde! Erhebet Eure Stimme gegen diese Orgien der triumphierenden Reaktion, saget dem russischen Volke, daß Ihr mit ihm die gegenwärtige Macht der Finsternis verdammet und , bereit seid, ihm in seinen Bestrebungen, eine lichtere Zukunft zu erlangen. Eure Moralische Hilfe leihen wollt." Das Uewyorker Spital »am Har Sinai. (Mount Sinai-Hospital.) Wo sich in Newyork die 5. Avenue und Hundertste Strahe schneiden erhebt sich, ungefähr in der Größe und im Stile unseres Schönbrunner Schloßbaues ein Palast, dessen monumentaler Pracht man seine Bestimmung nicht ansehen würde, die Zuflucht der Aermsten der Armen, der kranken Juden zu sein. So haben die oft fälschlich als unästhetische Nützlichkeitsmenschen verschrieenen Amerikaner das neulich von Oberbaurat Wagner ausgestellte und von ihm in der Lupusheilstätte demnächst so glücklich angewandte, sonst aber mangels an Mitteln und Geschmack bei unfern Nützlichkeitsgeschweige denn Wohltätigkeitsbauten so - selten verwirklichte Prinzip zur schönsten Geltung gebracht, die Armen und Kranken „in Schönheit leiden" zu lassen. Das Spital wurde im Jahre 1852, und zwar nicht von einem einzelnen gram diosen Wohltäter, wie unser Rothschildspital, sondern von einem Kreise reicher, junger jüdischer amerikanischer Herren, von denen heute noch einige wenige unter den Lebenden weilen, gegründet, 1857 und 1866 erweitert, der heutige Prachtbau, der teilweise erst im vorigen Jahre vollendet wurde, stammt aus letzterer Zeit und ist die Schönheit seiner Ausführung das Verdienst des im Vorjahr verstorbenen Spitalspräsidenten Isaak Stern. Das ganze wohlhabende jüdische Newyork hat seit 58 Jahren an ihm mitgebaut: kein Todesfall hat in mittleren oder reichen Kreisen Herzen gebeugt, ohne daß diese ihren Schmerz durch größere oder kleinere Gaben an das Spital zu lindern suchten, denn nicht eine Gemeinde erhält das Spital, wie bei uns, sondern ein Privatverein, an dessen Spitze ein durch Ballotage gewählter Vorstand von 30 Herren steht, dessen Stellen in einem Turnus von 5 Jahren neubesetzt werden müssen und denen getreu dem englisch-amerikanischen System die Verwaltung der Riesenanstalt und die Besetzung sämtlicher Aerztestellen in weit höherem Maße anheimgestellt wird, als hei uns in den Staatsanstalten. Hofrat Eiselsberg hat anläßlich seiner Studienreise nach Amerika Licht- und Schattenseiten dieses Systems genügend beleuchtet und ist mit Recht zu dem Resultat gekommen, daß die ganz großartigen Einrichtungen und der so viel größere Stab von Wärterinnen und Aerzten, über den die amerikanischen Spitäler verfügen, in weiterer Reihe aber die enormen Fortschritte der englisch-amerikanischen Chirurgie und die günstigen Resultate der Behandlung eben mit dem Umstand Zusammenhängen, daß unendlich viele, unendlich reiche Privatleute durch, dieses Kuratoriumsystem für die Spitäler interessiert werden, während Staat, Gemeinde und Landeshilfe weder so rasch noch ausgiebig sein kann. So verfügt das Sinaispital über 5 von Privaten gestiftete Pavillons, dem Kinderpavillon (Luis Einstein-Gedächlnisstiftung), dem Privatsanatorium (Barbara Guggenheimer-Gedächtnisstistung), dem elegantesten und bestgeleitetsten Newyorks, das dem Spital seinen Reingewinn von fast 100,000 DoU. abwirft, dem Ambulanz-Haus, in dem jährlich die Ambulanz (1911: 87,853 Kranke) sich abspielt, d. i. die Mayer Lehmann-Gedächtnis-Stiftung und das Mit einer Schenkung von 200,000 Doll, von dem noch lebenden H. Adolf Lewissohn errichtete Pathologische Institut. Außerdem sind 9 Operationssäle Stiftungen und ebenso 166 Stiftsbetten (welche je nach Höhe des Betrages für Lebzeiten des Stifters, für 50 Jahre oder für immer gelten). Dank dieser Munifizenz konnten Forderungen verwirklicht werden, die lange bei uns an öffentlichen Anstalten fromme Wünsche blieben, so daß die Ambulanz, die Abteilung für Tuberkulose und die Kinderabteilung in vollkommen getrennten Gebäuden untergebracht sind, ebenso besteht dort schon lange die endlich bei uns errichtete Abeilung für Unfallskranke (mit einem Belage von 3811 Kranken im Jahr, der Kehrseite des Riesenverkehrs von Newyork). Das Spital beherbergte außerdem 1911 8221 Kranke (also 12,000 im ganzen), fast sechsmal so viel wie unser prachtvolles Rothschildspital, das eine Ambulanz von 15,503 Personen hat, und dient der Prachtbau, so wie unser Rothschildspital, in letzter Instanz der Einwanderung, denn nur 1723 der Kranken sind ln den Vereinigten Staaten geboren, 2004 in Rußland, 1705 in Oesterreich-Ungarn (in der Ambulanz ein Zehntel Oesterreich er, die Hälfte Russen, etwa ein Drittel geborene Amerikaner). Obwohl der Verein 500 Stifter, Gründer, Wohltäter, 4486 erwachsene und 39 Kindermitglieder zählt, und im letzten Jahre allein über 100,000 Dollars Legate empfangen hat, außerdem von der Gemeinde Newyork, dessen Bürgermeister Gaynor ein Hauptförderer und Besucher der Anstalt ist> eine Subvention von fast 8000 Dollars erhält (wie weit liegt doch Newyork von Wien!), kämpft die Anstalt in den letzten Jahren mit einem starken Defizit. Zählt das Spital doch 18 Abteilungsvorstände, 36 Assistenten, 30 theoretische und Röntgenassistenten, von denen allerdings bis auf einige Theoretiker fast alle unentgeltltch walten, allen voran ein verehrter Freund meiner Familie, der 80jährige Jacobi, der gesuchteste Konsiliarius Newyorks, der seit 50 Jahren der medizinische Leiter der Stiftung ist, während der eigentliche Spitalsdirektor, Dr. Goldwater, und

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