Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 16 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 3ö5 und sind bestes Material. Von den Bildhauern wäre da der ehrliche, grobarbeitende Schloß mit seinem Athleten zu nennen und Rothberger mit seinem gewaltigen Polyphem. Aber ich möchte schließlich nicht weiter gehen, als mein Entschluß mich heißt, jenen Künstlern ihren wohlverdienten Ruf zurückzugeben, denen in der letzten Numtner Ihres geschätzten Blattes so großes Unrecht geschah. Mit vorzüglichem Dank und Hochachtung Ihr ergebener R. R. vom Jahrmarkt des Lebens. Warnung vor Kitzbühel. Löbliche Redaktion! Zu Ihrer Notiz über „Kitzbühel" in der letzten Nummer Ihres gesch. Blattes möchte ich Sie auf die folgende Buchanzeige Hinweisen, der ich seit vielen Wochen im Inseratenteil der „Umschau" begegne: „Antonies Erlebnisse" „In diesem Roman schildert Helmer, der Autor, mit scharfer Beobachtungsgabe, wie im heiligen Lande Tirol neben der größten Prüderei das freieste Leben herrscht und wie sich die Verehrer der griechisch-germanischen Schönheitskultur aller Herren Länder im Sommer hier zusammenfinden und ihren Nacktsport treiben. — Preis des elegant gebundenen Buches Mark 1.—, Porto und Nachnahme 40 Pf. Zu beziehen vom Verlage W. Kästner, Berlins. 57, Steinmetzstraße 78, und durch den Buchhandel." Das Buch enthält zwei fesselnde Erzählungen des Autors, dessen jetziger Wohnort Innsbruck, Amraserstraße 2, in einem Nachwort des Verlegers für diejenigen angegeben wird, die sich über den behandelten Gegenstand näher zu unterrichten willens sind. Nicht ohne Interesse ist (S. 32) die Stelle: „Es ist amtlich nachgewiesen, daß es im Bezirk St. Veit, wo in Kärnten die meisten außerehelichen Geburten Vorkommen, noch nicht so viele außereheliche Kinder gibt, als im tirolischen Gerichtsbezirk Silz, wo das allmächtige Kloster Stams regiert. Und dann hört man in Kärnten selten von Notzucht oder Kindesmord. Im heiligen Land Tirol ist das aber an der Tagesordnung." Daß die Kitzbüheler uns Juden den Anteil an den Segnungen solcher Kultur neiden, damit sollten wir nur zufrieden sein. Umso weniger zu begreifen ist der Ehrgeiz' verschiedener uns bekannter jüdischer Familien, als „unerkannt" in diesem Hexenkessel unterzutauchen und ein solches kostbares Gastrecht durch verwerfliche „Kitzbücklinge" zu erschleichen. (Bon den Falschmünzerbanden in Tirol melden soeben die Zeitungen.) L. Reichsralsabgeordneter Hofrat Kuranda gegen die verleumderische Agitationstaktik der Christlich- Sozialen. In der am Donnerstag den 11. d. M. im Festsaale des Wiener Kaufmännischen Vereines stattgefundenen ersten offiziellen Wählerversammlung des freiheitlichen Wahlkomitees der Inneren Stadt nahm der Abgeordnete Hofrat Kuranda gegen die Verleumdung der christlichsozialen „Reichspost" Stellung. Er sagte: „Die erste Gelegenheit, die sich mir darbietet, zu den Wählern der Inneren Stadt im gegenwärtigen Wahlkampfe zu sprechen, muß ich dazu benützen, um Protest einzulegen gegen die verleumderische Taktik der „Reichspost". Als eine unerhörte und gemeine Lüge bezeichne ich ihr Vorgehen, indem fie eine vor kurzem seitens des Kultusvorstandes einberufene Versammlung dazu benützte, nachher zu schreiben, daß in dieser Versammlung Juden „Nieder mit den Christen" riefen. Ich vertraue zwar auf den gesunden Menschenverstand der Wiener Bevölkerung, daß fie solchen Märchen keinen Glauben schenke und selbst daM nicht, wenn auch der gewesene Handelsminister Dr. Weiskirchner in christlichsozialen Wählerversammlungen es versucht, die Wählerschaft damit zu fangen. Notwendig ist es aber gegen diese gemeine Lüge, sich energisch zu wehren, damit nicht in späterer Zeit, denn wir wissen wie die Geschichte gemacht wird, sobald es sich um Juden handelt, jemand die Behauptung aufstelle, daß in Wien Juden „Nieder mit den Ch eisten" riefen. Die Worte des Hofrates Kuranda fanden bei den massenhaft erschienenen Wählern vollste Zustimmung und lebhaften Beifall. Die Versammlung sprach ihrerseits ebenfalls ihre tiefste Entrüstung gegen diese Taktik aus. Eröffnung des Varnato-Krebshospitales durch Königin Mary. Vorige Woche wurde das Hospital für Krebskranke, welches von dem 5 Millionenlegat des jüdischen Millionärs Barnato in London errichtet wurde, feierlich eröffnet. Die Eröffnung nahm die Königin Mary von England vor. Das Spital, eine der größten Sehensi- Würdigkeiten Londons, ist wohl ein interkonfessionelles, doch wurde das jüdische Moment im Sinne der letzt-» willigen Verfügung Barnatos dadurch gewahrt, daß in dem Spital eine eigene jüdisch-rituelle Küche für jüdische Kranke eingerichtet wurde und für alle Zeiten erhalten werden soll. Mit Rücksicht auf die gegenwärtigen unruhigen Zeiten war die Zahl der zur Eröffnungsfeier geladenen Gäste keine sehr große. Die Familie Barnato war fast vollzählich erschienen und eine Enkelin des Stifters überreichte der Königin mit einer kurzen Ansprache ein herrliches Blumenbukett. Die Königin verweilte längere Zeit in der jüdischen Küche sowie rm Betsale und äußerte sich über das Gesehene sehr befriedigt. Russisch-jüdischer Emigrationskongretz. Wie erinnerlich, hat die Petersburger Emigrationsgesellschaft in ihrer letzten Konferenz beschlossen, eine Delegation nach Amerika zu entsenden, um dort die Stimmung betreffend einen Emigrationskongreß in Europa kennen zu lernen und dieses Projekt in Amerika zu propagieren. Die Delegation hätte ihre Reise nach Amerika im Frühjahre antreten sollen. Nun haben die Delegierten sich darin geeinigt, diese Reise erst im Herbste anzutreten, hingegen hat eine neuerliche Konferenz den Beschluß gefaßt, im Laufe des Monates Mai dieses Iahres einen Emigrationskongreß der russischen Iuden nach Wilna einzuberufen. An diesem' Kongresse sollen Delegierte aller Emigrationsgeselkschasten Rußlands, der Erpofituren der Ica, sowie Vertreter anderer jüdischer Organisationen und Gemeinden teilnehmen. Wie gemeldet wird, haben sich die Einbe-, rufer des Kongresses bereits die Bewilligung der Regierung für die Abhaltung desselben gesichert. Auf diesem Kongreß sollen wichtige Beschlüsse gefaßt werden, welche geeignet erscheinen, die bisher kongreßgegnerifche Strmfmung der europäischen großen jüdischen Organisationen sowie der amerikanischen Emigrationsgesellschaften zu Gunsten des Kongresses zu beeinflussen. Der Kaiser von Rußland und die russische Judenpolitik. Vorige Woche fand in London eine von den Vertretern aller Gesellschaftskreise besuchte Protestversammlung gegen die russischen Greuel statt, in welcher eine scharfe Resolution gegen die barbarischen Maßnahmen, welche Rußland zur Unterdrückung aller nicht russischen Völker und Nationalitäten im russischen Reiche ergriffen und durchgesührt hat. Besonderes Interesse erregte ein Brief, den Fürst Krapotkin, der an der Versammlung nicht teilnehmen konnte, an die Veranstalter derselben richtete und der unter allgemeinem Beifall zur Verlesung gebracht wurde. In dem Briefe heißt es unter anderem: „Es gibt einige Menschen, welche glauben, eine gute internationale Politik zu machen, indem sie be--» haupten, daß der gegenwärtige Zar für die schäm-