Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 16 (19.4.1912)
- Date
- 1912-04-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite if.4 Dr. Blocks Wochenschrift Nr. 16 welche Wohnungen suchten und nicht fanden, und so die Hunderttausende jener, welche einst mit dem Schlagwort des Antisemitismus gegen die frühere reinliche Verwaltung der Stadt ausgehetzt wurden. Nun naht das Strafgericht der Hetzbande und wird sie vom Boden wegfegen. Die jüdische« Meister im Küustierhause. Wir erhalten mit Bezug auf den Bericht über die Werke jüdischer Meister im Künstlerhause eine Zuschrift von kompetenter Seite, welcher wir mit Vergnügen vollinhaltlich Raum gewähren und die den ersten Bericht über das genannte Thema in wesentlichen Punkten berichtigt. Die Zuschrift lautet: Sehr geehrter Herr Redakteur! Mit einem Erstaunen, das gewiß weite kunstverständige Kreise des Publikums mit mir teilen werden, habe ich den Bericht Ihres Kunstkritikers über die Werke jüdischer Maler in der Iahresausstellung im Künstlerhause gelesen. Er ist in vielen Punkten geradezu unbegreiflich in der Art, mit welcher er über begnadete Söhne unseres Volkes und ihre exponierten Werke zur Tagesordnung übergeht. Im Gegenteil dazu sollte eine jüdische Zeitung mit Stolz verkünden, welchen bedeutenden Anteil wir Juden an der bildenden Kunst besitzen: .nicht nur durch unser reiches Mäcenatentum, welches freigebig das Kunstleben fördert, sondern noch viel inehr durch die vielen schaffenden Maler und Bildhauer, welche zu unserem größten Stolze ihren Namen immer mehr mit internationalem wohlverdienten Ruhm verbinden. Vergessen wir nicht, wie schwer es bei dem bestehenden Antisemitismus oder Asemitismus ein jüdischer Künstler hat, sich durchzuringen und vollgültig unter die Ersten zu stylen. Um so schöner, daß eine ganze Reihe der Starken und Guten aufmarschieren kann, unter welchen sich namentlich die in jenem Artikel Abgeurteilten befinden. Diese Meister des Pinsels haben bereits alle eine große Reihe hervorragender Auszeichnungen wie Staatspreise, öffentliche Aufträge, künstlerische offizielle Würden empfangen und sind sicherlich noch zu hervorragenden Ehren berufen. Wollen wir nur ansühren, daß Ludwig Koch und Bernhard Eichhorn von einer Jury von Sachverständigen berufen wurden, Werke für den neuen Teil der Wiener Hofburg anzusertigen, und den besonderen Beifall des Erzherzog-Thronfolgers fanden. Andere sitzen in den Ausschüssen des Künstlerhauses, sind in dessen Publikationen mehrfach mit großen Preisen ausgewiesen und werden von der Gesamtkritik unter die Avantgarde der österreichischen Kunst gezählt, widerstrebend auch von der antisemitischen. So hervorragende Meister des Porträts wie Professor Horowitz und der stürmisch vorgedrungene Scharf, der mondaine und feine Frauenmaler Schattenstein, ein Temperament und Neuerer wie Iehudo Epstein, der Dramatiker auf der Leinwand Eichhorn, der Wahrheitssucher Krestin, der in die Iudenmalerei einen frischen Zug hineinbrachte, der gediegene Koch, dessen Bewegung von Rotz und Reiter ihm so bald niemand .nachmacht, der comingman und prächtige Charaktermaler Herschel sind keine Leute, welche unter ihrer Qualität ausstellen werden. In der Tat sehen wir von ihnen eine ganze Reihe von Werken in den Sälen der Iahresausstellung, welche ebenso von deM Fleiß der Meister zeugen wie von der Tatsache, daß ihre Kunst immer subtiler wird und der letzten Vollkommenheit immer näher kommt. Da sind vor allem die Porträts von Horowitz, Fürst R., so plastisch, als wollte er in jedem Augenblick aus dem Rahmen steigen. Die Damen so viel Persönlichkeit, als könnte man mit den Bildern reden. Ihr Mitarbeiter will zwar in der Technik und Farbengebung Fehler gefunden haben, dürfte aber mit seiner Entdeckung durchaus vereinzelt bleiben. Jeder Millimeter Qualität und Können ist auch Nikolaus Schattenstein. Er ist so glücklich, daß meistens schöne Frauen in sein Atelier kommen, aber er verdient es auch. Es gibt nicht zu viele Meister des Pinsels, welche so glückliche Dolmetscher der weiblichen Schönheit an das Publikum! sind. Die leichte Grazie der Gestalt, die Treue der Stoffe, der Schimmer von Teint und Auge vereinigen sich mit einer Unzahl malerischer Effekte zu den wertvollsten Bildern. Im gleichen Rang und in anderer Art der wuchtigere Scharf, der so lebhaft an Lenbach erinnert mit seinem Vermögen, den Ausdruck der Seele bei den dargestellten Personen zu finden. Nachdem er in früheren Zeilen mit einigen Herrenporträts Furore gemacht hat, zeigt er sich nun auch dem schönen Geschlecht gegenüber als poetischer Schilderer, dessen Werke Leben atmen. Ein Doppelporträt ist von Iehudo Epstein da, ein Ehepaar am Tisch. Von diesem Realisten, der weder seinen Freunden noch dem Publikum Konzessionen macht, sieht man wieder Menschen und Dinge wie sie sind, die Farben und Lichter wie sie sind, im ganzen ein prächtiges und künstlerisch hochwertiges Bild, an welchem kein Kollege des Meisters ohne großen Beifall vorübergehen wird. Nicht erwähnen, sondern als treue fleißige Arbeit stark loben muß man Emma Löwensteins Radierung. Isidor Kaufmann wurde bereits in der vorigen Kritik Ihres Blattes mit ausführlicher Anerkennung seiner Iudenbilder besprochen, dem wir uns nur vollinhaltlich änschlietzen können. Einen interessanten Gegensatz zu ihw bildet der Stürmer und Dränger unter den Iudenmalern, Lazar Krestin, von dem neben zwei brillanten Iudenköpfen aus Jerusalem ein großes Bild ausgestellt ist : „Beim Studium". Krestin ist alles Süßliche und Tendenziöse weltenfern. Kraft, Licht und Wahrheit ist das Trifolium seiner Grundsätze, mit wechen er aus dem Judentum mit großem Glück das Künstlerische hervorholt. Die Juden uw den Büchertisch herum vertreten in Ausdruck und Haltung ebensoviele Charaktere, vom frommen Weisen bis zum klugen Weltkind und in der vollen Beleuchtung zeigt sich in der großen und packenden Konzeption jedes Detail aufs Feinste ausgeführt. Otto Herschels flottes Bild „Friedenszeiten" mit der glücklichen Verbindung der Idylle mit der Tätigkeit und dem Ausdruck der Menschen hat bereits seinen Käufer gefunden, der einen sehr guten Griff gemacht hat. Gustav Böhms Aquarell zeigt einen Meister dieser schwierigen Technik und ragt unter den vielen Bildern dieser Art hervor. Von Eichhorn, von dem wir sonst die große, bewegte Historie gewöhnt sind, diesmal drei kleinere und friedliche Bilder, die man auch ohne Katalog finden würde. Er ist ein zärtlicher Liebhaber der versteckten Poesie, der Lyrik des Bildes, und verwendet eine ungeheure Mühe an das Erfassen der Winkel und der versprengten Szenen. Aus einer gewöhnlichen Stube, einer gewöhnlichen Ecke weiß er Schätze an Kunst herauszuholen, und tut es diesmal mit dem .Vorsprung einer ruthenischen Kirche, mit ein paar Bäuerinnen am Weg, besonders aber mit zwei Mädchen am Klavier, die ganz Eifer und Tätigkeit, ganz Typus der kleinen Mädchen, Harmonie und Behagen im Beschauer wecken. Last not least Ludwig Koch. Von ihm das große Hofburgbild, Prinz Eugen vor Belgrad, der große Feldherr beim Danke für das Viktoria seiner Truppen. Größe und Historie in jeder einzelnen Figur, virtuose Technik hei der Herstellung der Tiere, ein besonders bestechender Trompeter und das Ganze in der Fröhlichkeit einer wehenden Kriegsfähne gehalten, so grüßt uns das große Bild von der Wand herunter, der Besten eines. Ob Krauß noch dem Judentum angehört, ist uns unbekannt, viele Künstler sonst gehören aber wohl noch zu uns