Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 242 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 15 beitet das Stellenvermittlungsbureau. das nicht nur Europas nicht durch Proteste seitens der rumänischen mehrere tausend Stellen im Jahre versorgt, sondern den s? Juden veranlaßt werde, Rumänien zur Einhaltung der weltfremden Ankömmling durch einen Führer zum neuen ** mit dem Berliner Vertrage übernommenen Verpflich- Lhef hingeleitet, die Bedingungen der ersten Anstellungen tungen den Juden gegenüber zu verhalten, vermittelt, vorzeitige Entlassungen verhindert usw. Wie erwähnt, hat sich dieser Volksglaube seit dem Diesen Kontakt Mit dem Einwanderer, falls er nicht sofort bei der Ankunft Schützling der Gesellschaft wurde, erreicht sie durch ein an jeden Einwanderer vier Wochen nach seiner Ankunft gesandtes Schreiben, das in rührendster mütterlicher Weise nach seinem bisherigen Schicksal fragt, ihm Obdach, materielle Hilfe, Stellenvermittlung, Unterricht, Auskunft über sämtliche Arbeitsorte und die Reise dahin anträgt und in seiner Abfassung den etwa zu Unterstützenden als Bruder und Gentleman behandelt, getreu dem Motto der Gesellschaft: „jJhr wißt, wie einem Fremdling zumute ist, denn Ihr wart selbst Fremdlinge im Lande Egypten." So hat dank der energischen Tatkraft der Geselb schaft, dank der enormen finanziellen Opferwilligkeit der großen Wohltäter hüben und drüben, dank der genialen Organisation und Zentralisation, wie sie vorderhand für uns ein unerreichtes Muster bildet, das amerikanische Judentum vorläufig das Problem der Einwanderung bewältigt und reiche Saaten für die Zukunft ausgestreut. Möge jeder einzelne jüdische Bürger, jede einzelne Frau und Mädchen jüdischen Glaubens in Amerika die Verpflichtung fühlen, der Gesellschaft beizutreten und auf diese Weise ihre schwere Pionier- und Kulturarbeit erleichtern. Als gute Oesterreicher können wir aber den Wunsch nicht unterdrücken, es möchte auch der nichtjüdischen österreichischen Einwanderung in Nord- und Südamerika, über deren Ausbeutung kürzlich durch die Presse berichtet wurde, eine ähnliche tatkräftige Unterstützung zuteil werden, wie sie bisher nur vereinzelte reich gewordene Oesterreicher ihren nachrückenden Landsleuten zukommen ließen, die sich aber jetzt in Wien mit Staatshilfe in gröberem Maßstabe zu organisieren scheint. E. Benedikt.' vom Zabrmarlrt des Lebens. Zur Geschichte des rumänischen Jndcnelends. (Die bösen Dreizehn von Rumänien.) Vor dem Bukarester Schwurgericht wurde, wie von dort berichtet wird, dieser Tage ein interessanter Prozeß zu Ende geführt, der ein recht trauriges Bild der Geschichte der rumänischen Juden entrollt hat. Der Prozeß hatte in gewissem Sinne historische Bedeutung. Kläger und Angeklagte sind Juden. Der reiche Bukarester jüdische Schriftsteller I. B. Vrocziner klagte zwei jüdischrumänische Schriftsteller, Josef Ferteanu und E. S. Czerbu, wegen Verleumdung, begangen im Wege der Presse. Den Gegenstand der Klage bildete folgendes Faktum: Unter den Juden Rumäniens herrscht die seit dem Jahre 1879 überkommene Tradition, daß die Juden des Landes auf Grund des Berliner Vertrages sicherlich sämtliche Rechte bekommen hätten, wenn sich.nicht damals dreizehn einflußreiche Juden gefunden hätten, welche, von der rumänischen Regierung durch Zuweisungen von Unternehmungen. Konzessionen rc. bestochen, das Gutachten abgegeben hätten, daß die Masse der rumänischen Juden aus landfremden Flüchtlingen und Landstreichern aus Oesterreich und Rußland bestünde. Diese Juden seien daher nicht qualifiziert, die Bürgerrechte im Lande in Anspruch zu nehmen. Nicht nur daß diese Dreizehn, so heißt es im Volksglauben, dieses Gutachten bei der rumänischen Regierung abgaben, hatten sie es auch seinerzeit übernommen, dafür zu sorgen, daß die öffentliche Meinung Jahre 1879 ungeschwächt erhalten. Nun erschien vor einiger Zeit eine von den oben erwähnten zwei Schriftstellern verfaßte Broschüre unter dem Titel „1879, ein Blatt jüdisch-politische Geschichte aus Rumänien". In dieser Broschüre, sowie in verschiedenen Artikeln der „Cronica Jsraelita" haben die Autoren versucht, auf Grund von Dokumenten die Historizität des Volksglaubens von den bösen 13 nachzuweisen. Von den 13 ist heute nur noch Herr I. V. Brociner unter den Lebenden. Die Broschüre, sowie die übrigen Enthüllungen haben in Rumänien begreiflicherweise ungeheure Sensation erweckt, und man fand es begreiflich, daß Herr Brociner den schweren Vorwurf des Verrates an seinem eigenen Volke nicht ruhig hinnehmen konnte, und klagte daher sowohl für sich, als auch zur Ehrenrettung der andern 12. die in den Angriffsartikeln mit Namen genannt sind, die Autoren dieser Angriffe. Herr Brociner erklärte, daß er durch diese Kampagne auch wirtschaftlich geschädigt sei und forderte einen Schadenersatz von 50,000 Francs. Die Verhandlung verlief für den Kläger sehr ungünstig. Der Staatsanwalt und der Privatklagevertreter waren nicht in der Lage, die inkriminierten Ai> tikel zu widerlegen und Herrn Brociner reinzuwaschen. Sie standen auf dem Standpunkte, daß Herr Brociner und seine verstorbenen Kollegen, welche damals einen entscheidenden Einfluß besaßen, treue Patrioten des Landes waren, welche nicht wollten, daß die Regierung durch das Ausland gezwungen wäre, den jüdischen Massen das Bürgerrecht zu verleihen, dessen sie nicht würdig waren. Aus diese Weise hat der Staatsanwalt eigentlich die inkriminierten Anschuldigungen offiziell bestätigt. Das Gericht verurteilte Petreanu zu einem Monat Gefängnis und 50 Francs Geldstrafe, während Czerbu vollständig freigesprochen wurde. Förderung des Marinewesens unter den Juden. In Venedig gelangten dieser Tage die diesjährigen Zinsen der Loria-Stiftung zur Verteilung, deren Zweck es ist, unter den Juden des österreichischen Küstenlandes und Italiens einerseits Gewerbe und Kunst, andererseits die mit dem Marinewesen zusammenhängenden Berufe zu fördern. Während für die Förderung des Handwerks und der Kunst jährlich 500 Lire zur Verfügung stehen, haben im Sinne des Stiftsbriefes alle 5 Jahre 3000 Kronen an einen solchen Juden verliehen zu werden, der sich in seinem Berufe in der Marine durch eine Tat ausgezeichnet hat, zu welcher besonderer Mut, Entbehrung, Selbstverleugnung in großer Gefahr gehörte. Die Stiftung wurde tm1 Jahre 1868 von dem Triestiner P. M. Loria bei der jüdischen Kultusgemeinde in Triest errichtet, während in Venedig ein Subkomitee für Italien geschaffen wurde. Es wurde angeregt, jene Heldentaten, welche im Laufe der vielen Jahre Don den Bewerbern und Nutznießern dieser Stiftung genracht wurden, zu sammeln und sie als Beitrag zur Geschichte der Juden in der österreichisch-ungarischen und italienischen Marine herauszugeben. Ehrung des Initiators der Patzfrage zwischen Rußland und Amerika. Am 16. März fand, wie uns aus Newyork geschrieben wird, im Cafe Boulevard zu Ehren der Kongreßman Will. Sulzer, dessen energischer Arbeit es bekannb lich zu danken war, daß die Paßsbage zwischen Amerika und Rußland ins Rollen gebracht wurde, und schließlich zur Kündigung des Handelsvertrages führte, ein großes