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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-12 · 15 (12.4.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
15 (12.4.1912)
Date
1912-04-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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'Nr. 15 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 341 bringen?) 220 Vereine, Logen und Brüderschaften gehören der Gesellschaft an, und die Mitgliederbeiträge decken ein Drittel der Ausgaben, während die Gesellschaft sonst auf fluktuierende Spenden und auf ein Darlehen angewiesen ist, dessen Zinsen ein Wohltäter (H. Jacob Schiff) bisher aus eigenem bestritten hat. Der Einwandererstrom ist in letzter Zeit wieder enorm stiegen (von 45,172 Köpfen im Jahre 1908 auf 72,379 im Jahre 1910, voriges Jahr auf 61,500 abgeflaut, scheint aber 1912 wieder sehr steigen zu wollen). Traurig und beschämend für uns, daß Oesterreich mit Rutzland und Rumänien sozusagen am Pranger der Gesellschaft steht, liefert doch Oesterreich jährlich mehr Auswanderer, als alle übrigen Staaten der Welt zusammen, Rutzland natürlich ausgenommen, das viermal so viel wie Oesterreich liefert. (Oesterreich: 1909: 11,806 Köpfe, 1910: 13,035, 1911: 10,220, Deutschland nie über 500.) Die grotzen Ersparnisse seit der Fusion (10,000 Dollars schon in den ersten 9 Monaten) ermöglichten ein wirksames Arbeiten in 7 Bureaus, die nicht nur in Rewyork, sondern in den drei andern Einwandererankunftsslellen, Boston, Baltimore und Philadelphia wirken. Das Ellis-Jslandbüreau schützt die Einwanderer vor ungerechter Auslegung der Kautschukparagraphen des Einwanderungsgesetzes, datz solche, die der Armenpflege zur Last fallen würden, solche mit ansteckenden und ekelhaften (ein weiter Begriff) Krankheiten, Minderjährige ohne Anschlutz drüben, flüchtige Verbrecher, Kontraktsbrüchige, Prostituierte und Mädchenhändler, die ihren Beruf weiter ausüben wollen, ausschlietzt, sie in Ellis-- Jsland festhält, bis ein eventueller Rekurs vor dem Arbeits- und Gewerbeministerium in Washington günstig erledigt ist, sonst aber rücktransportiert. Den Anwälten des Vereines gelingt es (M. Lipschiz in Rewyork, M. Wolf in Washington), ungerechte Abschiebungen aufzuheben, da sie natürlich nur bei Krankheit oder Armut, falls ungerecht, intervenieren und in Washington rekurieren. (1911 wurden bei 3739 zur Rücktranspoytierung Bestimmten nur 787 transportiert, ein riesiger Erfolg, an dem die Einsicht des Ministerial-Unterstaatssekretärs Hon. Charles Ragl und Benjamin Cable, Hon., in Washington und des Einwanderungskommissärs Williams in Ellis - Island ihren vollen Anteil haben.) Den in Ellis - Island Internierten wird Kleidung, Kost, Pflege. Gottesdienst und Seder während der Feiertage, schriftlicher Verkehr mit den Ihrigen, rituelles Begräbnis für die Gestorbenen, alles durch die Gesellschaft, zuteil. Wie ungünstig Man den Juden gesinnt war. beweist, datz erst unter WilliaMs im Vorjahre die Errichtung einer koscheren Küche ermöglicht wurde, wodurch der Gesundheitszustand der Wartenden, die absolut nicht anders essen wollten, wesentlich gehoben wurde, so datz schon dadurch viel weniger als zu krank abgeschoben werden. Ist einmal die Erlaubnis zur Landung erteilt, tritt das Verteilungs- und Jnformations-, wie Obdachlosenbureau in Tätigkeit. Die Gesellschaft hat durch Aufstellung meist freiwilliger Fremdenführer, Damen und Herren, die jiddisch, deutsch, ungarisch oder russisch sprechen, wenigstens für die Juden den unwürdigen Zuständen der früheren weißen Sklaverei ein Ende gemacht, mögen nun die früheren Bauernfänger in Juden verkappte Christen oder wirkliche Juden gewesen sein, worüber amerikanische und jüdisch-amerikanische Zeitungen streiten. Das Informätionsbureau hat nicht weniger als 100,000 Auskünfte, darunter vernünftigerweise ein 0 Diese sucht mau vernünftigerweise nach Havanna und am Panamakanal, als dem Oäent äbnlicheren Gegenden, zu verpflanzen. *) Rührenderweise befinden sich viele KaiserinElisabeN- und Kronprinz Rudolf-Vereine selbst im fernsten Westen darunter, ein schönes Zeichen der Anhänglichkeit des Oesterreich- Amerikaner an die alte Heimat und ihr Herrscherhaus. Viertel an noch in der alten Welt Befindliche, erteilt, durch fast 4000 Annoncen hat es Verwandte der Amkcmmlinge eruiert, verloren gegangenes Gepäck wiederbekommen: autzerdem führt es eine grotzartige Kontrolle über sämtliche, meist von den Hachnosas Orchim gegründete Obdachlosenasyle der Vereinigten Staaten und hat so zahlreiche Vagabundeneristenzen ihren Gattinnen und Eltern zurückgeführt, so datz es mit sein Verdienst ist, wenn die Zahl der verlassenen Frauen und Kinder in Rewyork im Vergleich zu uns so gering ist. Das eigene Obdachlosenheim der Gesellschaft im Ostviertel der Stadt gibt fast dreitausend Personen jährlich Unterkunft, von denen nur zwei Drittel Einwanderer sind. Zu den daselbst in wenigstmöglich beschämender Art verteilten 113,500 Mahlzeiten stellen christliche und farbige Arme des Viertels ihr Kontingent. Durch diese grotzartige Volksküche, zu der der Rosa Lesser-Hilfs-Frauenverein meist die Lebensmittel liefert, ist erreicht worden, datz kein jüdischer Arme andere Suppen- oder Brotanstalten der Stadt aufsucht. So unglaublich es ist, hält die Gesellschaft in den letzten Jahren alle Einwanderer der letzten zwei Dezennien in statistischer Evidenz. Der moralische Erfolg dieser dem Kongretz vorgelegten Statistik war ein großer und hat wohl angedrohte weitere Verschärfungen des Einwanderungsgesetzes verhindert. Die Statistik erwies, datz höchstens 8 Perzent der jüdischen Armen Amerikas der Einwanderung entstammen: datz wohl zwei Drittel der Einwanderer aber höchstens für ein Jahr in Rewyork bleibt, datz sie sich dann, mit Land und Leuten schon vertraut, langsam über alle Staaten ergietzen: datz nach zwanzig Jahren der Einwanderer meist wohlhabend genug ist. sich auf das Land oder in kleine entstehende Rentnerstädtchen zurückzuziehen, was er auch zum Unterschied von europäischen Juden meist tut, und dort als vollkommen Amerikanisierter ein wertvolles neues Element bildet. Die kleinsten Kinder werden schon in die amerikanischen Kindergärten geschickt, die in Amerika Geborenen verlieren schon meist ihre Muttersprache, wie sich denn die Anglisierung beim jüdischen Einwanderer viel rascher vollzieht, wie beim andern. Die Gesellschaft verschafft jährlich über 4000 Männern, also einer viel größeren Kopfzahl, das amerikanische Bürgerrecht, wie sie auch sonst aus Dankbarkeit alles zur Amerikanifierung ihrer Schützlinge tun zu müssen glaubt. Das Erziehungs-- bureau verteilt unentgeltlich über 30,000 Zeitschriften jährlich, veranstaltet Vorlesungen über amerikanische Geschichte, Geographie, Verfassungskunde und hat neuerdings neben dem Abendunterricht im Englischen für jiddische Russen und Ungarn, neben den Vorträgen hervorragender amerikanischer Gelehrter eine Art jüdischen Volksforums eingerichtet, wo jeder, auch der schlichteste Einwanderer, seine Erfahrungen seinen Neuangekommenen Brüdern Mitteilen kann, bei der menschlichen Eitelkeit ein mächtiger Ansporn zur Erlernung der englischen Sprache. Die glänzenden Erfolge der jüdischen, namentlich russisch-jüdischen Einwanderungskinder, Knaben und Mädchen, in den Mittel- und Hochschulen, wo ihnen ein großer Perzentsatz der ausgestellten Preise zufällt, ist ein gewichtiges Argument zu Gunsten der Einwanderung. Das höchste Verdienst darf aber auch das Verte ilungsbureau für sich in Anspruch nehmen, das die Erwerbsverhältnisse in 84 verschiedenen amerikanischen Städten in genauer Evidenz hält, darüber Aus?, kunft erteilt und für unentgeltliche Abschiebung der Ankömmlinge in diese verschiedenen Erwerbszentren sorgt. Mit zu seinen Erfolgen gehört das Anwachsen des amerikanisch-jüdischen Farmertums, das schon jährliche Kongresse veranstalten kann, und im Verein mit ihm ar-

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