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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-12 · 15 (12.4.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
15 (12.4.1912)
Date
1912-04-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 240 Nr. 15 Dr. Vlochs Wochenschrift „Aelteste" zu verstehen sei. Im wesentlichen werden auch die vier Vorlesungen, die ich hier zu halten geoence, der Feststellung dieser zwei Institutionen gewidmet sein. Das Stadttor war der Platz, wo der Rat saß. Der Rai wurde auch Zekeinim genannt. Die Würdenträger am Stadttor hatten verschiedene Titel. Sie hielten hier nicht nur Rat und Gericht ab, sondern übten viel höhere Gewalten aus. Diese Umstände finden sich in der Entwicklungsgeschichte dieser Institution. Ich werde versuchen, den Nachweis zu liefern, daß in den vorisraelitischen Zeiten, d. h. bevor die Israeliten nach Palästina kamen, dieses Land aus vielen kleinen Städte-Königtümern zusammengesetzt war, die, voneinander unabhängig. sich zu Verteidigungszwecken mitunter vereinigten, bisweilen aber auch sich befehdeten. Große Ideale gingen ihnen vollständig ab. Unter diese kamen nun die Hebräer mit höheren Ideen, wenn sie auch noch nicht jene universalistische Konzeption von der Einheit der Menschheit und von der Vereinigung der Nationen erreichten, wie die modernen Nationen. Sie glaubten, daß Iahweh der wahre Gott ist, der das Land Palästina regiert. Das Buch Genesis gibt uns einige Aufschlüsse über die theologischen, ich möchte sagen halb mythologischen Gesetze der alten Hebräer. Die Städteherrschaft verschwand und an ihre Stell; kam die wahre Nation und das nationale Regierungssystem, das gar bald tiefe Wurzeln faßte. Interessant waren die Ausführungen Sulzbergers über die Organisation der Armee: „Das Orakel wurde über eine Sache befragt. Eine Reihe von Fragen wurde gestell t und das Orakel gab durch den Priester die Antwort. Wenn wir nun den Vorgang bei diesen Orakelfragen genauer verfolgen, so erkennen wir das System der Armeeorganisation, wie es sich der Autor denkt. Ein Schuldiger sollte, wie in einem Falle, ausgeforscht werden. Sie begannen damit, daß je ein Vertreter der zwölf Stämme vor die Bundeslade gestellt wurde. Nun wurde die Frage gestellt, welchem dieser Stämme der Schuldige angehöre. Das Orakel antwortete: Judah. Hierauf verließen die Vertreter der übrigen Stämme den Platz, auf welchen nun Vertreter der einzelnen Sippen des Stammes Iudah traten, worauf die Frage gestellt wurde, welcher Sippe der Schuldige angehöre. Das Orakel antwortete: Zerach. Hierauf traten die Vertreter der Sippschaften ab und es kam>en die Vertreter der einzelnen Familie der Sippe Zerach. Auf die wiederholte Frage, in welcher Familie der Schuldige zu suchen sei, kam die Antwort des Orakels: Zabdi. So wurde die Familie des Schuldigen ausgeforscht. Nun wurde diese Familie vor die Bundeslade gebracht und es wurde die Frage gestellt, welches Mitglied der Familie der Schuldige sei. Die Antwort wurde mit solcher Präzision gegeben und der Schuldige mit solcher Sicherheit festgestellt, daß es nur zu wünschen wäre, daß die modernen Richtersprüche mit gleicher Sicherheit gegeber werden könnten. Nun sehen wir ein vollständiges Organisationssystem: Stämme, Sippen und Familien. Nach dieser Methode kann auch durchaus sicher die Organisation der Armee der Hebräer festgestellt werden. Aus Erodus Kap. 18 V. 2 erfahren wir, daß Iithro Moses Vorschläge macht betreffs der Organisation der Armee, und sein System ist ein von dem obigen ganz abweichendes. Er teilte das Heer in Tausende, dann in Hundertschaften, fünfzig und zehn, aber selbst dies bleibt nicht ohne weitere Variationen. Als Saul zum König gewählt wurde, wurde das in Dwisionen und Unterabteilungen eingeteilt, und die einzigen Subdipisionen, von denen dort die Rede ist, waren Stämme oder Sippschaften, während Familien nicht erwähnt werden. Jüdischer Ginwanderungsschutz i« dr» Vereinigte« Staate«. Das Jahr 1659 wird in der 'traurigen Diaspora des Judentums immer denkwürdig bleiben, denn damals bildete sich in Newyork die erste jüdische, und zwar spanisch-portugiesische Gemeinde der neuen Welt, in der die Kinder Israels sich bald heimischer fühlen konnten und durften, als in der alten. Allzu freundlich war ja auch dort die erste Aufnahme nicht, und der Gouverneur des damalig niederländischen Newyork liest das Eim wandererschiff nicht eher landen, als bis ein „Heiliger Bund" beschworen wurde, daß die Einwanderer für sich und ihre Nachkommen die Verpflichtung übernehmen, für ihre eigenen Armen zu sorgen, ihre Kranken selbst zu pflegen und ihre Toten selbst zu begraben. Dieses Gch löbnis zu erfüllen, ist die stolze Pflicht der jüdischen Ge^ meinden Amerikas bis zum heutigen Tage heblieben, was in den ersten Jahrhunderten um so leichter war, als meist nicht Not oder Furcht vor Bestrafung, sondern der Wunsch nach freier Glaubensbetätigung das treibende Motiv der Einwanderung war. So erfreuten sich die jüdischen Gemeinden, denen bald holländische und deutsche folgten, auch unter englischer und republikanischer Herrschaft des größten Ansehens und konnten selbst unerwünschtere Elemente leicht assimilieren. Durch die Jahrhunderte gab es in den Vereinigten Staaten neben einer Iren-, Italiener- und Chinesenfrage auch nicht andeutungsweise eine Judenfrage, schickte doch der Staat Newyork durch volle vierzig Jahre einen noch lebenden, in Wien geborenen weltberühmten jüdischen Einwanderer als einen seiner zwei Senatoren nach Washington. Erst als in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Massenverfolgungen in Rußland und Rumänien losbrachen, kamen auch, für die Juden Amerikas sowohl moralisch als wirtschaftlich schwere Zeiten. Mußten sie doch die jährlich, einströmende Armee von Einwanderern erwerbsfähig machen, ohne die ansässige Bevölkerung zu schädigen, mußten das Mißtrauen der Behörden und den in Presse und Repräsentantenhaus aufgestachelten Volksunwillen besiegen. Da genügten die alten so zahlreichen und bewährten jüdischen Armenanstalten, die „vereinigte jüdische Barmherzigkeit" (United Hebrew Charities) nicht mehr. Neben dem Baron Hirsch-Fonds hatten sich, ein Jüdischer Einwanderungsschutzverein, ein Jüdischer Obdachlosenverein, eine Jüdische Abschiebung sgesellschaft, eine Jüdische Ackerbau- und Farmer-Gesellschaft, jüdische Frauen- und Mädchenvereine für die Einwanderer gebildet, die, wie zahlreiche Privatpersonen, getrennt marschierten. Erst 1909 vereinigten sich unter Präsidentschaft von Leon Sanders die beiden ersten Vereine zur großartigen Hebrew Sheltering Immigrant Aid Society, die wieder mit allen ändern obengenannten im Kontakt arbeitet. Ja noch mehr. Im Jahre 1911 hat sich ein National-Einwanderungsvorstand gebildet, in dem 237 amerikanischjüdische Gemeinden von Ozean zu Ozean vertreten sind, und zwar durch eines oder mehrere Mitglieder, die sich jährlich an einem bestimmten Tage in einer Stadt versammeln und denen sich die Gemeinden Eanadas und der Antillen angliedern. Diese Organisation ermöglicht nicht nur das Sammeln von Spenden an den entferntesten Orten, sie soll in den Stunden kommender Gefahr (d. h. eines noch größeren Einbruchs von Einwanderern) raten und helfen. Haben doch die Wirren im Orient im letzten Jahre eine große Menge orientalischer, d. h. schwerst assimilierbarer Juden nach Amerika gebracht und werden noch mehr

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