Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 15 (12.4.1912)
- Date
- 1912-04-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 15 Seite 33S Lr. Blochs Wochenschrift weder er selbst noch seine Eltern eine blasse Ahnung haben, was sie bedeuten. Ebenso verhalt es sich mit den angeblich jüdischen Vornamen Feibisch, Feiwel usw., die nur Verballhornungen von Phöbus sind, wie bei den Griechen und Römern der Gott des Lichtes genannt wurde. Daher sind diese Vornamen die Begleitnamen von Uri oder Schraga, die ja ebenfalls Licht bedeuten. Man bediene sich also meinetwegen des Vornamens Phöbus. nicht aber der Verstümmelungen, die eine Ausgeburt der Ignoranz sind und ihre Träger lächerlich, machen. Um noch ein drittes Beispiel anzuführen, weise ich auf den angeblich jüdischen Vornamen Herz hin. Nicht Herz, sondern Hirz lautet dieser Vorname. Dies ist nämlich die mittelalterliche Benennung für Hirsch, wie Naftali in der Bibel genannt wird, und wenn unsere Vorfahren diesen Namen mit seinem Begleitnamen anführtsn, dann sagten sie: Naftali Hirz, aber nicht Naftali Herz, da das Herz mit diesem Namen nichts zu tun hat. . Diese Beispiele, denen ich noch viel: hinzufügen könnte, mögen genügen, um zu zeigen, daß wir eine ganze Menge Vornamen aus Unkenntnis für jüdisch halten, die es nicht sind, und die, wenn man sie einem Knaben in die Wiege legt, ihn zeitlebens unglücklich machen können. Wir haben allen Grund, in der Wahl der in die Geburtsmatrikel einzutragenden Vornamen vorsichtig zu sein, und wenn wir wollen, daß unsre Kinder treue und überzeugte Juden bleiben, so müssen wir sorgfältig alles von ihnen fernhalten, was ihnen unnötigerweise das Leben erschweren und das Judentum verleiden könnte. Dazu gehören aber die mißverstandenen, verhunzten, der Lächerlichkeit ausgesetzten, ganz mit Unrecht für jüdisch gehaltenen Vornamen an erster Stelle. Eigentlich übertreten diejenigen, die solche Verballhornungen fortfristen, die Warnung unserer Weisen vor der Namensänderung. Ich wiederhole daher meine Bitte an meine verehrten galizischen Kollegen, deren Frömmigkeit und große talmudische Gelehrsamkeit ich bereitwillig anerkenne. Mögen sie dafür sorgen, daß in die Geburtsmab trikel nur landesübliche, allgemein gebrauch l i ch e u n d v e rständliche Vornamen eingetragen werden. Wenn ich auch meiner Bitte weder durch Frömmigkeit noch durch Gelehrsamkeit Nachdruck zu verleihen vermag, so steht mir doch eine sechsf undvierzigjährige Erfahrung zur Seite, die ich in meiner Stellung in der größten jüdischen Gemeinde der Monarchie gesammelt habe, und unsre Weisen sagen: „Wer ist weise? Der von jedem Menschen Lehre an?- nimmt." Die erste Vorlesung an der Dropste College in Philadelphia. Die erste Vorlesung im neuen Heim der Dropsie- Eollege in Philadelphia hielt, wie bereits berichtet, der gelehrte Appellationsgerichts-Präsident Mayer Sulzberger über „Die Politik bei den alten Hebräern". Der Präsident der Hochschule, Dr. Eyrus Adler, führte den Vortragenden ein, indem er u. a. ausführte: Vor drei Iahren hielt Richter Mayer Sulzberger am Jüdisch-theologischen Seminar in Newyork eine Vorlesung über „Am Haarez", in welcher ihm, wie ich glaube, der Nachweis gelungen ist, daß es im alten Israel ein Parlament oder zunächst eine repräsentative Regierungsform gab, die seiner Meinung nach dem Hause der Gemeinen unserer Zeit entsprochen haben mag. Anläßlich einer kurz darauf stattgehabten Sitzung des Kuratoriums der Dropsie College wurde Sulzberger von seinen Kollegen im Kuratorium eindringlich gebeten, falls er diese biblischen Forschungen fortsetzen sollte, die Ergebnisse derselben den Hörern und Freunden der Dropsie College zum Besten geben zu wollen. Die Bibel ist seit 2000 Iahren von vielen Menschen und vielen Geistern studiert worden und war lange Zeit ein beliebtes Forschungsgebiet für den Klerus und den Laien, den Philologen und Theologen, gelegentlich auch für den Archäologen und mitunter für den Historiker. Ich kenne keine zweite Person, die sich mehr und eingehender dem Studium der Geschichte der Jurisprudenz der Iuden gewidmet hätte, als Richter Mayer Sulzberger. Derer st e Vortrag Sulzbergers. Richter Sulzberger besprach zunächst in kurzen Umrissen die Regierungsformen, welche die alten Hebräer bei den eingeborenen Stämmen vorgefundsn haben» schilderte die autokratischen Methoden, welche diese „Könige" in Anwendung brachten und wandte sich dann den Zuständen zu, welche zu Beginn der Geschichte der Hebräer obwaltet haben. Nachdem der Vortragende noch nachdrücklich betonte, daß seine Ausführungen nichts anderes als eine Studie sein sollen, welche erst durch spätere Forscher vervollständigt werden müssen, führte er dann ungefähr folgendes aus: „Die westliche Welt, die Welt der Zivilisation, hat für die Politik der alten Hebräer stets ein lebhaftes Interesse bekundet. Das Buch, in welchem sie behandelt wird; wurde einst allgemein als buchstäblich inspiriert anerkannt und diese Anschauung ist, obgleich im Laufe der Zeiten nicht mehr allgemein, doch weithin angenommen worden, und selbst diejenigen, welche sie zurückweisen, haben zum besseren Verständnis der biblischen Literatur manch wertvollen Beitrag geliefert. Es besteht die Empfindung, daß das alte Regierungsideal mit demjenigen unserer Tage übereinstimmt. Absolute Autokratie, die ausschließliche Rücksicht des Individuums auf sich selbst, das sind die Attribute, die uns in den großen und mächtigen Ländern des Ostens entgegentreten und uns auch widerstreben. In der hebräischen Poesie treten die entgegengesetzten Ideale zutage. Der König war da, um für das Volk zu leben. Er selbst wurde durch ein festgefügtes Gesetz beherrscht, das er nicht selbst schuf und das er nicht zu ändern vermochte. Er wurde von einem Rate, der irgendwie das Volk repräsentierte, kontrolliert. Vor einigen Iahren hatte ich die Ehre, wie bereits Dr. Adler erwähnte, im Jüdisch-theologischen Seminar für Amerika eine Serie von Vorlesungen zu hallen, in welchen ich den Versuch machte, nachzuweisen, daß diese tatsächlich existierte und historisch vom ersten König Saul bis zu dem letzten, Zedekioh. nachgewiesen werden kann. Richter Sulzberger sprach dann von der Benennung „Am Haarez", was ursprünglich der Name des jüdischen Parlamentes oder Rates der Aeltesten war und später seine ursprüngliche Bedeutung einbüßte, bis sie vollständig vergessen wurde. Das Parlament der Hebräer hat seinen Ursprung in dem Stadttor (Schaar hair), woselbst die Aeltesten ihre Beratungen hielten und das Richteramt ausübten. Das Institut hat später mannigfache Entwicklungen durchgemacht und neue Formen angenommen. Sicher ist, daß es einen Munizipalrat und einen Nationalrat gegeben hat, daß der Munizipalrat feine Beratungen am Stadttor abhielt und aus den Aeltesten bestand. Um nun die wahre Bedeutung dieser Institution kennen zu lernen, war es zunächst notwendig, festzustellen, was unter dem Begriffe „Stobt“ und