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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-12 · 15 (12.4.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
15 (12.4.1912)
Date
1912-04-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 238 Nr. 15 unbedingt das Fleisch vertenern will, riskieren sie es, daß während ihrer tagelangen Fahrt die ganze Konjunktur vielleicht vorüber ist; sie nehmen die Spesen der doppelten Fahrt, der Fracht, der neuen Verzehrungssteuer ans-sich und treiben einander auch noch die Preise-in die Höhe.- Das eine Beispiel für viele. So wird in der /,Reichspöst" Antisemitismus gemacht und an gefacht. 'Es' Mag dabeinoch immer Leute geben, denen kein Blödsinn zu stark ist und welche diese feigen Dummheiten glauben. Da aber die Dinge so geartet sind, daß nur die Behörde einschreiten kann, weil die Angriffe ganz allgemein gegen eine Volksklasse gehalten sind, so bitten wir gegen die ehrlosen Verleumdungen um den Schutz der Gesetze und ersuchen unsere maßgebenden Organisationen, diesen anzurufeu. Jedenfalls zerstören jedoch die dummdreisten christlichsozialen Extempores eine recht beliebte Legende. Die „Reichspost", die Geßmann zuliebe die berühmte Extraausgabe v raustaltete: „Halt nur meine Leut' zusammen", hat den Glauben zu ernncken gewußt, daß sie mit mächtigen Kreisen in Verbindung stehe. Die antisemitischen, Holzhackerkünste verbieten uns kategorisch, diesen .mystischen Glauben zu teilen. Wir halten es für ganz ausgeschlossen, daß mächtige Kreise mit ihrem Ansehen eine Art des Kampfes decken und unterstützen, welche sich gegen eine Notorisch loyale und patriotische Klasse der Bevölkerung richtet und nichts als die blanke Lüge gegen Wehrlose zu ihrem Fundamente hat. Jüdische Uorname«. . Vom Oberrabbiner Dr. M. Güdemaun in Wien. In Galizien werden den neugeborenen jüdischen Knaben und Mädchen Vornamen erteilt, die. anderwärts längst außer Gebrauch gekommen sind, und deshalb einen fremdartigen, seltsamen oder ähnlichen Eindruck machen. Dergleichen Vornamen — ich beschränke mich auf die männlichen — sind beispielsweise Leib, Leibusch, Feiwel, Feibisch und ähnliche. Die mit solchen Vornamen versehenen Knaben wachsen heran, widmen sich' einem kaufmännischen oder gelehrten Beruf und kommren endlich dazu, sich selbständig zu machen, eine Firma zu gründen, sich als Aerzte, Apotheker, Advokaten niederzulassen oder auf eine andere Weise für ihre Eristenz zu sorgen. Bei den zur Erreichung dieses Zweckes nötigen Vorbereitungen stellt sich nun heraus, daß der Vorname des angehenden Kaufmanns, Arztes, Apothekers oder Advokaten laut Geburtsschein Leib, Leibusch oder ähnlich lautet. Ein solcher Vorname ist aber z. B. in Wien eine Unmöglichkeit.! Der bedauernswerte 'Träger dieses Vornamens hat zwar bereits zur Selbsthilfe gegriffen und Leib in das wohlklingende Leo verwandelt. Aber jetzt, wo es sich um die Etablierung handelt, muß der Geburtsschein der Behörde vorgelegt werden, und da kommt der lange verheimlichte Leib oder Leibusch 'an den Tag. Der. junge Mann kann von Glück sagen, wenn er nicht als angeblicher Leo wegen Falschmeldung bestraft wird. Auf jeden Fall sucht er sich, den lästigen Leib oder Leibusch vom Halse zu schaffen, und nun. wendet er sich an das hiesige Nabbinat um Hilfe. Daher.sind mir die geschilderten. Zustände bekannt.. Es kommt auch por, daß sich der Inhaber eines solchen störenden Vornamens taufen läßt, bloß um einen brauchbaren Vornamen zu erlgngey. Nachher bereut er wohl seinen Schritt, er ersucht das Nabbinat um; seine Wiederaufj-- nähme in das Judentum, aber den durch die Taufe erlangten. richtiger erschwindelten Namen besitzt er. Ist dies nun nicht ein schreiender llebelstand, ja eine Schande Her mir Juden. uns schämen müssen? Und alles megen des Vornamens Leib, Leibusch und ähnlicher!' . ^Deswegen wende ich mich an alle meine Kollegen in Galizien, besonder^ an hie durch Frömmigkeit und Einfluß hervorragenden Rabbiner und Oberrabbiner mit der Bitte, dafür zu sorgen, daß die Wahl und Eintragung besonders der männlichen VornameN den Trägern derselben keine. Schwierigkeiten im Leben verursachen, ja daß sie - nicht in'.. Vexsüchüng .geraten, zur Erlangung brauchbarer, Vornamen sich, taufen zu 'lassen! / -Ich Hegreife, .Haß ein.Wischer Vater.Wertdarauf legt, daß seist Sohn Mit Vornamen Abraham, Jsak, Jakob, Moses, Samuel, David oder ähnlich heiße. Mit solchen Vornamen kann jeder. Jude sich, sehen lassen, ja er darf stolz daraus sein. Selbst unter Nichtjuden stehen diese Namen in hohen Ehren. Der einstige Präsident der Vereinigten Staaten, Lincoln, hieß Abraham, der große Naturforscher Newton nannte sich, Jsak, englische Könige hießen Jakob usw. Aber selbst diese großen Namen können als Vornamen in unseren Gegenden die Laufbahn eines jungen Mannes störend beeinflussen. Der große Philanthrop Montesiore hieß zwar Sir Moses, was seinem Ansehen nicht schadete. Wenn aber ein galizischer Jude, der sich, in . Wien .niederlassen will, sich sträubt, den Vornamen Moses, den sein Geburtsschein aufweist, aus seine Firmatafel zu setzen, so kann man ihm das doch wahrlich, nicht übel nehmen. Es ist doch keine religiöse Pflicht, sich, für einen Vornamen zu opfern! Der junge Mann hält es natürlich für vorteilhafter, die Vornamen Moritz oder Mar auf die Firmatafel zu fetzen, und um dies tun .zu'.können, kommt er ins Rab,- binat mit'der Bitte, ihm schriftlich, zu bezeugen, daß der hebräische Wrname'Möses mit dem deutschen'Vornamen Moritz oder Mar Wiedergegeben zu werden pflegt. Das Nabbinat ' erfülltdiese Bitte, das wird der Größe des Namens Moses nicht schaden, wenn aber einer die Fähigkeit nicht in sich, fühlt, ein Moses, ein Abraham, ein Jsak oder David zu sein, so braucht er doch auch nicht so zu heißen, üNd das Nabbinat handelt gewiß recht und billig/ wenn es dieser Selbsterkenntnis und der Karriere eines jungen Mannes auf die erwähnte Art zu Hilfe' kömmt. Ich gebe zu bedenken, daß es unter den Mischjncrllehrern und " anderen großenVorfahren viele gibt, die griechische Namen — Vornamen gab es damals noch.nicht — geführt haben, wie Antigonos, Nikodemös, Dosistheos, Theodoros, Syinmachos u, andere. Zu keiner Zeit haben die Juden Anstand genommen, die landesüblichen Namen zu.. gebrauchen, und wenn sie auch für die Verwendung im Gottesdienste, hebräischer Namen sich bedienten - - obwohl auch hier der griechische Name Alexander Geltung erlangt.hat! —, so führten sie doch in der OesfentlichkeiL unter den Griechen griechische, unter den Arabern arabische und.unter den Deutschen und Polen deutsche oder polnische Vornamen. Dcts hat be-> reits vor 80 Jahren Z u n z unwiderleglich nachgewiesen. Nichts kann aber verkehrter sein, als wenn Juden solche Vornamen für jüdisch halten und als solche gebrauchen, die gar keine jüdischen Vornamen, vielmehr nur jüdische Verlegenheiten sind': Leib ist eine Mißverstände liche Schreib- und Sprechweise süv Lew oder Lewe — das hebräische Beth wurde weich gesprochen, wie in der hebräischen Schreibart für Lwow (Leknberg) —, Lew oder Lewe sagte man im Mittelalter für das heutige Löwe. Deshalb ist dieser Name der Begleitname Juda's, der.in der. Bibel ein junger Löwe heißt. Ein Vorname Löwe existiert aber heute. nicht mehr, daher gebraucht man. das.lateinische L eo, und wenn Man einem Knaben neben.dem hebräischen Vornamen Juda den Begleitnamen Leo erteilt und d i e s e n alle i n in die Matrikel eintragen läßt, so handelt man religiöser und vernünftiger, als wenn man ihn durch Eintragung von Leib oder Mibufch in den Geburtsschein zwingt, diese Verballhornungen mit sich berumzuschleppen, von denen

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