Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-12 · 15 (12.4.1912) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
15 (12.4.1912)
Date
1912-04-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3021997--21052-3046125
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr l5 DPo BloCh’S I<chr-««sn» Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. Wien, 12. April 1912 Lrscbetnt jeden Freitag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngasse 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. O G=: O ÖC Ä. k. Pofisxarksffrnsmt Q Clearings« D ergebt «r. 810.976. Redaktion und Administration: vl> i r n n/i, Hahngaffe Nr. 15. b Telefon Nr. 14.847. ( QP- ■ —Of 0(J=- =■■ —=0O 2 Vrrugsprrt» Pik Vrstrrrrirh: Ci Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Ausland: Halbjährig 10 Kronen. - Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die S»algespaltene Petitzeile Heller. OO- - -Qo Inhalt: Leitartikel: Die Lllgenkampagne der »Reichspast". — Jüdische Vornamen. — Die erste Vorlesung an der Dropfie College in Philadelphia. — Jüdischer Einwanderungsschutz in den Vereinigten Staaten. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Zur Geschichte des rumänischen Judenelends. Förderung des Marinewesens unter den Juden. Ehrung des Initiators der Paßfrage zwischen Rußland und Amerika. Die gesunkenen Schiffe des Königs Salomo. — Die Beteiligung der Juden am Serischen Welthandel im Altertum. — Korrespondenzen: Eine Millionenstiftung für Kinderspitalszwecke. Antisemitische öffentliche Funktionen in Galizien. Budapest. Zuruckgewiesene Erbschaft nach einem getauften Bruder. Warnung vor Kitzbühel. Die Ritualmordlegende in Bulgarien. Jüdische Kulturförderung in Algier. Juden in der konsultativen Körperschaft in Tunis. Jerusalem. — Vermischtes. - Feuill e t o n: David Ignaz Fromm. — Literatur. — Briefkasten. — Inserate. Die Kiigenkarnpagne der „Keichsxsst". Seit neuerer Zeit hat von den christlichsozialen Blättern wieder mehr die „Reichspost" den Antisemitismus in Vertrieb genommen. Das „Deutsche Volksblatt" hat sich in diesem Punkte etwas eingeschränkt und gemäßigt. Aus mehreren recht klugen Gründen. Erstens wirst sich jetzt das Ritualmordblatt, das Vergani seinen Mitarbeitern schenkte, als es mit Ausnahme des dem Ehrenbürger wahrscheinlich vorbehaltenen Bankpauschalien passiv zu werden begann, auf die Gewerberettung. Die Gewerbsleute wollen aber von der blödsinnigen antisemitischen Hetze nichts mehr wissen, in der sie nur das Stimmvieh waren und mit welcher sie sich schwer geschädigt haben. Weiters aber kann das „Deutsche Volksblatt" wirklich nicht mehr aus so vollem Herzen auf die Juden schimpfen, da es doch monatelang die korrupten Schandtaten der christlichsozialen Führer aufgedeckt und nachgewiesen hat. Die „Reichspost" hingegen, langweilig und talentlos wie sie schon ist, arbeitet noch immer mit den abgeschmacktesten und albernsten Mitteln. In dieser Redaktion klaubt man aus der Rumpelkammer des Judenhasses die verstaubtesten Requisiten hervor. Wenn man schon gar nichts mehr gefunden hat, tritt offenbar ein trauriger Witzbold und Erfinder in Aktion, welcher irgend eine phantastische Lüge bei den Haaren herbeischleift, um die Bürger das Gruseln vor den Juden zu lehren.' So erscheint denn von Zeit zu Zeit, namentlich aber in den Sonntagsnummern ein läppischer Angriff auf die Juden von größerer oder geringerer Ausdehnung. Die Redaktion des schwarzgrauen Blattes der Meßner und Kirchendiener scheint der Ansicht zu sein, daß jeder ihrer wenigen Leser am Sonntag einen Juden im Topfe haben müsse. Man weiß wahrhaftig nicht, ob man diese Methode mehr als dumm oder mehr als frech bezeichnen soll. Die „Reichspost" bezeichnet sich stolz als offizielles Organ der christlichsozialen Partei und hat AD diesen Ehrentitel sogar einen erbitterten Kampf mitdem Verganiblattausgefochten. Eswärenun recht hübsch, wenn die Meßnerzeitung bei ihren Bemühungen gegen die Korruption von der genauen Kenntnis der Partei Gebrauch machen würde, welche hinter ihr steht, oder bester gesagt, umgefallen ist. Wenn man die christlichsozialen Führer betrachtet, wird man wahrhaftig an die biblische Geschichte von Sodom und Gomorrha erinnert, welche nicht vernichtet worden wären, wenn sich darin zehn Gerechte befunden hätten. Wenn man eine gar so reiche und üppige Auslese an Ehrenmännern in der nächsten Nähe hat, der löblichen Redaktion und dem Staatsanwalt zum Greifen nahe, so braucht man doch wahrhaftig nicht den Umweg zu den Juden zu machen, wenn man das öffentliche Leben Wiens säubern möchte. Geschieht das aber, will man die Juden feindselig behandeln, so soll das auf eine halbwegs ehrliche und honorige Art geschehen. Wir haben gar nichts dagegen, daß die „Reichspost" die jüdische Korruption erbittert behandelt und verfolgt, wo sie diese findet. Wir sind selbst immer dafür eingetreten, daß sich die Juden vor der anderen Bevölkerung durch eine ganz besondere Ehrlichkeit und Vornehmheit im Handel und Wandel auszeichnen sollen. Wird ein Jude bei einem Vergehen ertappt, dann spielt durchaus nicht die von den Antisemiten vorgespiegelte Solidarität der Volksgenossen hinein, sondern Juden sind es, die den Missetäter am schärfsten verurteilen. Die „Reichspost" soll also in beliebiger Tonart über alle jüdischen Straffälle herfallen. Aber fürs erste soll sie die antisemitischen Verbrechen nicht verschweigen (es sei denn bei notwendig eintretenden Raummangel); zweitens aber soll sie die jüdischen Fälle finden, nicht e r finden. Das schamlose und schmachvolle Rezept des Meßnerblattes besteht aber darin, nicht etwa einzelne Personen herauszugreifen und anzuklagen, sondern ganz allgemein gehaltene Verleumdungen giftiger Mache auszustreuen. Um die plumpe Manier genügend verachten zu lernen, braucht man nur die Tagesnotiz über das Thema zu lesen „wer den Wienern den Ofterbraten verteuert". Hier setzt Plauschpepi den entrüsteten Lesern auseinander, daß die Lämmer in der Großmarkrhalle vor den Ostern recht billig gewesen wären, daß man aber die günstige Konjunktur nach Galizien telegraphiert hätte und daß von dort jüdische Fleischhauer in Scharen gekommen wären und die Fleischpreise in die Höhe getrieben hätten. Welches Armutszeugnis für den Leser, dem man den Glauben an eine solche Tatarennachricht znmutet. Also von Galizien bis Wien machen sich Scharen jüdischer Fleischhauer, die von der jüdischen Solidarität telegraphisch verständigt wurden, auf den Weg; in ihrer jüdischen Bosheit, welche den Christen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.