Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 14 (5.4.1912)
- Date
- 1912-04-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 326 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 14 Bedeutung, indem dadurch einerseits der vortrefflichen ärztlichen Leitung, der sorgfältigen Pflege wie auch den segens' reichen Einflüffen des Meraner Klimas das beredteste Zeugnis ausgestellt wird. Bei den sodann vorgenommenen Ersatzwahlen wurden die ausscheidenden Vorstandsmitglieder per aeelawatlonem wieder gewählt. Herr Heinrich G u t m a n n, Meran, und Herr Dr. Emil Hirsch, Halberstadt, wurden als Schiedsrichter für zwei erledigte Stellen neugewäht. Mit einem ausrichtigen Danke an den Vorstand, den Herr Dr. med. Popper aus Prag namens der Versammlung aussprach, schloß die IV. Generalversammlung. Es ist aus das Innigste zu wünschen, daß das Genesungsheim aus weitesten Kreisen Förderung und Unterstützung finde, damit es in für alle Zukunft geficherter Weise seine segensreiche Tätigkeit entfalte. Antisemitische Hetzereien in Serbien. Aus Belgrad Wird uns geschrieben: Jetzt, wo Serbien vor den Skupschtina-Wahlen steht und das Volt um so erregbarer ist, benützen einige Belgrader Tagesblätter. namentlich „Sirascha" und „Wetscherni Novosti", die Gelegenheit, künstlich eine feindselige Stimmung gegen die Juden hervorzurufen. So wollen diese Zeitungen dem im allgemeinen wenig gebildeten Publikum einreden, daß an der Benützung nichtserbischer Sprachen in den Belgrader Bankgeschäften, an der Irreligiosität der Jugend, ja sogar an der für Serbien ungünstigen Annexion Bosniens durch Oesterreich-Ungarn fast ausschließlich Juden schuld seien. Die Blätter fordern die Serben auf, hiefür an den Juden Rache zu nehmen. Diese Hetzereien sind um so grundloser, aber auch bedauerlicher, als es ja bekannt ist, daß in Serbien die Juden nicht einmal ein halbes Prozent der Gesamtbevölkerung bilden und sich infolge ihres jederzeit korrekten Verhaltens bei der übrigen Bevölkerung wahrer Beliebtheit erfreuen. Die Führer der serbischen Juden sind auch wegen dieser in Serbien ganz unbekannten antisemitischen Hetzereien bei der Regierung vorstellig gewesen und erhielten dort die beruhigende Antwort, daß die serbische Regierung niemals Ausschreitungen gegen eine Nationalität oder Konfession zulassen werde. Der erste jüdische aktive Offizier in der Türkei. Letzten Mittwoch fand, wie aus Konstantinopel berichtet wird, in der Militärakademie von Pancali in Gegenwart des Sultans die Verteilung der Offiziersdiplome an jene Zöglinge, welche das Offiziersexamen mit Erfolg bestanden haben, statt. Unter ihnen befand sich auch ein Jude. Es ist dies der erste jüdische Offizier in der modernen ottomanischen Armee. Die Eidesleistung der neuen Offiziere fand unter besonderen Feierlichkeiten statt. An denselben nahmen die Geistlichen aller Konfessionen, so auch der Großrabbiner der Türkei, Ehaim Nahum, teil, der bei der Eidesleistung des ersten jüdischen Offiziers intervenierte und an denselben eine patriotische Rede hielt. Das 25jahrige Amtsjubiläum des Direktors der Lämelschule in Jerusalem. (Eigene Mitteilung) Am 15. April werden es 25 Jahre, seitdem Herr Direktor Ephraim Lohn die Reorganisierung und Leitung der Edler v. Lämel-Schule übernommen hat. Was dieser Zeitabschnitt für die Entwicklung des palästinensischen Schulwesens überhaupt bedeutet und welchen Anteil speziell Herr Direktor Lohn daran genommen hat, ist all denjenigen zur Genüge bekannt, die sich für den jüdisch-kulturellen Fortschritt im Lande der Väter interessieren. Mit 28 Zöglingen hat Herr Dir. Cohn die Lämelschule übernommen, und heute zählt dieselbe 350 Zöglinge, die in 8 Klassen von kompetenten Lehrern unterrichtet werden. Bereits im Jahre 1903 hat Herr Generalkonsul Pogacar anläßlich der Einweihung des neuen imposanten Schulhauses über die Lämelschule geurteilt, „daß sie nicht nur in Palästina als Musterschule bezeichnet zu werden verdient, sondern auch in Ländern mit höher entwickeltem Schulwesen einen ehrenvollen Platz einnehmen würde." Seitdem steht diese Wiener Gründung. die Elite- und Musterschule Palästinas, im Mittelpunkte eines Schulwerks, welches in Jerusalem allein 13 Anstalten mit mehr als 1700 Zöglingen und 60 Lehrkräften, in den übrigen Orten Palästinas und Syriens ebensoviele Anstalten mit ca. 40 Lehrkräften und 1000 Zöglingen umfaßt. Zu den Anstalten in Jerusalem gehören als Unterbau zu der Lämelschule 3 Kindergärten, und als Oberbau ein Lehrerseminar und eine Handelsrealschule. Als Parallelanstalt zu der Lämelschule besteht seit 5 Jahren eine Mädchenschule, welche wiederum einen Oberbau in einem Kmdergärtnerinnense.ninar erhalten hat. .! JJ Diese Zahlen sagen mehr, als Worte ausdrücken könnten, was die 25jährige Arbeit des Direktors der Lämelschule für die Regenerierung der jüdische:: Bevölkerung in Palästina bedeutet. Es ist Tatsache, daß noch niemand vor ihm im Orient soviel an jüdischen Kulturwerken geschaffen wie er, und daß keine anderen Institutionen so den realen Bedürfnissen entsprechen, wie die von ihm organisierten und geleiteten Anstalten. Es war ihm beschieden, und das ist das Glück Palästinas, alle seine Fähigkeilen in den Dienst praktischer Kulturarbeit zu stellen, welche bei ihm' Geist und Zeit ganz absorbieren mußte, um den Erfolg zu sichern. Sein klares Urteil, bei dem man das Bestreben nach Objektivität erkennt, verfehlt nicht, einen tiefen Eindruck zu machen. Seine Pläne und Entwürfe sind frei von jeder Phantasterei, sogar auch von jedem' übertriebenen Enthusiasmus. Energie und Ausdauer, Arbeitsfreude und Hingebung sind die Grundzüge seines Charakters. Schon durch seine Persönlichkeit übt er eine Autorität aus, der sich nieznand entziehen kann. Seine Schüler achten in ihm nicht nur den ausgezeichneten Pädagogen, sondern erblicken in ihm auch den Freund und Gönner, der um ihre Förderung väterlich besorgt ist. Sein tiefes Mitgefühl ist aber auch den Armen Jerusalems bekannt. Seiner großen Menschenliebe steht auch eine innige Liebe zur heimatlichen Scholle nicht nach. Bemühungen und Versuche von Freunden und Verehrern, ihn für das Ausland zu gewinnen, sind öfter unternommen worden, ebenso oft aber hielt er ihnen wacker stand und lehnte sie stets mit der Motivierung ab, daß er seine Lämelschule nicht im Stiche lassen dürfe. Wiewohl, oder vielleicht weil er sich jeder Einmischung in Gemeindeangelegenheiten fernhält, besitzt er einer großen Einfluß auf alle Kreise der Bevölkerung, den er stets nur iM Interesse des Friedens, der Vereinigung und Aussöhnung ausnützt. . m :; ' . . : i : 1 i Wenn wir noch den Anteil des Dir. Cohn bei der Gründung der Vnei-Vrith Kolonie Motza bei Jerusalem und der Salvendi-Musterfarm bei Petach-Tikwah erwähnen, seine Verdienste uM die „Jüdische Nationalbibliothek", deren Vorsitzender er seit ihrer Begründung vor ca. 20 Jahren ist, und — last not least — sein Mühen für das „Jüdische Mädchenheim", das Erziehungsheim Jerusalems par excellence von ihm und seiner Gemahlin ins Leben gerufen und von letzterer mit solcher Hingebung ehrenamtlich geleitet, so ist damit das Verzeichnis der 25jährigen Arbeit Dr. Cohns noch lange nicht erschöpft.