Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 14 (5.4.1912)
- Date
- 1912-04-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 326 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 14 mit Den großmütigsten Weisungen und reichsten Mitten, die unerschöpflich waren. Ein Zug folgte dem andern, Eisenbahn- und Schiffskarten, Kleider und eine kleine Geldreserve für die erste Zeit in Amerika, Lehrbücher der englischen Sprache, Empfehlungen, Mahnungen, Warnungen und Schutz in. der neuen Welt — für alles sorgten die Umsicht und Großmut des edlen Mannes, der, ein zweiter Moses, die Juden aus der Knechtschaft führte. Wohin er sie führte, das haben Sie nun gesehen und freudig begrüßt. Ins Land, wo die Sonne der Freiheit leuchtet, wo der Mensch den Maschen gilt, wo der Jude erhobenen Hauptes, selbstbewußt allen andern Staatsgenossen gleichsteht, wo die Arbeit adelt und das faule Schmarotzertum am Boden kreucht und wo die einzige Aristokratie der Geistesadel ist. Die gewaltig blühende russ.-jüd. Gemeinde Newyorks, es ist die große Schöpfung des Freiherrn v. Hirsch, und es wäre ein Akt pietätvoller Dankbarkeit, wenn im Zentrum der Einwanderung dem Baron und seiner Gattin Elaire Hirsch ein Monument errichtet würde, ein leuchtendes Beispiel für spätere Zeiten. Teplitz. Leo Herzberg-Fränkel. Der achtzigste Geburtstag Theodor Gomperz'. Hofrat Theodor Gomperz, der berühmte Verfasser der „Griechischen Denker" und der Nestor der Wiener Philologen und Philosophen, feierte am 29. März seinen achtzigsten Geburtstag. Da verlautet hattedaß Gomperz den eigentlichen Jubiläumstag nicht in Wien verbringen wolle, fanden sich schon am Tage vorher einige Eratulationsdeputationen im Hause des Gelehrten ein, der im Verein mit seiner Gattin und seinem Sohne, Dozenten Doktor Harry Gomperz, die Gäste empfing. Eine der ersten war die Deputation der Akademie der Wissenschaften, in deren Namen der Präsident Dr. v. Böhm-Bawerk das Wort führte. Dr. v. Böhm überreichte dem Jubilar auch eine Adresse, in der dessen Verdienste gebührend gewürdigt werden. Nach der Deputation der Akademie erschien das Komitee für den Theodor-Gomperz-Fonds, das dem Gelehrten in einer Adresse die Mitteilung machte, daß es einen Theodor- Gomperz-Fonds gebildet habe, der, nach des Gelehrten freiem Ermessen, der Förderung der Wissenschaft oder der Universität dienen soll. Diese Adresse ist von mehreren hundert hervorragenden Persönlichkeiten des In- und Auslandes unterzeichnet. Nach der Uebergabe des Theodor-Gomperz-Fonds folgte die Gratulation der engeren .Fachgenossen, Freunde und Schüler des Gelehrten. In ihrem Namen überreichte Regierungsrat Dr. Frankfurter ein Album mit Photographien. Hofrat Gomperz erwiderte auf die Ansprachen in sichtlicher Ergriffenheit, daß bei dergleichen Gelegenheiten immer etwas übertrieben werde: aber dabei folge man ja bloß der Natur, die gleichfalls übertreibt, indem sie manchem das Leben so reichlich zumißt. Die Fülle und die Herzlichkeit der Glückwünsche wolle er zum Teil aus dem Milieu erklären: das „goldene Wiener Herz" bemüht sich, diesen Tag so angenehm als möglich zu gestalten. Universitätsprofessor Dr. Eduard Hauser überreichte dann den eben fertiggestellten Band der „Vierteljahrsschrift". Sie ist Gomperz gewidmet und enthält etwa fünfzig Arbeiten von österreichischen Philologen und Philosophen aus den verschiedenen Gebieten ihrer Wissenschaft. Die Glückwünsche des Vereins der Freunde des humanistischen Gymnasiums überbrachten in Abwesenheit des Vorsitzenden, Herrenhausmitgliedes Professor Toldt, die Professoren v. Arnim und Häuter. Für die Anthropologische Gesellschaft erschien eine Deputation, die Herrenhausmitglied Hofrat v. Zagic führte. Glückwunsch des Erzherzogs Rainer. Erzherzog Rainer hat an Theodor Gomperz Nachstehendes Glückwunschschreiben gerichtet: „Lieber Herr Hofrat! Sie begehen heute Ihren achtzigsten Geburtstag, der auch von der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, die Sie.seit vielen Jahren zu ihren hervorragendsten Mitgliedern zählt, als Festtag begangen wird. Lehrend und forschend haben Sie Ihre ganze Lebensarbeit der Wissenschaft gewidmet und mit Ihrem durchdringenden Geiste große Probleme, welche vor Ihnen schon so viele tiefe Denker beschäftigt, weithin erhellt. Den neuen Generationen haben Sie den Reichtum der griechischen Philosophie in unübertrefflicher Darstellung vor Augen geführt und damit ein Meisterwerk von unvergänglichem Werte geschaffen. Nicht minder erfolgreich war Ihre tatkräftige Mitwirkung an den das höchste geistige Schaffen umfassenden Aufgaben der neugeschaffenen internationalen Association der Akademien, und an dem erfreulichen Fortschritte der gemeinsamen Arbeit dieser Vereinigung gebührt Ihnen ein reiches Verdienst, Die kaiserliche Akademie der Wissenschaften wird dafür wie für Ihre gelehrten Großtaten Ihren Namen in hohen Ehren halten. Nehmen Sie am heutigen Tage meine herzlichsten Glückwünsche entgegen. Mögen Sie, lieber Herr Hofrat, uns noch lange erhalten bleiben. Wien, am 29. März 1912. ' Erzherzog Rainer m. p." Glückwunsch des Unterrichtsministers. Der Unterrichtsminister Dr. Ritter v. Hussarek hat an Theodor Gomperz das nachstehende Glückwunschtelegramm gerichtet: „Zu dem schönen Feste, das Euer Hochwohlgeboren heute feiern, bitte ich, meine wärmsten Glückwünsche entgegen zu nehmen. Mit dankbarer Anerkennung gedenkt die Unterrichtsverwaltung der hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen und der Verdienste, die sich hochgeehrter Herr Hofrat um Forschung und Lehre erworben haben. 'Besonders aber möchte ich Sie wegen der vielfachen Anregungen feiern,- die Sie mit seltener Universalität über das engere Gebiet, dessen Meister Sie sind, hinausreichend, allen Zweigen des Geisteslebens beschieden haben. Möge es Euer Hochwohlgeboren vergönnt sein, noch viele Jahre in gleicher Rüstigkeit wie bisher aM wissenschaftlichen Leben werktätigen Anteil zu nehmen." Glückwunsch der Universität. Vom Rektor der Wiener Universität, Professor Oswald Redlich, kaM nachstehendes Gratulationsschreiben: „Hochgeehrter Herr Hofrat! Gestatten Sie, daß ich Ihnen zu deM heutigen festlichen Tage auch meine herzlichsten, aufrichtigsten und ergebensten Glückwünsche darbringe. Die Wiener Universität gedenkt in Verehrung und Dankbarkeit ihres ausgezeichneten Lehrers. Möge Ihnen, hochgeehrter Herr Hofrat, die bewunderungswerte Frische des Geistes und die körperliche Rüstigkeit auch fürderhin noch lange erhalten bleiben. In ausgezeichneter Verehrung und Ergebenheit der Rektor Professor Oswald Redlich." Persönlich. gratulierten der Präsident des Reichsgerichtes Dr. Iosef Unger, der ehemalige Ministerpräsident Dr. Ernest v. Koerber, Professor Eduard Sueß, Graf Lanckorönski und andere. Vom Ministerpräsidenten Grafen Stürgkh kam ein Gratulationstelegramm. Ferner sandten zahlreiche in- und ausländische wissenschaftliche Vereinigungen Glückwunschdepeschen.