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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-05 · 14 (5.4.1912) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
14 (5.4.1912)
Date
1912-04-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Blochs Wochenschrfft Seite 323 Kronen aus der Landwirtschaft den Veremszroecken zugeführt werden konnte. (Allseitiger, lebhafter Beifall.) Herr Kultusvorsteher Dr. I. Samuely begrübt sodann den Verein im' Namen des Kultusvorstandes und beglückwünscht denselben zu seinen schönen Erfolgen. Er freue sich aufrichtig, daß er als Arzt berufen worden sei, in Vertretung des Kultusvorstandes der Versammlung beizuwohnen, weil er als solcher wohl in der Lage sei, nicht nur die bisherigen Leistungen zu würdigen, sondern auch die Anforderungen, welche die Zukunft an den Verein stelle, in vollem Matze zu erfassen. Redner erklärte unter lebhafter Zustimmung, datz er bemüht sein wolle, das Interesse für den Verein „Kinderheim" zu stärken und von Seite des Kultusvorstandes wenn möglich eine höhere Subvention zu erlangen. Dr. Samuely entwickelte sodann im Anschlüsse an die drei Millionen-Spende, welche Herr David Ritter y. Gutmann für die Errichtung eines Kinderspitales der israelitischen Kultusgemeinde gewidmet hat, einen überaus fruchtbaren Gedanken. Er verwies darauf, datz die Kinderspitäler mit der Heilung der Kinderkrankheiten nur ein halbes Werk tun und datz zur absolut notwendigen Ergänzung dieser Heilanstalten Rekonvaleszentenhelme für die aus der Spitalpflege entlassenen Kinder geschaffen werden müßten. Es wäre nun gewiß eine überaus nützliche Verwertung des Grundstückes, welches der Verein „Kinderheim" in Laa besitze, dadurch möglich, datz Laa als ein solches Rekonvaleszentenheim an das neu zu errichtende Kinderspital in Wien ungegliedert würde. Er wolle diese Idee heute nur im allgemeinen andeuten, zu ihrer Ausstzhrung bedürfe es selbstverständlich des Zusammenwirkens aller beteiligten Faktoren. Präsident Dr. Krüger begrüßt die Anregung Dr. Samuelys mit größter Freude und dankt demselben herzlich für das lebhafte Interesse, das er für die Vereinsbestrebungen bekundet. Im Namen der Revisoren beantragt Herr Deutsch, dem Vereinsvorstande das Absolutorium zu erteilen. Der Antrag wird einstimmig angenommen und die Herren Back und Deutsch neuerdings zu Revisoren bestellt, worauf der Vorsitzende mit herzlichem Danke die Generalversammlung schließt. Wir möchten dieses Referat nicht beendigen, ohne auch unsererseits an die jüdische Oeffentlichkeit einen Appell zur eifrigen Unterstützung der menschenfreundlichen Wirksamkeit des Vereines „Kinderheim" zu richten, und wir tun dies vielleicht am' besten, indem wir die eindringlichen Worte wiederholen, mit welchen der diesjährige Rechenschaftsbericht des Vereines schließt und welche lauten: „Sprichwörtlich ist der Familiensinn der Iuden! Nun denn, wir appellieren an alle glücklichen Väter und Mütter, die sich der blühenden Gesundheit ihrer Kinder freuen, daß sie aus ihren sonnigen Kinderstuben einmal einen Blick auf den unsäglichen Iammer, auf das düstere Dasein jener armen Geschöpfe werfen, die, in Armut geboren, von Hunger und Krankheit abgezehrt, nie die Wonnen des Kindesalters gekannt, nie mit einem jauchzenden Rufe, einem frohen Lächeln den blauen Himmel, den grünenden Wald, die blinkenden Sterne begrüßt haben. Hierher, Ihr jüdischen Väter und Mütter, wendet Euren Blick, helfet mit, die Not und das Elend dieser verkümmerten, hilflosen Wesen zu lindern, und tretet zu diesem Zwecke als Mitglieder dem Vereine „Kinderheim" bei! Ueberreich sollten die Gaben uns zuflietzen, statt daß' wir um dieselben bitten müssen!" vom Aabrrnarkt des Lebens. Frühj ahrsausftellrnrge«. I. (Kün stlerhau 8.) Im Verständnis für ein Kunstwerk gibt es Abstufungen: Man versteht es. kann es versieben oder w'll es verstehen Auf der untersten Stufe steht das Publikum, ihm folgt der Kritiker und schließlich der Künstler vom Fach. Weil sich aber in der Entwicklung nichts gewaltsam und ohne Uebergang vollzieht, käme zwischen Laie und Kntrk der Nicht-Fuchkü stier — denn durch die verschiedensten Kunstgattungen spannen sich immer tausend gleichartige, verbindende Fäden und innerhalb der zweiten und dritten Reihe der Kritiker, der gleichzeitig Fachmann ist. Aber nur dem Fachkünstler allein ist ein Eindringen bis ins Letzte möglich; nur er allein erfaß! das Technische, rein Handwerkliche und weiß — um gerade vom Maler zu sprechen — was es heißt, ein Bild zu malen. Jeder andere — selbst der qua,fizierte Kritiker büßt schon an frischer U Voreingenommenheit ein — kann nur mehr oder weniger nahe kommen Wir können mit- und nachempfinden, wenn ein anderer leidet; den Schmerz selbst fühlt eben doch nur der davon Betroffene. Dadurch, daß wir das Publikum hier eingererht haben, widersprechen wir schon der „ewigen" Behauptung: Das Publikum versteht nichts. Man muß nur einmal in einer Galerie oder einer Ausstellung Zweien folgen, die gegenseitig ihre Eindrücke über Kunstwerke austauschen. Dies ist nicht nur sehr unterhaltend — zumal, wenn es sich um zwei Damen handelt — sondern auch äußerst lehrreich und interessant. Es ist ganz unglaublich, wie die meisten ein unbestimmtes Etwas, nicht einmal Empfi'dung kann man es nennen, ein Instinkt ganz richtig leitet und sie su manch treffendem Worte dringt, ohne daß sie sich darüber Rechenschaft geben könnten. Her im Vertraulichen, wo nicht die Angst der Blamage droht, sprechen sie's freimütig aus. Besucht nun der Laie oft Museen und Galerien, gesellt sich richtige Erziehung und redliches Bemühen hinzu, so kann aus dem angeborenen Instinkt oft eine ziemlich verläßliche Empfiidung werden.Weil wir aber den Laien auf die unterste Stufe versetzt haben, erhellt daraus, daß wir das böse Wort über ihn nicht voll verachten, sondern nur in die gebührenden Schranken verweisen. Daß dem so ist, kommt daher, daß die Menschen fortwährend sträflicher Ehrgeiz quält, der sie leider nur zu oft verleitet, sich zu überheben. Der Laie wird also zum Kritcker, ja versucht es nicht selten, selbst den Künstler zu belehren und aufzuklären. Nie würde sich ein Laie getrauen, über Webe und App-etur eines Stoffes zu urteilen; ich weiß nicht, ob dies schwer oder leicht ist, jedenfalls aber scheint mir ein Kunstwerk ein viel komplizierteres Ding zu sein. Und doch erlaubt sich dort niemand zu sprechen, über Kunst aber wagt jeder ein fixes Urteil zu fällen. Das, was der ihm innewohnende Instinkt sagt, scheint nun dem Laien viel zu schlicht, er fürchtet, sich damit eine Blöße zu geben, modelt es um, bis er zu ganz Anderem, also Falschem gelangt; oder er spricht einfach anderen nach, versteigt sich zu Aussprüchen, die sich ein Fachmann geleistet und es ergibt sich ein schauderhafter Kauderwelsch. Dadurch zieht sich das Publikum nicht nur die böse Nachrede zu, sondern setzt die entsetzlichsten Urteile in die Welt. Spötter, die sich Humoristen nennen, könnten zischeln: auf welcher Stufe stehen die, d«e überhaupt von Kul.st nichts verstehen. Solche gibt es bekanntermaßen zwar nicht; aber wir könnten antworten : der Thermometer hat eine Skala ober und auch unter Nall. Doch wir von der hochernsten Logik möchten jene auf die hübsche Geschichte von den Kreisen verweisen; die erste Stufe enthält eben auch den Bruchteil des Verständnislosen; aber auch die zweite und dritte. Man erhole sich nun von dem E staunen, es gibt nämlich auch Kritiker und Künstler, die nichts verstehen. Die Einleitung schien uns heuer nötiger denn j-. Eine solch gottlose Anzahl von grell sich befehdenden Meinungen, wie über die diesjährige Ausstellung im Künstlerbaus-, gab es kaum über eine von den vergangenen. Unter friedliche Mitbürger fiel wie eine Bombe — das Erscheinen Z iloagas. Das Publikum aber, innerlich völlig verwirrt und ohne festen Halt, zeigt dies nach außen durch die krausesten Urteile. Wir freuen uns umso mehr, schon der Generalprobe beigewohnt zu haben, wo Künstler, Presse und Laie noch nicht beängstioend auf uns einwirken konnten. Wir haben das alte Ensemble angetroffen; wie immer gibt es überwiegend Nebenrollen; nur vereinzelt die Hauptdarsteller. Beginnen wir mit den Poiträtisten, so ist in erster Linie Leopold Horowitz zu nennen. Hat einmal ein Künstler, er mag welcher Art immer sein, durch eine oder m brere Leistungen sich einen Namen gemacht und ist er dadurch zur Berühmtheit gelangt, so vergrößert sich im Laufe der Zeit der Nimbus, der ihn umgibt, ganz von selbst — ja auch dann, wenn er das einmal erzielte Niveau nicht mehr erreicht. Man sagt einfach — um auf unser Gebiet zu kommen, dieses Bild ist von X. und das genügt, seine Qualität zu bewerfen, als wäre dies eine sich immer gleichbleibende Marke." Dies hat ja insoweit etwas Richtiges, als ein so bedeutender Kü stler unbedingt ein Können besitzen muß. daß >hm auch bei neuen Werken nicht vlötzlich abhanden kommen kann. So weisen dann zwar die Bilder Qualitäten, oft sogar recht große auf, ohne aber doch als besonders

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