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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-05 · 14 (5.4.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
14 (5.4.1912)
Date
1912-04-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Gelte 222 Dr. Blochs WochenschM Nr. 14 ihn auch seine heimliche Liebe zu den Christlich-Sozialen treibt, deren Deputation er eine recht freundliche Antwort gegeben hat. so sollte er sich von seinem Verstände zu einem anderen Verhallen gedrängt fühlen, weil bei selbst geringer Agitation der Freisinnigen auch ohne Versammlungen die Gestaltung der Zukunft niemandem mehr zweifelhaft sein kann. Das sollte aber auch anderen Behörden den Mut geben, gegen die christlichsozialen Radaubrüder anders vorzugehen als bisher. Diesen Platten liegt gar nichts daran, sich nach getaner Arbeit aus einem Versammlungslokal hinausdrängen zu lassen und dann den wahren Patriotismus durch Absingen des Kaiserliedes zu versöhnen. Sie kommen dann mit ihren stadtbekannten Unterführern, deren Erscheinen ein sicheres Krawallzeichen ist, in das nächste Versammlungslokal der Freisinnigen und beginnen hier mit Lärm und Gewalttätigkeiten von neuem. Man muh eben diesen Anführern und ihren moralisch oder buchstäblich zerlumpten Partisanen einmal energisch ihren Herrn zeigen, wie es sich gehört. Das ist durchaus kein Ruf um die Polizei. Aber niemand wird sich eben bewaffnen wollen, wenn er in eine Versammlung geht, um einen Kandidaten anzuhören. Wenn die Behörden das öffentliche Leben nicht ganz verrohen und verpöbeln lassen wollen, so müssen sie dem christlichsozialen Bandenunfug ein Ende machen, bevor noch üble Folgen von grösserem Umfange erwachsen. Oder aber sie lassen den Dingen ihren Lauf — dann wird man sich eben auch Zu helfen wissen. Die Freisinnigen müssen das christlichsoziale Rezept genau befolgen und ihrerseits Gewalt der Gewalt entgegensetzen. Das wird man denn doch noch sehen, ob Banden christlichsozialer Plattenbrüder das öffentliche Leben Wiens werden beherrschen können. Uereirr „Kinderheim". Ms in Oesterreich kaum noch der Gedanke an die Fürsorge für krüppelhafte Kinder wach wurde, hat jüdische Menschenliebe und Hochherzigkeit bereits den Verein „Kinderheim" zur Gründung und Erhaltung von Heimstätten für verkrüppelte, rekonvaleszente und schwache Kinder jüdischer Konfession geschaffen, der nunmehr seit 16 Jahren in überaus segensreicher Weise wirkt. Am 16. März d. I. hielt dieser Verein unter dem Vorsitze seines Präsidenten, kaiserlichen Rat Dr. S. Krüger, seine diesjährige Generalversammlung ab, bei welcher u. a. erschienen waren: In Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde Herr Kultusvorsteher Dr. I. Samuely, in Vertretung des „Ferienheim" Frau Bon di, in Vertretung des Frauenvereines Hietzing die Damen Dr. Krenberger, Dr. Khuner und Diamant, ferner als Gäste Frau Dr. Kahn (Döbling), Frau Direktor Reich, Frau kaiserliche Rat Dr. Krüger, Frau Kisch und Herr Dr. I. S. Bloch. Die Generalversammlung bedeutete für den Verein „Kinderheim" eine kleine Jubelfeier, denn es sind nunmehr zehn Jahre verflossen, seit der Verein das Kinderheim in Laa eröffnen und seiner humanitären Bestimmung übergeben konnte. Mit Recht betont der Geschäftsbericht, dass ein Rückblick auf die Erfolge, die in diesem zehnjährigen Abschnitte erzielt wurden, den Verein „Kinderheim" mit Genugtuung erfüllen dürfe. Während der Verein nach Eröffnung des Laaer Heimes nur acht Kinder beherbergen und in ärztliche Behandlung nehmen konnte, hat sich die Zahl der Pfleglinge im abgelaufenen Jahre verzehnfacht, und insgesamt konnte seit dem Bestände der Anstalt 478 armen bresthaften Kindern teils vollständige Heilung, teils wesentliche Besserung ihrer Leiden geboten werden. Sowohl in sanitärer, als auch in pädagogischer und wirtschaftlicher Hinsicht ist die Leistungsfähigkeit der Anstalt von Jahr zu Jahr gesteigert worden und gerade im letzten Berichtsjahre sind der bewährten ärztlichen Leitung des „Kinderheim" ganz ausserordentliche Heilerfolge geglückt, welche jeden Menschenfreund mit lebhafter Freude erfüllen müssen und sowohl der Kunst der Aerzte, als auch der Verpflegstechnik und den klimatischen Einflüssen des Laaer Heimes das glänzendste Zeugnis ausstellen. Für die sorgsame Führung des Kinderheimes spricht die Tatsache, dass, trotz der Erhöhung der Zahl der Pfleglinge und dementsprechend auch der Verpflegstage und trotz der empfindlichen Verteuerung aller Lebensmittel, im Berichtsjahre eine erhebliche Herabminderung der Haushaltungskosten zu verzeichnen ist. Auch die Erziehungsresultate in der Anstalt sind durchaus befriedigende, und der pädagogische Spezialbericht gibt hierüber ausreichende Aufklärung. Rach Eröffnung der Generalversammlung und Begrühung der erschienenen Delegierten und Gäste ergreift der Vorsitzende, kais. Rat Dr. Krüger, das Wort, um über den derzeitigen Stand der Krüppelkinderfürsorge in Oesterreich und die vom Vereine „Kinderheim" erzielten. Resultate zu berichten. 2n überaus fesselnder und von gründlichster Sachkenntnis zeugender Rede führte kaiserlicher Rat Dr. Krüger aus, wie sehr noch die Fürsorge für Krüppelkinder in Oesterreich gegenüber anderen Kulturstaaten zu wünschen übrig lasse. Die bisher hiefür bestehenden Anstalten und Vereine verfügen nur über eine Anzahl von 427 Betten, wozu noch etwa 600 Betten in den Spitälern und Seehospizen kommen. Wenn man nun bedenkt, dass Prof. Lorenz allein in zehn Jahren 14,000 krüppelhafte Kinder behandelte und neben Lorenz ja auch noch zahlreiche andere Spezialisten in Betracht kommen, so mag man an diesen wenigen statistischen Daten die ganze Rückständigkeit der Krüppelkinderfürsorge in Oesterreich ermessen. Kaiserlicher Rat Dr. Krüger entrollte sodann ein Zukunftsbild des Vereines „Kinderheim". Nach seinen Ideen werde sich dasselbe wohl so gestalten, dass der Verein in naher oder weiterer Zukunft ein Ambulatorium in der Nähe Wiens errichten und dass die Anstalt in Laa als Rekonvaleszentenheim werde fortgeführt werden. Nur dadurch, dass die Fürsorge des Vereines in' der Nähe Wiens geboten werde, könne es möglich gemacht werden, dieselbe in einer grösseren und dem Bedürfnisse entsprechenderen Weise Zu üben. Dazu sei allerdings eine viel kräftigere Unterstützung als bisher durch die jüdische Allgemeinheit erforderlich. Der Präsident schloss seine Ausführungen mit Worten innigen Dankes an den gesamten Vereinsvorstand, insbesondere aber an den Vorsitzenden des Geschäftskomitees, Herrn Heinrich Egger, dessen hingebender und aufopfernder Tätigkeit in der Führung und Verwaltung 'des Laaer Heims und in der Sorgfalt für alle Vereinsinteressen er Worte rückhaltlosen Lobes und vollster Anerkennung zollte, denen die Versammlung mit stürmischem Beifalle zustimmte. — Der Präsident dankte ferner der Wiener israelitischen Kultusgemeinde für deren Teilnahme und Förderung, ferner allen sonstigen Gönnern des Vereines, der Presse und insbesondere dem anwesenden Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift", Herrn Dr. Bloch. Von der Verlesung des Geschäfts- und Kassabsrichtes wurde abgesehen, da dieselben gedruckt Vorlagen. Es erstattete hierauf Herr Vizepräsident Heinrich Egger Bericht über die Wirtschaft in Laa, aus welchem die Versammlung mit grossem Interesse die sorgfältige und intensive Bewirtschaftung dieses Besitzes entnahm, so dass ein namhafter Reinertrag von mehreren tausend

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