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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-04-05 · 14 (5.4.1912) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
14 (5.4.1912)
Date
1912-04-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 14 Jahrgang xxnt Dr. Bloch’s Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. -r~p- Wien, 5. April 1912 Lrscbernt jeden Lrettag. Brief-Adresse: Wien, IX/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch'S Wochenschrift, Wien. ... ==oo? Vrxugsprri» für Vestrrrrirh: Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Helle:. Für'« Auslsnr>: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Dir 3nal gsfpal» 2 lene Pekitzeile -i« Heller. G nO - ■ ■■■ - -Oo 00 o Do Q Tt. ft. Pofilparftassrnarnt Lleartng-Verkebr Mr. 810.976. Redattion und Administration: Vien IX/i. Hahngaffe Nr. 15. , IVr. 14.847. Q O —. .O o Inhalt: Leitartikel: Christlichsoziale politische Platten. — Verein „Kinderheim". — Vom Jahrmarkt des Lebens: Fllibjakrsausstellungen. „Jüdische" Stiftungen. Dr. Mossinsohn in Amerika und in Odessa. Feierliche Eröffnung der Hochschule Dropste College in Philadelphia. — Korrespondenzen: Sehr geehrter Herr Dr. Bloch! Der achtzigste Geburtstag Th.'odor Gomperz. Zntralverein zur Pfl'ge jüdischer Angelegenheiten in Prag. Königliche Ernennung des Direktors der Bndapn'ter Landes-Rabbinerschule. Die jüdische Bevölkerung von Budapest. Exekutive Feilbietung einer Synagoge für die Schulden des Vorstehers. Antisemitische Hetzereien in Serbien. Der erste jüdische aktive Offizier in der Türkei. Das 25-jährige Amtsjubilaum des Direktors der Lämelschule in Jerusalem. Professor Eduard Mandelstamm. Pogromnelvdsität in Rußland. Maffenausweisung von Juden in Russisch-Polen. Kongreß jüdischer Reservisten in Rußland. Der Wortlaut des Gesetzentwurfes über die jüdische Kolonisation in Angola. — Vermischtes. — Feuilleton: Das Baronin Klara Hirsch Arbeiterinnen-Heim in New Jork. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Christtichsoziale politische Matte«. Vor Zwei Tagen hat sich wieder eine jener politischen Komödien abgespielt, an denen das große Theater Wien so reich ist. Eine Deputation der Wiener Christlich- Sozialen war beim Statthalter, um ihn um Schutz ihrer Partei in der bevorstehenden Aera der Versammlungen zu den Gemeindewahlen zu bitten. Die Abordnung hatte auch dieFre—iheit zu fragen, ob etwa von den Behörden besondere Verfügungen gegen die christlichsoziale Partei erlassen worden seien, wie es nach bem Vorgehen in der jüngsten Zeit anzunehmen sei. Eeführ. wurde die Deputation von dem schwarzen Prinzen Liechtenstein, dessen wahres Wesen und Verdienste wir anläßlich seiner Berufung ins Herrenhaus beleuchtet haben. Mit ihm kamen die Jntelligenzleuch ten v. Baechle und Rienüßl. auf welche die christlichsoziale Partei seit den Juniwahlen gekommen ist, ferner der Abgeordnete Dr. Jerzäbek, den man sich an kompetenter Stelle wird einmal gehörig ausborgen müssen. Dieser Mann hat noch ein vorsintflutliches Gehirn. Er steht im Parlament immer auf, um den Juden bei jedem Anlasse eine blödsinnige Lüge anzuhängen, ganz 'so, wie es der Mechanikus getan, als dessen Nachfolger er sich offenbar betrachtet. Was nun diese glänzenden Sprecher verlangten, mutz bei jedem Bürger den Eindruck der höchsten Komik Hervorrufen. „Die Eracchen, welche sich über Revolution beschweren." Seit Wochen sind die Zeitungen von Berichten über die brutalen Gewaltstreiche erfüllt, welche von den Christlich-Sozialen in freisinnigen Versamim lungen verübt werden — und .nun schicken die Kommandanten dieses Janhagels eine Deputation zum Statthalter, um sich zu beschweren. Der Statthalter hätte von Rechts wegen den Besuchern eine sehr energische Antwort geben und ihnen bedeuten sollen, datz die Behörden endlich gegen den Terrorismus der Rathauspartei Schritte machen werden. Einen besonders guten Scherz leistete sich der Abgeordnete Rienötzl mit der Behauptung, datz nach dem Sieg der Freisinnigen im vierten Bezirk hier die Plattenbrüder sich festgesetzt hätten. Wer führt aber die Plattenbrüder als politische Helfer ins öffentliche Leben ein? Die Geschichte der letzten Tage zeigt deutlich, mit welchen allerletzten, respektive allerersten Mitteln sich die Christlich-Sozialen ihre Macht zu erhalten suchen. Die? selben Ochsenknechte von St. Marr, welche vor 15 Jahren die Versanrmlungen beim wilden Mann und beim Luchsen mit dem Ochsenziemer auseinandergetrieben haben, sind auch jetzt an der schönen Arbeit und bedrohen die öffentliche Ruhe sowohl als auch die Gesundheit der Mitbürger. Nur mit einigem sehr wichtigen Unterschied. Damals waren sie die Vorhut der christlichsozialen Partei und wurden von der Bevölkerung, welche die antisemitischen Lügen noch glaubte, mit Beifall empfangen. Heute aber sind sie die Nachhut bei dem Abgang und dem Rückzug der geschlagenen Partei, und die Wähler wenden sich von ihrem Treiben und ihrer Roheit mit Ekel und Abscheu ab, ebenso wie von den plumpen Lügen ihrer korrupten Bandenführer. Seinerzeit wurden die Banden von den Klöstern und den Feudalen bezahlt, welche ihre Herrschaft mit Gewalt zurückerobern wollten: heute arbeiten sie für das Geld reich gewordener Politiker, welche .sich von ihrem Platz an der gefüllten Krippe nicht verdrängen lassen wollen. Damals verfügten die Christlich-Sozialen über Pöbel, so viel sie nur haben wollten und die Masse der gutgläubigen und von ihnen betrogenen Kleinbürger gab ihnen eine ungeheure Stoßkraft. Heute jedoch ist die Zusammenstellung der Banden, der Krawallversammlungen und Demonstrationszüge bereits eine große Kraftanstrengung für die Antisemiten: bei allem Lärm und Krach, dem Druck in den städtischen Betrieben, der Freigebigkeit und Agitation in allen Ar en ist das Resultat eigentlich doch recht kläglich und in der weiteren Wirkung ohne allen Erfolg. Oder glauben die Christlich-Sozialen, sie werden mit den Ziegenhainern ihres Stratzenpöbels die Tatsache erschlagen, datz ihr politischer Pöbel einen Raubzug durch die öffentlichen Straßen unternommen hat, datz ihre Führer nach fünfzehnjähriger Wirksamkeit mit Millionen gespickt sind? Das sind schreiende Tatsachen, und sie sind lauter, als der Lärm der von den Christlich-Sozialen angeworbenen Horden. Daran sollte der Statthalter denken. Wenn

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