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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-29 · 13 (29.3.1912) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
13 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 317 treten und daß gleichzeitig mit ihr auch der junge Mann verschwunden war. Am zweitnächsten Tage meldete sich ein Fuhrmann, der angab, daß er aus Bestellung Czaykowskis eine halbe Stunde außerhalb der Stadt gewartet und die beiden Flüchtlinge zur nächsten Bahnstation gebracht habe. Man kann sich die Verzweiflung der frommgläubigen Eltern vorstellen, als sie erfuhren, daß ihre Tochter mit einem christlichen Liebhaber durchgegangen sei. Jawohl, Rochme war durchgegangen. Kein Mensch wußte, wohin. Der alte Religionslehrer zerriß seine Kleider, streute Asche auf sein Haupt und saß „Schiwoh". Sein Kind war ihm gestorben. Jeden Gedanken, noch weiter nach der Entschwundenen zu suchen, wies er beharrlich zurück. Auch wenn sie gefunden würde, wäre sie doch tot für ihn. — Wochen, Monate waren verstrichen, da brachte eines Tages der Postbote einen Brief an die ältere Schwester Chane. Er war mit deutschen Lettern geschrieben und kam von Rochme. Ach, es war ein erschütternder Brief. Jammernd bat sie die Schwester, sich sofort nach Krakau auf den Weg zu machen und ihr beizustehen, damit sie den Mauern des Klosters, in dem sie sich seit sechs Wochen befinde, entrinnen könne. Sie gestand, daß ihr Entführer sie zu seinen Eltern in ein Bauerndorf gebracht und daß sie dort mit dem Geliebten vier Wochen gelebt habe, bis dieser ihrer überdrüssig geworden war und sie überredet habe, mit ihm nach Krakau ins Kloster zu fahren, wo sie Christin werden solle, damit er sie heiraten könne. Kaum aber war sie im Kloster, da habe der Elende sie verlassen, und nun sei sie eine Gefangene, die zu den härtesten Arbeiten .gezwungen würde. Von der erträumten Seligkeit sei ihr nichts geblieben als Reue und tiefste Zerknirschung über die Schmach, die sie ihren Eltern und Geschwistern angetan. Die zahlreichen Tränenspuren auf dem Papiere bekundeten, daß dieses Bekenntnis Rochmes ein ehrliches war. Sie flehte die Schwester an, keine Zeit zu verlieren und sich in Krakau mit dem Bäckerjungen, der täglich! früh morgens das Gebäck ins Kloster abliefere und der auch diesen Brief hinausbefördert hatte, in Verbindung zu sehen. Als der alte Religionslehrer den Inhalt des Briefes erfuhr, weinte er bittere Tränen über das Schicksal seines armen Kindes, und die Eisrinde, die sich um sein warmes Herz gelegt hatte, schmolz. Er kratzte seine wenigen Spargroschen zusammen und gab sie Chane mit auf den Weg. Das tapfere Mädchen zögerte keinen Augenblick. Mit dem nächsten Zuge fuhr sie nach Krakau, und mit Hilfe des willigen Bäckerjungen war die Verbindung mit Rochme bald hergestellt — das Befreiungswerk gelang. Um vier Uhr morgens, als im Kloster alles noch schlief, hatte sich Rochme, die herrschende Dunkelheit benützend, so dicht an das Klostertor herangeschlichen, daß sie in dem Momente, wo die verschlafene Pförtnerin es öffnete, um dem Bäckerjungen Einlaß zu gew ähren, hin durch schlüpfen ko nnte. Run stand sie barfuß, nur mit dem Notwendigsten bekleidet, auf der Straße und sank aufschluchzend der Schwester in die Arme. Ein Wagen stand bereit, der sie zur Bahn brachte, und noch am Abend desselben Tages nahmen die beiden Mädchen hilfreiche Menschen in Wien schützend und schirmend auf. Aus Rochmes Gemüt war alle Hoffart gewichen. Das Unglück hatte sie demütig und bescheiden gemacht. Als alle Gefahr einer Verfolgung von seiten des Klosters gewichen war, kehrte Rochme in das Elternhaus zurück, das nunmehr für sie der Inbegriff alles Glückes war. Und ein Jahr später ließ sie sich frohlächelnd das üppige Haar abschneiden und reichte einem braven jüdischen Knopernhändler, den ihre Schönheit das Geschehene vergessen ließ, die Hand zum Lebensbunde. Der,Alte hat mich zur Hochzeit geladen und mich inständig gebeten, an seinem Glücke teilzunehmen. Ich habe es von Herzen getan — aber aus der Ferne. S. Fl-r. Kteratnr. Dokumente zur Emanzipation der Juden. Vier Reden von Lord Macaulay, Gabriel Riebet', Ratsherr Suter und Georg Frhr. Vincke. Otto Hendel, Verlag, Halle a. Saale. Preis broschiert M. 1,50; in Leinenbaud M. 2^50. Am 11. März 1812 erfolgte die Emanzipation der Juden im Königreich Preußen. Anläßlich der hundertjährigen Wiederkehr dieses sowohl für Deutschland als auch für die: Juden bedeutungsvollen Tages will der Unterzeichnete Verlag einem weiteren Leserkreise ein interessantes Buchzugänglich machen, in dem der geistige Befreiungskampf jener Zeit zum lebendigsten Ausdruck kommt. Ein Engländer, der in der Geschichtschreibung des neunzehnten Jahrhunderts an hervorragender Stelle steht, ein angesehener. Schweizer Ratsherr, ein Jude deutscher Kultur und ein Parlamentarier aus altem westfälischem Adel, sie treten jeder an seinem Orte mannhaft für die Beseitigung des Unrechtes ein, das Jahrhunderte hindurch den Juden zugefügt worden ist. In diesen so^ verschieden gearteten Männern lebt der Glaube an die Macht des sittlichen Geistes, der vor keinem traditionell geheiligten Unrecht Halt macht, der vor keiner Aufgabe zurückschreckt, die die Verwirk-, lichung der sittlichen Ideen erfordert. Man liebt es heute vielfach, diese Ideen als abstrakt', als doktrinär zu bezeichnen; man drückt damit aber weniger einen Mangel jener Epoche als eine Schwäche der Gegenwart aus. Es stünde besser um unsere Zeit, wenn ihr nicht das lebendige Bewußtsein verloren gegangen wäre von dem einzigen und ewigen Werte der sittlichem Ideen. Wir haben über den Bedingungen zur Verwirklichung dieser Ideen sie selbst aus den Augen, schlimmer noch1, aus dem Herzen verloren., -- Daher haben diese Reden nicht nur ein historisches Interesse; aus dem Streite des Tages geboren, entstammen sie doch nicht selbst dem Tage. In Glaube und Erwartung, in Abwehr und Anklage, in stolzer Zurückweisung modischer Schlag werte können sie auch heute noch — vielleicht heute wieder mehr denn je — aufklärend und erhebend wirken. Kommentar zur Hagadah scliel Pessaeh. Von Rabbiner Doktor Raphael Gugenheimer, Ivolin. Verlag von Sänger & friedbe r g, Frankfurt am. Main. Bei diesen geist- und gemütvollen Erklärungen zur Hagadah scliel Pessaeh sind ganz neue Wege eingeschlagen worden, die Zeugnis ablegen von dem seltenen Scharfsinn, der tiefen rabbinischen und profanen Gelehrsamkeit des Verfassers. „Die Hilfe”. Wochenschrift für Politik, Literatur und Kunst. Herausgegeben von Dr. Friedrich Nauman n. 21. März 1912. Nummer 12. Aus dem Inhalt: Friedrich Naumann: Reichseinigungsamt? — Theodor Heuss: Das Urteil gegen Traub. — Otto P aut sch: Der preußische Kultusetat. — Fritz Darmstaedter: Innere Kolonisation und Liberalismus. I. — Unsere Bewegung. — Soziale Bewegung. — Gottfried Traub: Siegen. — Hans Wantoch: Das Recht der Boheme — Erich Schlaikjer: Erziehung, Sprache, Kunst. — Karl Emil Schönfeld: Unart? eine Kinderstudie. — Alfons Paquet: Kamerad Fleming. Roman. — Politische Notizen. — Buchverlag der „Hilfe“, Berlin-Schöneberg. „Ukrainische Rundschau". Monatsschrift. Herausgeber: Dr. Wladimir Kusc h n i r. X. Jahrgang, Nr. 1, 1912. Inhalt: Einladung zum Abonnement. — Wir und die Tschechen. — Polen und Ruthenen. — Non on nis moriar. (Quasi ein Nekrolog.) — Die letzte Ausgabe der jagellonischen Idee. — Ad majorem Russiae gloriam! — Polnische pia desideria. — Zur Feier der nationalen Wiedergeburt. (Markian Schaschkewytsch. Zum 100. Geburtsjahr des Dichters.) — Wie der Zar 1870 Oesterreich warnte. Aus den Memoiren Emile Oliviers. — Rundschau. — Redaktion und Administration: Wien, XVIII., Messerschmidtgasse 30. „Die Quelle“. Diese von uns wiederholt besprochene Halbmonatsschrift für Literatur, Kunst und Theater brachte ab 1. Oktober 1911 im V. Jahrgange eigene, reichillustrierte Hefte, die Robert Hamerling, Julius Stettenheim, J. J. David, Ludwig Jacobowski, Franz Herold, Herme von Skoda, »Unseren Hnmoristen« (Karnevals-Nummer) etc. galten.

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