Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 13 (29.3.1912)
- Date
- 1912-03-29
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 2! 5 Wie». (Verlobung.) Fräulein Rosa P i n k a s, Tochter des Restaurateurs Jakob Pinkas, hat sich mit Herrn Samuel Stern, Sohn des Hoteliers M. S t e r n aus Abbazia, verlobt. Festakademie der jüdischen Schuljugend. Eine seltene Ueberraschnng wurde uns am Montag den 25. d. M. zuteil. Wir waren zu Gast bei einer Festakademie, welche von einem „Komitee zur Veranstaltung jüdischer Schülerfeste" unter dem Protektorate des k. k. Landesschulrates und I. Vizepräsidenten der israelitischen KaltusgemeindeHerrn Dr. Gustav Kohn in aller Stille fürdieOeffentlichkeit vorbereitet worden war. Es war ein herrliches Fest, eine Feier, die unserer Grobgemeinde tont war und die h o f f e n t l i ch den Anfang bildete in der „Veranstaltung jüdischer Schülerfeste in Wien". Eingeleitet wurde die Feier durch die eindringliche und treffliche Rede des Komiteeobmannes Herrn Oberlehrer Jakob Kohn. Hieran schloß sich die Vortragsakademie unter Leitung des Herrn Religionslehrers Jakob Bronuer. Besonderes künstlerisches Interesse erweckten die Musikstücke des Schülerorchesters, das vom Komponisten selbst, Herrn I. Katzburg, dirigiert wurde. Einen ebenso tüchtigen Chordirigenten fanden wir m Herrn S. Perl, dessen selbst komponierter Jubelchor (instrumentiert vom Organisten M. Menzer) besonders gefiel. Nach der Pause kam die flotte Aufführung des durch eine Pantomime eingeleiteten gekürzten Schauspieles „Esther" von Racine, die durch einen von Herrn Rudolf Heimann inszenierten Sch eierreigen und eine glänzende Kaiserhuldigung ihren Abschluß fand. Der Regisseur, Herr Otto Pollak, verdient besondere Anerkennung. Auch die stille Tätigkeit aller anderen Komiteemitglieder der Damen und Herren, insbesondere die Leistungen derHerren Religionslehrcr Rudolf Müller, Markus Pick, Samuel Popper, Aron Schwertfinger, Julius Springer und Josef Schwarz sollen dankenswert gerühmt werden. Um das leibliche Wohl der Jugend und zum großen Teil um das Gelingen des Festes machte sich der angesehene Kaufmann Herr Josef Kommer insbesondere verdient. Allez in allem, eine Unsumme von Arbeit, aber auch ein glänzender Erfolg, der durch den brausenden Applaus des Publikums, das den Saal bis auf den letzten Platz füllte, seine gebührende Anerkennung fand. Das Testament eines Wohltäters. Der am 4. d. M. in Wien verstorbene Ingenieur Heinrich Bau mg arten, der infolge testamentarischer Verfügung in Budapest bestattet wurde, hat letztwillig verfügt, daß ab seinem Todestage je 1000 K den israelitischen Kultusgemeinden in W en und Budapest zur sofortigen Verteilung an Arme übergeben werden. In seinem Testamente hat Herr Baumgarten weiters verfügt, daß folgende Wohltätigkeitsanstalten in Wien und in Budapest die nachbenannten Beträge zu erhalten haben: 10.000 K das Israelitische Blindeninstitnt in Wien; je 6000 K: die Freiwillige Rettungsgesellschaft in Wien, der V'rein zur Errichtung und Erhaltung von Wärm.stuben in Wien und das Allgemeine österreichische Taubstummeninstitut in Wien; je 4000 K: der Verein zur Errichtung und Erhaltung von Suppen- und Tee-Anstalten, der Mädchenunterstützungsverein und der Verein zur Versorgung israelitischer Waisen in Wien; schließlich je 2u00 K: der Verein „Kinderheim" ohne Unterschied der Konfession, sowie der Verein zur Unterstützung jüdischer Kleing werbetreibender; von Budapester Wohltätigkeitsanstalten erhalten: der dortige Knabenwaisenhansfonds 30.000 K, das Blindeninstitut und das Israelitische Landestaubstummeninstitut je 15.000 K; das Mädchenwaisenhaus des Budapester Israelitischen Frauenvereines 10.000 X; das Stefaniespital für arme Kinder und der Jsraelitis.ye Handwerkerverein je 6000 X; die Budapester Freiwillige Rettungsgesellschaft, der Israelitische Landeslehrerverein und der Budapester Landesstipendiumverein je 4000 K. Ferner sind die Dienerschaft des Hauses in Wien, sowie in der V.lla in Grundlsee, weiters die Oitsarmen, die Volksschule und die Freiwillige Feuerwehr in Grundlsee im Testamente mit Beträgen bedacht. Wien. (Wiener Bet-H amidrasch, II., Ferdinandsstraße 23.) Samstag, den 30. d. M., um II Uhr vormittags, wird Lektor Dr. S. Rubin im Bet-Hamidrasch-Lokale, II.. Ferdinrndsstraße23, über folgendes Thema vortragen: Die „Pefsach-Haggadah" kritisch und histonsch beleuchtet. II. Wien. Der Mädchen- und Frauenverein „Krankenbesuch" (Biknr-Chaulim) I . Seitenstettengasse 4, gibt wie alljährlich auch zum heurigen P a s s a h f e st e einen Sedecabend im Wiener Allgemeinen Krankenhaus aus den Mitteln des Vereines, um den armen Kranken Gelegenheit zu bieten, auch des Sederabends teilhaftig zu werden. Da die Mittel des Vereines ohnedies durch anderweitige Gaben während des ganzen Jahres über die Kräfte in Anspruch genommen sind, wären eventuelle Spenden für diesen Zweck sehr erwünscht. Der Bereinsvorstand. Wien. (Verein: Israelitische Kinderbewahranstalt.) Am 17. März fand die dritte ordentliche Hauptversammlung des seit dem Jahre 1343 bestehenden Vereines: .Israelitische Kinderbewahranstalt" statt. An den von dem Direktor Max Fischer erstatteten Tätigkeitsbericht, aus welchem hervorging, daß in den letzten drei Jahren fast tausend Kinder inden beiden Vereinsanstalten Aufnahme fanden, sowie an den von Frau Pauline Kander erstatteten Kassabericht knüpfte sich eine angeregte Debatte über den vom Vereine erhaltenen Kindergärtnerinnenkurs, dessen Bedeutung für die Heranbildung von Familienerziehermnen sowie als Vorbereitungsanstalt für den Frauen- und Mutterberuf eine Umgestaltung in dem Sinne wünschenswert erscheinen läßt, daß die Pflege des gesunden und des kranken Kindes eine größere Berücksichtigung erfahren sollte. Auch der Antrag, den Vorstand zu ermächtigen, dem Plane eines modernen, den pädagogischen und hygienischen Anforderungen entsprechenden Umbaues des alten Anstaltsgebäudes näher zu treten, fand ungeteilte Billigung. Die Wahlen ergaben die einstimmige Wiederwahl des bisherigen Vorstandes, an dessen Spitze die Frauen von Stern, Hofrätin Gomperz und Baronin Königswarter stehen. Wien. Eine Gruppe jüdischer Studenten aus Galizien veranstaltet demnächst ein-n „Literarischen Abend", an dem ausschließlich junge Autoren zu Worte kommen sollen. — Unter anderem wird auch das erste Bühnenwerk des jungen Schriftstellers Mose Groß, sein Einakter „Haukn", auf einer der hiesigen jüdischen Bühnen aufgeführt werden. — Näheres wird rechtzeitig bekannt gegeben. Wien. (T u r n s e k t i o n d e s „B e t h - H a a m", Wien, XVII., Hormoyergasse 7 a.) Samstag den 30. März 1912 findet in Stalehners Saallokalitäten, XVII..Jörgerstraße22, ein Schauturnen mit anschließendem Tanzkränzchen statt. Saaleröffnuug 9 Uhr. Beginn der Vorführungen Vzl0 Uhr. Vorverkaufs-Karten sind erhältlich: Am Turnplatz Montag und Freitag; bei sämtlichen Vereinsmitgliedern und im Cafe Jungmann. Wien. (T a n z i n st i t u t I. Heimann.) Sonntag den 24. März l. I fand im großen Festsaale des „Hotel Continental" die diesjährige Tanzprüsung der Jugend- und Kinderkurse des Tanzinstitutes I. Heimann statt. Ein zahlreiches Publikum aus den distinguiertesten Kreisen der Residenz wohnte dieser Veranstaltung bei und folgte voll Interesse und Bewunderung den Darbietungen der jungen Zöglinge. In der ersten Abteilung führten die j rgendlichen Schüler den Zusehen: die gymnastischen Körperübungen, die Entstehung der Tanzschritte, die Armbewegungen und alle üblichen Ronde- und Konversatio.iStänze in formvollendetster Ausführung vor Auaen. Besonderen Beifall erweckte die zweite Abteilung, in welcher Phantasie- und Nationaltänze mit großen Chic und Charme in Solopiecen zur Aufführung gebracht wurden. Die Eltern der Zöglinge dankten denn auch am Schluffe der Prüfung dem Meister Herrn Rudolf Heimauu für die vortreffliche Ausbildung ihrer Kinder und waren voll des Lobes und der Anerkennung. In der dritten Abteilung konnten die erwachsenen Schülerinnen und Schüler der Anstalt der Tanzmuse bis spät in die Nacht im flotten Tanze huldigen. Austritte aus dam Judentum Vom 17. März bis inkl. 23. März 1912. Baltan Dr. Wilhelm, Arzt, geb. 20. Oktober 1890, Jassy, IX., Poizellaugasse 10. Eisler Marie geb. Taussig, Oberingenienrsgattin, geb. 8. Februar 1881, Wien, I., Wiesiugerstrasse 6. Mayer Rudolf Josef geb. Konta, KaufmaaD, geb. 6. Dezember 1866, Serescb, IX., Alserstrasse 18 Mayer Elsa, geb. 2i. Mai 1894, Wien, IX., Alserstrasse 18. Mayer Stefanie geb. Konta, Kaufmannsgattiu, geb. 26. Dezember 1873, Wien, IX., Alserstrasse 18. Mende Edith Amalia, Private, geb. 1. Juli 1886, Budapest, XVII., Andergasse 10. Neustadt! Paul Bernhard, Inspektor der k. k. österr. Staatsbahnen, geb. 1. Juli 1872, Prag, VI., Stumpergasse 9. Pciiak Laura Marie geh. Kohn, geb. 10. April 1877, Wien, XV., Gerstnerstrasse 1. Schlesinger Lili: Private, geb. 2. Dezember 1888, Wien, I., Hegelgasse 6 Schönberger Alice Melanie, Baronesse, geb. 1. April 1895 in Szegszard, I., Bauernmarkt 19. Schlußvortrag i« der Brünner Toyubeehaüe. Sonntag, den 17. März, beschloß die vor kurzem an dieser Stelle rüdmend hervorgehobene Brünner „Toynöee Halle" die Reihe ihrer jüngsten Veranstaltungen durch einen namentlich von der akademischen Jugend und von Frauen sehe gut besuchten Vortrag des Herrn Schriftstellers und Redakteurs Leopold Schwarz, dessen Thema „Israels Zukunft" sich als sehr zeitgemäß und anziehend erwies. Als kräftigste Mittel zur Sicherung einer aussichtsfrohen Zukunft bezeichnete der Vortragende die Pflege dec jüdischen Lehre und Geschichte, die Wertschätzung der heiligen Sprache, die Pietät gegen das Zeremoni^lgefktz im Rahmen unserer Zeit und insbesondere auf die Wrederbelebung des Sadbates als eines Grundquelles echt jüdischen Familiensinnes und edler Lebensauffaffung. Männer wie Professor Hermann Cohen (der am folgenden Tage :m selben Hause eine Vorlesung hielt) und wie Piofessor Pagel feien die sichere Gewähr, daß nicht ein besonderer Handelsgerst, wie Sombart meint, sondern ein hoher Idealismus den wahren Kern des Judentums bildet. Oedenburg. Am 21. d. hielt der hiesige Jsraelitische-Jugendverein seine 4. Geue«lversämmlung ab. Vizeprases Heinrich Müller eröffnet die Sitzung und deutet vor allem auf den schweren Verlust hin, den der Verein im verflossenen Jahre durch, das Hinscheiden feines Präses Leopold Schlesinger ^"7 erlitten halte. Redner beantragt, daß die heutige Sitzung zur Ehrung des Andenkens des verewigten Präses den Charakter der Trauer führe und dem auch protokollisch Ausdruck verliehen werde. Ferner beantragt er. daß dem Vorstandsmitgliede