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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-29 · 13 (29.3.1912) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
13 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 13 Seite 214 Dr. Blochs Die italienische Knltnsverfassnng für die Inden in Tripolis. Die italienischen Blätter vom 12. März publizieren ein amtliches Kommunique, aus welchem hervorgeht, datz die Regierung auf Vorschlag der Direktion für zivile Angelegenheiten in Tripolis ein Dekret erlassen hat, durch welches die UeberwaHung und Kontrolle der jüdischen Gemeinde in Tripolis den zivilen Behörden überantwortet wird. Laut diesem Dekret bleibt der jüdischen Gemeinde nach wie vor in zivilrechtlichen Angelegenheiten sowie in religiösen Fragen, welche zwischen Mitgliedern der Gemeinde austauchen. Das Recht, das Richteramt zu üben. Die jüdische Gemeinde wählt selbständig den Vorstand aus ihrer Mitte, während der Vorstand den Grand Rabbin und die Mitglieder des Beth-Din wählt. Das Rabbinerkollegium wird verpflichtet, vor Antritt des Amtes den Eid der Treue zu den italienischen Gesetzen und ihren Einrichtungen zu leisten. Die italienischen Blätter heben besonders hervor, datz die Unterstellung der Judengemeinde unter die Aufsicht der zivilen Behörden ein besonderes, allerdings wohlverdientes Zeichen des Vertrauens zu den Juden in Tripolis bedeute. Bukarest. Aus Bukarest wird uns geschrieben: Die Sucht der bisherigen Regierungen, die jüdischen Bewohner je mehr zu unterdrücken, kam in der Regel auch darin zum Ausdrucke, datz sie in ihre Gesetzesvorlagen über die Industrie die Bestimmung aufnahmen, datz in Fabriken, welche staatliche Begünstigungen in Anspruch nehmen, die Juden selbst als einfache Arbeiter nicht beschäftigt werden dürfen, auch solche Juden nicht, welche in Rumänien geboren und erzogen wurden. Diesbezüglich soll nun eine Aenderung zum Besseren eintreten. In dem Industrie-Gesetzentwurf, welchen die jetzige Regierung soeben dem Parlamente unterbreitet hat, wird wohl die alte Bestimmung, wonach in den staatlich subventionierten Fabriken 75 Prozent des Arbeiterpersonals Rumänen sein müssen, beibehalten, aber der Industrieminister hat ausdrücklich erklärt, daß die im Lande lebenden Fremden, die aber keinem fremden Staate angehören, das sind also in erster Reihe die eingeborenen Juden, in Bezug auf die Verwendung als industrielle Arbeiter den Rumänen gleichzustellen seien. Ein erfreuliches Zeichen der Zeit ist es auch, datz die neue rumänische Regierung sich, im Gegensätze zu ihren Vorgängerinnen, wenigstens veranlatzt fühlt, die Lage der Juden einigermatzen zu verbessern. Die Regierung hat bisher wiederholt den Beweis erbracht, datz eine Regierung, wenn sie den ernsten Willen dazu hat, selbst in Rumänien auf die irregeführte Bevölkerung aufklärend und kalmierend zu wirken vermag. Der Chef der jetzigen Regierung hat wiederholt Anlatz genommen, zu erklären, datz er jede Ausschreitung gegen die Juden mit allen Mitteln zu unterdrücken entschlossen sei. Eine Genugtuung für Bürgermeister Ernesto Nathan. In einer der jüngsten Sitzungen der Senatoren wurde, wie aus Rom berichtet wird, der Bürgermeister von Rom, Ernesto Nathan, von dem antisemitischen Senator Molmenti „ein Fremder" genannt, dem die Fragen der Heimatkunst vollständig fremd sein müssen. Diese Anrempelung bot dem Gemeinderate von Rom die Gelegenheit, in einer auf diesen Vorfall folgenden Gemeinderatssitzung dem Bürgermeister eine glänzende Genugtuung zu verschaffen. Das jüdische Mitglied des Gemeinderates Levy wurde von allen progressiven Parteien bevollmächtigt, der Entrüstung derselben über die Taktlosigkeit und Ungerechtigkeit des Senators Molmenti zum Ausdrucke zu bringen. „Wir alle, die wir wissen und empfinden, dah Sie, geliebter Bürgermeister, der edelmütigste Italiener unter uns sind, gedenken freudig Wochenschrift erregten Herzens an jene traurigen Tage der Knechtschaft, da die gröhten Söhne Italiens, die gezwungen waren, um ihr Leben der Sache der Freiheit zu erhalten, Familie und Vaterland zu verlassen, im Hause Nathan ihre Heimat Wiedergefunden hatten." Zum Zeichen, datz der Gemeinderat diesen Ausführungen vollständig beipflichte, erhoben sich die Anwesenden von ihren Sitzen und akklamierten minutenlang Bürgermeister Nathan. Vermischtes. Wien. (Chewra Kadischa Währing.) Sonntag den 7. April 1912, ^4 Uhr nachmittags, findet im Sitzungssaale (Schopenhauerftraße 39) die Generalversammlung statt. Wien. Die Generalversammlung des „Witwen- und Waisenfondsverein", des allgemeinen Krankenunterstützungsvereines „Menschenliebe" findet Sonntag den 31. März. 10 Uhr vormittags, im Vereinslokale, Cafe Jägerhof, IX., Porzellangasse 22, statt. Wien. Samstag den 30. d. M., 3 Uhr nachmittags, hält Herr Rabbiner M. M a y e r s o h n in der Synagoge des Beth Israel, II., Leopoldsgasse 29, einen talmudischen Vortrags Wien. (Vereinigung jüdischer Export- Akademiker in Wien.) Seit jeher bestand an der Exportakademie des k. k. Handelsministeriums in Wien unter der jüdischen Hörerschaft das Verlangen nach einem engeren Zusammenschluß zum Zwecke der gemeinsamen Arbeit auf jüdischem und eigenfachlichem Gebiete. Die diesbezüglichen Bestrebungen haben endlich zü einem befriedigenden Resultate geführt. Am 13. d. M. fand aus Grund der von der k. k. niederösterreichischen Statthallerei genehmigten Statuten die konstituierende Generalversammlung statt. Der Zweck der Vereinigung wird erreicht: 1. Durch Vorträge zur Weckung des jüdisch-nationalen Geistes; 2. durch Abhaltung jüdisch-geschichtlicher Seminarien und fachlicher Kurse, sowie 3. durch Veranstaltung geselliger Zusammenkünfte. In den Ausschuß wurden gewählt: Siegfried Lustig, Präses; Abraham Bernstein, I. Vize-Präses; Siegfried Sander, II. Vize-Präses; Emanuel Bardach, I. Schriftführer; Karl O f n e r, II. Schriftführer; Emil Borger, I. Kassier; Samuel G u t t m a n n, II. Kassier. Wien. (Rekonvaleszenten- und Erholungs-Heim „P h i l a n t h r op i a") für arme israelitische Kinder. Vereinskanzlei: Wien, VIII., Neudeggergasse 12. Sonntag den 31. März d. I., 11 Uhr vormittags, findet im Zeremoniensaale, VIII., Neudeggergasse 12, die XV. ordentliche Generalversammlung statt. Wien. Am 21. März 1912 verschied in seiner Wohnung IV., Schleifmühlgaffe 4, Dr. Theobald Pollak, k. k. Ministerialrat und Abteilungsvorstand im Eisenbahnministerium. Der Verblichene, ein gebürtiger Prerauer, ist aus kleinen Berhältniffen hervorgegangen, durch unermüdlichen Fleiß, großes Wissen und intensive Fachkenntnisse hat er es verstanden, sich in eine leitende Stelle zu bringen. Was aber an dem zu früh Dahingegangenen besonders hervorzuheben ist, war seine Treue. Treu all den Seinen und insbesondere seinem Volke und angestammten Glauben blieb er all seine Tage. In der Zeit der ärgsten Hetze gegen die Juden ließ er sich nicht abwendig machen von unserem Glauben. Trotzdem wurde er in Anerkennung seiner ganz besonderen Verdienste durch die Gnade Sr. Majestät in eine leitende Stelle berufen. Die israelitische Gemeinde Prerau, seine Heimatsgemeinde, ernannte ihn zum Ehrenbürger. Der wackere, edle Mann wurde am 24. März 1912 zu Grabe getragen. Ern zahlreiches Trauergeleite, an der Spitze Se. Exzellenz der Eisenbahnminister Baron Förster, folgte dem Sarge bis zum Schwarzenbergplatze. Unter den Anwesenden befanden sich fast sämtliche Beamten des Eisenbahnministeriums, hervorragende Wiener Künstler, Präsident der Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern, die Vorsteher kais. Rat Leop. Langer, kais. Rat Leop. v. S a ch s und S. S t e i n e r.

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