Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 13 (29.3.1912)
- Date
- 1912-03-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Beite 212 Dr. MMs WochMchrift Nr. 13 suchungs-Aerzten, Eisenbahnverwaltungen, der Presse und all jenen Personen und Körperschaften, die bereitwillig den Verein förderten. Die Vorsitzende erstattete nun den Tätigkeitsbericht für die Vereinsjahre 1910 und 1911. Daran schloß sich das von der Kassierin Frau Helene Lederer vorgetragene Referat über die Kassagebarung und die Verlesung des Revisionsberichtes. In begeisterten Worten würdigte nunmehr der Präsident der israelitischen Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, das bewundernswerte Wirken des Vereines und besonders seiner Begründerin und Leiterin. Er wies darauf hin, wie gerade seitens der jüdischen Wohltäter den Intentionen unseres Monarchen, für das Wohl des Kindes zu wirken, entsprochen wird. Und welch' großes Verdienst an der sozialen Arbeit den Frauen zukommt, die mit rastlosem Eifer Werke der Nächstenliebe schaffen, leiten und zu Erfolgen bringen, welche eben nur Frauenfleiß zu erreichen vermag. Namens der Kultusgemeinde bringt der Redner dem Vereine herzlichsten Dank und innige Wünsche für das fernere Gedeihen zum Ausdruck. Direktor Fischer dankt der Vereinsleitung für den von der Vorsitzenden bekanntgegebenen Entschluß, im heurigen Jahre eine Vorkolonie einzurichten, in wüche Kinder im vorschulpflichtigen Alter Aufnahme finden sollen. Er betrachtet diese Schöpfung als eine überaus segensreiche und verspricht sich davon schönen Erfolg. Nach. Erteilung des Absolutoriums für den Vereinsvorstand ergriff Frau Vize- Präsidentin Sofie Quittner das Wort, um der großen Verehrung Ausdruck zu geben, welche der Vereinsvörstand für die Begründerin und Präsidentin der Institution empfindet, und milzuteilen, daß der Vorstand am 20jährigen Gründungstage seiner Präsidentin das Diplom der Ehrenmitgliedschaft überreicht hat. Diese Ausführungen wurden von der Versammlung mit herzlichen Ovationen für Frau Dr. Grünfeld ausgenommen, und mit lebhaftesten Beifallskundgebungen erfolgte die Wiederwahl der turnusgemäß ausscheidenden Vorstandsmitglieder, der Damen Sofie Grünfeld, Sofie Quittner, Rosa Freyberg, Linda Abelis, Marta Vondi, Ida Güdemann, Berta Lichtenstadt, Nelly Ornstein, Antoinette Schwarzmann, Fanny Tiring und die Bestätigung der kooptierten Vorstandsmitglieder Jenny Frank, Karoline Brünn, Adele Wertheimber. Die Vorsitzende brachte nun namens der Vereinsleitung der Generalversammlung in Antrag, den langjährigen Sekretär des Vereines, Herrn Guido Fuchs gelb, welcher, in uneigennütziger Weise die Vereinsinteressen fördernd, seine wertvollen Kräfte in den Dienst der guten Sache stellt, in den Beirat zu wählen. Dieser Antrag findet, ebenso wie der Vorschlag auf Wiederwahl der Revisoren Moritz Graf und Benno K a h a n e, den Beifall der Versammlung. Mit herzlichen Dankesworten der Vorsitzenden fand die Generalversammlung ihren Abschluß. Der Jahresbericht über das 20. Vereinsjahr ist in größerem Umfange, die Vereinsgeschichte darstellend und geschmückt mit reichen Illustrationen, erschienen und wir behalten uns vor, auf dessen Inhalt in unserer nächsten Nummer zurückzukommen. An diese Generalversammlung schloß sich, gleichfalls unter dem Vorsitze der Frau Dr. Sofie Grünfeld, die Generalversammlung des Oesterreichischen See- Hospizes, einer vom Verein Ferienheim begründeten Schwester-Institution, und werden wir auch über den Verlauf dieser Versammlung in der nächsten Woche berichten. Charakter und Familienleben der edelsten Repräsentanten germanischer Rasse in Oesterreich. Gegenüber den Schönerianischen „Ascher.Nachrichten", die den Abgeordneten Wolf neuerdings angegriffen hatten, weil er einmal dem Schönerer zugerufen habe: „Grauhaariger Schurke", hat der Abgeordnete Wolf in einer Versammlung folgende Erklärung abgegeben: Es war zu einer Zeit, da ich noch nicht Abgeordneter, sondern Schriftleiter der „Ostdeutschen Rundschau" war. Da kam eines Tages zu mir Herr Schönerer und überbrachte mir einen Artikel gegen Vergani. Ich erwiderte Schönerer, daß dieser Artikel sicherlich ein gerichtliches Nachspiel haben werde, doch Schönerer bestand auf der Einschaltung, erklärte, die volle Verantwortung für den von ihm überbrachten Artikel zu übernehmen, und verlangte als Parteiobmann unbedingt die Aufnahme. Der Artikel erschien; Vergani klagte. Obwohl Schönerer sich in sein Rosenau zurückzog und zu keiner Gerichtsverhandlung erschien, nannte ich in dem ganzen Prozesse nicht Schönerer« Namen. Ich wurde freigesprochen. Doch Vergani legte gegen das Urteil Berufung ein. Inzwischen war ich zum Reichsratsabgeordneten gewählt worden und war dadurch immun geworden. D^nn kamen die bekannten verleumderischen Angriffe Doktor Schalks gegen mich. Da verlangte ich im Abgeordnetenhause die Auslieferung des Abgeordneten Dr. Schalk, um vor den Schranken des Gerichtes seine Verleumdungen zu widerlegen. Und als ich diesen Antrag mit den Worten begleitete, daß alle Ehrlichen öffentlich eintreten müssen für das, was sie geschrieben und gesagt haben, da stand Abgeordneter Schönerer auf und sagte: „Wenn Schalk ausgeliefert wird, beantrage ich, daß auch Abgeordneter Wolf wegen des Auslieferungsbegehrens Verganis ausgeliefert werde." Und darauf, meine Herren, rief ich ihm, aufs äußerste gereizt, die Worte „Grauhaariger Schurke" zu. Meine Herren! Wegen einer solchen Sache, die auf sein Ersuchen durch das Parteiblatt in die Oeffentlichkeit gebracht worden war, hat Schönerer meine Auslieferung beantragt, obwohl nur er mich zur Veröffentlichung veranlaßt hat. — Das war ein Fall. Und ohne ein Wort hinzuzusetzen, führe ich aber noch einen zweiten Fall an, der sich vorher schon ereignete und der zeigt, in welcher Weise der Kampf gegen mich geführt wurde. Man hatte letzteren auf ein Gebiet übertragen, welches jedermann heilig sein sollte. Während einer Zeit, da ich mit Schönerer in heftiger Fehde war, als ein Kampf mit gemeiner Tücke und hinterlistigen Mitteln gegen mich geführt wurde, kam ein Brief in meine Hände, welcher ganz verstellte Schriftzüge am Kuvert aufwies. Gerichtet war dieser Brief an eine damals noch meinem engsten Familienverbande angehörige Person. (Die Frau des Abgeordneten Wolf.) Und ich wollte diesen Brief dieser damals etwas kränklichen Person für einige Zeit verheimlichen, hatte aber nicht das Recht, einen Brief zu beseitigen, und machte ihn auf, um ihn der erwähnten Person vorzulesen oder sie eventuell vor der Aufregung einer Beschimpfung zu bewahren. Ich fand nun aber auf dem Briefinhalte die mir wohlbekannten Schriftzüge des edlen Mannes von Rosenau vor. Schönerer ist während der Zeit, in welcher er gegen mich in gehässigster Weise ankämpfte, mit dieser betreffenden Persönlichkeit hinter meinem Rücken in einer Verbindung gestanden, die offenbar darauf abzielte, diese Person für eine Feindseligkeit. gegen mich zu gewinnen und durch Zerstörung meines Familienlebens seiner fürchterlichen Wut . gegen mich zu frönen. Ob ich das Recht habe, durch diese Tatsachen und auch dadurch, daß Schönerer zu jener Z'it mit dieser Persönlichkeit geheime Zusammenkünfte hatte, ob ich das Recht halte, auf Grund dieses Vorgehens Schönerers jenen Ausdruck: „Grauhaariger Schurke", zu wählen, das zu beurteilen überlasse ich jedem, der in der Politik nicht den Charakter verliert, wie es bei diesem Manne der Fall zu sein scheint. — Sollte jemand aber auch in diesen Tatsachen eine hinlängliche Begründung für mein Wort noch nicht finden, so bitte ich den Betreffenden, sich an Herrn Michael Bruckmayer zu wenden. Bruckmayer ist 25 Jahre in Diensten Schönerers gewesen und wurde von ihm unzähligemal zu politischen Zwecken ge- oder mißbraucht. Speziell im Kampfe gegen mich war Bruckmayer, wie er mir unter Tränen gestanden hat, derjenige, der im Aufträge Schönerers jenes bekannte, von niederträchtigen Entstellungen strotzende Memorandum, mit welchem Schönerer gegen mich vorging und auf welches die Schmähschrift Schalks folgte, zu versenden gezwungen war. Dieser Michael Bruckmayer war 25 Jahre in Diensten Schönerers. Und dieser Bruckmayer kam vor einiger Zeit alsalter Mann weineyd zu mir und sagte, daß er die Rohheiten Schönerers nicht länger ertragen könne unddaß er selbst auf die Gefabr bin, dem Untergänge entgegenzugehen, auf Knall und Fall aus der Stellung freiwillig ausgetreten sei. (Bewegung im Saale.) Es ist mir gelungen, dem Manne ein Unterkommen zu verschaffen, und ich habe es abgelehnt, von den Dingen, die er mir mitceteilt hat, öffentlichen Gebrauch zu machen, weil ich nicht in den Verdacht kommen will, ihn a's Werkzeug gegen Schönerer zu gebrauchen. Aber er hat mir ohne mein Ersuchen briefliche Mitteilungen gemacht über Tatsachen, welche mir den Schluß auf die Zunge legendaß der von mir gewählte Ausdruck noch viel zu sanft gewesen ist. Wer sich weiter informieren will, der wende sich an Herrn Bruckmayer. („Deutsches Volksblatt", 22. März 1912.)