Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 13 (29.3.1912)
- Date
- 1912-03-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Sette 311 Nr. 13 Dr. Blochs WochenschM breiter Grundlage ruhenden Staatsform gegeben haben. Me besitzen eine gleiche Gedankenfreiheit und die Vorrechte der Bürgerschaft. Jetzt ist nicht mehr die Zeit, in der man von Duldung spricht, wie wenn nur durch die Nachsicht einer Masse der Bevölkerung eine andere der Ausübung ihrer angeborenen, natürlichen Rechte sich erfreuen würde. Denn glücklicherweise verlangt die Regierung der Vereinigten Staaten, welche der Frömmelei keine Gesetzeskraft, der Verfolgung keine Unterstützung gewährt, nur das Eine, daß alle, die unter ihrem Schutze leben, sich als Bürger aufführen sollen, indem sie dem Staate bei jeder Gelegenheit ihre wirksame Hilfe gewahren. Es wäre mit der Aufrichtigkeit meines Wesens unvereinbar, nicht einzugestehen, datz ich von der vorteilhaften Meinung, die Sie von meiner Verwaltung äußern, erfreut bin, und über Ihre heißen Wünsche für mein Glück. Mögen die Kinder aus dem Stamme Abrahams, welche in diesem Lande wohnen, auch fürderhin sich des guten Willens der anderen Einwohner erfreuen und ihn verdienen, während jeder in Sicherheit unter seinem eigenen Weinslock und Feigenbaum sitzen möge und keiner sei da, der ihnen Furcht einjage. Möge der Vater aller Gnaden Licht und nicht Finsternis über unsere Pfade streuen und uns alle, jeden in seinem Beruf, von Nutzen für hiernieden machen und jeden zu seiner ihm bestimmten Zeit die ewige Seligkeit gewähren. G. Washington. Korrespondenzen. 20 Jahre Ferienheim. Am 19. d. M. waren es 20 Jahre, seitdem über Anregung Dr. Blochs Frau Dr. Sofie Erünfeld in der Vereinsversammlung der „Union" ersucht wurde, eine der segensreichsten Institutionen Wiens, Verein Ferienheim, ins Leben zu rufen, und es gestaltete sich dementsprechend die am 21. ds. M. im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde Wien abgehaltene diesjährige Generalversammlung zu einer Festsitzung, welche der verdienstvollen Begründerin und Präsidentin Frau Dr. Sofie Grünfeld, sowie dem überaus rührigen Vereinsvorstande mannigfache Ehrungen brachte. Schon der zahlreiche Besuch dieser Versammlung kann als ein erfreuliches Zeichen jenes regen Interesses gelten, welches dieser Institution allseits entgegengebracht wird. Es halten sich eingefunden: das Präsidium der israelitischen Kultusgemeinde Wien (Präsident Dr. Alfred Stern, Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, Hofrat Dr. B. Rappaport): als Vertreter des Unterrichtsministeriums Hofrat Ardelt; in Vertretung des niederösterreichischen Landesschulrates Hofrat Ri eg er; in Vertretung der Polizei-Direktion Polizeirat Pichler; die Präsidentin des Bundes österreichischer Frauenvereine Frau Marianne H a i n i s ch. Von Sr. Erzellenz dem Herrn Statthalter Baron Diener 1h war ein herzliches Entschuldigungs- und Beglückwünschungsschreiben eingelangt. Die folgenden humanitären Körperschaften und Vereine halten Delegierte entsendet: Der Verband der „B'nai Brith Vereinigungen Oesterreichs" (Präsident Prof. Dr. Ehrmann), „Frauenhort" (Frau Klotilde Benedikt), Brigittenauer Frauenverein (die Frauen Dr. Weiß, Dr. Kohn und Weiner), „Frauenverein Hietzing" (Frau Dr. Krenberger und Biermann), „Frauenverein Floridsdorf" (Präsidentin Grünwald). „Greisinnen-Fürsorge" (Frau Brüll), „Israel. Blinden-Institut" (Direktor Heller), „Jüdischer Iugendbund" (die Herren: Schnabel, Heller, Steiner und Fischer), „Kaiserin Elisabeth-Lehrmädchen- Hort" (Vizepräsidentin Alice Bruckner), „Kinderbewahranstalt" (Herr und Frau Direktor Fischer), „Kinderhort" (Fr. Kolisch), „Kinderschutz" (Notar Dr. I. Bermann). „Krankenbesuch" (Fr. Waltuch, „Oesterreichisch- Israelitische Union" (Präsident Dr. I. Samuely), „Verband der israelitischen Religionslehrer an Mittelschulen" (Obmann Professor Dr. Pollak), „Verein zur Unterstützung jüdischer Bedürftiger" (Obmann Dr. Isidor Braun), „Verein Wien B'nai Brith" (Präsident Richard Petschek). — Man bemerkte ferner unter den Anwesenden: Von der Kultusgemeinde: die Vorsteher S. Brod und Emänuel Grünwald, den Ersten Sekretär kaiserl. Rat Dr. Lieben, Sekretär Dr. Emil Adler, Amtsleiter Rudolf Kraus, die Gemeinderabbiner Dr. Mandl und Dr. Taglicht, den Archiv-Direktor des Abgeordnetenhauses Dr. Neuster, Generalstabsarzt Dr. Zuckermann, Schriftsteller Dr. I. S. Bloch, Kommerzialrat Rosenzweig, und viele andere. Begrüßungsschreiben waren eingelangt von der Baron Hirsch-Stiftung, der Israelitischen schen Mlianz, dem Mädchen-Unterstützungs-Verein, dem Brünner Ferienheim, vom Rabbiner Dr. Rosenmann, Regierungsrat Dr. Frankfurter, Gemeinderat Dr. Oskar Hein, Bezirksschulinspektor Karl Winkler und anderen Vereinen und Persönlichkeiten. In ihrer Begrüßungsansprache führt die Vorsitzende, . Präsidentin Dr. Grünfeld, aus: „Eine 20jährige Vereinstäligkeit bedeutet einen Kapitelabschluß eines Werkes, das vor den Augen der Kritik standhalten muß. Diese Kritik kann und darf auch das eigene Gewissen sein, und da wir heute einen Rückblick auf das von uns in 20 Jahren Geleistete werfen, so können wir sogar der Kritik unserer Mitglieder frei ins Auge blicken. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, hat eine Gruppe Frauen es unternommen, arme, schwache, unterernährte Schulkinder ihrem häuslichen Elend und der Gasse zu entreißen und sie hinauszuführen in Gottes schöne Natur, wo sie unter pädagogischer Aufsicht, behütet von einer Sommermutter, die Schäden der Schulzeit abstreifen und sich für eine beginnende Schulkampagne kräftigen sollen. Luft, Nahrung. Reinlichkeit und jene Erziehung, welche man einem Kinde besserer Stande beibringt, werden ihm' zugeführt und so wird der Keim eines zivilisierten Menschen in die Seelen jener vom Schicksal Verkümmerten gelegt, deren Körper wir durch gute Nahrung und Leibesübungen zu stärken trachten. Seit 20 Jahren haben wir an 8842 Kindern diese soziale Arbeit geleistet, wir sind nicht nur den Aufgaben unserer Tendenz gerecht geworden, wir haben genährt und gelehrt, weinende Mütter haben bei der Rückkehr ihrer Kinder unser Werk gesegnet und Schulen uns wiederholt ihre Anerkennung ausgedrückt. Begonnen mit 45 Kindern, haben wir in 20 Jahren 8842 Kinder entsendet, seit 12 Jahren jährlich mehr als 500, so haben wir eine Million Kronen unseren Zwecken zugeführt, wahrlich ansehnlich genug für eine Frauenarbeit." Auf die Berichterstattung über die Vereinsjahre 1910 und 1911 übergehend. gedenkt die Vorsitzende der Verluste. die der Verein durch das Ableben der Herren Beirat Dozent Dr. Josef Grünfeld, Ehrenmitglied Albert Freiherrn von Rothschild, Stifter Theodor Ritter von Taussig, sowie der Damen Julie Fiala, Caroline Rosenbaum, Johanna Schneider und Rosa Zifferer erlitten. Zum Zeichen der Trauer erheben sich die Anwesenden von den Sitzen. Mit herzlichen Dankesworten berichtet Frau Dr. Grünfeld über die dem Vereine zugekommenen Schenkungen, die Verdienste der Schriftführerin Frau Adele Zins um die Erlangung von Naturalspenden, dankt dem Handarbeits-Komitee, insbesondere den Da-> men Quittner und Lederer, denen das glänzende Gelingen der so beliebten und erfolgreichen Handarbeits- Verkaufs-Ausstellungen oblagen, der Künstlerschar, welche den Vereins-Jours zum' Erfolge verholfen, den Unter-