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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-29 · 13 (29.3.1912) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
13 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 13 «Seite 210 Dr. Blochs WochenschM Göppingen. Dr. St. Thieberger, Vudweis. Dr. L. Venetianer, Neupest. Dr. M. Verler, Paris. Dr. H. Vogelstein, Königsberg. Dr. M. Wiener, Stettin. Im ersten Jahrgang (1912/13) werden erscheinen: 1. Religion und Wissenschaft, von Dr. Ludwig Stein, Berlin. 2. Die Prophetie, von Dr. Mar Wiener, Stettin. 3. Pharisäer und Sadduzäer, von Dr. Rudolf Leszynsky, Berlin. 4. Moses, von Dr. Eugen Levin- Dorsch, Marburg. 5. Das Judentum und die christlichen Religionen, von Dr. Leo Baeck, Düsseldorf. 6. Die jüdische Religion und die Philanthropie, von Dr. Paul Goodman, London. 7. Jüdisches im Christentum, von Dr. Ludwig Venetianer. Neupest. Man abbonniert bei dem Herausgeber: R a b b i n e r Dr. I. Ziegler, Karlsbad. (Jahresabonnement 5 Kr.) Die Leistuugeu der russische« Jude» und die Gegenleistung der russischen Regierung. (Die Budgetrede des Dumadeputierten Nisselowitsch.) Zn der vorige Woche abgeführten Budgetdebatte in der ruffischen ReichSdüma hielt der jüdische Deputierte Nffelowitsch eine qroßangelegte lehrreiche Rede, die sowohl wegen des MuteS, der fich in ihr kuvdgibt, als auch wegen der scharfen Kritik, die sich gegen jedes einzelne Reffort im Kabinet richtet, selbst auf die politischen Gegner des Redners den Eindruck nicht verfehlen konnte. Niffelowitsch beleuchtete die Politik der ruffischen Regierung gegenüber den Juden, wie sie im Staatsetat zum Ausdrucke gelangt, und beschäftigte sich eingehend mit der Frage, wie viel die Juden zum Staatshaushalte beitragen und welche Gegenleistungen sie dafür von der Regierung erhalten. Zunächst kann niemand leugnen, daß der Staat von den Juden nicht weniger, vielleicht eher mehr Einnahmen habe, als von anderen Volksgruppen. An der Steuerleistung aus dem Handel sind die Juden am meisten beteiligt. Bekanntlich geben die Regierungen das Geld, das sie von den Bürgern einnehmen, denselben wieder in Form der öffentlichen Wohlfahrts- und Sicherheitspflege und öffentlicher Institutionen aller Art wieder zurück^ Was erhalten nun die Juden von der Regierung aus jenen Riesensummen, die sie dem Staate zuführen, in der einen oder anderen Form wieder zurück. Da muß wohl jeder zugeben, daßauch nicht ein einziger Rubel an die Juden zurückgezahlt wird. Ein großer Teil der budgetierten Ausgaben ist für die Erhaltung der Beamten bestimmt, unter denen sich bekanntlich kein einziger Jude befindet. Es gab Z-iten, da Juden noch U iternehmer oder Lieferanten waren und auf diese Weise irgend einen Nutzen vom Staate zogen. Aber heute wild auch zu den staatlichen Unternehmungen kein Jude mehr zugelaffen. Jedes Reffortministerium weist für die übrigen Völkergruppen große Ausgabeposten aus. Was haben aber die Juden von jedem dieser Ministerien. Ln erster Stelle steht das Ministerium des Innern. Die Juden bilden vier Prozent der gesamten Bevölkerung und steuern zur Erhaltung dieses Ministeriums jährlich 18 Millionen Gulden bei. Was wird ihnen dafür geboten? In der Frage des Bewegungs- und Wohnrechtes, dieses vielgeplagte Schmerzenskind im Leben der Juden, nimmt das Ministerium des Innern in feiner Praxis eine allzuk are Haltung ein. Unablässig hören wir von Maffenvertreibungen und nächtlichen Ueberfällen, die von derselben Polizei durchgeführt werden, zu deren Erhaltung die Juden Geld geben. Wohl wurde ein Gesetzentwurf betreffend die Aufhebung des jüdischen Ansiedlungsgebietes eingebracht, aber der mit Hilfe der Oktobristen unterbreitete Entwurf wurde selbst in der Kommiffion der Unberührbarkeit der Person verhandelt. Aber selbst wenn dieser Entwurf schon die Kommiffion passiert hätte und sich in der Plenarsitzung der Duma in Beratung befände, so ist bei der gegenwärtigen Stimmung in dieser Körperschaft das Schicksal dieses Entwurfes voraus besiegelt. Wir haben es ja bei der berüchtigten dreihundert Rubelstrafe, dieser schmachvollen Judenstrafe, gesehen, deren Aufhebung von der Kommiss on beschlossen war, während die Duma deu Kommiffionsvorschlag verwarf. Ja, während es bisher gestattet war, diese Strafe in mehreren Raten zu bezahlen, da von ihr zumeist nur arme Familien betroffen werden, forderte das Polizeidepartement jüngst in einem Zirkulär die betreffenden Behörden auf, strenge darauf zu sehen, daß diese Strafen pünktlich, auf einmal und nicht ratenweise gezahlt werden. In den Semstwos und in den städtischen Verwaltungen werden die Juden überall ausgeschloffen. Und die Regierung hat auch nicht einen Schritt getan, um dieser unbarmherzigen Politik ein Ende zu machen. Zur Erhaltung des Justizministeriums steuern die Juden jährlich 4 Millionen Rubel bei. Und was haben sie dafür? Sämtliche Refforts dieses Ministeriums sind judcnrein. Und jetzt soll sogar die Zahl der jüdischen Gchilfsadvokaten durch eine Pe zentnorm begrenzt werden. Durch diese neue Maßregel werden sehr viele jüdische Hilfsadvokaten ihr Stückchen Brot verlieren. Aber doch, die Juden haben vom Justizministerium doch etwas bekommen. .Sie wurden mit dem Prozesse gegen den Juden Beiliß wegen. Ritualmords bescheert. Die Fäden dieser Affäre führen nicht nur nach Kiew, sondern nach Petersburg, wohin das Justizministerium das ganze Untersuchungsmaterial kommen ließ. Diese Affäre, ist eine Schöpfung des Deputierten. S.amislowski, dem eine Abschrift des Anklageaktes ausgeliefert wurde, während dem Beschuldigten selbst diese Abschriften verweigert wurden. Nicht das Justizministerium, sondern Deputierter Samislowski ist der eigentliche Urheber und Verfasser des ganzen Anklageaktes. Zu den. Bedürfnissen des Blldungsministeriums steuern die Juden 5 Millionen Rubel bei, wofür sie die Perzentnorm nicht nur für ordentliche Schüler, sondern auch für Externisten haben. Auch vom Ackerbauministerium erhalten die Juden gar nichts, trotzdem , es noch immer so viele jüdische Kolonisten gibt. Im Gegenteile, dieses Ministerium legt den jüdischen Kolonisten bei der Erwerbung eines Ackerbodens noch Hindernisse in den Weg. Was das Kriegsmimsterium betrifft, so befinden sich die jüdischen Soldaten in einer furchtbaren Lage. Und der Minister plant soeben die. vollständige Ausschließung der Juden aus der Armee. Das Resumä dieses Ueberblickes ist kurz. Die Rechten drängen die Regierung immer mehr, sich den Juden gegenüber noch unbarmherziger zu verhalten. Und das Zentrum hat durch sein Schweigen seine Zustimmung hiezu gegeben. Und die Lage der Juden wird täglich schlechter. Dem jüdischen Volke bleibt nur die einzige traurige Hoffnung, daß die dritte Duma dem gesamten russischen Volke nichts geboten hat und daß dieser Zustand auf die Dauer unhaltbar ist. Noch immer dürfen wir die Hoffnung hegen, daß die bösen Zeiten, welche das russische Volk durchlebt hat und noch heute, mitmacht, ein Ende nehmen werden und daß eine neue Aera kommen müsse, in der das gesamte russische Volk der Freiheit teilhaftig werden wird, und daß dann auch die russischen Juden nicht von den übrigen Bürgern abgesondert behandelt sein werden. Ein Brief von George Washington an eine jüdische Gemieinde. (Mitgeteilt von Cj o t i l d e B e n e d i k t.) Vor kurzem wurde mir von amerikanischen Verwandten ein auf vergilbtem Papier in der genauen Größe des Originals (26 Zentimeter Höhe, 37, Zentimeter Breite auf zwei Seiten mit starkem Respektrand) faksimiliertes Schreiben von George Washington zur Verfügung gestellt, das in der unglaublich zierlichen, verschnörkelten Damenhandschrift des Generals verfaßt ist. Vergleiche mit mir voml Universitätsbibliothekar Dr. Holzmann gütig zur Verfügung gestellten anderen Originalfacsimiles zeigen die Echtheit, nur scheint der merkwürdigerweise undatierte Brief in Europa bisher nicht publiziert, wenigstens in keiner der in der Universitätsbibliothek vorhandenen Vriefsammlungen, auch nicht in der großen von 1908. Er beweist, daß nicht nur die beiden gegenwärtigen Präsidentschaftskandidaten, sondern auch der Begründer der Vereinigten Staaten auf die jüdische Einwanderung mit günstigeren Augen blickten, als manche ihrer Mitbürger. Das Schreiben muß nach dem Jahre 1789 fallen, in welchem Jahre Washington bald nach Antritt seiner ersten Präsidentschaft Rhod- Jsland besuchte. Der Hebräischen Bruderschaft in Newport (Rhod-Jsland). Meine Herren! Nachdem ich mit großer Befriedigung Ihre Adresse, die so sehr von Ausdrücken der Liebe und Achtung erfüllt ist, erhalten habe, freue ich mich der Gelegenheit, Sie zu versichern, daß ich immer eine dankbare Erinnerung an den herzlichen Empfang bewahren werde, den ich von allen Klassen der Bevölkerung anläßlich meines Besuches in Newport erfahren habe. Die Erinnerung an die Tage der Schwierigkeiten und Gefahr, die vergangen sind, wird süßer durch die Gewißheit, daß ihnen Tage von ungewöhnlichem Gedeihen und ungewöhnlicher Sicherheit gefolgt sind. Wenn wir die Klugheit haben, den besten Gebrauch von den Vorteilen, mit denen wir jetzt begnadet sind, zu machen, kann es uns nicht mißlingen, unter der gerechten Verwaltung einer guten Regierung ein großes und glückliches Volk zu werden. Die Bürger der Vereinigten Staaten' von Amerika haben ein Recht, mit sich zufrieden zu sein, weil sie der Menschheit Beispiele einer freiheitlichen und auf

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