Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-29 · 13 (29.3.1912) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
13 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021981-3021995--21022-3046093
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 13 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 309 Ebenso habe ich auch Aufnahmen der Aussprache des Hebräischen der verschiedenen Juden der Diaspora, die in Jerusalem mit Ansiedlungea vertreten sind, gemacht. Was nun den Charakter und das Alter dieser Melodien — (eigentlich richtiger Gesangsweisen oder Rezitationen, die mit dem Charakter der „Steiger" des aschkenasischen Chasonus identisch sind) betrifft, so sind sie, nicht aus der Königezeit, sondern zum Teile aus der Zeit des zweiten Tempels, jedenfalls vorexilisch, da eine und dieselbe Gesangsweise bei allen Juden der Diaspora zu finden ist. Dazu gehören die Intonationen der Bibel (Trop) mit Ausnahme der Bücher n&K und Chronik, sowohl der bekannte .Adonoj-Moloch- Steiger", dessen Altertümlichkeit der selige Oberkantor Josef Singer bereits vor Jahrzehnten vorausgeahnt hat*). Ein großer Teil der traditionellen Synagogenweisen der Aschkenasim sind bei den Jemeniten und Persern wieder zu finden, wie z. B. die Selichosweise; die Weise für Amida der hohen Feiertage rc. Bei der Untersuchung, der traditionell-jüdischen Singarten der verschiedenen Juden fiel es mir besonders auf, daß die Juden in Jemen, Persien und Polen respektive Osteuropa in ihrem Gesänge große Aehnlichkeit miteinander. aufweisen und ebenso in der Aussprache des Hebräischen. Denn auch die Jemeniten und Perser sprechen den Komez „ö", cholam „o-u" oder „ä-u", zeri „ei", segol „L" aus. Ferner unterscheiden sie zwischen n und ri, indem sie letzteres wie das englische weiche „th" aussprechen. Eine zweite Gruppe bilden die Juden Babyloniens, Syriens, Marokkos und die Sefardim sowohl in der Musik als auch in der Aussprache des Hebräischen. Es ist ein überaus interessantes Thema und wirft neues Licht auf manche dunkle. Stellen der jüdischen Geschichte, namentlich der Einwanderung der Juden nach Polen. Besonders aber eröffnet sich uns durch das Studium in diesem musikalischen Material zum ersten Male ein klarer Ueberblick über die jüdische Volksmusik, deren Existenz und Erhaltung aus uralter Zeit ich in meinem oben angeführten Werke zu begründen unternommen habe. A. Z. Jdelsohn, Jerusalem. Die „Bolksschriften" über die israelitisch-jüdische Religionsgeschichte. Von I. Z i e g l e r-Karlsbad. „Wir können in der Popularisierung unserer Literatur nicht genug leisten. Was geschieht, ist freudig zu begrüßen." So schrieb mir einer unserer angesehensten Gelehrten, als er seine Mitarbeit an den „Volksschriften" zusagte. Dabei ist das, was mir vorschwebt, noch unendlich mehr als die Popularisierung unserer Literatur. Von den Uebelu, unter denen die moderne Iudenheit schier zusammenzubrechen droht, ist vielleicht das allerschlimmste das offene oder latente Geständnis von der Inferiorität des jüdischen Stammes und der jüdischen Religion. Wenn es dem Antisemitismus gelungen ist, unsere Gleichberechtigung zu erschüttern, ihre ehrliche Durchführung auf Jahrzehnte hinauszuschieben, so sind diese Erfolge fast gering zu achten gegen den Erfolg seiner Thesen von der Minderwertigkeit des Judentums als Rasse und Religion innerhalb der Iudenheit selbst. Nie hätte die Fahnenflucht unter den Westjuden derart um sich gegriffen, wären nicht diese mit viel Geist und noch mehr Applomb in die Welt gesetzten Thesen von solcher verheerenden seelischen Wirkung gewesen. Daß bezüglich des jüdischen Stammesbewußtseins hierin eine bedeutsame Wandlung zum Besseren zu verzeichnen ist, 'müssen wir als einen großen Erfolg der jüdisch-nationalen Bewegung dankbar anerkennen. Weniger ist bis heute für die Religion geschehen. Noch immer spukt die Mär in den köpfen der jüdischen Intelligenz, daß das Judentum als Religion den christlichen Religionen nicht ebenbürtig sei, daß sie unfähig war, seit den Propheten die Entwicklung ins Große zu nehmen, daß ihr noch vieles anhänge, wodurch sie einen Vergleich mit dem Christentum nicht vertrage. Ich gehöre wahrlich nicht zu denen, die um jeden Preis Fehler und Mängel bemänteln, beschönigen wollen,- daß wir einen systematischen Ausbau unserer Re¬ *) In seiner Broschüre „Die Tonarten des Symgogengesanges" (Steiger), Wien 1886. ligion vermissen, ist zweifellos nach mancher Richtung von großem Schaden. Auch stehe ich nicht auf dem Standpunkt, daß es einer Religion nicht anstehe, in manchen Dingen von anderen Religionen zu lernen. Aber gerade, weil ich der Wahrheit die Ehre geben will, schmerzt es mich, sehe ich Juden gegen die jüdische Religion Anklagen erheben, die in nichts zerrinnen würden, besäße man eine bessere Kenntnis derselben, ihrer Entwicklung. der einzelnen Phasen ihrer Geschichte. Wie oft hätte der intelligente Jude Gelegenheit, unrichtige Anschauungen in christlichen Kreisen zu entkräften, seinen Bindern eine bessere Meinung von der jüdischen Religion beizubringen, besäße er nur selbst eine bessere Kenntnis dieser Religion. Diese Erwägungen haben mich bewogen, die Herausgabe von „Volksschriften über die israelitisch-jüdische Religionsgeschichte" in Angriff zu nehmen. Die Vorbereitungen sind getroffen. Mehr als 60 jüdische Gelehrte. Männer von Ruf und Ansehen, haben ihre Bereitwilligkeit erklärt, an den Volksschriften mitzuarbeiten. Das erste Heft der Volksschriften wird im Oktober dieses Jahres erscheinen. Nun liegt es an der jüdischen Intelligenz, den Nachweis zu erbringen, daß sie freudig die Gelegenheit wahrnimmt, über die jüdische Religion richtige Kenntnis zu erwerben. Das Abonnement der Volksschriften beträgt pro Jahr 5 Kronen! So richte ich denn meinen Appell an die jüdische Intelligenz aller Länder: Wollet ihr selbst orientiert sein über eure Religion, ihre Entwicklung und Bedeutung? Wollet ihr euch die Möglichkeit schaffen. Andersgläubigen rechte Auskunft bieten zu können über alle Phasen der jüdischen Religion? Wollet ihr euren Kindern Verständnis geben für eure Religion, dadurch Liebe zum Judentum? Wohlan, hier wird euch geboten, in einfacher, leichtfaßlicher Form Wesen und Entwicklung eurer Religion kennen zu lernen: nehmet die Gelegenheit wahr, lasset sie euch nicht entgehen, wenn euch euer Judentum noch am Herzen liegt. Ihre Mitarbeit an den ..Volksschriften" haben bis jetzt schon zugesagt: Dr. I. Abrahams. Cambridge. Dr. L. Baeck, Düsseldorf. Dr. H. Bergmann, Prag. Dr. I. Bergmann, Berlin. Dr. S. Bernfeld, Berlin. Dr. A. Viach, Vrür. Dr. L. Blau, Budapest. Dr. Ph. Bloch, Posen. Dr. H. Chajes, Florenz. Dr. S. Daiches, London. Dr. E. Deutsch, Cincinnati. Dr. M. Doctor, Kassel. Dr. I. Elbogen, Berlin. Dr. S. Eppenstein. Berlin. Dr. D. Feuchtwang. Wien. Dr. M. Freudenthal. Nürnberg. Dr. S. Funk, Boskowitz. Dr. M. Gaster, London. Dr. L. Geiger. Berlin. Dr. I. Goldschmidt. Offenbach. Dr. L. Goldschmidt, Proßnitz. Dr. P. Goodman, London. Dr. L. Großmann. Cincinnati. Dr. M. Grunwald, Wien. Dr. I. Guttmann, Breslau. Dr. Emil G. Hirsch, Chicago. Dr. I. Hirsch, Karolinenthal. Dr. E. Hofmann. Reichenberg. Dr. B. Jacob. Dortmund. Dr. W. Jerusalem, Wien. Dr. A. Kaminka, Wien. Dr. L. Kecskemeti, Großwardein. Dr. B. Kellermann, Berlin. Dr. A. Kisch, Prag. Dr. G. Klein, Stockholm. Dr. K. Köhler, Cincinnati. Dr. S. Krauß, Wien. Dr. Th. Kroner, Stuttgart. Dr. R. Leszynsky, Berlin. Dr. E. Levin-Dorsch, Marburg. Dr. Em. Levy, Berlin. Dr. L. Levy. Brünn. Dr. I. Lewkowitz, Schneidemühl. Dr. H. Malter. Philadelphia. C. G. Montefiore. London. Dr. E. Neumann, Großkanizsa. Dr. F. Perles. Königsberg. Dr. I. Pollak, Prag. Dr. S. Poznänski, Warschau. Dr. N. Redisch, Brünn. Dr. S. Samuel, Essen. Dr. I. Scheftlowitz, Köln. Dr. C. Seligmann, Frankfurt a. M. Dr. M. Simon, Manchester. Dr. L. Stein, Berlin. Dr. S. Stern, Saaz. Dr. A. Tänzer,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.