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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-29 · 13 (29.3.1912) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
13 (29.3.1912)
Date
1912-03-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 208 Nr. 13 Dr. Vlochs Wochenfchrkft mit ausgiebigen Portionen Butter auf dem Kopfe veranstalten Stratzendemonftrationen gegen Juden. Endlich greift man zu auswärtiger Hilfe, und man bezieht altgebackene Verleumdungen aus der berüchtigten Leipziger Lügenfabrik. So wurde denn in den letzten Wochen in Wien ein antisemitisches Pamphlet, unterschrieben „Der Hammerbund, Theod. Fritsch", in tausenden Eremplaren verbreitet, welches „Einige Fragen an die gebildeten Juden" enthält und angebliche Zitate aus Talmud und Schulchatt Aruch in hebräischer Sprache vorführt, mit dem Inhalt: „es werde den Juden von Religionswegen empfohlen, sich gegen Nichtjuden aller schlechten Mittel zu bedienen, sie zu schädigen, um den Reichtum und die Macht des Volkes Israel zu erhöhen". Selbstverständlich sind diese Zitate Ausgeburten der Phantasie. In dem Prozesse Rohling-Bloch haben die beiden von dem k. k. Wiener Landesgericht bestellten Sachverständigen Prof.. Theodor Nölldöcke in Straßburg, Mitglied der Wiener Akademie der Wissenschaften, und Dr. August Wünsche unter Eid ausgesagt (vergleiche Dr. Josef Kopp, „Zur Judenfrage nach den Akten des Prozesses Rohling-Bloch", S. 68 und 69): „In Bezug auf Betrug sagt T. T. Chullin 94 a: „Es ist verboten, die Leute zu täuschen, selbst einen Nochri (Religionsfremden) darf man nicht täuschen." „In Bezug auf Matz und Gewicht wird im T. T. Baba bathra 88 b, 89 b der Betrug als eine besonders schwere Sünde bezeichnet, weil der Schade nicht gut gemacht werden kann, denn der Verkäufer kann später nicht mehr wissen, welche Kunden und um wie viel er jeden geschädigt hat. Maimonrdes Jad Chasaka „Vom Diebstahl" VIII, 8 wiederholt dieses Gebot mit dem ausdrücklichen Beisatz, „gleich ist's, ob er (der Jude) Handel und Wandel treibt mit einem Israeliten oder mit einem Abgottsdiener." Der Schulchan Aruch in Ehoschen Mischpat 231, 1 sagt dasselbe. „In gleichem Sinne äutzern sich Sefer Chassidim, Mose de Couzy, Aaron von Barcelona," Jechiel ben Jekuthiel, alle aus dem 13. Jahrhundert. Nur zwei Stellen will ich besonders anführen: „In Sefer Chassidim Nr. 1086 heißt es: „Wenn ein Israelit und ein Nochri beisammen sind, und der Nochri sagt zum Israeliten, ich will nach dem und dem L>rte gehen, dort sind Juden, ich fürchte aber, daß sie mich betrügen, thue mir kund, wer ehrlich und wer nicht ehrlich ist, so soll jener Israelit ihm sagen: laß dich mit dem und dem in kein Geschäft ein." „Jalkut I, 504 erzählt: Ein Jude betrug einen Goi denn Verkauf von Datteln, indem er in der Dunkelheit falsch matz. Von dem Erlöse kaufte er einen Krug Oel und stellte ihn an den Ort, wo die verkauften Datteln waren. Da zersprang der Krug und das Oel rann heraus. Darauf rief Rabba: „Gebenedeit sei Gott, gebenedeit, bei dem kein Ansehen der Person stattfindet, der Raub an einem Goi ist Raub." Dieser Satz kehrt an verschiedenen Stellen beider Talmud e wieder." So weit die eidlichen Aussagen der als Sachverständige einvernommenen christlichen Gelehrten. Demgegenüber zeichneten sich die Führer und Größen der antisemitischen Partei in Wien durch Lug und Trug und Diebstahl, mit einem Worte durch eine Korruption aus, weWe die arische Moral vor aller Welt in bengalischer Beleuchtung prostituierte. Eine Erklärung gegen den Ritualnwrdwahn. Eine Reihe von hervorragenden Vertretern der Wissenschaft, Kunst, Politik und Literatur in Deutschland veröffentlicht eine Erklärung, die sich gegen den Ritualmordwahn richtet. In der Erklärung heißt es: „Im vorigen Jahre wurde der Knabe Andrej Justschinski in Kiew ermordet. Sein Mörder wurde trotz vieler Bemühungen bisher in zweifelsfreier Weise nicht entdeckt. Schließlich ist ein Jude als Täter verhaftet'worden und die Untersuchung gegen ihn schwebt. Die Agitation der Straße hat diesen Vorfall gierig aufgegriffen und behauptet dreist, der Knabe Justschinski sei von Juden abgeschlachtet worden, um ihm sein Blut abzuzapfen und um dieses Blut gemäß einem angeblichen jüdischen Religionsgesetze für rituelle Zwecke zu verwenden. Dieser gewissenlos in das Volk getragene Wahn hat vom Mittelalter an bis in die neueste Zeit immer wieder entsetzliche Folgen hervorgerufen, und doch ist niemals für die Berechtigung dieses Wahnglaubens auch nur der Schatten eines Beweises erbracht worden. Die angesehensten christlichen Kenner des jüdischen Schrifttums haben einwandfrei nachgewiesen, daß zu keiner Zeit die Juden durch ihre Religion zum Morde ihrer Mitmenschen angestifteL wurden. Wir halten es für die Pflicht eines jeden, dem der sittliche Fortschritt der Menschen am. Herzen liegt, gegen solchen traurigen Aberwitz die Stimme zu erheben." Zu den Unterzeichnern dieser Erklärung gehören u. a. Graf Posadowsky, Heinrich Prinz zu Schönaich-Carolath, die Präsidenten und Vizepräsidenten des Reichstags Dr. Kaempf,. Dr. Paasche und Dove, Admiral v. Hollmann, die Abgeordneten Bassermann, Fischbeck, Kersch ensteiner, v. Payer, ferner zahlreiche deutsche Theologen, denen sich die ganze theologische Fakultät von Kopenhagen anschließt, außerdem von hervorragenden deutschen Gelehrten, Lujo Brentano, Rudolf Lucken, Fr. Delitzsch, von Schriftstellern unter anderen Gerhart Hauptmann und Hermann Sudermann, von deutschen Künstlern Artur Kampf und Tuaillon und viele andere. Professor Dr. Strack, der bekannte Theologe der Berliner Universität und bedeutende Talmudforscher, hat der Erklärung, die auch der russischen Regierung zugehen wird, ein wissenschaftliches Gutachten beigefügt. In Wien haben außer den bereits genannten Universitäts- Profesforen Eugen Bormann, Karl Brockhausen, Eduard Brückner, Friedrich I o d l und Ludo M. Hartmann u. a. noch folgende Persönlichkeiten mit unterzeichnet: Professor für Dogmatik und christl. Ethik a. d. k. k. evang.-theologischen Fakultät Dr. Karl Beth; Evang. Superintendent i. R. Univ.- Prof. Dr. Johann Szeberiny. Die Universitäts-Professoren: Hofrat Viktor Ebner Ritter von Rosen st ein; Hofrat Sigmund Exner; Hofrat Ernst Mach; Hans Horst Meyer; Eduard Sueß, gew. Präsident der Akad. der Wissenschaften; L. von Schröder; ferner Frau Marie von Ebner- Eschenbach; Frau Baronin Bertha von Suttner; Herr Baron Josef von D o b l h o f f und mehrere hervorragende Mitglieder des Wiener Gemeinderates. Näheres über die althebräischen Melodien in dem Phonogramm-Archiv der k. k. Akademie in Wien. In der Nr. 10 dieser Zeitschrift wurde die Mitteilung gebrachtdaß es dem Phonogramm-Archiv der Wiener Akademie gelungen ist, althebiäische Melodien aus dem Orient, und zwar aus der K ö n i g e z e i t zu erhalten. Zu näherer Beleuchtung dieser befremdenden Mitteilung will ich erklären, daß die genannten Melodien von mir in Jerusalem ausgenommen worden sind, und zwar zum Zwecke meiner Forschungen auf dem Gebiete der jüdischen Volksmusik. Auf meinem Vorschläge hin wurde mir vom genannten Phonogramm-Archiv ein Apparat und Platten zur Verfügung gestellt. Ich habe bis jetzt über hundert Aufnahmen von Melodien der jemenitischen, persischen, babylonischen, syrischen und sefardischen Juden und von den Samaritanern in Nablus gemacht. Diese Aufnahmen sollen mir als Belege und Muster für meine reichhaltige Melodiensammlung dienen,, die ich demnächst im Verlage von Breirkopf & Härtel, Leip,ig, unter dem Namen „Hebräisch-orientalischer Melodienschatz" erscheinen-lassen werde..

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