Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 13 (29.3.1912)
- Date
- 1912-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sir, 16 Seite 30b Dr. Blochs Wochenschrift finden", so errang dieses innerlich freie Volk immer wieder die Kraft, aus sich selbst herauszuwachsen, sich zu laden an dem ewig sprudelnden Quell lebendigen Wassers, an seiner Thora, seiner Lehre. Der verheißene Trost: „Und ich werde dich nicht mehr hören lassen den Spott der Völker und den Schimpf der Nationen wirst du nicht mehr tragen", hat sich zum Teil erfüllt. — Israel lebt zerstreut unter den Völkern der Erde, nimmt tell an den Errungenschaften der rastlos strebenden Zeit, darf Mitarbeiten an den Werken der Kultur. Und dennoch vergibt ein großer Teil, daß unser Volk seine Freiheit nicht der Gegenwart allein zu danken hat. — Es wirft gern das härene Gewand ab, das es an die Vergangenheit knüpft, und will vergessen, von wo es seinen Ursprung, seine Kraft genommen. Freie Bürger des Landes, in dem sie leben, wollen sie ihre Vergangenheit sorgsam verbergen, um nur ja jede noch so geringe Verschiedenheit schwinden zu lassen, die sie an die Wiege ihrer Herkunft erinnert. Sie wollen dadurch festwurzeln und entwurzeln sich selber, da sie sich selbst den Lebensinhalt nehmen, der ihre Vorfahren unbesiegbar gemacht. — Sie glauben auf dem festen Boden des Gesetzes zu stehen und wollen nicht wissen, daß das granitene Fundament von ihren Vätern vor tausend, tausend Jahren gelegt worden ist. Von ihren Vätern, die den Gott- Einheitsgedanken in sich getragen und Ziegel zu Ziegel ßn harter Arbeit gefügt, um jene Bauwerke zu errichten, die heute noch lebendiges Zeugnis abgeben von der Mühe ihrer Sklavenarbeit. Sie wollen vergessen, daß all die Tränen und Seufzer, all das Herzblut beraubter Mütter, aller Schmerz und Jammer, das Todeslächeln der Eequälten, die zahllosen Mosaiksteinchen aneinander gefügt, die das Bild der Vergangenheit tragen, auf der sie stehen, vermöge der sie sich entwickeln konnten. Sie werden unfrei weil sie sich eines Besitzes entäußern, eines Erbes, das sie täglich sich von neuem erwerben sollten. Sie glauben, ihren Kindern den Weg eher zu bahnen, wenn sie Verrat üben und Verrat lehren. Aengstlich soll jede, noch so leise Spur vermieden werden, die sie an die Vergangenheit, an einstige Knechtschaft erinnert. Und dennoch gibt Israels Vergangenheit, trotz aller Demütigungen und Leiden, ein beredtes Zeugnis der inneren Grütze und Charakterfestigkeit, die ihm! den Stempel des Seelenadels für alle Zeit aufgedrückt. — In seiner innerlichen Einheit lag der Keim seiner Freifheit. Seine Ueberzeugungsinnigkeit, seine Treue führten es durch Not und Tod ins Leben zurück. Aus den lodernden Scheiterhaufen, den fürchterlichen Folterkammern gmgen die Schmerzensschreie der Verzweifelten in die weite Welt. — An großen Herzen zerschellte des Feindes Kraft, aus dem Tode rang sich das Leben. Das Leben, das den geistigen und religiös-sittlichen Inhalt Israels umfaßt, und gab iW so Unsterblichkeit. Das Gedenkfest her wunderbaren Befreiung unseres Volkes feiern wir im Frühling. Es soll uns eine Mahnung fein, und gns von neuem erinnern an jene Tage, die Israel zuM ersten Male das Land der Freiheit schauen lichen. Mir sollen an den Tagen gemeinsam das Brot des Elends essen und in dem alten Buche der Hagada. lesen, die ein reicher Schatz: der Hoffnungen und eine unerschöpfliche Fundgrube von Trost ist. Wieviel Geist, Herz undchemüt ist gerade da auf geboten, um unser Volk zu ermutigen. Und ist auch dem modern geschulten Geist nicht alles mehr genügend, so soll die Ehrfurcht und die Liebe sich vereinen in warmem Eingehen auf jenes Buch, das ein altes - Denkmal .der Freiheit,-in-unserer Geschichte bildet. In die jungen, frühlingsfrohen Herzen der Jugend soll es gepflanzt werden, damit sie Achtung und Ehrfurcht empfinden vor jenen, die in grauen Tagen schon erkannt, welch hohes Besitztum ihnen in ihrem geistigen Erbe geworden, wie sie an ihm festgehalten, trotz bittersten Drangsals. Dann wird die Freiheit ihnen werden, die innere Freiheit und die Freiheit da draußen auf dem Lebensmarkt. „Sie werden nicht ermatten, nicht dahin gehen, ehe Er das Recht auf Erden gegründet hat, auf dessen Lehre Eilende harren." Freiheit bezeichnet Israels Anfang, Freiheit sein Ziel, Freiheit will sein Gott und Freiheit schützt Sbm Gesetz. — So wird sie kommen, die große schöne, herrliche Zeit, in welcher die Sonne der Freiheit, anfangs blutig rot, dann immer sanfter und immer milder strahlend, vor allen Völkern sich erheben und alle Wahngebilde, welche Menschengeist verdunkeln, verscheuchen und auch den letzten Rest seiner Knechtschaft beenden wird. per Mem U-rker U M Ä A. I««gmanne»»-Gesr1lschaft). Eine der interessantesten Wohlfahrtsinstitutionen des Newyorker Judentums führt diesen Namen. Geschaffen nach dem Muster der „Jungen-Männer-Christlichen Bünde", vereinigt es in sich alle Wiener vereinzelten jüdischen Jugendbestrebungen, Toynbeehalle, Turnerbund, Schwimmverein, jüdisch-akademische Lesehalle und die des verdienstvollen Vereines „Kultur", besitzt ein Palais, das Volksbildungshaus, Jockeiklub, Sporthaus und religiöser Vereinigungspunkt zugleich ist, bei der allerdings weniger die akademische, sondern die Jugend aus dem großen, wahrhaft königlichen Kaufmannsstand, aus den Comptoirs und Warenhäusern Newyorks die Hauptrolle spielt. In nächster Nähe der fashionabelsten 5. un d M a d - dison Avenue erhebt sich der florentimsche zweistöckige Palastbau der P. M. H. A., der, an Eleganz und Vornehmheit nur mit englischen oder dem Pester Nationalklub vergleichbar, int Erdgeschoß und den Mei 7 Fenster Front enthaltenden Stockwerken, sich vorteilhaft von den Wolkenkratzern unterscheidet und das munifizente Geschenk des gegenwärtigen Klubpräsidenten Felir Warburg ist. Der Palast enthält Empfangs-, Rauch-, Musiksalons, Billardsäle, Restaurants- Schlafzimmer für Gäste, eine mit geradezu altrömischem Lurus ausgestattete Schwimmschule, Turnsäle mit unvergleichlicher Einrichtung, zwei Kegelbahnen, Konzert- und Vortragssäle, eine Bibliothek für Erwachsene und eine für Jugendlektüre, Lesesäle für Kinder und. Erwachsene, als vornehmsten Raum aber den Vetsaal für den Gottesdienst, womit der Klub seine Doppelabstammung aus unseren Chewras und den vornehmen englischen College mit ihren schönen Kapellen dokumentiert. Nur die munifizenten Spenden der jüdisch-amerikanischen Millionäre (das ganze Präsidium, neben Marburg, die Vizepräsidenten Louis Haber und Wilhelm Prager, der Kassier Henry Toch und der Schriftführer E. Paul rekrutiert sich aus der deutschen anglisierten -Einwanderung, im Klub sind auch viele Sephärden, eines der eifrigsten Vorstandsmitglieder des Institutes ist ein österreichischer Arzt, Dr. Fischer, Sohn des Herrn Jgn. Fischer in