Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 13 (29.3.1912)
- Date
- 1912-03-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Nr, 13 Dr. Bloch’s Jahrgang yyix Zentralorgan für die gesamten Unter essen des Judentums. OGo - ~Do A. ft. Poflsxarftaffenamr Sleartng-Verkebr «r. 810.976. RedaMon und Administration. Wir« IX/i, Hahngasse Nr. 15. k Telefon Nr. 14.847. J no Oo Wien, 29. März 1912 Lrscbeint jeden LreLtag. Brief-Adresse: Wien,!X/i, Hahngaffe 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. OCF—~ ==o Bejugsprii» für Beftrrreitf»; Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für's Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2nal gespa!. H tene Petitzeile m Heller. O O .- - O Inhalt: Leitartikel: (Ostern) Freiheit. — Der New-Uorker U. M. H. A. (jüdische Jungmannen-Gesellschait). — Vom Jahrmarkt d eS Lebens: Ein antisemitisches Pamphlet. Eine Erklärung gegen den Ritualmordwahn. Näheres über die althebräischen Melodien in dem Phonogramm-Archiv der k. k. Akademie in Wien. Die ..Volksschriften" über die israelUisch-jüdische Religionsgeschichte. Die Leistungen der russischen Juden und die Gegenleistung der russischen Regierung. Ein Brief George Washington an eine jüdische Gemeinde. — Korrespondenzen: 20 Jahre Ferienheim. Charakter und Familienleben der edelsten Repräsentanten germanischer Rasse in Oesterreich. Wie Ritualgeschichten vom Blutabzapfen entstehen. Karlsbad. Von der Rabbineikonferenz in Czernowitz. Wie man in Fiume Juden beeidet. Die italienische Kultusverfassung für die Juden in Tripolis. Die Genugtuung für Bürgermeister Ernesto Nathan. — Vermischtes. — Feuilleton: Mirjams Siegesgesang. Eine Klostergeschichte. — Literatur. — Briefkasten. — Notiz. — Inserate. Zur gefälligen Beachtung! Wir ersuchen unsere geschätzten Abonnenten um rechtzeitige Einsendung der laufenden Abonnements gebühr, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleide. Zur Einsendung der Beträge wolle man sich des in der heutigen Nummer beigelegten PosteHagscheines bedienen. Die Administration. (Ostern) Freiheit. Von Jda Oppenheim. Nach uralten, ewigen Gesetzen bricht sich im Frühling der in erstarrter Erde liegende Keim die Bahn zum Licht, zur Freiheit. Dem erwärmenden Sonnengold erschließen sich die zarten Blättchen, sie wachsen und erstarken. Die Freiheit bringt ihnen Leben, Aufatmen im unbegrenzten Raume des Alls. Die Natur erfüllt ihre Aufgabe unverändert in jeder Spanne Zeit in ewigem Wechsel. Der Mensch, das mit Vernunft höchst begabte Geschöpf, in ihr, macht sie sich dienstbar und ist doch in vielen Beziehungen ihren ewigen Gesetzen unterstellt, die sich in ihrer Regelmäßigkeit stets wiederholen. „Ein Keimen — ein Erblühen — ein Welken — Menschenlauf." Das Geschick eines Einzelnen, das Geschick der Massen. An der Hand der Geschichte beobachten wir diesen steten Wechsel. So sehen wir das Volk Israel jung, aufstrebend in das harte Joch egyptischer Gewalt vor Jahrtausenden gezwungen. Hoffnungslos trugen die Menschen, in denen der ideale Gott-Einheilsgedanke gekeimt, die Last der körperlichen und seelischen Frohnarbeit. Durch wunderbare Fügung strahlte den Bedrängten, zu Tode Gehetzten der Frühling der Freiheit. Rauschende Wasserwogen teilten sich. Trockenen Fußes gingen die Geknechteten in das Land ihrer Sehnsucht, ihrer Hoffnung, in das Land der Verheißung. Seit jenem wundersamen Tage hat sich der Kampf, die Sehnsucht nach Freiheit, immer von neuem wiederholt. — . MH Hunderte von Mizrajim haben unsere Vorfahren durchwandert, immer von neuem gekämpft und gelitten um ihr teuerstes Gut, die Freiheit ihres Denkens und Empfindens. Unser Volk gleicht nicht dem Ahasver der Sage. Es sehnt sich nicht nach dem Tode trotz aller Mühen, alles Drangsals, es fühlt die Kraft in sich, zu leben in seinem Sinne, in seinen Idealen. Weltbezwinger lösen einander ab. Israel aber ging aus allem Wechsel der Zeitläufte immer wieder innerlich erstarkt hervor. — Ihm half nur eine Macht, die getragen ward allzeit von der Idee der Allheit, das ist die die Menschheit umfassende sittliche Macht, die ihren Ursprung und Urquell in dem Gedanken der Gott-Einheit findet. Israel war von diesem Gottesgedanken durchdrungen, er bildete die Schwingen, auf denen sich die jüdische Volksseele aus der Enge erhob. In sich gefestigt durch den Ideengehalt seiner Lehre, konnte Israel auf den traurigen Wanderungen durch alle Länder und Zonen wohl nirgends festen Fuß fassen. Trotz unendlicher Leiden gelang es ihm doch, Mitförderer der Kultur zu werden, jeden geistigen Aufschwung in sich auszunehmen, ohne daß sein innerstes Wesen davon berührt wurde. Es war trotz aller äußeren harten Einschränkungen ein freies Volk, trotz Spott und Hohn, unter allen Völkern. — Und verwirklichte sich auch das Wort: „Du wirst keine bleibende Stätte haben unter diesen Völkern und deine Fußsohlen werden keine Ruhe