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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-22 · 12 (22.3.1912) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 800 Dr. Blochs WochenfchM 9fc.:i2j mich um dasselbe. Ich gestand alles ein, nur den Hostiendiebstahl wollte ich nicht eingestehen, bis man mich furchtbar gefoltert hat. Zwei Ratsdiener, die beim Henker standen, rieten mir, ich soll alles eingestehen, denn es find um 4 fl. Kerzen vorbereitet, die man an meinem Körper abbrennen wird. Ich sagte alles, was man wollte, ich tat es aus Furcht vor dem Henker und vor Schmerz. Dann befahl man mir, zu beichten und mich zum Tod vorzubereiten. Als ich dem^Beichtiger gestand, ich hätte nie das Sakrament gestohlen und hätte einen unschuldigen Juden verleumdet, tadelte mich der Geistliche und dasselbe taten auch andere Paters, die in meine Kammer kamen. Nun sehe ich, daß ich den verdienten Tod sterben muß, so will ich mit einer Verleumdungssünde nicht von der Welt gehen und einen unschuldigen Menschen — es sei ein Jude — ums Leben bringen. Anders werde ich nicht aussagev, wenn man mich zu Tode martern soll. Jetzt bin ich bereit, in den Tod zu gehen."u) Und Peter Jurkiewicz wurde am Scheiterhaufen verbrannt, aber mit dem Feuer begann für die Krakauer Juden eine furchtbare Tragödie. Der Stadtrat wollte vom armen Schneiderlein Jakob Krzeslik nicht lassen, so daß erst ein königlicher Erlaß und der Eid des ganzen Gemeindevorstandes der Sache ein Ende machten.1?) Das Landvolk und die Bürger erzählten aber untereinander, die Juden hätten den Jurkiewicz verhext und den Beichtvater bestochen. Fremde Emissäre verbreiteten stets diese Kunde und eiferten das Volk zur Rache an. Bald brach das Unglück los. Am Freitag nach Frohnleichnam (am 22. Juni 1637) kamen zwei Scholare in eine jüdische Schenke und wollten ihre Rechnung nicht begleichen. Der Jude warf beide zur Tür hinaus, wodurch sie sich verletzt fanden und großen Lärm schlugen.15) Es kam zu einer Judenschlägerei, schnell wurden die Geschäftsläden geschloffen und auf das Schloß um Hilfe gesandt. Bald kam ein Trupp von 50 Soldaten und unter ihrer Obhut wollten die Juden in die Judenstadt sich begeben. Der Pöbel bewarf aber das Militär mit Steinen, so daß es scharf einhieb und zwei Studenten niedermetzelte. Erschrocken drang die Menge zurück und die Juden konnten ruhig ihren Sabbat-Abend seiern. Am Sabbat-Morgen brach aber die Menge in die Judenstadt ein, ergriff einige vierzig Juden, schleppte sie zum Fluß und begann sie zu ersäufen. Bald kam der Schinder und tötete wie Hunde die schwimmenden Juden. So verloren 7 Leute das Leben in der Schlinge des Wasenmeisters, die übrigen versprachen, sich zu taufen, und stellten sich in den Schutz eines Reformistenpaters.") Zu spät kam die Hilfe des Wojwoden, sein Brief an den Stadtrat ist ein Zeugnis der damaligen Verhältniffe, unter denen die Juden lebten. In der Judenstadt wurde eine Trauer für den Sabbat vor Pfingsten angeordnet und der Stadtschreiber am „Kasimierz au der Wisla und der Wilga" trug in das Memorbuch noch einen EI Mole Rach’mim ein.15) Ateratnr. Der Hof von Berlin im Jahre 1888. Eine Publikation von gei'adezu sensationellem Interesse finden wir im 2. Märzlieft von „Nord und Süd“ (Schlesische Buchdruckerei, Kunstu. Verlagsanstalt von S. Schottlaender, A.-G., Breslau-Berlin-Leipzig): Die Tagebuchblätter einer Russin aus der Zeit der kurzen Regierung Kaiser Friedrichs III., einer geborenen Prinzeß Urusoff, die damals in Berlin weilte und mit dem Hofe in mehrfache und nähere Berührung zu kommen Gelegenheit hatte. Die Aufzeichnungen tragen den Stempel eines augenblicklichen und unbeeinflußten Empfindens klar an sich und sind dadurch umso wertvoller in ihrem Urteile über die Vorgänge und Persönlichkeiten jener Zeit, die sie miti ergreifender Deutlichkeit vor unseren Blicken wieder aufleben lassen. Manches Neue und ungemein Ueber- ") ibidem, pg. 771—2. ia) ibidem, pg. 1147 - 59. 1S) „OssoUnLlr'sche Bibuothel" Handschrift Nc. 116 pg. 410. “) Wegierski: Chronik der evangelischen Gemeinde zu Krakau,! BreSlau 1880. sub anno 1637 Nr. 93. 1S) Im Pinox der Reb Eisik-Schul, beiWettstein: Debarim athikim, Seite 16. raschende tritt da ans Tageslicht, manches erhält weitere Bestätigung. Vor allem Beachtung verdient, was über den damaligen Kronprinzen Wilhelm, unseren jetzigen Kaiser, mitgeteilt wird. — Auch der übrige Inhalt dieses „Nord und Süd“-Heftes bietet höchst bedeutsame Beiträge; so wenn Franz von Kossuth über seinen Vater schreibt,, indem er die Frage: „Was lebt von Ludwig Kossuth?“ ber. antwortet; oder wenn der frühere italienische Ministerpräsident Luigi Luzzatti selbst /,Italien und Deutschland in der Wissenschaft! und in der Wirtschaft“ behandelt, wobei seine Ausführungen wohl geeignet erscheinen, die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten weiter zu wahren! und zu befestigen. —• Ein Bildnis Luigi Luzzattis, sowie ein Artikel von Dr. BUuwstein, in dem „Luzattf, der Staatsmann, der Denker, der Mensch“ gewürdigt wird, sind beigefügt. — In versöhnendem Sinne zwischen Deutschland und Italien einzuwirken ist auch Dr. H M ü u 1 i. n g bemüht; in seinem Aufsatze: „Der italienisch-türkische Krieg“ und der deutsche Liberalismus“ erklärt er die Verstimmung, die sich während der jüngsten Vergangenheit in Deutschland gegen Italien verschiedentlich gezeigt hat, vielmehr als den Ausdruck enttäuschter Freundschaft und' führt sie auf die idealen Grundanschauungen des deutschen Volkes zurück. — Für die bisher nur gelängen Erfolge! der Italiener in ,-,Tripolis“ sieht Kriegskorrespondent Dr. von Bilguer eine Ursache in der Unkenntnis der sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Bedingungen der dortigen Bevölkerung, die eine unrichtige Behandlung der Ein-, geborenen zur Folge hatte!; nunmehr aber wäre hierin ein Umschwung eingetreten. — Unter dem Titel ,|,Der chinesische Maybach“ entwirft Regierungsbaumeister Franz!ffoas ein sehr interessantes und für die chinesischen Verhältnisse lehrreiches Bild von dem Wesen und politischen Wirken des ehemaligen Eisenbahnministers Sheng-Hsuan-hi, dessen eigennützige Manipulationen zu dem Ausbruche der chinesischen Revolution mit den Anstoß gegeben haben. —• Von einem anonymen Autor werden die Bemühungen und Verordnungen des Papstes zur „Ausrottung des Modernismus“ dargelegt und einer gerecht kritisierenden Betrachtung unterzogen. — Einer Frage, die wohl mehr oder weniger allgemein in ganz. Deutschland empfunden wird, sucht Arthur Dix beizukommen; nämlich wie in dem politischen Heben wieder eine große, starke, die Kräfte anspornende Begeisterung erweckt werden könne. ,',Neue Ziele“, neue. Ideale sind hiezu notwendig, und Dix weist sie mit verständnisvollem Blick im Einzelnen auf sozialem, innerpolitischem, auch Kolonialem' Gebiete nach. — Das Heft enthält ferner eine Dichtung „Alltag“ von Eleonore K.alk o w s k a, die Fortsetzung des Romans „Richtet nicht . , von Oskar von Schütte und folgende Rundschauen: Sozialpolitische Rundschau (Senatspräsident im Reichsver-, sicherungsamt Dr. Flügge), Koloniale (Otto Jöhlinger)), Literarische (Friedrich Stein-Berlin), Musikalische (Walter Dahms), Frauen-Rundschau (Ulla Wolff-Frank) und Wirtschaftliche (Horatio); die hier berichteten oder erörterten Punkte sind durchge,kends von aktuellster Bedeutung. Ostergaben. Der immer mehr aufkommende Brauch, den Kindern zum Osterfeste nicht ausschließlich Leckereien zu schenkten, die mit mehr oder weniger üblen Folgen schnell dahin sind wie der Schnee in der Frühlingssonne:, hat in diesem Jahre auf tHem Gebiete des Künstler-Bilderbuches recht Erfreuliches hervorgebracht. Der durch seine wertvollen Erzeugnisse rühmlichst bekannte Verlag von Joa. Scholz in Mainz legt uns nachstehende, ganz entzückende. Neuheiten vor, mit denen man bei allen Jungen ■und Mädchen, kleinen und größeren, sicher mit hellem Jubel rechnen kann. Der Frühling kommt! Ein Oster- und Frühlings-Bilderbuch von1 Eugen Os.swald, mit Versen von Adolf H o 1 s t. Mit acht großen farbigen Vollbildern (22 X 29 cm) und zahlreichen Zeichnungen im Text für nur 1 Mark. Verlag Jos. Scholz, Mainz. Ein wunderschönes Buch, voller Frühlings- und Osterfreude, mit herzigen;, innigen Versen und farbenprächtigen Bildern. Eine entzückende Festgabe für alle Kinder, Knaben und Mädchen, die bereits lesen können, bis zum vierten Schuljahre etwa. Osterpostkarten-Malbuch von Arpad Schmidhammer, 16 zum Abtrennen perforierte Postkarten mit Hasen- und anderen Osterbildern (8 farbige Vorlagen und 8 Karten mit vorgedruckten Konturzeichnungen zum Ausmalen) zu einem Heft vereinigt. Preis des Heftes' mit 16 versandfähigen Künstlerkarten nur 50 Pf. Verlag Jos. Scholz, Mainz. . ,,; . : - Etwas Wunderhübsches für Knaben und Mädchen. Für die Osterzeit besonders reizvoll. Jedermann ist mit Hilf|e dieser beliebten, leicht nachzumalenden Künstler-Vorlagen, sein eigener Postkartenmaler. . _

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