Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 12 (22.3.1912)
- Date
- 1912-03-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 12 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 195 Verein „Brüder" . . K 1200.— „ „Treubund" „ 500.— „ „Donauperle" „ 300.— „ „Kinderfreunde" „ 180.— „Jugendschutz" . . . K 110.— „Frauenverein", X VIII. „ 105.— VIIL . „ 60.— Hum. Verein X. . . „ 50.— Schließlich übernahm noch bereitwillig der Verein „I ugends chntz" die Kinder jener Rayons, welche vor keinem Verein versorgt waren, zur nachträglichen Beteilung. Weit günstiger als die mit den aufgewandten Mitteln in keinem Verhältnisse stehende Kinderbekleidungsaktion funktionierte die in diesem Jahre von dem Kuratorium geschaffene Fürsorge stelle. Wie Ihnen schon im Vorjabre mitgeteilt wurde, beabsichtigt die Z. St. sich vornehmlich für jene Fälle zu interessieren, welche das Zusammenwirken mehrerer Jnstitutioven bedürfen, nicht so sehr wegen der materiellen Seite, als weil eine Korporation infolge der fast allen eigenen Zweckbestimmungen den verschiedenen Bedürftigkeiten einer Familie gerecht zu werden nicht im Stande wäre. Tatsächlich hat auch die Fürsorgestelle in einigen, zumeist von angeschloffenen Institutionen angeregten Fällen mit Erfolg interveniert und hiedurch nicht nur die bedachte Familie dem Elend entrissen, sondern auch die Vereine vor deren weiterer Inanspruchnahme behütet. Es hat sich jedoch auf diesem Wege des öfteren auch der Fall ereignet, daß Leute die ihnen aufgetragene Arbeit rundweg ablehnten, obwohl sie füglich hiezu tauglich gewesen wären. In jenen Fällen nun, in welchen diese Ablehnung lediglich auf Arbeitsscheu zurückzuführen ist, hat das Kuratorium beschloffen, über Antrag der Fürsorgestelle und nach ärztlicher Untersuchung des Petenten die ongeschloffenen Vereine von dieser Tatsache zu verständigen. Es liegt in der Natur der Sache, daß von dieser Maßregel mit äußerster Sparsamkeit und nur nach subtilster Untersuchung Gebrauch gemacht werden dürfte und tatsächlich hat sich die Z. St. bis nun zu keinem solchen folgenschweren Schritte entschlossen. Ich sollte nun auch noch der A u.s k n n f t s e r t e i l u n g erwähnen. Man wird es kaum für möglich halten, daß von den vielen Vereinen, welche sich mit jüdischer Wohltätigkeit befassen, nur äußerst wenige von dem Rechte, bei der Z. St. über die Petenten anzufragen, Gebrauch gemacht haben. Die Z. St. besitzt einen Kataster von über 22.000 Familien und es ist wohl anzunrhmen, daß der größte Teil von ihnen die verschiedenen Institutionen in Anspruch genommen hat. Dcffenungeachtkt sind im Ganzen 2747 Anfragen gegen 3080 im Vorjahre erfolgt. Die Z. St. hat es nicht unterlassen, wiederholt und eindringlich die angeschloffenen Institutionen darauf aufmerksam zu machen, daß sowohl schriftlich als auch telephonisch, also ohne jeden Zeitverlust von der Z. St. die ihr bekannten Daten über die Petenten ausgegeben werden und es ist eine Erscheinung, für deren Bezeichnung ich keine Worte finde, daß es die verschiedenen Vereinsvorstände in ihrer unendlichen Weisheit nicht für notwendig gefunden haben, sich auch nur über den Umstand zu vergewissern, ob der Prtent nicht für denselben Zweck, für welchen er bei dem in Frage stehenden Verein bittlich geworden ist, tags vorher vielleicht von einem anderen Verein, oder vielleicht gar von mehreren reichlich unterstützt wurde. Mit dieser Nonchalance Hand in Hand geht die trotz vielfacher Bitten und Urgenzen unveränderte Haltung der Vereinsvorstände bezüglich M i tt e i l u n g der B e t e i l u n g c n an die Z. St. Wie soll die Z. St. ihren Zweck erfüllen, wie soll das ihr gewidmete Kapital, die Tätigkeit ihrer Kuratoren und Beamten einem gedeihlichen Zwecke zugute kommen, wenn die zur gemeinsamen Arbeit notwendigen Vereine für gemeinsame Arbeit kein Interesse haben?- Ich habe nicht mit leuchtenden.Farben gemalt, ich gebe zu, die Schatten nicht gespart zu -haben, aber ich hielt es für meine Pflicht, sie mit/ offenen Augen sehen zu lassen, um die Genehmigung unseres Jahresberichtes nicht durch künstliche Retouche zu erschleichen. Trotzdem bin ich so kühn, von Ihnen zu erwarten, daß Sie diesen Bericht mit gewohntem Wohlwollen zur Kenntnis nehmen und uns damit das Zeugnis ausstellen: „Ihr habt das Euere getan! ' Protestversammlung polnischer Juden in Wien. Seit längerer Zeit schon werden von gewisser Seite sowohl in öffentlichen Versammlungen als auch in privaten Kreisen Anwürfe gegen das Mitglied des Wiener Rabbinates, Mayer Mayersohn erhoben, die wiederholt zu den peinlichsten Auseinandersttzungen führten, die jedoch stets damit endeten, daß der Ankläger den Beweis für seine Behauptungen schuldig blieb. Diese Kesseltreibereien erreichten ihren Kulminationspunkt in einer von Herrn Seide Ko m e t für den 27. Februar einberufenen Versammlung, in welcher in Abwesenheit dcs Rabbiners Mayersohn gegen ihn die unglaublichsten Anschuldigungen erhoben wurden. Gegen dieses unverantwortliche Vorgehen richtete sich nun eine zweite Versammlung, welche von den Obmännern und Vorstandsmitgliedern bekannter galizisch-jüdischer Vereinigungen in Wien einberufen wurde und am 14. März im Festsaale des Hotel Gath stattsand. Die Einladung war von den Obmännern,!beziehungsweise Vorstehern rnd Mitgliedern der folgenden Vereine unterzeichnet: L'.wias Chen, Chassidim, Kowea Jtim Latora, Gemiles Chesed XVII., Tempelverein Schomer Israel. Gemiles Chesed II., Machsike hadath, Emeß wescholaum, Bethausverein Chassidim, Oseh Chesed, Ansche Dath wuzedek u. s. w. Der große Saal des Hotel Guth war bis in sein letztes Plätzchen von Versammlungsteilnehmern überfüllt, Kopf an Kopf standen die Menschen und besprachen in erregten Worten die Hetze gegen Rabbiner Mayersohn, die das Ansehen der polnischen Juden in Wien schädigt. Herr D i ck st e i n als einer der Einberufer eröffnete die Versammlung, sprach unter lebhaftem Beifalle dsr Versammlung seine Entlüftung darüber aus, daß es gerade polnische Juden sind, welche sich nicht scheuen, den polnischen Rabbiner durch unbegründete Verleumdungen in den Augen der Anderen herabzusetzen und der antisemitischen Presse Stoff zu judenfeindlichen Ergüssen zu liefern. Z im Vorsitzenden der Massenversammlung wurde ^Kaufmann Jakob März gewählt, der für die Wahl dankte und Herrn Sporer das Wort erteilte. In eindrucksvoller, von Beifall begleiteter Rede wies Herr Sporer nach, daß die gegen Rabbiner Mayersohn vorgebrachten Anklagen in keinem einzigen Falle eine Bestätigung fanden, und besonderen Eindruck rief es hervor, als der Redner einzelne anwesende Persönlichkeiten, auf welche die Gegner sich beriefen, aufforderte, die Tribüne betreten und dieselben unter Ehrenwort erklärten, daß die mit ihrer Person in Verbindung gebrachten Anschuldigungen jeder Grundlage entbehrten. Die nachfolgenden Redner Dr. Lifczis, Dr. Zipfer, Regimentsarzt i. P. Dr. B r a m m, Jsak R o s n e r, Dr. Halberstamm, Dr. G o l d b e r g - Marienbad u. m. a. brachten mehrere Fälle zur Kenntnis, in denen Rabbiner M a y e r s o h n sich als selbstloser Vertreter der konservativen Richtung sowohl in seinem Amte, als auch im Privatleben erwies. Als besonderes Verdienst wurde ihm die Gründung des Vereines »Naedsike Hadath« angerechnet, in welchem jährlich 5500 arme Juden gespeist werden. Der Vereinsvorstand wählte auch Mayersohn zum lebenslänglichen Ehrenpräsidenten des Vereines. Dr. Lifczis führte im besonderen aus, daß eine Versammlung niemals das geeignete Richterforum für einen Angestellten der Kultusgemeinde sei. Infolge der Anklagen des Herrn Komet hat der Kultusvorüand seinerzeit tatsächlich die Prüfung der Angelegenheit einem freigewählten Schiedsgerichte übertragen, in welches der Ankläger die zwei prononziertesten Vertreter der Opposition gegen die Kultusgemeinde entsendet hat. Das Schiedsgericht hat auch nicht in einem einzigen Falle die Anklage bestätigt gefunden. Angesichts dieser Sachlage habe Herr Komet plötzlich erklärt, daß er das Schiedsgericht, das er selbst gewünscht hat, nicht anerkenne. Schließlich wurde die nachfolgende Resolution angenommen : „Die am 14. März 1912 im Restaurant Guth tagende Versammlung protestiert auf das Entschiedenste dageg-n» daß durch Verleumdungen, Verunglimpfungen und durch nicht erwiesene, ja sogar amtlich widerlegte Verdächtigungen, einen hervorragenden jüdischen Rabbiner von seinen eigenen Landsleuten einer jndenfeindlichen Meute preisgegeben, daß durch Verschulden unberufener Hetzer antisemitischen Blättern unwahres Material gegen ein jüdisches Amt geliefert wird. Die Versammlung konstatiert einmütig, daß die Veranstalter dieser Hetze das östliche Judentum ganz und gar nicht repräsentieren und nicht berufen sind, an jüdischen Autoritäten Kritik zu üben. Sie spricht einmütig dem Rabbiner Mayersohn ihr Vertrauen aus und bittet ihn, sich durch derartige Angriffe nicht beirren zu lassen und weiterhin das ihm übertragene schwere und verantwortungsvolle Amt gewissenhaft zum W'hle der flitschen Gemeinde auszuüben." Graz. (Chewra Kadischa.) Am 3. März d. I. fand die ordentliche Generalversammlung der Chewra Kadischa unter starker Beteiligung ihrer Mitglieder statt. Der Vorsitzende, Herr Präses Markus O r o w a n. eröffnete die Sitzung nach Eintritt der Beschlußfähigkeit und hielt dem im abgelaufenen Jahre verblichenen Vereinsmitgliede Ludwig Goldberger einen ehrenden Nachruf. Die Versammelten erhoben sich zum Zeichen der Trauer von ihren Sitzen. Hierauf erstattete der Kassier Herr Ernst Mayer den Rechenschaftsbericht an Hand des vorgelegten Jahresausweises und wies darauf hin, daß auch im abgelaufenen Jahre die Chewra Kadischa den geheiligten Traditionen vollauf Rechnung getragen habe, insbesondere hob er hervor, daß der Verein für Wohlfahrtszwecke den bisher nicht erreichten Betrag von K 6617.16 verausgabt hat. Das Vermögen der Chewra Kadischa hat im verflossenen Jahre einen Zuwachs von K 12.470.05 erfahren. Das Gesamtvermögen beläuft sich gegenwärtig auf K 31.979.16. Ueber Antrag des Herrn Armin B i r m a n wird dem abtretenden Vorstand der Dank ausgesprochen. Herr Revisor Julius Lederer erstattet den Revisionsbericht und beantragt, den Vorstand zu entlasten, was durch Zuruf geschieht. Hierauf wurden zehn vom Vorstande vorgeschlagene Aufnahmsbewerber in den Verein ausgenommen. Die Wahl des neuen Vorstandes wird sodann vorgenommen. Herr Markus Orowan wird