Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 12 (22.3.1912)
- Date
- 1912-03-22
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 196 Dr. Blochs Wochenschrift Sk. 13 wieder zum Präses, Herr Ignaz Adler zum Präsesstellvertreter. Herr Ernst Mayer zum Kassier und die Herren Adolf Pollak, Samuel Ro send erg, Adolf Sohr und Samuel Sonnenwald zu Vorständen gewählt. Zu Revisoren werden die HerrenIgnaz Brößler und Julius Lederer gewählt. Der antisemitische Raubmörder und seine Gefinuungsgenosseu. Vorige Woche wurde der wegen Raubmorde-, begangen an der jüdischen Familie Zeisler, zum Tode verurteilte Eduard Regula hingerichtet. Der Raubmörder, der mit der größten Kaltblütigkeit eine dreiköpfige jüdische Familie hingemordet und ausgeraubt hatte, gab sich sowohl in der Untersuchung als auch bei der Hauptverbandlung als echten Antisemiten, der der Meinung war, daß man darüber nicht so viel Aufhebens batte machen müssen, wenn drei Juden hin werden, aus. Selbst am Tage seiner Hinrichtung erging er sich in antisemitische Schmähungen, und als ihm mitgeteilt wurde, daß Journalisten ihn zu sprechen wünschen, gab er zur Antwort: Ich will mir meine letzten Stunden nicht durch diese Judenbuben verderben lassen. Und seine antlsemitischeu Gesinnungsgenossen in Miskolc;, wo die Hinrichtung stattfand, und Umgebung zeigten sich des Mordbuben würdig. Das Leichenbegängnis war auf Vs5 Uhr anberaumt, aber schon um */z3 Uhr hatte eine riesige Menge die Umgebung des Gefängnisies überfl.tet. so daß der Verkehr ins Stocken geriet. Ueber 10.000 Menschen nahmen an dem Leichenbegängniffe teil, so daß die ausgerückten 42 Polizisten nicht im Stande waren, die Ordnung aufrecht zu erhalten. Aus der Menge wurden antisemitische Schmährufe laut. Viele ließen sogar den Hingerichteten Raubmörder hoch leben. Die Befürchtung, daß größere Unruhen entstehen könnten, war berechtigt. Rur mit großer Mühe konnten diese hintangehalten werden. Im Friedhöfe wurde das Grab des Raubmörders, der nebenbei gesagt, leine Tat in zynischer Weise eingkstanden hatte, mit Blumen förmlich überschüttet. Die Haltung der Menge, die, wie es scheint, von irgend Jemanden zu dieser Demonstration kommandiert wurde, rief in maßgebenden Kreisen die größte Entrüstung hervor. Der Krakauer Kultnsvorstand beim Fürsterzbischof. Wie aus Krakau gemeldet wird, erschien dieser Tage eine Deputation der dortigen jüdischen Gemeinde beim neuernannten römisch - katholischen Fürsterzbischof von Krakau, Fürsten Sapieha, um ihn zu seiner Ernennung zu begrüßen. Der Führer der Deputation, Vizepräsident Dr. Raphael Landau, begrüßte den Kirchenfürsten im Namen der Krakauer Judenschaft und gab der Hoffnung Ausdruck, daß seine Eminenz den Frieden und die Eintracht unter den verschiedenen Konfessionen fördern werde. Fürst Sapieha, der die Deputation sehr freundlich empfing, dankte herzlichst für die Begrüßung und erklärte, daß es sein heißester Wunsch sei, daß zwischen allen Bürgern ohne Unterschied der Konfession Friede und Eintracht herrschen mögen. Daß dies in Krakau auch tatsächlich der Fall werde, dafür wolle er als kirchliches, Oberhaupt Mit aller Kraft tätig sein. Hierauf erkundigte sich der Fürsterzbischof über die geistige und materielle Entwicklung der Krakauer jüdischen Gemeinde und verabschiedete sich von der Deputation in freundlichster Weise. An der Deputation hatten sich außer dem ersten Vizepräsidenten Dr. Raphael Landau der zweite Vizepräsident Abraham Margulies und Kultusvorsteher Abraham Deutscher beteiligt. Kascha«. Mit solennen Festlichketten beging die Kaschauer Muttergemeinde am 10. März die Feier der Bildenthüllung ihres verdienstvollen Kultusvorstehers, des Herrn Hoflieferanten Adolf Adler. Während seiner mehr als ein Dezennium dauernden Tätigkeit wirkte Herr Kultusvorsteher Adolf Adler stets segensreich für das Wohl der Gemeinde und speziell für das Aufblühen des mit Kultur gepaarten religiösen Sinnes, für die Regelung und Verschönerung des Gottesdienstes und für die Konsolidation der Gemeindezustande. Insbesondere hat er fast Uebermenschliches bei der im vorigen Sommer durchgeführten Renovierung des Tempels geleistet, welche er mit beispiellosem Fleitze und mtt unermüdlicher Energie zuwege brachte. Die Gemeinde beschloß schon früher zum Zeichen ihres unvergänglichen Dankes und zur Verewigung seiner Verdienste sein Porträt für den Sitzungssaal der Gemeinde malen zu lasten. Am 10. d. hielt die Gemeinde ihre Festsitzung, mit dem einzigen Punkte der Bildenthüllung auf der Tagesordnung. Lauge vor Beginn der Sitzung war der Saal schon dicht gefüllt. Die Besten der Gemeinde haben sämtliche Plätze okkupiert. Nach der Eröffnung wurde der Gefeierte in die Sitzung deputativ abgeholt. Stürmischer Beifall begrüßte ihn, als er den Saal betrat, worauf der Präses der Gemeinde, Advokat und städtischer Oberphysikus Dr. Bela Weist den Zweck der Festsitzung in einer schwungvollen Rede erörterte und dann das Wort dem Festredner. Oberrabbiner Dr. Josef Klein erteilte. Fortwährend, sich erneuernder lebhafter Beifall begleitete die Ausführungen des Oberräbbiners, der als der hiezu Berufendste die Verdienste des Gefeierten auseinandersetzte und nach ihrem Werte würdigte und als er das Zeichen zur Enthüllung gab und das Bild des Kultusvorstehers sichtbar wurde, brauste ein nicht endenwollendes Beifallsklatschen durch den Saal, das sich wiederholte, als der Oberrabbiner erklärte, daß er zu dieser Gemeindefeier in seinem eigenen Wirkungskreise damit beitragen wolle, daß er dem Gefeierten für seine Verdienste um die Hebung der Weihe des Gottesdienstes, um die Befestigung des religiösen Lebens in der Gemeinde und um die Förderung des Thorastudiums den Titel Uorevu verleihe und ihm das Ehrendiplom hierüber sofort übergab. Nun ergriff der gefeierte Kultusvorsteher das Wort, um dem Präsidenten, dem Oberrabbiner und der Gesamtheit der G-meinde für die ihm dargebrachten Ovationen zu danken. Tief gerührt versicherte er, daß dieser ihm ewig unvergeßliche Tag ihn zur weiteren Tätigkeit ansporne« Seine warmen Worte haben ihren Weg in die Herzen sämtlicher Anwesenden gefunden und entfestelten das dritte Mal einen förmlichen Sturm des Beifalles, worauf der P'äsident die Festsitzung schloß. Abends versammelte sich die Gemeinde beim weißen Trickie, um auch beim Festbankette zu zeigen, wie sie ihre verdienstvollen Männe: zu belohnen und zu ehren versteht. Berlin. (Emanzipationsfeier.) Der Vorstand der jüdischen Gemeinde in Berlin veranstaltete in der Neuen Synagoge in der Oranienburger Straße eine Feier aus Anlaß des Hundertsten Jahrestages der Emanzipation der preußischen Juden. Rabbiner Dr. Weiße hielt die Festpredigt. Das Emanzipationsedikt vom 11. März 1812 bezerchnete er in einer schönen, glänzenden Rede als einen hochherzigen Akt, der für die Geschichte der Entwicklung des Judentums in Preußen von großer Bedeutung geworden sei. Steins, Hardenbergs und Wilhelm v. Humboldts, deren Werk das Edikt sei, müßte mit besonderem Dank an dem hundertsten Jahrestage gedacht werden. Das vergangene Jahrhundert habe aber auch gelehrt, daß die Juden sich der ihnen gewährten Gleichberechtigung' würdig gezeigt hätten. In den Befreiungskriegen und den Kriegen der Jahre 1864, 1866 und 1870/71 hätten die jüdischen Soldaten dem Daterlande wertvolle und allgemein anerkannte Dienste geleistet. Der beste Beweis sei, daß eine große Anzahl mit dem Eisernen Kreuz geschmückt aus den Feldzügen zurückgekehrt sei. Auch im Frieden hätten die Juden ihre Pflicht stets erfüllt. In der Wissenschaft, in Handel und Industrie, kurz auf allen Gebieten hätten sie Großes geleistet und zum Ruhme des deutschen Namens ihr Teil beigetragen. Besonders groß seien die Verdienste der Juden auf sozialem Gebiet. Niemals würden die preußischen Juden vergessen, was sie ihrem Vaterlaude schuldig seien, und in dieser Weihestunde werde das Gelöbnis, die Treue zu Kaiser und Reich zu bewahren, erneuert. Nach der Festpredigt brachte der Chor „den Gesang der Engel" aus Mendelssohns „Elias" zum Vortrag. Gemeindeältester Justizrat Breslauer gab in seiner Festrede einen Ueberblick über das Emanzipationsedikt und die Geschichte der Inden in Berlin. Erst seit hundert Jahren dürften sie sich als Preußen fühlen. In jedem Amte, auf jedem Posten, auf welchen sie das Vertrauen ihrer Mitbürger hingestellt, hätten sie sich als gute Patrioten und treue Bürger bewährt. Obwohl der Kampf um die volle Gleichberechtigung auch heute noch nicht beendet sei, seien sie jederzeit bereit, die Wohlfahrt und den Ruhm des Vaterlandes nach Kräften zu fördern. Hierauf sprach Dr. Weiße das Kaisergebei. Den Abschluß der stimmungsvollen Feier bildete Lewandowflis „Halleluja". Eine neue jüdische Organisation in England. Eine Gruppe Um ^öffentlichen Leben stehender jüdischer Persönlichkeiten erließ dieser Tage einen Aufruf an die jüdischen Bewohner Englands, in welchem Juden eingeladen werben, sich an her Gründung einer großen