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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-22 · 12 (22.3.1912) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Vlochs WochMchrift Sette 193 Hexereien zum Teile einstellten, zum Teile aber allmählich milderten. Es ist in Rom ein offenes Geheimnis, daß der König sich über 'die Vorgänge gerade in dieser Richtung genau informieren läßt und daß er durch die Regierung strengen Auftrag erteilen lieh, keine Ausschreitungen gegen Juden zuzulassen. Bald nach der obenerwähnten Audienz der führenden Juden beim König ging durch die Zeitungen die Nachricht, daß der König und die Königin die berühmte Synagoge von Rom besuchen werden. Ueb-er den tatsächlich stallgefundenen Besuch ist in den Blättern ausführlich berichtet worden. Nicht lange nachher beehrte der König eine jüdische Familie mit seinem Besuche und nahm dort einen Imbitz. Auch hierüber erschienen in den Blättern ausführliche Berichte. Der dritte Besuch des Königs galt abermals einer Synagoge, in welcher der Herrscher von Italien sogar eine kurze Ansprache hielt, in welcher er den Patriotismus und die geistigen Fähigkeiten der Juden rühmend hervorhob. Dieser letzte Schritt hat besonders kalmierend auf die von den Klerikalen verhetzten Gemüter gewirkt. Interessant in dieser Sache ist auch das Faktum, datz mehrere jüdische Persönlichkeiten, welche den Papst Leo XIII. noch aus seiner venezianischen Zeit her persönlich kennen, bei ihm um eine Audienz ansuchten, um ihn zu bitten, datz er auf die Presse beruhigend einwirke. Die Deputation wurde jedoch nicht empfangen . . . . Der Untergang der deutschen Inden. Eine volkswirtschaftliche Studie von Dr. Felix A. Theilhaber. (Verlag von Ernst Reinhardt, München, 191l). „Wäget und waget! Die Stunde der Entscheidung hat geschlagen! Ihr steht an der . Wende des Geschickes! Bedenket, daß alles auf dem Spiele steht und daß es alles, alles zu gewinnen gilt! Segen und Fluch, Leben und Tod h -t das Schicksal in eure Hand gegeben! Wählet den Segen, wählet das Leben! Dr. Max Joleph. Diese Worte, die der Verfasser, ein Sohn des bekannten Münchner Arztes, als Motto dem Schlußworte seiner Studie voranstellte, sollten ein flammender Aufruf an alle die werden, welche noch in ihrem Herzen ein Fünkchen Judentum verspüren, an alle die, welche die Nützlichkeit, ja Notwendigkeit der Erhaltung der jüdischen Raffe anerkennen, mitzuwnkrn und mitzuarbeiten, um dieselbe vor dem drohenden Verfall, der entgegen den optimistischen Aeußernngen mancher Nationalökonomen und Statistiker besteht, zu retten. Zahlen beweisen, das Wort hat noch immer seine Geltung, aber der größte Teil der Menschen, dem ein solches Zahlenwerk in die Hände fällt, wird es gewöhnlich bald gelangweilt beiseite legen, ohne aus dem Wust von Berechnungen Belehrung und Anregung empfangen zu haben. Es ist ein großer Vorzug des Theilhaberschen Werkes, daß es. ohne die große überzeugende Waffe der Statistik aus der Hand zu lassen, in anregender Weise die Zahlentabellen durch das erklärende und erläuternde Wort belebt, so daß niemand das Buch des trocknen Tones satt schon vor Schluß wieder fortlegen wird. Einleitend streift der Verfasser die Judenfrage im allgemeinen und die jüdische Bevölkerungsbewegung in ihrer Bedeutung für die gesamte Menschheit und für die Stammesgenossen, um sodann diese Bewegung im Deutschen Reiche zu verfolgen. Bei der Nachforschung in den einzelnen Bundesstaaten ergab sich trotz des allgemeinen Zuwachses der deutschen Juden (1871 — 512.000 / 1995 — 607.802) — eine Erscheinung, die weniger durch einen großen Geburtenüberschuß als vielmehr durch anwachsende Einwanderung zu erklären ist und prozentual zu dem Wachstum der übrigen Bevölkerung, das in derselben Zeit 12 Millionen betrug, gar nicht ins Gewicht fällt — das traurige Ergebnis, daß in 16 Staaten die Zahl der Juden gesunken ist. in dreien lediglich die Einwanderung eine Zunahme ergeben hat und in wenigen die Zahl stationär geblieben ist. In Preußen, dem der Verfaffer einen Abschnitt widmet, liegen die Verhältnisse ähnlich, denn trotz des Wachstums der Bevölkerung ist der Prozentsatz der preußischen Juden gegen die übrige Bevölkerung noch gesunken, z. B. waren Juden in Preußen 1816 1843 1861 1880 1805 123938 208527 252145 383790 409501 11.9 13.3 13.6 13.3 11.0 Und auch dieses Anschwellen der jüdischen Bevölkerung Preußens ist auf die anwachsende Einwanderung ausländischer Juden zurückzuführen, da der Geburtenüberschuß über die Sterblichkeit 1877-1880: 24.865 1900-1905: 10.060 als ein absolut geringfügiger gar nicht in Betracht kommen kann. Die Gründe für diese traurigen Ergebnisse führt uns der Verfaffer in den nächsten Kapiteln an. Ich will diese Erscheinungen hier nur kurz streifen, da mich ein Eingehen darauf zu weit führen müßte. Der Zug nach dem Westen und nach den Großstädten find die Hauptmerkmale der jüdischen Bevölkerungsbewegung, die das Abnehmen der jüdischen Landleute und die Entvölkerung der Ostmarkgemeinden ergibt, über deren Bedeutung für das Judentum wie für das Deutschtum sich der Verfasser eingehend verbreitet. Durch das Abwandern vom Lande, wo der Jude durch die körperliche Arbeit ein Bild von Gesundheit und Kraft war und durch die Abwanderung aus den kleinen Gemeinden, wo die Juden eng aneinanderhingen und das jüdische Familienleben, das Leben der Söhne und Töchter Israels ein vorbildliches war, wo es eine Ehre war, frühzeitig eine jüdische Tochter hineinzuführeu und dem jüdischen Volke gesunde kräftige Nachkommen zu sichern; durch dieses Abwandern in die Großstädte verwandelt sich das Bild mit einem Schlage. Die engen Bande der Gemeinschaftlichkeit lösen sich, der gesteigerte Kampf um den Erwerb zwingt die Töchter, in Stellung zu gehen, was in kleinen Gemeinden nicht möglich wäre, die Lockungen der Großstadt, die gesteigerte geistige statt der körperlichen Tätigkeit, Alkoholismus, Geschlechtskrankheiten, Spätheirat, Verachtung der Mutterschaft, Egoismus, schwindendes Rassebewußtsei', Taufe, Mischehe eia schlechter Nachwuchs, an dem sich die Erziehung noch verkündigt, Geisteskrankheit, Selbstmord find die Merksteine auf dem Wege abwärts zur Degeneration und Auflösung der jüdischen Raffe. Traurige Bilder entrollen diese Blätter und sofern es in anderen westeuropäischen Staaten nicht anders st.ht, so ist der Schluß, den der Verfaffer zieht, leider ein nur zu berechtigter, wenn er sagt: „So bedarf es nicht erst eines prophetischen Geistes, um den Untergang dieses westeuropäischen Judentumes vorauszuberechnen. In seinem Schlußwort, das er dem Buche gewiffermaßen als Moral angliedert, kommt der Verfasser auf die zu treffenden Abwehrmaßregeln zu svrechrn, von denen einige schon bekannt, aber nicht gepflegt worden sind, andere neue aber wahrscheinlich mit Verachtung, vielleicht mit Spott schnell abgefertigt sein werden. Ist es da dem Verfaffer zu verdenken, wenn er selbst mit Pessimismus seine letzten Mahnungen und Ratschläge überliest und mit Faust sich sagen muß: „Die Botschaft hör' ich Wohl, allein mir fehlt der Glaube." Nur wenig Mitkämpfer stehen auf seiner Seite und auch diese sind noch wenig bekannt. Darum kann man nicht warm genug für dieses Buch eintreten und weite Kreise darauf aufmerksam machen, damit die, die noch ein Fünkchen Raffebewutztsein haben, sich für das gefährdete Judentum einsetzen, damit die große Masse aus ihrem Jnd ffrrentismus, aus ihrem Egoismus herausgerissen wird. Damit in den jüdischen Männern und Jünglingen der Sinn für das Judentum wachzerüttelt wird und alle unter Hintansetzung persönlicher, parteilicher oder religiöser Zwiüigkeiten, nur nach dem einen Ziele streben, das Judentum neu zu beleben, damit es wieder zur Blüte und hohem Ansehen gelange und das Wort sich an den Kindern Israels bewähre: „Ein Volk steht auf, das andere verschwindet, aber Israel bleibt ewig". _ H. L. Korrespondenzen. Zentralstelle für das jüdische Armenwesen in Wien. Am 16. März l. I. fand im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeiude die satzungsgemäße IV. ordentliche Delegiertenversammlung der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen unter dem Vorsitze des Landesschulrates Herrn Dr. Gustav Kohn statt. Die Wiener israelitischen Wohltätigkeitsiustitutiouen waren durch ihre Delegierten vertreten. Auch Privatwohltäter und Ehrengäste nahmen an der Versammlung teil. Dem Berichte des Kuratoriums ist zu entnehmen, daß die Leitung der Zentralstelle ihrer Aufgabe, die Wiener jüdisch-konfessionelle Armenpflege auf eine zeitgemäße Grundlage zu stellen, mit regem Eifer uud zäher Ausdauer oblag, so daß der begründeten Erwartung Ausdruck gegeben werden darf, daß die als zweckmäßig anerkannten, auf ein einheitliches Vorgehen der Wohltätigkeitsvereine abzielenden Bestrebungen endlich in der Praxis Verständnis und Eingang finden werden. Kuratorium-Präsident Herr Landesschulrat Dr. Gustav Kohn eröffnete die Delegiertenversammlung mit der Begrüßung der Erschienenen, konstatierte die Beschlußfähigkeit

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