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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-22 · 12 (22.3.1912) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 191 das kleine Handelsleute, die ausschließlich in,, den Städten und Marktplätzen zusammengepfercht leben.ik Man kann eigentlich kaum sagen, daß sie leben. Zehn-Z tausende sterben jährlich an Hungertyphus oder sindP Opfer der Armut. Und die Hungersnot wächst von Tag '■] zu Tag. Mehr als 25 Perzent werden in der offiziellen ' Statistik als ohne jeden Beruf ausgewiesen. Und die Statistik sagt bloß die halbe Wahrheit,' sie ist gefärbt, weil die Regierung sich schämt, das ganze Elend der Juden in die Oeffentlichkeit zu bringen. Rußland hat seine Pogroms, sie waren lärmende Erplosionen. Wir in Galizien haben stille Pogroms und Hilfe komtnt von nirgends. Ich appelliere an Euch, Juden von Philadelphia, vereiniget Euch zu einer Gesellschaft, Euren Brüdern in Galizien einige Hilfe zu bringen. Newyork hat es schon getan und ich bin überzeugt, Philadelphia wird es gleichfalls tun." Am Abend wurde zu Ehren des Dr. Bloch in den Oriental Drawing Roows in der Nord Board Street ein Bankett veranstaltet. Zahlreiche Redner brachten Dr. Bloch Ovationen dar. Vornehme Damen traten zusammen und beschlossen, zur Erinnerung an den Besuch des Ehrengastes, unter seinem Namen einen eigenen Verein zu gründen mit dem Zweck, Emigranten-Familien Hilfe und Fürsorge in Phi-? ladelphia zuzuwenden. Für das galizische Hilfswerk wurden 2000 Dollar in Aussicht gestellt. 10om Jahrmarkt des Lebens. Das Mißgeschick der Täuflinge. Von zuverlässiger Seite erhalten wir folgende interessante Mitteilung: Ein Jurist jüdischer Konfession der seine Zulassung zum richterlichen Probedienst jüdischer Fürsprache und Intervention zu danken hatte, entschloß sich, um eine rasche Karriere zu machen, die Taufe zu nehmen. Als er nun dessenungeachtet jahrelang übergangen wurde, schüttete er ratlos an den für die Beförderung zum Auskultanten maßgebenden Stellen sein Herz aus. Dort wurde ihm jedoch übereinstimmend der Rat erteilt, eine andere Karriere einzuschlagen, weil man einerseits den Justizdienst nicht mit Juden zu sehr durchsetzen könne, man andererseits jene Stellen, auf welche die Juden gerechten Anspruch haben, den A ngehörigenjüdischerKonfessionreservieren m ü s s e, nicht aber jenen überlassen könne, welche nur in den Augen der rechtsuchenden christlichen Bevölkerung nicht aber der Juden selbst als Juden gelten. Diesen Standpunkt d österreichischen Justizverwaltung kann jeder vernünftige, r östlich denkende Bürger nur billigen! „Der Sohn des Tempelsängers". Elngesendet. In Nr. 11 der „Jüdischen Zeitung" vom 15. März l. I. ist ein Leitartikel mit der Ueberschrift „Der Sohn des Tempelsängers" erschienen. In diesem Artikel wird mit merkwürdiger Bestimmtheit behauptet, was übrigens bereits in verschiedenen anderen Blättern früher geschah, daß Doktor Sieghart der Sohn eines Kantors oder wie die „Jüdische Zeitung" sich geschmackvoll auszudrücken beliebt, der Sohn eines „Tempelsängers" sei. Wir möchten ein für allemal festgestellt haben, daß diese Mitteilungen nicht den Tatsachen entsprechen. Der Vater Dr. Siegharts, Herr Leopold Singer, war weder Kantor noch Tempelsänger, sondern wirkte vom Jahre 1855 bis zu seinem am 19. März 1878 erfolgten Tode als Rabbiner und Religiouslehrer der israel. Kultusgemeinde in Troppau. >Als Kantor wirkte zur selben Zeit ein besonders begabter Lieblingsschüler des Altmeisters Prof. S. Sulz er Ober- Kantor Israel Blum. Wenn die „Jüd. Zeitung" den Wert sdes Vaters Dr. Skgharts herabzusetzen versucht, so mußte doch das Amt des jüdischen Kantors nicht dazu herhalten um aus dem Kantor einen „Tempelsünger" zu machen. Oder sollte der „Jüdischen Zeitung" der Unterschied zwischen einem Scheliacli zibbur und „Tempelsänger" unbekannt sein? Die Kantoren der isr. Kaltusgemeinde Troppau: Max Singermann, Albert Schlesinger. Bon den jüdischen Soldaten in Dalmatien. In Cattaro (Dalmatien) ist gegenwärtig eine große Zahl Militär disloziert. Unter den Soldaten befinden sich auch viele Juden, die aus Galizien und Ungarn stammen, zum größten Teil solche, die in ihrem Elternhause eine religiöse Erziehung genossen haben und an eine religiöse Lebensweise gewöhnt sind. Das religiöse Gefühl dieser jüdischen Soldaten wird nun, wie aus einem Berichte hervorgeht, wenn auch nicht mit Absicht, in tief kränkender Weise verletzt. Wohl gibt es dort, wie erwähnt, eine hübsche Anzahl jüdischer Soldaten, aber keine einzige jüdische Institution zur Befriedigung ihres religiösen Bedürfnisses. Auf dem christlichen Friedhofe in Cattaro wurde vor vielen Jahren ein kleiner für jüdische Tote abgegrenzter Platz eingeräumt, der aber schon längst überfüllt ist. Zum Zwecke einer Gebietsregulierung wurden nun die jüdischen Leichen exhumiert und in ein gemeinsames Grab gelegt, welches jedoch christliche Embleme trägt. Mit Rücksicht darauf, daß in Boccha di Cattaro nur sehr vereinzelnte jüdische Familien leben, wäre es wohl Aufgabe der jüdischen Körperschaften diesseits und jenseits der Leitha, Schritte in der Richtung zu unternehmen, daß, so wie für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse der christlichen Soldaten in Dalmatien bis ins kleinste Detail vorgesorgt ist, auch die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Soldaten berücksichtigt werden mögen. Verhandlungen zwischen Lord Krtchener und dem itoistischen Zentralrat. Wie gut informierte Londoner Blätter berichten, finden zwischen dem englischen Gouverneur in Aegypten Lord Kitchener und Israel Zangwill wegen Besiedelung des englischen Gebietes Solum in Nordafrika ernste vertrauliche Verhandlungen statt. Angeblich sotten diese Verhandlungen auch von der türkischen Regierung gefördert werden. Die Rothschild in England. Zur Geschichte der Familie Rothschild in England wird jetzt anläßlich des jüngst erfolgten Attentates auf Baron Leopold de Rothschild aus London folgendes geschrieben: Schon Nathan Rothschild, der 1798 die Firma N. M. Rothschild in Manchester gründete und sie 1813 nach London verlegte, spielte im öffentlichen Leben Englands eine bedeutende Rolle. Der zweite seiner Söhne, Baron Anton Rothschild, der 1876 starb, wurde 1847 von der Königin Viktoria zum Baronet ernannt. Da er keinen Sohn hinterließ, wurde sein englischer Adelstitel auf seinen Neffen Nathaniel übertragen, der von dem ihm eng befreundeten König Eduard VII. bald nach dessen Thronbesteigung zum Lord und demzufolge zum Mitglieds des Oberhauses erhoben wurde. Als derzeitiger Chef der Londoner Firma ist Lord Rothschild der unbestrittene Führer der britischen Hochfinanz, ist Besitzer herrlicher Kunstschätze und hat in seiner Sommerresidenz sowohl den verstorbenen König Eduard als auch den gegenwärtigen König Georg als Gäste empfangen. Baron Leopold Rothschild ist der jüngste Bruder des Lord Rothschild und erfreute sich gleichfalls der Gunst und Freundschaft des Königs Eduard. Als er im Iahre 1881 eine Glaubensgenossin, Fräulein Maria Peruggia aus Triest, heiratete, erschien der damalige Kronprinz zu seiner Trauung, was seinerzeit nicht geringes Aufsehen erregte.

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