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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-22 · 12 (22.3.1912) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
12 (22.3.1912)
Date
1912-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Dr. Vlochs Wochenschrift Seite 189 Nr. 12 „Schmelztiegel". In diesem Schmelztiegel bewahren merkwürdigerweise gerade die Juden ihre Eigenart, nur ihre einzelnen Bestandteile schmelzen zu einem groben Ganzen zusammen, zu einem einigen mächtigen jüdischen Volkstum. Nicht gering ist das Verdienst der groben jüdischen Tagesblätter um die politische Erziehung der jüdischen Massen, in welchen sich hier eine Wesensveränderung mit merkwürdiger Raschheit vollzieht. Ich habe galizische Landsleute gesehen, die ich vom Hause aus gekannt,- sie sind völlig verändert — innerlich und äußerlich: aus dem gebeugten, demütigen Golusjuden ist ein aufrechter Mann geworden, der sich seiner Menschenwürde bewubt ist und auf dessen Stirne ein Abglanz der amerikanischen Freiheit strahlt. Der Aufstieg und das Emporblühen der galizischen Landsmannschaft auf diesemfreien Boden ist ein Ehrenzeugnis für das jüdische Volk, welches in der Atmosphäre der Freiheit besonders gedeiht und gesund sich entfaltet. Dr. Bloch berührt sodann die Kündigung des russischen Handelsvertrages, er preist diesen politischen Schritt von weitreichenden Folgen als eire Ruhmestat des amerikanischen Judentums und spricht den Wunsch aus, daß zwischen den Parteien immer Friede und Einigkeit herrschen möge. In einer schönen poetischen Blumensprache schildert der Redner den Segen der Einigkeit, welcher das Judentum stark erhalten soll bei etwa herannahenden Stürmen. Das Judentum im' Westen Europas ist ein kranker Baum, im Absterben begriffen, seine einzelnen Zweige verdorren und fallen ab. Fahnenflucht und Treulosigkeit kennen Sie glücklicherweise in Ihrer Mitte nicht: das ist ein Zeichen starker jugendfrischer Lebenskraft: das amerikanische Judentum hat den Beruf, die Führung des jüdischen Volkes zu übernehmen, gehen Sie uns auch voran mit dem Beispiel der Eintracht und Einigkeit. Wir in Europa sind zerklüftet und zerspalten, dem' Einzelnen ist oft das Parteiinteresse höher als das Interesse der jüdischen Gesamtheit: man möchte an der Zukunft verzweifeln, aber der Anblick des amerikanischen Judentums stärkt die Seele, labt das Herz und gibt dem Geist neue Zuversicht zu einer glücklichen Zukunft des jüdischen Volkes. Die Rede Dr. Bl och's wurde von begeistertem Applaus oft unterbrochen und am Schlüsse bereitete ihm die Versammlung wiederholte Ovationen. Gegen zwei Uhr nachts wurde das Bankett geschlossen, mit dem Wunsche einer glücklichen Reise für den Ehrengast. Am Abend vor der Abreise erschien eine Deputation der ersten ungarischen Gemeinde „Ohab-Zedek" in der Wohnung Dr. Bloch's und überbrachte ihm nachstehende Adresse: „First Hungarian Cong. Ohab Zedek an Dr. Joseph S. Bloch. In einer Spezialversammlung der First Hungarian Congregation Ohab Zedek, abgehalten am 17. Februar 1912, wurden folgende Beschlüsse einstimmig angenommen u. z.: In Anbetracht dessen, daß Dr. Joseph S. Bloch gelegentlich seines Besuches in Rewyork die Erste Ungarische Gemeinde Ohab Zedek mit seiner Anwesenheit geehrt und daselbst einen Vortrag im Interesse unserer^ Glaubensgenossen in Galizien und des Judentums im allgemeinen gehalten hat, und in Anbetracht dessen, daß er durch seinen geistreichen Vortrag die schlummernden Gefühle für Zusammengehörigkeit des Judentums in unserer Mitte geweckt hat, ferner in Erwägung, daß Dr. Joseph S. Bloch fein ganzes Leben der Ehre seines Volkes gewidmet, die Feinde des Judentums mit den mächtigen Waffen seines scharfen Geistes und reichen Wissens, in selbstloser Hingebung, jeder Gefahr trotzend, bekämpft hat, haben wir beschlossen, ihm für die Ehre, welche er unserer Gemeinde erwiesen und für die wertvollen Dienste, die er dem gesamten Judentum sein ganzes Leben hindurch geleistet hat, herzlich zu danken und hiermit den innigsten Wunsch auszudrücken, daß der allgütige Gott ihn noch unzählig viele glückliche Jahre erhalten möge und ihm helfe, seine Lebensaufgabe, zur Ehre feines Volkes und zu seinem persönlichen Wohle glücklich erfüllt zu sehen. Ferner fei beschlossen, diese Resolution unseren Protokollen einzuverleiben und eine Abschrift derselben in vergrößerter Form dem hochverehrten Dr. Joseph S. Bloch als Zeichen unserer Verehrung und unbegrenzten Dankbarkeit bei seinem Abschiede aus unserer Mitte zu überreichen. Folgen 'die Unterschriften. Am 27., 10 Uhr vormittags, bei Abfahrt des Dampfers „Neu-Amsterdam" waren zahlreiche Verehrer und Freunde Dr. Bloch's persönlich erschienen, um ihm nochmals Lebewohl zu sagen. Neben den Vertretern des galizischen Verbandes, bestehend aus dem Herrn Präsidenten Bernhard Türkel, den Herren Stadtschulrat Joseph Barondeß und Bankier Adolph Mandel, welche am Bord des Schiffes von Herrn Dr. Bloch Abschied genommen, waren zahlreiche Repräsentanten jüdischer Organisationen und Anstalten anwesend, um dem Abreisenden ein herzliches ciW? fnsx zuzurufen. Nach Abfahrt des Dampfers überbrachte das Schiffspersonal mehrere Blumenbuketts, welche zur Uebergabe für Dr. Bloch hinterlegt wurden: ferner eine größere Anzahl von Depeschen mit Abschiedsgrüßen von Freunden aus Philadelphia, Washington und Baltimore. In der Labine standen 10 Flaschen Champagner — „als Reisezehrung". Ar. Ktoch in Philadelphia. Eine Deputation von 11 Mitgliedern kam von Philadelphia nach Newyork, um Dr. Bloch persönlich zum Besuche Philadelphias einzuladen. Der Gast entsprach in Begleitung des Präsidenten und Vizepräsidenten des Newyorker Verbandes, der Herren Beruh. Türkel und Vernh. Semel, dieser Einladung und bei seinem Besuche Philadelphias konnte er sich überzeugen, wie zahlreich seine Freunde und Verehrer in Philadelphia sind, derart, daß viele Hunderte gezwungen waren, umzukehren, als sie das Massen-Meeting besuchen wollten, das zu Ehren Dr. Bloch's in der Ohel Jacob-Synagoge vom Verband der galizischen und Bukowinaer Juden veranstaltet wurde. Den Vorsitz führte der Präsident des Verbandes in Philadelphia und der jüdischen Literaturgesellschaft Adolf Wachs. Nach einer kurzen Eröffnungsrede des Vorsitzenden hielt der gelehrte Rabbiner B. L. Lewenthal die Einführungsrede, in welcher er die großen Verdienste des Ehrengastes um die jüdische Wissenschaft in geistreichen Ausführungen hervorhob. Er sagte u. a.: „Alle, die Interesse für jüdische Angelegenheiten oder jüdische Literatur haben, kennen Dr. Bloch. Im Namen jener Juden, die ihr Judentum.noch im Herzen tragen und für die jüdische Literatur noch Interesse bekunden, heiße ich unseren Gast willkommen. Dr. Bloch ist einer unserer Pioniere und Vorkämpfer. 2m österreichischen Parlamente kämpfte er offen und mutig aus reichem jüdischen Wissen für die Rechte des Judentums. Er war immer ein mutiger Streiter. Dr. Bloch bringt uns Lunde von den .hunderttausenden galizischen Juden,, die in Armut und Entbeh-

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