Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 12 (22.3.1912)
- Date
- 1912-03-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 188 Dr. Blochs Wochenschrift Nr. 12 neu. Die Lage der Juden in diesem freien Lande ist derart, daß bei uns kein Raum ist und kein Bedürfnis für Kämpfer mit dem Genie und dem Talent eines Dr. Bloch. Er wünscht ihm, es zu erleben, daß ein ähnlicher Zustand der Freiheit im alten Oesterreich platzgreife und eine Zeit anbricht, in welcher die österreichischen Juden der Kampfer überhaupt nicht mehr nötig haben. Schriftsteller und Redakteur Perez W i e r n i k hält eine geistreiche Rede, reich an Humor, rühmt die Genialität Dr. Bl 0 ch' s als Schriftsteller und Journalist und drückt den Wunsch aus, die Zeit zu erleben, in welcher in Amerika eine solche interessante Zeitschrift, so geistreich und belehrend, erscheinen kann, wie die „Oesterreichische Wochenschrift" in Wien. Chefredakteur Herr Leon Solotkow erklärt dem Gast, er möge dem österreichischen Judentum die Kunde überbringen, datz in Amerika die Scheidungen zwischen Juden und Juden zu eristieren aufgehört haben. Deutsche, galizische, polnische und russische Juden stehen in Amerika geeint zusammen, als ein einziges großes und starkes amerikanisches Judentum. Rev. Dr. Spiegel erzählt aus seinen Jugendtagen, da in seiner Heimat die Begeisterung für Doktor Bloch lichterloh aufslammte und alle Kreise des Judentums ergriffen hat, da sich jeder glücklich schätzte, Dr. Bloch von Angesicht zu schauen. Schriftsteller Jsak Even bemerkt in seinem Toast: Dr. Bloch gehört zu jenen Männern, die man immer mehr verehre, je näher man zu ihnen tritt. Mit jeder Rede, die Dr. Bloch in Amerika gehalten hat, vermehrte sich die Zahl seiner begeisterten Verehrer. Der Vizepräsident der Handelskammer, Herr Eli Vernais, ergreift das Wort, um seiner Freude und seiner Bewunderung Ausdruck zu geben nicht bloß für den Gast, sondern auch für seine Freunde und Verehrer. Der außerordentliche Verlauf des heutigen Abends bilde für ihn ein großes Erlebnis. Die Verehrung für Dr. Bloch trage er in seinem Herzen seit frühester Jugend, allein er gehöre einem Kreise der Deutsch-Oesterreicher an, welche mit der Liebe zur deutschen Kultur manche Vorurteile gegen die Landsleute Dr. B l 0 ch' s in sich ausgenommen. Die Begeisterungsfähigkeit, die Opferwilligkeit, die hingehende dankbare Liebe, deren Zeuge er heute ist, wirkte auf ihn wie eine große Offenbarung. Er habe das galizische Judentum in Newyork heute im Flammenstrahle einer dankbaren Gesinnung bewundern gelernt und spricht seine besten Wünsche aus für das Gedeihen des galizischen Verbandes. Dr. Schönholz gibt dem Wunsche Ausdruck, der East möge in seiner Heimat erzählen, daß das amerikanische Judentum jung und stark, höffnungsfroh und zukunftssicher lebt und keinerlei Gefahren fürchtet. Toastmeister Herr Bernhard Semel verliest sodann eine künstlerisch ausgestattete Adresse, versehen mit den Unterschriften des Verbandes, mit folgendem Wortlaut: „Federation of Ealician and Bucovinaen Jews of America. In einer Spezial-VersamMlung, abgehalten am 7. Februar 1912, wurden folgende Beschlüsse einstimmig angenommen: In Anbetracht dessen, daß Dr. Joseph S. Bloch als Gast des gemeinsamen Judentums der Stadt Newyork in unserer Mitte weilt und während seines Besuches Hierselbst durch seine Vorträge bei verschiedenen Versammlungen den Geist der Zusammengehörigkeit unter unseren Glaubensgenossen derart geweckt hat, daß das Judentum Newyorks und der Vereinigten Staaten neue Impulse und wichtige Anregungen empfangen, und in Erwägung, daß dieser unerschrockene Streiter Dr. Joseph S. Bloch sein ganzes Leben mit unvergleichlichem Mut, tiefer Wissenschaft und unendlicher Liebe zum jüdischen Volke den Feinden entgegentrat, selbst wenn dieselben in hoher Stellung und mit Macht ausgestattet waren, stets gerüstet und bereit: -22 jncpj n cn2?*? betrachten wir seinen Besuch in Newyork und in der Mitte unserer Glaubensgenossen als eine glückliche Fügung des Geschickes in der festen Ueberzeugung, daß seine Anwesenheit in Newyork zur Förderung jüdischer Interessen von Bedeutung sein wird und sprechen den herzlichen Wunsch aus, daß der Allmächtige ihn zur Freude seiner Familie und zum Ruhme unseres Volkes noch lange geistesfrisch und jugendkräftig erhalten möge, so, daß er im höchsten Alter seinen Lebenskampf pp D'v.*? von Erfolg gekrönt sehen soll: und beschließen einstimmig. diese Kundgebung unseren Protokollen einzuverleiben und eine Abschrift derselben in vergrößerter Form dem ausgezeichneten und verdienstvollen Doktor Joseph S. Bloch als Zeichen unserer Verehrung bei seinem Scheiden aus unserer Mitte zu überreichen." Folgen die Unterschriften. Nach Verlesung dieser Adresse erhob sich der East, um Dankesworte an die Versammlung zu richten. Ein Donner von Applaus, der lange andauerte, begrüßte Dr. Bloch, als er von feinem Sitze sich erhob. Alle Anwesenden erhoben sich von ihren Plätzen und applaudierten und es dauerte lange, bis Ruhe eingetreten war und der Gefeierte tief gerührt für die schöne Aufnahme und für die außerordentliche Ehrung, die man ihm bereitet hat, Worte des Dankes finden konnte. Seine Stimme zitterte vor Rührung und Aufregung. Zunächst sprach er seinen Dank aus für die Veranstaltung dieses herrlichen Abends und sagte: „Dieser Abend wird mir versüßen den Abend meines Lebens." Dann begann der Gast den Eindruck zu schildern, den das amerikanische Judentum auf ihn gemacht hat, und jedes seiner Worte war ein freudiges Ausjauchzen über das reiche Aufblühen des Judentums im Lande der Freiheit. Das amerikanische Judentum, erklärt der Redner, hat ihn überrascht, es ist viel schöner und herrlicher als er erwartet hat und als man in Europa vermutet. Er habe mehrere Jeschiwos besucht, wo das Talmudstudium mit einem Ernst und Eifer betrieben wird, wie Man es in den ältesten Gemeinden Europas — einmal betrieben hat: er habe die Talmud-Thora-Anstalten in den verschich densten Teilen Newyorks .ausgesucht und die reichen Kenntnisse der Schüler bewundert. Die Wohlfahrtsinstitutionen, welche das Judentum Newyorks aufzüweisen hat, sind einzig dastehend: die Altersheime, die Siechenhäuser, die zahlreichen Spitäler sind Musteranstalten, mit welchen sich keine jüdische Gemeinde der Welt Messen kann. Die Institute zur Fürsorge für die Emigranten, zur Erziehung ihrer Jugend erregen gerechte Bewunderung. Was aber am meisten Ueberraschung und eine angenehme Ueberraschung für den Redner bildete, war, daß so zahlreiche große jüdische Fabrikanten mit dem Beispiel der Sabbäthheiligung vorangehen. Die Heiligung des Sabbaths unter solch großen Opfern in zahlreichen Kreisen der Judenheit Newyorks ist der beste Beweis, daß Amerika nicht nur das Land der jüdischen Zukunft, sondern auch das Land der jüdischen Gegenwart ist. Der berühmte Schriftsteller Zangwill nannte Newyork einen großen