Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 12 (22.3.1912)
- Date
- 1912-03-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 12 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 187 terschied von uns, wo die Ausgaben für verlassene Binder in den letzten vier Zähren von 16.400 Kronen auf 47.998 gestiegen sind — eine verschwindend kleine Ursache der Unterstützung sind, auch rm Gegensatz zum christlichen Newyork besonders im ersten Punkt, sind die Lichtseiten des jüdischen Newyorker Armenwesens, während Wald'mann auch die Schattenseite nicht verschweigt, daß es unmöglich war, dem Anwachsen der jüdischen Prostitution und des Mädchenhandels zu steuern und mit Recht alle Faktoren zur Behebung dieses Uebels auffordert?) Mit großem Interesse folge ich Waldmann's Ausführungen, wenn er eine straffere Zentralisierung und größere Bureaukratisierung des jüdischen Armenwesens verlangt: er wünscht sogar eine Aufsicht des Staates im Vereinswesen, selbst dem nicht subventionierten, wogegen ich wenigstens eine engere Fühlung unserer Kultusgemeinde mit unfern Vereinen wünschen möchte, vielleicht in Form ständiger Beiräte, obwohl ich überzeugt bin, dabei vielfach auf Widerspruch zu stoßen. Auf die Armenpflege der jüdischen Damen ist Waldmann recht schlecht zu sprechen: die angeführten Beispiele zeigen mir nur, daß meine Newyorker Mitschwester nicht in allen Fällen den feinen Takt der Wiener Recherchentin jeder Konfession besitzt und manchmal von der Hysterie der Suffregatten nicht frei ist. Ich hoffe, daß die Leistungen unserer Frauenvereine in Wien genügend gewürdigt werden, daß diese Strömüng nicht zu viel Widerhall findet. Dagegen fühle ich mich mit Waldmann eines Sinnes, wenn er zum Schluß jeden jüdischen Einwanderer auffordert, nach besten Kräften dazu beizutragen, daß der breite Strom jüdischer Einwanderung (über 60.000 jährlich) immer mehr als ein kulturförderndes und kulturbringendes Element im bunten Völkergemenge Amerikas von Freund und Feind empfunden werde. Wien. Clotilde Benedikt. Airreise Dr. Klochs aus Uew-Uork. Mit dem Dampfer „Neu-Amsterdam" der Holland-Amerika-Linie verließ Dr. Bloch am 27. Februar, 10 Uhr vormittags, Newyork, und über seine Abreise publizieren Newyorker Tagesblätter ausführliche Berichte. Zwei Monate hat Dr. Bloch in Amerika geweilt. Außer Newyork besuchte er Philadelphia, Washington, Neu-Haven, Worcester, und überall wurde er mit besonderer Auszeichnung begrüßt. Alle Schichten des amerikanischen Judentums beeilten sich, dem Gast ihre Sympathie und Verehrung zu bezeigen. Die Blätter berichteten wiederholt von den Empfangsabenden zu Ehren des Gastes bei dem Philanthropen Jakob H. Schiff, Straus und bei der aristokratischen altamerikanischen Vereinigung „Zudaeans". Dr. Bloch benützte jede Gelegenheit, die reichen amerikanischen Juden für die Lage der notleidenden Brüder in Galizien zu interessieren und seine Reden machten überall tiefen Eindruck. Als der Tag der Abreise für den 27. Februar bestimmt war, veranstaltete der Verband der galizischen Juden, gemeinsam mit anderen Vereinen und Anstalten, einen festlichen Abschiedsabend, um Doktor Bloch Gelegenheit zu geben, von seinen hiesigen Freunden und Verehrern feierlich Abschied zu nehmen. An dem Abschiedsbankett haben über 200 Per- 5) Ich finde unter den New-Aorker Anstalten kein Analogon zu dem Frauenhort-Erholungsheim für Arbeiterinnen in Seebenstein, obwohl ich 1909 Frau Daniel Guggenh e im er, unbestritten die Königin der New-Aorker Philanthropinnen, auf diese am Kontinent einzige, von Frau Rosa Feigenbaum angeregte Schöpfung aufmerksam machte. sonen teilgenommen, Männer und Frauen aus den verschiedensten Kreisen der Newyorker jüdischen Gesellschaft, die Führer des galizischen Verbandes, die Direktoren des „Har-Moriah Hospitals", Vertreter der Handelskreise, Repräsentanten der Presse, die Chefredakteure der großen jüdischen Tagesblätter. Der Abend verlief unter dem Vorsitz des Verbandspräsidenten Herrn Bernhard Türkel würdig, herzlich und zeigte eine Begeisterung und eine Wärme, wie sie bloß im amerikanischen Judentum zu finden ist. Ueber eine Stunde verweilten die versammelten Gäste in dem großen Konversationszimmer, Dr. Bloch hatte Gelegenheit, mit jedem Einzelnen der Anwesenden sich zu unterhalten. Dann begab man sich in den Speisesaal. Der erste Vizepräsident der großen Newyorker Khille und Erpräsident des Verbandes, Herr Bernhard Semel, fungierte als „Toastmeister". Herr Semel ist ein Redner von außerordentlicher Wärme und Begeisterung: ob er jüdisch oder englisch spricht, seine Worte entflammen die Herzen und zünden die Geister und er weiß bei jeder Gelegenheit den richtigen Ton zu treffen. Ein sehr unterrichteter Mann, kennt er auch die Lebensphasen Dr. B l o ch' s genau, den Kampf mit Kanonikus Prof. Rohling, die Entlarvung und Unschädlichmachung Aron Briemann's, den Prozeß mit dem Pfarrer Doktor Josef Deckert, die Verhaftung und Verurteilung des Paulus Meyer, wie auch die Intervention beim italienischen Parlament in Sachen der rumänischen Judenfrage. Selbst aus den Parlamentsreden Dr. Bloch's wußte Herr Bernhard Semel Kraftstellen wörtlich zu zitieren und seine Ausführungen waren stets von rauschendem Beifall der Festteilnehmer begleitet. Redner bewies, daß die amerikanischen Juden die verdienten Männer ihres Volkes, seine Führer und Vorkämpfer nicht vergessen, sondern in dankbarem Gedächtnis bewahren. Zum Schluffe bittet der „Toastmeister" den Ehrengast, die Grüße der Volksgenossen aus Amerika den europäischen Juden zu überbringen und den galizischen Juden zu versichern, daß die amerikanischen Brüder ihrer Not gedenken. Der Präsident Herr Bernhard Türkel überbringt dem Gast die besten Wünsche des Verbandes und teilt mit, daß derselbe beschlossen habe, als Zeichen der Anerkennung und Dankbarkeit für sein Wirken und als Erinnerung an seinen Besuch in Amerika im „Har- Moriah Hospital" eine Bettstiftung auf seinen Namen zu widmen. Die Bettstiflung beträgt 2000 Dollar. Herr William F i s ch m a n n, Präsident von „Downtown-Talmud-Thora", erhebt sich und erklärt, daß er besser schreiben als reden kann, vor allem ist er geübt im Unterschreiben von Schecks und er widmet für diese Bettstiftung auf den Namen Dr. Bk och einen Scheck von 250 Dollar. Sofort beeilten sich die Herren Türkel, Semel, L. Borgenicht, Kittenplan. Dr. Schönholz, Wiesen, Groß, Goodman n. Brill, Gold st ein, Sterngold, Zaques Schwarz und zahlreiche andere dem Beispiele zu folgen, und rm Laufe von 15 Minuten waren für diese Bettstiftung 4400 Dollar gezeichnet. Chefredakteur Herr Jakob S a p h i r st e i n erinnert an die ersten Jahre, als Dr. Bloch das Rabbinatsgewand abgelegt hat, um die Rüstung eines Kriegers anzulegen und öffentlich als Kämpfer für das Judentum aufzutreten. Damals schon erhielt er in der jüdischen Literatur den Namen >:2n*n# 2i und 21 und sein Wirken ist in den Gedenkblättern der jüdischen Geschichte für die Ewigkeit verzeichnet, seine Gegner werden diese Blätter nicht auslöschen kön-