Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 11 Dr. Btochs Wochenschrift Seite 17S Ehrend seiner Abwesenheit für ihn einrichten lieh und welcher ihm überdies eine jährliche Gehaltszulage von fl. 400.— zusicherte. Er lebte nun mit seiner Gattin in einer glücklichen Ehe, blieb unausgesetzt in der Gunst seines Fürsten und genoß eine allgemeine Achtung und Liebe. Auch an der würdigen Tochter des Markgrafen, der damaligen Herzogin von Württemberg, hatte er eine besondere Gönnerin. Diese weise und tugendhafte Prinzessin, für welche mein Vater viele schöne Stücke verfertigte, überhäufte ihn mit Wohlthaten und gab ihn auch das Versprechen, daß sie seine Glaubensgenossen, die unter ihrem Schutze leben, begünstigen wolle. Als dieselbe bald darauf ihren Onkel, den König Friedrich den Großen in Berlin besuchte, ward mein Vater von ihr in einem besonderen Schreiben berufen, nach Berlin zu kommen und den König, dessen Brüder, die Prinzen Heinrich und Ferdinand, den Kronprinzen und den damaligen Stadthalter, Prinzen von Oranien, zu malen. Mein Vater zeigte dem Markgrafen das erhaltene Schreiben und bat ihm um Erlaubnis, nach Berlin reisen zu dürfen. Der Markgraf bewilligte es ihm, indem er ihm zugleich seine Freude wegen der ihm Wiedererfahrnen Ehre lebhaft bezeigte. In Berlin wurde er am Hofe mit einer ungemeinen Achtung aufgenommen, seine Arbeiten fanden allgemeinen Beifall und wurden ihm reichlich belohnt, auch wurden ihm seine Reisekosten erstattet. Er verweilte daselbst 11 Monate, bewohnte ein vom Hofe ihm angewiesenes schönes Lokal bei dem dortigen rühmlich bekannten Banquier Abraham Marquse und speiste täglich bei demselben. Vor seiner Abreise aus Berlin, fragte ihn der König, ob er nicht in Berlin bleiben wolle? —. Es wäre ungerecht, erwiderte mein Vater, wenn ich dies thäte, mein Fürst hat mir zu viele Wohlthaten erzeigt, als daß ich ihn verlassen könnte. Bei seiner Ankunft in Baireuth wurde er mit vieler Freude und sehr ehrenvoll empfangen. Auf eine im nächsten Jahre von dem Prinzen Heinrich von Preußen an ihn erlassene Einladung reifete er zu demselben nach Karlsbad. Auf dieser Reiße sowohl als auch in Karlsbad selbst wurden auf ausdrücklichen Befehl des Prinzen die nöthigsten Maßregeln getroffen, daß mein Vater alle außerordentliche Bqeuemlichkeiten in jeder Hinsicht fand. Er hielt sich einige Monate dort auf, verfertigte mehrere Arbeiten und reißte dann wieder nach Veireuth zurück. Seine Kunstwerke wurden nun häufig gesucht und er erhielt ein allgemeines Zeugniß, das er zu den geschätztesten Künstlern seiner Zeit gehöre. So verlebte er in Beireuth eine Reihe von 18 Jahren in einer glücklichen Ruhe und Zufriedenheit, von seinen Kindern geliebt, von seinen Glaubensbrüdern geschätzt und eine allgemeine Achtung und Liebe genießend. Mit einem nie ermüdenten Eifer bewirkte er manches Gute für seine Glaubensgenossen und widmete seine Zeit theils seiner Kunst, theils den Wissenschaften. Gleiche Achtung und Würde genoß er nach dem Tode des Markgrafen unter der 2 jährigen Regierung Christians, Prinzen von Dänemark, welchem das Markgrafenthum zufiel. Nicht minder erhielt er seine Stelle als Hofmaler unter der Regierung des Stadthalters. Als nämlich die beiden Markgrafschaften Ansbach und Vaireuth vereinigt wurden und da der Hof in Ansbach residierte, so begab sich mein Vater mit seiner Familie ebenfalls dahin. Der neue Markgraf, welcher ihn längstens kannte und schätzte, empfieng ihn mit großer Gnade und ließ ihm seinen völligen Unterhalt reichen, welcher außer einen bestimmten Iahrgehalte noch in allen nöthigen, für ihn angemessenen Lebensmitteln beßtens bestand: die ihm täglich geliefert wurden. Nach einiger Zeit ward mein Vater von mehreren regierenden Fürsten, als nämlich von Fürst von Wallerstein u. a. m. aufgefordert, zu ihm zu reisen und für sie zu arbeiten. Auch der Fürst von Thurn und Taris in Regensburg ließ eine Einladung an ihn ergehen. Er folgte dem Rufe des Letzteren und begab sich mit seiner ganzen Familie dahin. Nach einem 3 monatlichen Aufenthalte daselbst, traten wir wieder unsere Rückreise an. Von der Zeit an mußte mein Vater in der Folge immer einige Monate in Regensburg zubringen. Daß hohe Zutrauen, dessen mein Vater von mehüeren hohen Häuptern gewürdigt wurde, kam auch mir sehr gut zu Statten: denn da ich die Malerkunst von ihm erlernte, so entschloß ich mich in meinem 15ten Jahre, auf Reißen zu gehen, uni mich in meiner Kunst zu vervollkommnen. Der Name meines Vaters war das beßte Creditiv für mich, daß mir den Weg in die Häuser der Großen bahnte: mir die Mittel zu einem Lebensunterhalt erleichterte und mich in den Stand setzte, mich selbst als Künstler zu bilden. Nach Verlauf von einem Jahre, die ich theils in Erlangen, theils in verschiedenen Hauptstädten Deutschlands zubrachte, gelang es mir endlich, allhier in Cassel eine bleibende Städte zu finden, indem ich nicht nur von dem damals regierenden Markgrafen Friedrich einen sehr gnädigen Schutzbrief erhielt, sondern auch vom jetzt regierenden Churfürsten Wilhelm zum Hofmaler ernannt wurde, welche Würde ich noch heutigen Tages genieße. Einen solchen segensreichen Einfluß hatte für mich das hohe Ansehen, in welchem mein Vater bei den Großen der Welt stand. Sein Ruhm und seine Würde verloren sich auch da nicht, als die Markgrafenthümer Ansbach und Bayreuth an den herrschenden König von Preusen, Friedrich Wilhelm, kamen. Er genoß unausgesetzt die Gnade des Königs. Leider wurde ihm aber nicht lange das Glück zu Theil, sich lange dieser Gnade erfreuen zu können: eine schwere Krankheit überfiel ihn und am 23. Nov. 1793 im 67 ten Jahr seines Lebens beschloß er sein nützlich und ehrenvolles Wirken. Sein Tod war der Gegenstand einer fast allgemeinen Trauer, häufige Zähren flößen an seinem Grabe. Die Nachricht von seinem Hintritte ward öffentlich in der Bayreuther Zeitung bekannt gemacht und seinem Andenken ein seinem Verdienste angemessene Lobrede geweihet. Zahlreiche Freunde und Verehrer des Verblichenen jüdischen und christlichen Glaubens beweinten mit mir den Tod des Edeln, der sich um die Kunst und um die Menschheit gleich verdient machte: und dessen Leben dadurch, daß er die Gabe seines wissenschaftlichen Talents mit Religiosität und Rechtschaffenheit zu vereinigen suchte, zugleich neue Beweiße lieferte, daß seine Religion keineswegs Anhänglichkeit und Ausübung nützlicher Künste und Wissenschaften verbietet. Friedesey mitseiner Asche! Literatur. Eine neue jüdische Zeitschrift in Egypten. Berichten aus Alerandrien zufolge haben dortige einflußreiche Juden beschlossen, ein ausschließlich den Interessen der Juden Egyptens gewidmetes Organ ins Leben zu rufen. Das neue Blatt wird in französischer Sprache erscheinen unter dem Titel „La revue Israelite d'Egypte". Biographisches Nachschlagewerk. Wir erhalten folgende Zuschrift: Sereth (Bukowina), im Februar 1912. Sehr geehrte Kedaktion! Ich erlaube mir abermals höflichst und im Interesse der guten Sache um freundliche Aufnahme nachstehenden Aufrufes in Ihrem sehr geschätzten Blatte zu bitten: Seit einigen Jahren arbeite ich an einer Sammlung von Biographien berühmter Juden aller Zeiten und Länder. Bis