Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 178 Dr. Blvchs WochMchrift Nr. 11 den dahin geschiedenen Vereinsmitgliedern, sowie den verstorbenen Rabbinen von Großwardeii». Monor und Prag einen zu Herzen gebenden Nachruf widmete. Um 7?8 Uhr abends fand im Kursalon des biesipen Badehotels eine strena rituelle Cbewra-Sude statt, bei der auch die heiliaen Vereine von Virovitica durch Se. Ebrw. Herrn Rabbiner Dr. Kaufmann und Pakrac durch Se. Ebrw. Herrn Rabbiner Dr. Glück und Jg. Schreuger vertreten waren. Auf die Begrüßung des EbewrapräseS Herrn M. Pfeifer und die Deklamieruna eines Kelegenbeitsoedichtes folgten die Reden der Ebrw. Rabb. Dr. Frankfurter, Ebrw. Dr. Glück und Ehrw. Dr. Kaufmann, die sämtlich großen Beifall ernteten. Es wurden für den Verein zirka 600 K gespendet. Um das Gelinam des so herrlich schonen Festes bat sich der Vereinkpräses Herr M. Pfeiffer besondere Verdienste erworben. Austerlitz. Unter reger Beteiliguna der Mitglieder unserer Gemeinde fanden Sonntag den 18. v. M. die Wahlen des Kultusausschusies statt und Dienstag den 20. v. M die Konstituierung des Vorstandes. Um 5 Uhr nachmittags wurde im festlich beleuchteten Tempel unter der Leitung des Herrn Kantors Stern ein Gottesdienst abgebalten, noch welchem sich die Herren in dem Sitzungssaale des Gemeindehauses begaben. Um 6 Uhr nachmittags leitete Herr Ignatz Krampflivek, welcher den Vorsitz führte, den Wahlakt mit einer von großem Beifall begleiteten Ansprache ein, in welcher er das Programm der in dieser Wahlperiode zur Lösung gelangenden Fragen berührte und den Herren ans Herz legte, in gemeinsamer und friedlicher Arbeit zu wirken, zum Wähle der Gemeinde und zur Glorie des gesamten Judentums. Gewählt wurden: Herr Josef Strach zum Vorsteher, Herr Ignatz Kramp fliöek zum I. Beirat. Herr I. U. Dr. Josef Berg zum II. Beirat. Hu Mitaliedern des Kultusa»sichusies: Herr Bürgermeister Heinrich Flesch. Herr Gemeinderat M. Huß. Herr Polizeikommissar Sig. Bachrich» Herr Tierarzt Dr. L. Lustig, Herr I. Fürst und Herr Isidor Huth Das Resultat dieser Wahl wurde zur behördlichen Kenntnis gebracht und der Wahlakt um 8 Uhr abends geschlossen. Feuilleton. Der Maler Michas. Eine biographische Skizze. (Mil innigem Danke gegen die Familie Mahler in Ansbach, welche uns in liebenswürdiger Weise die als kostbaren Familienbesitz behütete Biographie ihres Ahnen, des damaligen Hofmalers Pinhas, zum Abdrucke überließ, veröffentlichen wir dieselbe als ein interessantes Dokument aus alter Zeit. Wir haben piätetvoll nichts geändert, weder am Stil noch an der Orthographie. Red.) Juda Pinhas wurde im Jahre 1727 in Lehrberg. einem Dorfe unweit Ansbach geboren. Sein Vater Samuel betrieb das Geschäft eines Abschreibers der in der Synagoge gebräuchlichen fünf Bücher Moses und anderer heiligen Schriften. Schon als Knabe fühlte Pinhas das Bedürfnis sich in irgend einem nützlichen Brodgeschäfte zu widmen und seine künftige Existenz zu sichern. Da er einen besonderen Hang zur Malerkunst bei sich verspürte, so beschäftigte er sich häufig mit der Abzeichnung allerlei Thiere, Vögel und Fische, nach dem Muster der in der Naturgeschichte vorhandenen Kupfer. Diese schöne Anlage des Geistes zur Kunst entwickelte sich immer mehr und mehr in ihm zur Freude seines Vaters und im 13ten Jahre verfertigte er eine Abschrift des Buches Esther in zierlich hebräischer Tertschrift, welche er durch eine bildliche Darstellung aller in diesem Buche enthaltenen Hauptbegebenheiten verschönerte. Diese Arbeit eines 13 jährigen Knaben fand allgemeinen Beifall und erregte besonders die Bewunderung der Kunstkenner. Mit größtem Eifer verdoppelte er nun seinen Fleiß, setzte diese Arbeit während 3 Jahre fort und verfertigte eine Menge solcher auf Pergamentrollen geschriebenen Exemplare, welche von seinem Vater sehr. vorteilhaft veräußert wurden. Der Ruf von der Kunstfähigkeit des jungen Pinhas verbreitete sich überall, auch der damalige Markgraf von Ansbach wurde davon benachrichtigt und er würdigte ihn des Auftrages, eine Probe seiner Arbeit für ihn zu liefern. Er verfertigte nun eine sogenannte Hagada (Geschichte des Auszugs der Israeliten aus Egypten) mit den dahin gehörigen Gemälden, überbrachte sie selbst dem Markgrafen, wurde von ihm sehr liebreich und gnädig ausgenommen und erhielt für seine Arbeit eine Belohnung von fl. 150. Auf Befehl des Markgrafen ward das Exemplar mit einem zierlichen Einbande versehen, in der Hofbibliothek als ein seltenes Kunstwerk aufbewährt und den durchreisenden Künstlern unter andern Merkwürdigkeiten gezeigt. Jetzt begann Pinhas sich auf die Portratmalereien zu legen. Mit unbeschreiblicher Lust verweilte er bei dieser Kunst, verfertigte Mehrere vortreffliche Stücke und brachte es in Kurzem so weit, daß er bald als ein geschickter Porträtmaler überall bekannt wurde. Um sich noch mehr zu vervollkommnen, entschloß er sich, einige Zeit zu reisen. Er begab sich nach Meklenburg. verweilte sich einige Jahre daselbst, und seine Kunstgeschicklichkeit vereint mit einem edlen Charakter, erwarben ihm die Liebe und Hochachtung aller seiner Bekannten. Bei seiner Zurückkunft in seinem Vaterlande ward er vom Markgrafen zum Hofmaler ernannt, mit einem jährlichen Gehalt von fl. 200.—. Ein Umstand bewog ihn jedoch, wieder auf diese Stelle Verzicht zu leisten. Zwei Israeliten, welche ebenfalls Ihren Lebensunterhalt vom Markgrafen erhielten, mußten nämlich von demselben die grausamsten Behandlungen erdulden. Als Pinhas einst Augenzeuge davon war und dem Markgrafen vergebens die rührendsten Vorstellungen deßhalb machte, fühlte er sich sehr gekränkt und gerieht dadurch in die schrecklichste Furcht, ob ihm nicht einst ein gleiches Schicksal widerfahren möchte, ein Opfer der sonderbaren Laune dieses Fürsten zu werden; er nahm sich daher vor, sobald es ihm nur die Verhältnisse erlauben würden, sich von diesem Orte zu entfernen. Diesen Entschluß theilte er seinen Vater mit, und auf dessen Anraten verließ er Ansbach und begab sich nach Beireuth, der Residenz des damaligen Markgrafen Friedrich. Er besuchte den Hofmaler Hien alldort, einen wegen seines Talentes und seiner Rechtschaffenheit bekannten Künstlers und nach einer baldigen Bekanntmachung lernte Pinhas in ihm einen trefflichen Freund und Gönner kennen. Auf Hiens Zureden blieb er in Beireuth, besonders da er ihm das Versprechen gab, ihn bei Hofe zu empfehlen. Hien hielt auch sein Versprechen und äußerte sogar gegen den Markgrafen, daß er die Anstellung des Pinhas gern sehen würde, indem es besonders zur Vermeidung der Einseitigkeit für die Kunst vorteilhafter sei, wenn mehrere Maler in einem Orte Arbeiten liefern und einer vom Andern lernen kann. Er ward auch bald darauf dem Markgrafen vorgestellt, welcher ihn sehr gnädig empfieng und ihm das Patent als 2ter Hofmaler mit einem jährlichen Gehalte von fl. 400.— ertheilen ließ. Mein Vater Pinhas genoß nun hier die Gunst dieses weisen und humanen Fürsten und fühlte sich überaus glücklich, unter dem Schutze eines Regenten zu leben, der ein Beförderer der Wissenschaften und Künste und seinen Unterthanen ein liebevoller Vater war. Jetzt erinnerte sich Pinhas eines Versprechens, das er längst einem Mädchen aus seinem Geburtsorte, Namens Mündel, geborene Salomon (meiner seligen Mutter: sie starb leider in Meinem 12. Jahre) gegeben hatte, sie zur Gattin zu nehmen, sobald er ein sicheres Asyl finden würde, wo er sich von seiner Kunst anständig ernähren kenne. Er eilte, sein Versprechen in Erfüllung zu bringen, beurlaubte sich vom Markgrafen und reifete nach Ansbach, wo er seinen Vevmählungstag feierte und kehrte sodann mit seiner jungen Gattin wieder nach Beyreuth zurück. Hier wurde er auf die angenehmste Weise überrascht, er fand ein völlig möblirtes Haus, bereichert mit allem zur Wirtschaft nöthigem Zeuge, welches der Markgraf