Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 174 Nr. 11 Dr. Blochs Wochenschrfft fung landwirtschaftlicher Kolonien in der Umgebung von Jerusalem bestimmt. Eine unter den Teilnehmern veranstaltete Sammlung für diesen Fonds ergab einen namhaften 'Betrag. Russische Dankbarkeit. Russische Blätter veröffentlichen den folgenden charakteristischen Fall: In dem Städtchen Birsula starb vor kurzem der Vahnbeamte Jakob Bermann nach 40jähriger ununterbrochener Dienstzeit, die er bei den russischen Südbahnen verbrachte. Er erhielt für seine hervorragenden treuen Dienste verschiedene goldene und silberne Medaillen. Er hinterließ eine Witwe und mehrere Söhne, von denen zwei gleichfalls im Dienste der Südbahn stehen. Einer dieser Söhne bat nun die Direktion der Bahngesellschaft, seine Mutter wenigstens während der sieben Trauertage in ihrer Wohnung zu belassen, oder dem Sohne die Wohnung zu übertragen, damit er die trauernde Mutter bei sich behalten könne. In echt russischer Dankbarkeit verfügte jedoch die Bahndirektion, daß die arme Mutter am Tage des Leichenbegängnisses aus ihrer Wohnung verjagt werde. Nun hat auch die Polizei die Angelegenheit in die Hand genommen, allerdings nicht um die Witwe zu schützen, sondern um ihr nachzuweisen, daß sie nunmehr in der Stadt, in welcher ihr Mann 40 Jahre treu und redlich diente, kein Wohnrecht besitze. 'So wird denn die Witwe wohl demnächst auch aus der StcüK, wo sie ihre Kinder hat, verjagt werden. ~ Auszeichnung eines türkischen Juden in Paris. Die Pariser Akademie für internationale Geschichte hat dem türkischen Generalkonsul in Antwerpen, Nessim Roditi Bey, die goldene Medaille verliehen, und ihn gleichzeitig zum Mitglieds der Akademie gewählt. Der Protest der englischen Juden in der Patzfrage. Eine Anzahl hervorragender englischer Juden hat dieser Tage in der „Times" einen sehr scharf gehaltenen Protest gegen die Nichteinhaltung des englischrussischen Handelsvertrages vom Jahre 1859 seitens Rußlands und gegen die Duldung und Förderung dieses Vertragsbruches durch die engl. Regierung erhoben. In dem Protest werden alle jene Verletzungen und Vertragsbestimmungen angeführt, durch welche die englischen Juden sozusagen mit Zustimmung der englischen Regierung aus den Benefizien des Vertrages ausgeschlossen und auf diese Weise zu Bürgern zweiten Grades degradiert werden. Der Protest fordert die englische Regierung auf, den Bestimmungen des Vertrages auch dann Geltung zu verschaffen, wenn es sich um englische Staatsbürger jüdischen Glaubens handelt, und kündigt gleichzeitig an, daß, wenn die Regierung auch weiter in dieser Mrßach.tung der jüdischen Staatsbürger verharren würde, diese sich veranlaßt sehen würden, es nicht bei diesem Protest bewenden zu lassen. Der energische Ton des Protestes und besonders die Tatsache, daß er in der den Juden bekanntlich nicht freundlich gesinnten „Times" veröffentlicht wurde, .hat sowohl in England als auch in Rußland großen Eindruck gemacht. Die „Rowoje Wremja" in Petersburg hat auch, um diesen Eindruck abzuschwächen oder ihn zu paralysieren, bereits in einem längeren Gegenartikel zu dem Proteste der Juden Stellung genommen und die Drohung ausgesprochen, daß, da es sich nunmehr um ein geeinigtes Vorgehen der gesamten Judenschaft gegen Rußland handelt, die russische Regierung nunmehr die Pflicht habe, es endlich durchzusetzen, daß einem ausländischen Juden der Einlaß in Rußland überhaupt verweigert werde. Die liberalen russischen Blätter hingegen sprechen die Meinung aus, daß Rußland schließlich doch gezwungen sein werde. den gerechten Wünschen der Juden Rechnung zu tragen, denn würde es dieses nicht von selbst tun, so werde es schließlich durch die Regierung jener Staaten, mit welchen Rußland Handelsverträge abgeschlossen hat, gezwungen werden, nicht nur den Buchstaben, sondern auch den Geist dieser Verträge zu beachten. Schließlich werden die Regierungen, welche mit Rußland im Vertragsverhältnisse stehen, dem Anstürme der in ihren Rechtsgefühlen gekränkten Juden nicht lange Stand halten können und auf eine radikale Lösung dieser leidigen Frage drängen müssen. Der englische Kohlenstreik und die Juden von Südwalrs. Wie uns aus London berichtet wird, verleben die Juden von Südwales jetzt Tage voller Unruhe und Schrecken. Das Zentrum der Streikbewegung sind die valesischen Kohlenfelder, dieselben Städte, in denen im vorigen Sommer die großen Ausschreitungen gegen die Juden stattgefunden. Die Board of Deputies in London hat daher auch' bei der Regierung die nötigen Schritte unternommen, damit sie den Ausbruch neuer Feindseligkeiten gegen die Juden rechtzeitig hintanhalte, da gewisse Symptome dafür bestehen, daß dieselben Hetzer, welche im vorigen Sommer die Angriffe aus die Juden in Szene gesetzt haben, diese unruhige Zeit dazu benützen möchten, um die Vorgänge von damals in vielleicht verstärkterem Maße zur Wiederholung zu bringen. Ein Lehrstuhl für hebräische und rabbinische Literatur im Pontificio Jstituto zu Rom. Aus Rom wird uns berichtet: Vor einigen Tagen wurde hier im Pontificio Jstituto die neue Lehrkanzel für das Studium der hebräischen Bibel und der rabbinischen Literatur feierlich eröffnet. Diesem Lehrstuhl ist eine Musterbibliothek und ein Museum angegliedert, welche sehr wertvolle Werke und Antiquitäten betreffend. die ältere Geschichte und Literatur der Juden enthalten. Die Lehrkanzel für die hebräische Bibel und die rabbinische Literatur ist dem deutschen Jesuitenpater Fonck, dem Verfasser einer vielbeachteten Studie über die Flora in der Bibel anvertraut. Den Jnaugurationsvortrag hielt Professor Pater LamMens, ein französischer Jesuit, über den Islam mit besonderer Berücksichtigung der hebräischen biblischen und rabbinischen Elemente in Islam. Professor LamMens zeigte sich' in seinem Vorträge außerordentlich' versiert in der einschlägigen hebräischen Literatur. Besonders viel bemerkt wurde es, daß er in seinem Vortrage nicht nur christliche, sondern auch die bedeutenden jüdischen Autoren auf diesem Gebiete zitierte. Das Rektorat des Pontificio Jstituto beabsichtigt, die Vorlesungen dieser Anstalt sowie ihr Museum und ihre Bibliothek auch Studierenden nicht christlicher Konfession zugänglich zu machen. Vom OrientaÜsten-Kongretz in Athen. Am 25. April beginnt in Athen der diesjährige Orientalistenkongreß, dessen Dauer für eine ganze Woche bestimmt ist. Laut den Kongreßbestimmungen können Referate in französischer, englischer, deutscher, italienischer oder griechischer Sprache gehalten werden. Auch die Diskussion ist in einer dieser Sprachen zulässig. Wie ein Korrespondent des „Jewish Chronicle" aus Athen meldet, sind bereits mehrere Referate über Semitica angemeldet und vom vorbereitenden Komitee akzeptiert worden. Paul Haupt hat zwei Referate über das Tal Jehosaphat und eine vergleichende Studie über die Odyssee und das babylonische Nimrodepos angekündigt. Morris Jastrow wird gleichfalls eine historische Studie über babylonisch-assyrische Texte liefern. Der genannte Korrespondent ist darüber sehr verwundert, daß die großen wissenschaftlichen Zentren keine Vertreter zum