Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 11 Dr. Blochs Wochenschrift Seite 175 Kongresse entsenden. Eine solche Vertretung würde einen großen moralischen Wert haben. Von besonderem Interesse wäre es z. V., wenn ein Rabbiner oder ein anderer jüdischer Gelehrter auf diesem Kongresse ein Referat über die Beziehungen zwischen den Hellenen und den Juden in der nachtalmudischen Zeit hielte. Ein solch Wissenschaftlicher Nachweis bestandener Beziehungen zwischen Hellenen und Juden in der Zeit nach Abschluß des Talmud und Midrasch würde auch auf die östlichen Völker einen günstigen moralischen Einfluß üben, da er ein Beleg dafür wäre, daß zwischen Jerusalem und Athen vor der Entstehung des Christentums enge Freundschaftsbeziehungen bestanden, welche auch auf die beiderseitigen Völker übergingen. Interessant ist auch die Bemerkung, daß religiöse Juden, die bezüglich der Unterkunft in Athen religiöse Bedenken haben, hinsichtlich des Gottesdienstes und des Kaschruth in der strengsten Form zufriedengestellt werden können. Vom liberalen Spanien. Das spanische Parlament hat in die französischspanische Kommission zum Studium der finanziellen Fragen, welche den Gegenstand des Uebereinkommens zwischen Frankreich und Spanien über Marokko bilden, drei Mitglieder entsendet. Unter diesen befindet sich auch das Parlamentsmitglied Bauer, der bekanntlich das einzige jüdische Mitglied der spanischen Cortes ist. Bauer ein hervorragender Finanzmann und ein ausgezeichneter Kenner der politischen Verhältnisse Spaniens, ist auch Mitglied anderer wichtiger Parlamentskommissionen und war wiederholt Referent der wichtigeren Gesetzesvorlagen. Die Kammerwahlen Zn der Türkei. Die Zahl der jüdischen Kandidaten für die kommenden Parlamentswahlen in der Türkei ist, wie aus Konstantinopel berichtet wird, viel größer, als ursprünglich anzunehmen war, da die jungtürkische Partei, wahrscheinlich mit Rücksicht auf die große Konkurrenz der aufstrebenden politischen Partei „Entente liberale" den Juden mehr Mandate einräumen wolle, als ursprünglich vorausgesehen war. Zu den bisher genannten jüdischen Kandidaten kommen nun noch Rabbi Abraham Danon, Direktor des Rabbinerseminars in Konstantinopel, der in Adrianopel kandidiert, und der Direktor der ottomanischen Telegraphenagentur, Salih Curdji, gleichfalls Jude, ist der Kandidat für den Bagdader Wahlkreis. Demnächst werden auch die Namen derjenigen Juden, welche mit dem Programme der „Entente liberale" kandidieren werden, offiziell bekannt gegeben. Der erste jüdische Gememderat in Montreal. In Montreal (Kanada) wurde, wie aus London berichtet wird, daselbst bei den letzten Eemeinderatswahlen, trotz der heftigsten Gegenagitation der klerikalen Liga, der jüdische Kleiderfabrikant Abraham Blumenthal zum Alderman gewählt. Blumenthal ist der erste, der als Jude in den Gemeinderat von Montreal gewählt wurde. Er ist heute kaum 50 Jahre alt, wurde in Montreal geboren und hat sehr viel für die Hebung der Industrie in Kanada geleistet. Die Juden bringen ihm großes Vertrauen entgegen, da sie ihm sehr viel für die Verbesserung der wirtschaftlichen und kulturellen Lage der Juden zu danken haben. Ein Memorandum über die jüdische Einwanderung in Amerika. Der amerikanische Senat hat jetzt die sogenannte Dillingham-Jmmigration Bill in Behandlung, welche große Erschwerung bei der Einwanderung vorhersieht. Da die meisten dieser neuen Erschwerungen geeignet sind, die Einwanderung der Juden aus dem östlichen Europa fast unmöglich zu machen, haben die Führer der Newyorker Judenschaft ein Memorandum in dieser Angelegenheit dem Senat unterbreiten lassen. In dem Memorandum wird der Nachweis geführt, daß die Annahme der Dillingham-Bill nicht nur mit den freiheitlichen Traditionen Amerikas unvereinbar, sondern auch für die Entwicklung der Vereinigten Staaten gefahrbringend wäre. Das Memorandum wurde von den bekannten jüdischen Führern Mar I. Köhler, Abraham I. Elkus und Louis Marshall verfaßt. _ Vermischtes. Krauzablöfnngsspenden zugunsten der Chewra-Kadischa in Wien I.. Leitenstettengasse 4 für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Julie Goldmann: Von Moriz Grün X 20. Anläßlich des Ablebens des sel. Joel Adlerstein: Von Georg Adlerstein X 20. Anläßlich des Ablebens der sel. Cäcilie Bloch: Von Albert Löwy X 20. Anläßlich des Ablebens des sel. Josef Adelberg: Von Julius Bella! X 20, Alfred Adelberg X 20, Dr. Weisl X 10, S. Steiner und Frau X 10, Familie Adelberg X 50, C. Adelberg X 20, Martha und Paul Bachrach X 20. Carl Steiner X 29. Zusammen X 170. Anläßlich des Ablebens der Serene Fleischmann: Von Defider Kurve; X 20, Ignaz Rapp X 5. Zusammen X 25. Anläßlich des Ablebens der Julie Humpoletz: Von Löbl und Strompf X 20. Anläßlich des Ablebens des Dr. Ernst Zeisel: Von Lina Deutsch X 6, Otto Mandler X 5, Elias Zeisel X 5, Gustav Zeisel X 5. Zusammen X 31. Anläßlich des Ablebens des Friedrich Fanto: Bon Rudolf Kahler X 20, Hugo Winternitz und Frau X 30. Fritz Redlich X 40, Kais. Rat Hugo Sch'ck X 20, Laura Erben X 20, Fam. Zentr -Jnsp. Brand X 10, Dr. Hans Wertheimer X 30, Moria und Amalie Bak X 25, Franz Rücker X 20, Wilhelm Singer X 20, Dr. Leopold Singer X 20, Norbert Turnauer X 20, Fleischner und Oesterreicher X 50, Samuel Geiringer X 80. Zusammen X 345. Anläßlich des Ablebens des Jakob Reinitz: Von Samuel Steiner X 20, Dr. Jakob Reinitz X 20, Dr. Wilhelm Reinitz X 20. Zusammen X 60. Anläßlich des Ablebens des Wilhelm Adolf Wolf: Von Moritz Breitner X 10, Marie und Wilhelm Saxl X 10, Hermann Schlesinger X 10, Max und Rosa Breitner X 10, Alexander und Clara Löwy X 10. Zusammen X 50. Wie«. („K aiser Franz Josefs-Ferienheim".) Diese so segensreich wirkende Institution hält ihre diesjährige Generalversammlung als Festversammlung zum 20jährigen Vereinsbestande Donnerstag den 21. März 1912, präzise 6 Uhr abends, im Sitzungssaale der israel. Kultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, ab. Aus diesem Anlässe erscheint ein vom Vereinsvorstande herausgegebener Festbericht, der nebst der Geschichte des Vereines und interffanten statistischen Tabellen zahlreiche Bilderreproduktionen aus dem Kolonienbetriebe enthält. Anschließend daran findet die III. ordentliche Generalversammlung deS „Oesterr. S e e h o s P i z" statt. Wien. Tiefste Trauer ist in einer der besten jüdischen Familien unserer Stadt eingezogen. Am Mittwoch, den 6. d. M., verschied Frau Berta B o n d i, Gattin des Herrn Markus B o n d i, Chef der Firma Jakob Neurath, Wien. Die Verstorbene, die einer der hochangesehensten Familien in Deutschland entstammt, hat es verstanden, den in ihrem Elteruhause herrschenden Geist auf ihre Kinder zu übertragen und im Vereine mit ihrem gleichgesinnten Gatten, ein Haus zu schaffen, auf das die jüdische Gemeinde mit Recht stolz sein darf. Die außerordentliche Verehrung, die die Familie genießt, dokumentierte sich in der überaus starken Beteiligung aller Kreise der Wiener Gesellschaft am Leichenbegängnisse, welches Donnerstag, den 7. d. M>, stattfand. Im Trauerhause bemerkte man u. A.: Oberrabbiner Dr. ©»bemann und fast sämtliche Wiener Rabbiner, den Präsidenten der Kultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern,