Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 11 Seite 173 Dr. Blochs Wochenschrift wäre sehr erwünscht, daß besonders die Führer der jetzigen Bewegung zur Verbreitung der hebräischen Sprache.diese Angelegenheit in die Hand nehmen würden, damit Perez Smolensky ein würdiges Grabmal erhalte, für dessen ständige Wartung gleichzeitig gesorgt werden mühte. Meran wird ja so viel von jüdischen Kurgästen aufgesucht, daß es nicht schwer fallen würde, in Meran selbst die sicherlich nicht sehr erheblichen kosten eines solchen Grabmals und seiner Instandhaltung aufzubringen. Der älteste Rabbiner Galiziens gestorben. In Brzesko (Galizien) wurde dieser Tage der dortige Rabbiner Tobias Lipschütz im Alter von 87 Iahren zu Grabe getragen. Er war der älteste Rabbiner Galiziens und versah in seiner Gemeinde 55 Jahre hindurch das Amt eines Rabbiners. Der Verstorbene gehörte zu den hervorragendsten rabbinischen Autoritäten des Landes und entstammte auch einer angesehenen Rabbinerfamilie. Sein Hinscheiden erweckte in der ganzen Gegend tiefe Trauer. Zu Hunderten strömten die Menschen aus den benachbarten Gemeinden herbei, um an dem Leichenbegängnisse teilzunehmen, bei welchem mehrere Rabbiner das große Wissen Und die Frömmigkeit des Verstorbenen würdigten. Israelitische Gemeindebeamten- und Arbeiterkrankrnkasse. In Ungarn führt jetzt die Direktion der Arbeiterkrankenkasse einen prinzipiellen Kampf gegen die größeren Kultus gemein den des Landes, dessen Austragung für die Gemeinden von großer Bedeutung ist. Die israelitische Gemeinde in Fünfkirchen wurde dämlich von der dortigen Direktion der Arbeiterkrankenkasse aufgefordert, jene ihrer Angestellten, die weniger als 2400 Kronen jährliches Einkommen haben, in die Krankenkasse einschreiben zu lassen. Da es sich hierbei für die Gemeinde um eine jährliche Gebührenentrichtung von 1200 Kronen handeln würde, weigert sich die Gemeinde der Aufforderung Folge zu leisten mit der Berufung darauf, daß in jenem Gesetze, welches die zur Einschreibung in die Kasse verpflich-- teten Institutionen aufzählt, die Religionsgemeinde nicht vorkommt. Auch die Pester Gemeinde erhielt seinerzeit eine solche Aufforderung, die sie rundweg zurückwies, wobei sie unter anderem bemerkte, daß die römisch-katholischen Seelsorgeanstalten ^ebenfalls keine solche Gebühr für ihre Angestellten zahlen. In Szegedin führt die Krankenkasse gegen die dortige Gemeinde in dieser Angelegenheit jetzt auch einen Prozeß. Zum Kiewer Ritualmordprozeß. Man schreibt aus Kiew: Die Gerichtsverhandlung gegen den des Mordes an dem Knaben Iustschinsky angeklagten Iuden Beilis findet im Mai d. I. statt. Als Sachverständige für die Frage des Vorhandenseins sogenannter „Ritualmorde" bei den Iuden hat die Verteidigung eine Reihe russischer Universitätsprofessoren — Theologen, Orientalisten, Psychiater und Chirurgen — den Berliner Professor Strack vorgeschlagen. Unter den Verteidigern 'von Beilis befindet sich auch der hervorragende Advokat Bobritschew-Puschkin. Die infolge der Enthüllungen des Journalisten Brasul-Bruschkowsky verhaftete Frau Tschebyriakowa wurde vom Polizeigewahrsam ins Gefängnis übergeführt. Zweitausend russische Juden vor der Ausweisung. Wie aus Petersburg berichtet wird, steht die Ausweisung von 2000 Juden aus dem Dorfe Rasowo bevor. Die christliche Bevölkerung lebt mit den Iuden im besten Einvernehmen und möchte alles aufbieten, um die Ausweisung derselben zu verhindern, da sie von einer solchen Maßregel die gänzliche Verarmung der christlichen Bevölkerung des Ortes befürchtet. Um nun diese Gefahr abzuwenden, haben sich die Christen an den Gouverneur mit der Bitte gewendet, das Dorf, das schon längst nicht mehr den Charakter eines solchen trägt, zur Stadt zu erheben, um auf diese Weise den Iuden Pas Verbleiben im Orte zu ermöglichen. Der Gouverneur hat jedoch dieses Ansuchen abgelehnt und es ist jetzt nur eine Frage der Zeit, wann diese 2000 Juden aus der Ortschaft verjagt werden sollen. Die Sonntagsruhe in Deutschland. In der nächsten Session wird der Reichstag einen Gesetzentwurf über die Sonntagsruhe zur Entscheidung vorgelegt erhalten. In § 4 dieses Entwurfes heißt es: In Betrieben des Handelsgewerbes. die an Sabbaten und jüdischen Feiertagen gänzlich ruhen, dürfen Angehörige jüdischen Glaubens an Sonn- und Festtagen bis zur Dauer von fünf Stunden mit der Maßgabe beschäftigt werden, daß die Geschäftsräume für den allgemeinen Verkehr geschlossen bleiben. Ein derartiger Paragraph hätte sich bei dem ersten Sonntagsruhegesetz auch erreichen lassen und seine Folge wäre gewesen, daß mancher, der der Sabbatbeobachtung untreu geworden ist, ihr treu geblieben wäre. Wenn man diese eine Tatsache, daß sich damals vor 20 Iahren keine Hand gerührt hat und daß heute Männer da sind, die in jedem Momente auf der Wacht sind, die Interessen der deutschen Iudenheit zu vertreten, wenn man sich eben diesen Unterschied zwischen dem Einst und dem Jetzt vor Augen hält, dann sieht man doch, daß heute ein viel lebendigeres jüdisches Interesse in der deutschen Iudenheit vorhanden ist. Die Generalversammlung der russischen Chowewe-Zion. Mittwoch den 14. d. M. wurde in Odessa die Generalversammlung der „Gesellschaft zur Unterstützung jüdischer Ackerbauer und Handwerker in Palästina und Syrien" durch den Vorsitzenden, Ingenieur M. Ussischkin, eröffnet. Die Tagung fällt mit dem dreißigjährigen Jubiläum der Gesellschaft zusammen und gestaltete sich deshalb besonders feierlich. Außer 200 Delegierten aus allen Teilen des russischen Reiches nahmen zirka 800 Gäste an den Beratungen teil. In seiner Eröffnungsrede gab der Vorsitzende eine allgemeine Uebersicht über die kolonisatorischen und kulturellen Leistungen der Gesellschaft in den drei Iahren seit der letzten Generalversammlung. Er wies insbesondere auf die Bestrebungen der Gesellschaft zur Seßhaftmachung der jüdischen Landarbeiter und zur Förderung des höheren hebräischen Schulwesens hin. Sodann gedachte er der in der Berichtsperiode verstorbenen hervorragenden Zionsfreunde und Mitglieder der Gesellschaft, M. L. Lilienblum, E. L. Lewinsky, S. P. Rabbinowitz u. a. An den Geschäftsbericht knüpfte sich eine lebhafte Debatte, an der u. a. die Herren Hillel Zlastopolsky (Kiew), Dr. Chissin (Jaffa) und M. Kl ein mann teilnahmen. Es wurde insbesondere der Wunsch ausgesprochen, die Gesellschaft möchte der jüdischen Landarbeiterfrage in Palästina mehr Aufmerksamkeit zuwenden. In Erwiderung darauf teilte Präsident M. Ussischkin mit, daß das Komitee in Aussicht genommen habe, auf den der Gesellschaft gehörigen Grundstücken nächst den Kolonien Rischon-Lezion und C h e d e r a neue Ansiedlungen jüdischer Landarbeiter — nach dem Muster der Landarbeiterkolonie Ein- Gannim bei Pethach-Tikwah — zu schaffen. Diese Mitteilung wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Im weiteren Verlaufe der Beratungen wurde beschlossen, einen Fonds im Betrage von 20.000 Rubel auf den Namen der Vorkämpfer der Chibbath- Zion-Bewegung, M. Ussischkin und Dr. E. W. T s ch l e n o w, zu gründen. Dieser Fonds ist zur Schaf-