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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1912-03-15 · 11 (15.3.1912) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
29 (1912)
Issue
11 (15.3.1912)
Date
1912-03-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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l^SWWWWMW«, Seite 16« Dr. Blochs WochMschrift lich-Sozialen bald nicht wehr im Volkshause des Reichsrates rrrstreren, sondern nur mehr tm Herrenhause, rote versteinerte Neste in einem Museum. Es war aber durchaus nicht nötig und nicht gerecht von der Regierung, jdah sie da mithalf. Sie hat mit der Berufung des schwarzen Prinzen in das Herrenhaus bloß der christlich sozialen Demagogie ein lebenslängliches Denkmal gesetzt. Jeder, der die Gründe dieser Auszeichnung sucht und prüft, mutz sich ermuntert fühlen, auch die politische Laufbahn des Prinzen Liechtenstein einzuschlagen. Wenn es vn Staate möglich! ist, die höchsten Würden dadurch zu erlangen, dah man eine skrupellose Hetze gegen einen vor Schwäche wehrlosen Volksstamm betreibt, so werden sich bald viele finden, welche diese recht einfache Schwarzkunst der Politik mit Meisterschaft betreiben. Die Regierung hätte aus. rein staatlichem Interesse allen Grund, den verdummenden und rückschrittlichen Antisemitismus in den Sumpf auslaufen zu lassen, der das natürliche Ende dieser so korrupten Partei bedeutet. Nun hat sie die vornehmste Tribüne des Reiches einem Redner geöffnet, dessen ganze Verdienste die Ausnützung des Antisemitismus sind. Seine Ausführungen werden niemanden mehr blenden und gewinnen. Denn das, wessen Liechtenstein die Juden beschuldigt hat, haben seine eigenen Parteigenossen getan, und jeder Wähler weih das. Aber dah Prinz Liechtenstein ins Herrenhaus kam, ruft den Protest aller guter Elemente des Staates hervor. Die Groteske der Gerechtigkeit. Sage mir niemand mehr, daß schon alles dagewesen sei. In dem fürchterlichen Geschwür Czenstochau allein ist diese banale Weisheit hundertmal desavouiert worden. In der ganzen Geschichte des Klerikalismus, so mit Blut beschrieben, so in jeder Seite mit Lüge, Verrat, Falschheit. Feuer und Schwert besät, war so ein scheusäliges Drama wie das von Czenstochau noch nicht erhört. Nie wurde ein Prozeh geführt, der so alle diese dunkeln, geheimnisvollen Mauern mit einem Schlage niederstieh und den Hexensabbat vor aller Augen zeigte, den fromme Geweihte in sicheren, geschützten Zellen aufführen. Die Phantasie, die etwas Derartiges ersänne, um in Hintertreppenromanen zu schwelgen, wäre geradezu pervers. Welchem gesunden Hirne wäre es möglich, sich nur annähernd ein solches Sittenbild zu entwerfen, das den pathologischen Scheußlichkeiten jenes beschaulichen Lebens gleichkäme, welches die entsagungsvollen Asketen des strengen Ordens von Jasna Gora führen? Aber es scheint, als ob die brennende, zurückgehaltene Begierde, welche in gepeinigten Leibern jahrhundertelang tobte, austrat wie ein langgehemmter, trüber Strom, der plötzliche eine ganze, blühende Landschaft mit Schmutz und Schlamm bedeckt. Ja, es war kein reiner Strom, der sich! von Czenstochau aus über alle gläubigen Gemüter ergötz, und doch könnte die gesamte Kulturwelt diesen Menschen fast dankbar sein für die unbewuhte Aufklärungsarbeit, die sie verrichtet haben. Was Volksbildnern durch jahrzehntelange Arbeit nicht möglich war, das besorgen die Mönche in dem einzigen Momente, in dem sie den Schleier ihrer Existenz lüften. Der gebildete Mensch, der die Ammenmärchen von Jasna Gora, Lourdes rc. in ihren fürchterlichen Wirkungen auf die geistige Dumpfheit der Massen kennt, kann in diesen und ähnlichen Vorfällen, in denen der Klerikalismus deutlich den Grad seiner Zerstörung zeigt, nur ein radikales Heilmittel gegen die religiöse Fanatisierung stupider Gehirne erblicken. Das weltliche Nachspiel, das nun dieses Debacle von Czenstochau zur Folge hatte, setzt sogar die gewappnetsten Gemüter in Erstaunen und ist die Krönung Ar. 11 selbst dieser Ereignisse. Das Urteil der Richter von Petrikau, ein Urteil, welches einen geständigen Ehebrecher, Dieb, Betrüger, Religionsschänder und Mörder zu zwölf Jahren Zwangsarbeit verurteilt, ist eine derartige Komödie der Gerechtigkeit, wie sie nur im großen heiligen Rußland möglich! ist. Dahl auch die russischen Behörden die Aufklärungsarbeit der Mönche auf diese Weise begrüßen, ist wohl schwerlich anzunehmen. Vielmehr mutz einem angesichts dieses unverschämten Urteiles, das die ganze Affäre wie mit einem Hohngelächter abschließt, der Verdacht aufsteigen, daß alles in Czenstochau unter Patronanz der russischen Regierung geschah, daß man vielleicht mit Rücksicht auf gewisse Dienste ein derartiges Luderleben einreihen lieh, es gar begünstigte! Nur unter dem Drucke der Oeffentlichkeit, die bereits zu beteiligt schien, war überhaupt eine Anklage erfolgt. Als die ganze Welt bereits mit den grauenvollen Tatsachen längst bekannt war, fuhr Herr Mac och noch ungehindert in Rußland spazieren und nur durch die Unvorsichtigkeit eines Polizeikommissärs in Krakau, der die Dinge allzu ernst auffahte, wurde er verhaftet und eingeliefert. An der russischen Polizei aber lag es nicht, daß Macoch nicht schon lange Oberkellner in Newyork ist. Nolens volens Muhte da so etwas wie eine Untersuchung vorgenommen, die Anklage erhoben und eine Verhandlung anberaumt werden. Macoch benahm sich dabei höchst zuversichtlich! und man könnte Bewunderung vor seinem frechen Mute bekommen, wenn man nicht wühle, dah am Ende des Kartenspiels nicht jeder fein Geld zurückerhält. So stehen die Dinge in diesem erhebenden Kulturstaate, in diesem Schlachthause Europas, in dem Tausende von Unschuldigen vernichtet, aber ein verseuchtes Kloster beschützt, ein Mönch, der alle Verbrechen des Strafgesetzes -kaltblütig beging, der einen grauenvollen Mord mit den Zeremonien des Allerheiligsten schmückte, zu zwölf Jahren Zwangsarbeit verurteilt wird. Das sind die Richter, die noch vor wenigen Jahren 15- und 16jährige Gymnasiasten füsilieren liehen, weil sie „einem Geheimbund angehörten", das sind dieselben Richter, welche die sozialdemokratischen Mitglieder der zweiten Duma wegen Hochverrats in geheimen Sitzungen auf Grund niederträchtigster Denunziationen und fabelhaftester Indizien zu lebenslänglicher Deportation verurteilt haben. — Zwei entgegengesetzte Welten sind es, die uns hier einen Einblick m ihre Dunkelkammern gewährt haben: In der einen wird Gerechtigkeit fabriziert, in der anderen Frömmigkeit, und schaudernd weichen wir vor beiden zurück: Spreche mir niemand mehr davon, daß alles schon einmal dagewesen sei! — Thekla Blech-Merwin. Ei« ziomstisches Urteil «der Werner Sombart. Es gibt Zionisten — und diese Mitteilung dürfte vielen unserer Wiener Leser eine Ueberraschung sein — es gibt Zionisten, die die Geschichte des jüdischen Volkes gut kennen und im jüdischen Schrifttum außerordentlich gut bewandert sind,- Zionisten, welche Schriften, die in hebräischer Sprache abgefaßt sind, leichjt lesen und verstehen, es gibt ^sogar Zionisten, die ein klassisches Hebräisch schreiben. Zionisten gibt es, die die jüdische Volkspsyche kennen und jüdisches Empfinden begreifen. Ja, es gibt Zionisten, denen die Ehre des jüdischen Volkes und des jüdischen Namens mehr gilt und

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