Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 29 (1912)
- Issue
- 11 (15.3.1912)
- Date
- 1912-03-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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«-» Dr. Bloch’s Zcntralotijan kür die gesamten Interessen des Judentums —-Q-. _□- Wim, 15. März 1912 Lrscbetnt jeden LreLtag. Brief-Adresse: Wien, ix/i, Hahngasse 15. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift, Wien. Oo ..=oo p Vrxugsprris für Vrfierrrich: ff Halbjährig 8 Kronen: Einzelexemplare 50 Heller. Für'» Nualand: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. Anzeigen: Die 2nalgespal- £> lene Pelitzeile -8 Heller. C nO - -Oo Q Cr- -x» o ' H. k. PostsxarkkLffrnamr ff Sleartng-Verbebr? «r. 810.976. Redattion und Administration: Wir« IX/i, Hahngaffe Nr. 15. t Telefon Nr. 14.847. J QP - ——Q o Inhalt: Leitartikel: Der schwarze Prinz im Herrenhaus. — Die Groteske.der Gerechtigkeit — Ein zionistisches Urteil über Werner Sombart. — Vom Jahrmarkt des Lebens: Ein literarisches Fest. Die Bibel in Esperanto. Peffach ist vor der Türe. Wenn sich die Toten schämen. Große Spenden für jüdische Kulturzwccke in Rußland. „Samson und Delila" in hebräischer Aufführung. Die englischen Juden und die russische Paßfrage. — Korrespondenzen: Generalversammlung des „Jüdischen Museum" und „Jüdischer Volksliederabend". Zentralstelle für jüdische Familienforschung. Unser Wiener Sadttewpel. Linz. Die Verfolgung gälizischer Juden in Ungarn. Das Grab Perez Smolenskys. >Der älteste Rabbiner Galiziens gestorben. Israelitische Gemeindebeamten- und Arbeiterkrankenkasse. Zum Kiewer Ritualmordprozeß. Zweitausend russische Juden vor der Ausweisung. Die Sonntagsruhe in Deutschland. Die Generalversammlung der russischen Chewra-Zion. Russische Dankbarkeit. Auszeichnung einrs türkischen Juden in Paris. Der Protest der englischen Juden in der Paßfrage. Der englische Kohlenstreik und die Juden von Südwales. 6tn Lehrstuhl für hebräische und rabbinische Literatur im Pontificio Jstituto zu Rom. Vom Orientalisten-Kongreß in Athen. Vom liberalen Spanien. Die Kammerwahlen in der Türkei. Der erste jüdische Gemeinderat in Montreal. Ein Memorandum über die jüdische Einwanderung in Amerika. — Vermischtes. — Feuilleton: Der Maler Pinhas. — Literatur. — Briefkasten. — Notizen. — Inserate. Dev schwarze Prinz im Herrenhaus. Prinz Alois Liechtenstein ist ins Herrenhaus eingezogen. Zu anderen Zeiten hätte diese Angelegenheit wohl mehr Staub aufgewirbelt als jetzt. Aus einem einfachen Grunde. Der Prinz ist heute der Niemand, und seine Partei ist eine Null, und so will man kein groß Geschrei machen um ein Nichts. Aber ebenso wie bei den Gerichten der Prokurator oft nicht zur Aenderung des Urteils, sondern nur zur Wahrung des Rechts Beschwerde einlegt gegen einen gefällten Spruch und in einem rein theoretischen Verfahren die Gerechtigkeit wieder Herstellen läßt, ebenso mutz die Berufung Liechtensteins einer Erörterung unterzogen werden zur Wahrung des politischen Rechts. In das Herrenhaus werden vom Monarchen Leute berufen, welche sich entweder große Verdienste um den Staat erworben haben oder einen großen Namen oder einen mächtigen Anhang besitzen. Von alledem trifft nun bei dem Prinzen Liechtenstein nicht das mindeste zu. Der Anfang und das Ende seiner Verdienste besteht darin, daß er als Abkömmling des Uradels es nicht verschmähte, sich zu dem von seinen Standesgenossen arg oerschmähten Gevatter Schneider und Handschuhmacher zu begeben und sich auf der Rednerpablatschen beim blauen Luchsen und in verwandten Lokalen als Durchlaucht feiern zu lassen. Er war dort nichts anderes als ein fanatischer Agitator für die christlichsoziale Partei und hat mit allen Mitteln gearbeitet, um Wirkung zu erzielen. Jahrelang hat man ihm in der gesamten gesitteten Presse vorgeworfen, daß seine Anschuldigungen gegen die Juden nichts als Verleumdungen sind, daß er die plumpsten Lügen der antisemitischen Hetze wiederhole. Das sind wohl recht geringe Verdienste um den Staat — im Gegenteil, es sind die schwersten Verbrechen. Die sonst so starke und mächtige Habsburgermonarchie leidet auf das Schwerste unter dem Grundübel der Nationalitätenhetze. Wir haben schon sehr oft ausgeführt und bewiesen, daß die Schärfe dieser Hetze von dem Antisemitismus herrührt und von der Freiheit, die man seiner Agitation gelassen hat. An der antisemitischen Verwegenheit eines Lueger und Schneider und Gregorig, besonders aber an der des Liechtenstein haben sich auch die antideutschen und antitschechischen und alle die anderen Anti beim Reden und Schreiben ein Beispiel und ein Muster genommen. Vergebens sucht jetzt die Regierung diesen Zuständen des Boykotts und des Kampfes durch Erlässe beizukommen und so das Programm des Monarchen durchzuführen, dessen innerster Herzenswunsch der Frieden seiner Völker ist. Hätte man den Auswüchsen der judenfeindlichen Hetzer rechtzeitig Paroli geboten, so hätte man später auch alle anderen Hetzer Niederhalten können. Ungestraft und ungehindet aber durfte der schwarze Prinz mit vollem Mund der Ehre und dem Erwerb der loyalen Juden Abbruch tun und hat so an erster Stelle zu der Vergiftung des öffentlichen Lebens beigetragen. Positiv gearbeitet hat er nicht einmal bei der Partei, welcher er angehörte. Als die Christlich-Sozialen knapp vor ihrem Niedergang untereinander verteilten, was zu verteilen war, ist dem Prinzen Liechtenstein die Stelle eines Landmarschalls von Niederösterreich zugefallen. Auf diesem Platze hat er sich damit begnügt, die Glocke zu läuten, welche bei den Entdeckungen der großen Diebstähle im Landeseisenbahnamt, der Kostenüberschreitungen und Lieferungen am Steinhof, bei den Enthüllungen Silberers über seine früheren Parteigenossen das .Zügenglöcklein der Christlich-Sozialen gewesen ist. Aber im Bureau oder gar in der Führung des Landtags hat der Herr Landmarschall die Arbeit weniger adeligen Leuten überlassen. Der Agitator von ernst saß auf seinen Lorbeeren und von irgend welcher Tätigkeit wurde nur bekannt, daß er zu vermitteln suchte, wenn ein Christlich-Sozialer dem andern die volle Wahrheit androhte. Diese Vermittlung gelang aber auch nicht, und weder die Juni-Niederlage der Christlich-Sozialen war zu verhüten, noch werden die anderen Niederlagen zu verhüten sein, so oft eine Wahl herankommt. Wo ist also die christlichsoziale Partei, der die Regierung einen Gefallen erweisen will? Abgesehen von den Bauernvertretern, denen Prinz Liechtenstein nicht zugehört und die sich vielleicht auch bald ein anderes Programm wählen werden, als das so arg beschmutzte christlichsoziale, werden die Christ-